Studien zeigen: Atheisten verhalten sich ethischer

Rolf Degen (Das Ende des Bösen) hat mich gerade auf einen Artikel aus dem Psychology Today Blog hingewiesen. Er befasst sich mit der Frage: Verhalten sich religiöse Menschen ethischer? Der Artikel gelangt zu dem Fazit: „Falls es tatsächlich ethische Unterschiede zwischen religiös Gläubigen und Atheisten gibt, könnte sie ein gallopierendes Pferd nicht erkennen.“ Ich bin mir nicht sicher, was das Pferd angeht, aber eines steht fest: Die im Artikel genannten Studien kommen zu einem interessanten Ergebnis…

Das ethische Verhalten von Atheisten und Religiösen liegt insgesamt nahe beieinander, mit dem bemerkenswerten Unterschied, dass sich Religiöse für ethischer halten als ihre gottfreien Mitbürger – obwohl sie das gar nicht sind. Allerdings sieht das Ergebnis für Gottes wollige Paarhufer noch erheblich düsterer aus, wenn man sich die Studien näher ansieht:

„Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass atheistische Schüler signifikant weniger häufig bei Prüfungen betrügen als religiöse Schüler.

Psychologen befinden, dass religiöser Glaube die moralische Entwicklung hemmt, weil er Menschen an Dogmen oder einfache Strickmuster bindet, anstatt dass sie für sich selbst ethische Lösungen ausarbeiten.

Fundamentalistische Religionen könnten die moralische Beurteilungsfähigkeit untergraben. Menschen, die „wissen“, dass ihre Seelen gerettet sind, könnten sich nicht weiter darüber scheren, wer durch ihre Handlungen in dieser Welt verletzt wird. Eine Roper-Studie kam zu dem Ergebnis, dass Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit betrunken fahren, illegale Drogen nehmen und verbotenen Sex haben, nachdem sie „wiedergeboren“ wurden [Anm: Gemeint sind „wiedergeborene Christen“, die man mit Evangelikalen vergleichen kann].

Religiöse Menschen sind Minderheiten gegenüber intoleranter.

Eine Studie von 2006 kam zu dem Ergebnis, dass die Industriestaaten mit einem höheren Anteil an religiös Gläubigen mehr Morde, Teenager-Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten aufweisen.

Betrügereien waren an religiösen Schulen häufiger (63 gegen 47 Prozent)“

Die Quellenangaben zu den Studien finden Sie im Originalartikel. Ich nehme einmal an, dass es dem Autor darum ging, festzustellen, dass Atheisten nicht unmoralischer sind als Religiöse, was ja ein weitverbreitetes Vorurteil ist. Das Ergebnis dieser Studien ist aber weitreichender: Atheisten verhalten sich Durchschnitt ethischer als Religiöse.

Ich würde ergänzen, dass die Prinzipiell-Gegen-Abtreibung-Fraktion fast ausschließlich religiös ist.  Und die Genitalverstümmler kommen auch aus religiösen Kreisen. Und die Selbstmordattentäter überwiegend ebenfalls. Es gibt noch mehr Beispiele, aber ich will Ihnen nicht die ganze Überraschung verderben. Dieser Blog ist schließlich noch jung.

9 Kommentare zu „Studien zeigen: Atheisten verhalten sich ethischer

  1. Aufklärung (2.0) – ist dringend nötig. Bitte weiter so!
    Ich wünsche Ihnen eine große Leserschaft.
    Zum Thema: Bei meinen Webstreifzügen bin ich auf zwei weitere Studien gestoßen, die Ihre These untermauern.
    “Gallup Polls conducted in 139 countries between 2006 and 2008 reveal that in countries where a higher percentage of citizens say religion is important in their daily lives people are also more likely to say that their communities are not good places for ethnic or racial minorities to live.“
    (Aus: Gallup Poll von 07.04.2009 – More Religious Countries, More Perceived Ethnic Intolerance)
    Und
    „Ähnlich wie auch im übrigen Deutschland offenbart sich auch für Sachsen, dass Religionszugehörigkeit nicht vor Menschenfeindlichkeit schützt. Angehörige der beiden großen christlichen Konfessionen erweisen sich im Gegenteil eher bereit als Konfessionslose, fremdenfeindlichen, rassistischen, islamophoben, Antisemitischen und homophoben Aussagen zuzustimmen.“
    (Aus: „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Sachsen“ – Universität Bielefeld, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, April 2005)
    Man hilft wo man kann…:-)
    Schönen Tag noch!

