Vorurteile haben einen Selektionsvorteil

Allerlei schrecklichen Dingen wird in letzter Zeit ein evolutionärer Selektionsvorteil zugesprochen, nach der Religiosität nun auch den Vorurteilen. Bei letzten ist das allerdings nicht unwahrscheinlich. Vorurteile sparen nämlich Energie, die man bei einer anständigen Beurteilung benötigen würde.

Bei der Süddeutschen gibt es einen interessanten Artikel dazu. In einem Experiment ließen Forscher den selben Text in zwei verschiedenen Zeitungen veröffentlichen, in einem Qualitätsblatt und in einem Exemplar der Regenbogenpresse. Leser fanden den selben Artikel in der besseren Zeitung erheblich besser. Bewerber auf einen Arbeitsplatz haben es zudem leichter, eingestellt zu werden, wenn sie einen Allerweltsnamen haben. Ein ausländischer Name schreckt zum Beispiel ab. Selbst die Attraktivität von Frauen, die allesamt deutsche Namen hatten, meinten Testpersonen schon alleine an diesem ablesen zu können.

Leider lösen Vorurteile zudem noch starke Gefühle aus, oft negative wie Ekel und Angst. Da Gefühle als wahrhaftig gelten, werden sie kaum hinterfragt. Schwer abschütteln lassen sich Vorurteile auch noch. Wenn einem Lehrer, der meint, dass Mädchen nicht rechnen können, ein Gegenbeispiel gezeigt wird, erfindet er einfach eine neue Kategorie wie „Mannsweiber“. In einem Computerspiel mussten Versuchspersonen blitzschnell auf bewaffnete Personen schießen. Schwarze und Weiße wurden dabei zufällig mit Waffen ausgestattet, doch Spieler jeder Ethnie hielten die Schwarzen für häufiger bewaffnet als die Weißen.

Vorurteile sind aber nicht unbedingt schlecht und meist treffen sie sogar zu, wie Steven Pinker in Das unbeschriebene Blatt ausführt. Schließlich basieren sie oft auf Erfahrung, die zu einem Überlebensvorteil führt, auch wenn das auch nicht in allen Fällen zutrifft.

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