Die Neuen Atheisten sind voll böse

Und schon wieder ein unerträgliches Rumgeheule über diese “ intoleranten“ Neuen Atheisten (zu denen ich mich zähle). Diese Art von Artikeln findet man in letzter Zeit häufiger in amerikanischen und britischen Zeitungen. Zuerst beschwert sich die Autorin Madeleine Bunting im Guardian darüber, dass die Briten ja gar nicht mehr wüssten, wozu Ostern gefeiert wird. Erinnert mich an die Frage aus einer South-Park-Folge zum „christlichen“ Osterfest: Was um alles in der Welt haben Hasen und Schokoladen-Eier mit Jesus zu tun?

Aber gut: Aus christlicher Sicht erinnert Ostern an die leibliche Wiederauferstehung von Jesus Christus. Natürlich ist das niemals geschehen, aber wissen sollte man es wohl trotzdem. Die Neuen Atheisten sind gewiss nicht dafür verantwortlich, wenn die Leute das nicht wissen. Im Gegenteil gehören sie zu den Wenigen, die heute noch auf interessante Weise über Religion reden.

Da wir das nun abgehakt haben, kann Bunting weiter nörgeln. Sie zitiert den Philosophen John Gray, der meint, wir wären voll arrogant und total fundamentalistisch. Man erkenne an uns „das innere Glimmen vollkommener Sicherheit“.  Wie ich in meiner Überlegenheit erkenne, ist das ein vollkommener Haufen Schwachsinn. Nicht wir müssen beweisen, dass Gott nicht existiert, sondern Gläubige müssen beweisen, dass Gott existiert. Andernfalls müsste man ja von der Existenz von allen denkbaren übernatürlichen Wesen ausgehen, bis es einem Zweifler gelingt, eines davon zu widerlegen (was ja prinzipiell nicht geht). Man kann nicht hinter jedem Baum nachsehen, ob sich dort Bigfoot verbirgt. Man wartet stattdessen auf stichhaltige Belege, nicht etwa auf verwackelte Fotos von Opa im Affenkostüm, und überlegt sich dann, ob etwas dran sein könnte.

Sie nervt weiter, indem sie die Religionshistorikerin Karen Armstrong zitiert: „Was ‚Glaube‘ einmal bedeutete und immernoch in manchen Traditionen bedeutet, ist die Idee der ‚Liebe‘, ‚Hingabe‘, ‚Loyalität‘“. Leider verstehe man das heute aber alles ganz falsch. Na, das Problem kenne ich: Es erforderte damals eine gewisse Eingewöhnungszeit, bis ich realisierte, dass „Raider“ jetzt „Twix“ heißt. „Glaube“ und „Wissen“ spielen sich jedoch auf die selbe Weise in unseren Gehirnen ab. Religiöse „wissen“ nur Dinge, die nicht stimmen.

„Früher wussten die Menschen, dass wir nichts über Gott sagen können. Bestimmte Formen des Wissens kommen mit der Praxis“, sagt Armstrong weiter. Angeblich könne man nur durch Beten und andere religiöse Rituale „Gott finden“. Klar, wenn man sich lange genug eine Idee aufnötigt, akzeptiert man sie irgendwann. Mit wahrer Erkenntnis hat Selbst-Indoktrination nichts zu tun.

„Die größere Frage ist nun“, so Gray, „ob die Menschen in einer post-religiösen Gesellschaft noch die Mythen finden, die sie brauchen, um Sinn, Zweck und Güte in ihren Leben zu erhalten.“ Religiöse und Atheisten sind gleichermaßen ethisch oder unethisch, wie Rolf Degen in seinem Buch „Das Ende des Bösen“ ausführlich belegt. Wir brauchen keine Mythen, um gut zu sein, wir sind von Natur aus entweder gut oder nicht. Und wenn man das Verhalten der Menschen verbessern möchte, dann funktioniert das wohl kaum über bronzezeitliche Mythen, sondern mit Hilfe einer modernen, rationalen Ethik.

2 Kommentare zu „Die Neuen Atheisten sind voll böse

  1. Was um alles in der Welt haben Hasen und Schokoladen-Eier mit Jesus zu tun?
    Vielleicht war Jesus süß?
    Tut mir leid für die Ironie, es kam einfach raus.
    Ich bin der Meinung (die bereits in der Bibel steht): was dem Kaiser gehört, soll dem Kaiser gegeben werden, was dem Gott gehört, sollte ihn gegeben werden.
    Religion soll also keine Kommerz sein.

  2. Schöner Artikel. Insbesondere gefällt mir der lustige Tonfall:

    Das ist doch eigentlich die einzige Art und Weise, in der man etwas über den christlichen Aberglauben aussagen kann. Monty Python wusste das auch schon.

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