Redefreiheit auch für Homo-Heiler?

Evangelikale wollen in Deutschland Schwule heilen. Sollte man ihnen das erlauben? Beim „6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ möchten auf jeden Fall auch Referenten auftreten, die Homosexualität für eine therapiebedürftige Krankheit halten. Und da mein Ruf eindeutig zu gut ist, sage ich: Lasse reden!

Homosexualität ist natürlich keine Krankheit. Sie steckt zum Teil in den Genen von Homosexuellen, wird aber überwiegend festgelegt durch die Hormonzufuhr während der Schwangerschaft. Der (schwule) Journalist Johann Hari hat sich die Belege angesehen und gelangt zu folgender Erkenntnis:

„Alle Föten sind von Natur aus weiblich, egal, was ihre winzigen XX- oder XY-Chromosomen dazu sagen. Man wird nur männlich, wenn an einem bestimmten Punkt der Schwangerschaft das Gehirn des Fötus durch eine Flut von Sexualhormonen maskulinisiert wird. Die meisten Wissenschaftler glauben, dass diese Flut von Hormonen bei Schwulen wohl anders verlaufen ist. Schwule Männer wurden scheinbar mit einer großen Flut von pränatalen Androgenen geschlagen; Lesbinnen scheinen erfolglos nach ihnen gedürstet zu haben.“

Aus politischer Sicht ist es ziemlich egal, warum einige Menschen schwul sind und andere nicht. Homosexualität richtet keinen Schaden an, also muss sie toleriert werden, Ende der Diskussion. Natürlich sehen Evangelikale das anders, weil in der Bibel steht, dass man Schwule töten soll, da sie sich gegen Gott versündigt haben. In der Bibel steht zwar auch, dass Hasen Wiederkäuer sind und dass man nichts berühren soll, das eine Frau angefasst hat, die gerade ihre Tage hat, aber hey: Fundamentalisten sind ohnehin nicht gerade die Hellsten.

Der Oberbürgermeister von Marburg, Egon Vaupel, sagt nun dazu: “ Solche Positionen lehne ich ab“ und wird beim hpd weiter paraphrasiert mit: Das könne für die Stadt aber nicht bedeuten, den Mietvertrag für die Stadthalle aufzuheben. Vielmehr gelte es, die Problemstellungen klar zu benennen und für klare Aussagen zu sorgen.

Exakt meine Meinung. Eigentlich seltsam, dass sich zwar alle über die Homo-Heiler unter den Psychoanalytikern aufregen, aber niemand regt sich über die Tatsache auf, dass es so etwas wie Psychoanalyse überhaupt noch gibt. Schließlich handelt es sich um eine Pseudowissenschaft, die zudem staatlich gefördert wird, obwohl sie bis heute keinen Wirksamkeitsnachweis erbringen konnte. Sämtliche Gesprächstherapien sind wirkungslos und befinden sich auf einer Ebene mit Handlesen und Schamanismus.

Fazit

Trotzdem: Was für Holocaustleugner und Kreationisten gilt, muss auch für Seelenklempner und Homo-Heiler gelten: Lasse reden! Ich kenne einige der Protestierer, die die Veranstaltung verbieten lassen wollen, und weiß, dass sie es gut meinen und vor einer neuen Repressionswelle gegen Schwule Angst haben. Doch die freie Rede ist viel  zu wichtig, um sie religiösen Schwulenbekehrern zu opfern.

Wir müssen lediglich zeigen, dass wir nicht mit ihrem Hokuspokus einverstanden sind, dass wir für die Gleichberechtigung von Schwulen eintreten und wir müssen die Behauptungen von Homophoben widerlegen. Und das ist nun wirklich ein Kinderspiel.

2 Kommentare zu „Redefreiheit auch für Homo-Heiler?

  1. HÄ??

    Wer von den anwesenden ist den Psychoanalytiker oder -in? Durch die Gleichsetzung von „Gesprächstherapien“ und Psychoanalyse beweisen Sie übrigens, daß Sie kaum eine Ahnung haben von was Sie da reden. Daß Psychoanalyse eine Pseudowissenschaft sei, ist doch ein sehr deutscher Standpunkt, die auf einem recht üblen Ressentiment aufbaut, nach dem es eine „deutsche Seele“ gäbe, die man nicht „zergliedern“ dürfe. Die Kritik an diesem Kongress scheint mir eh viel zu kurz gegriffen und am meisten blamieren sich natürlich jene, die von den Veranstaltern fordern, jene zwei Referenten auszuladen.

    Übrigens, vielleicht können sie mir eine Frage beantworten: wo waren die ganzen Homo-Freunde eigentlich,als die Islamisten in Marburg ihren Aufmarsch gemacht hatten? Gelten die nicht als Homophob? Oder läuft das bei den Marburger linken unter Minderheitenschutz?

  2. „nach dem es eine “deutsche Seele” gäbe, die man nicht “zergliedern” dürfe“

    Psychoanalyse ist eine Pseudowissenschaft, weil ihre Wirksamkeit unbewiesen ist. Nicht wegen irgendwelchen deutschen Seelen. Einfach dem Link im Text folgen.

    „vielleicht können sie mir eine Frage beantworten: wo waren die ganzen Homo-Freunde eigentlich,als die Islamisten in Marburg ihren Aufmarsch gemacht hatten?“

    Warum sollte ich Ihnen diese Frage beantworten? Fragen Sie doch die von Ihnen angesprochenen „Homo-Freunde“ selbst, zu denen Sie mich offenbar nicht zählen. Islamisten sind klar homophob und ich sehe in etwa eine Million weitere Gründe, warum man gegen sie demonstrieren sollte.

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