  2. Was das Morden oder Drink-Driving angeht, sind sich ja wohl Religiöse und Nicht-Religiöse in etwa einig, dass das nicht gut ist. Aber was dann in den Studien noch so aufgezählt wird, macht stutzig:

    Illegale Drogen, „verbotener Sex“ (was auch immer damit gemeint ist), Teenager-Schwangerschaften, Geschlechtskrankheiten…

    Ich wäre jetzt der Meinung, dass Atheisten viele dieser Dinge für Dummheiten halten, sie aber nicht eigentlich verurteilen. Wohingegen Christen und andere Gläubige solche Sachen ja für ganz schlimme Sünden halten – und statistisch gesehen doch mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit in solche Handlungen verstrickt werden…

    Kann es sein, dass gewisse Menschen anfangen zu glauben, weil sie wissen, dass sie eine bestimmte Neigung haben und hoffen, durch den Glauben sich selbst schützen zu können?

  3. Hallo Robinson,

    ich nehme an, dass mit „verbotenem Sex“ Inzest und Pädophilie gemeint ist.

    Teenager-Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten sind vermutlich das Ergebnis mangelnder Sexualaufklärung. Man hat zum Beispiel herausgefunden, dass die Kampagnen für keinen Sex vor der Ehe das Sexualverhalten von Jugendlichen nicht beeinflusssen – sie wissen nur nichts über Verhütung.

    1. „Man hat zum Beispiel herausgefunden, dass die Kampagnen für keinen Sex vor der Ehe das Sexualverhalten von Jugendlichen nicht beeinflusssen – sie wissen nur nichts über Verhütung.“
      –> Also laut diesem lustigen Beitrag von Bill Maher, hat sich das Verhalten doch geändert. 😉

    2. > „Man hat zum Beispiel herausgefunden, dass die Kampagnen
      > für keinen Sex vor der Ehe das Sexualverhalten von
      > Jugendlichen nicht beeinflusssen – sie wissen nur nichts
      > über Verhütung.“

      Das ist doch naheliegend, man sieht es exemplarisch auch schön bei US-Politikern bzw. deren Kids, z.B. bei Palin’s Tochter.
      Mit 15 (?) schon Schwanger.
      Das hat sie nun davon, daß ihre Mutter so schön über Sex schweigt… die aber selber btw. im Wahlkampf vollkommen aufgebrezelt rum gelaufen ist.

      haahah, echt LUSTig, das…

      P.S.: Wenn Du einen link hast, wo „man“ das denn raus gefunden hat, bitte her damit. Ist IMHO besser, man kann auf eine Studie verweisen, als nur zu sagen, man hat es raus gefunden… das ist etwas wenig für die Quellenverweise 😉

  4. komisch….. ich hab den artikel überflogen, aber ich kann mit sicherheit sagen, dass es anders ist

    ICH betrüge nicht (in der schule) wegen meiner Religion! Weil Gott sagt, dass Betrug verboten ist.
    Wenn das ein Muslim tut, so muss er das allein auf sich ziehen, weil ER will es sich einfacher machen in dem er betrügt, OBWOHL Gott ihm das verbietet…
    Kein Mensch ist perfekt!!!! Egal ob gläubig oder nicht-gläubig…

    „Don’t judge a religion by its followers!
    Judge a religion by its teachings, because every human makes faults!“

    Liebe Grüße
    Ukhtii

  5. Das ist wieder mal ne typische Reaktion.
    Ist sehr häufig so:
    Wenn ein religiöser Mensch irgendetwas gutes tut, dann heißt es: Das war die Religion, die hat ihn Gutes tun lassen. Er ist nicht etwa aus eigenen Überlegungen drauf gekommen, nein, das war vor allem seine Religion, die ihn dazu gebraucht hat. Daran sieht man ja, wie toll Religion ist, zu was für guten Dingen sie führt.
    Aber wenn er was schlechtes tut, dann war er natürlich ganz persönlich dafür verantwortlich, dann hat die Religion natürlich nichts, aber auch überhaupt rein gar nichts damit zu tun.
    So kann man es sich eben immer so hin drehen wie man es braucht. Macht jemand was Gutes, dann behauptet man die Religion hat Einfluss aufs Verhalten, und macht jemand was Schlechtes behauptet man einfach das Gegenteil.

    „Judge a religion by its teachings“
    😆
    Vielleicht solltest du die eine oder andere „heilige Schrift“ mal lesen. Wenn man das ernst nimmt, was da steht, würden viele Religionen durch so eine Beurteilung wohl noch schlechter wegkommen, als wenn man sie nach ihren Taten beurteilt.

  6. „Psychologen befinden, dass religiöser Glaube die moralische Entwicklung hemmt, weil er Menschen an Dogmen oder einfache Strickmuster bindet, anstatt dass sie für sich selbst ethische Lösungen ausarbeiten.“

    na wer hätte das gedacht! „gott“ sei dank kann man sich aber auch im nachhinein, also nach aufgezwungener religiöser erziehung, noch von solchen dingen lösen.

    (aufgezwungen, da babies meist nicht gefragt werden, ob und welchen glauben sie gern hätten)

    es grüßt
    mao fatale

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