Vergiftet Religion wirklich alles?

Der Original-Untertitel von Christopher Hitchens Buch „Der Herr ist kein Hirte“ lautet „Wie die Religion alles vergiftet“. Ach, vergiftet sie wirklich alles?, fragen seine Kaschmir-bewollten Gegner. Etwa auch Pasteten, Schwimmunterricht und Fahrstühle? „Ich finde schon“, antwortet Hitchens. Recht hat er…

Und nun werde ich anschaulich-logisch demonstrieren, wie Religion die drei genannten Dinge vergiftet:

1. Wie Religion Pasteten vergiftet

Punkt 1 ist die leichteste Übung. Wie das Leben so spielt, wurde nämlich einer meiner Lieblingsphilosophen (obwohl ich nicht Franzose bin, habe ich tatsächlich Lieblingsphilosophen) von einem Theologen ermordet, indem er seine Pastete vergiftete! Julien Offray de la Mettrie war ein früher Hardcore-Naturalist, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bereits alles Übernatürliche ablehnte und den Menschen kurzerhand zu einer Maschine erklärte. Diese völlige Total-Gottlosigkeit war zu der Zeit nicht sehr chic, selbst Voltaire hielt noch an einer Art Schöpfergott fest. Und so zensierte der Philosophenkönig Friedrich II. sein letztes Buch, das den Hedonismus bewarb, den freien Willen ablehnte und dazu aufrief, das Schuld-Konzept gleichsam aufzugeben. La Mettrie wurde zum Hofnarr degradiert. Voltaire schimpfte ihn eine „verdammte, fröhliche Tonne“, weil Julien dick und fröhlich war, während Voltaire stets kränkelte und sich niedergeschlagen fühlte. Als sein letztes Werk „Über das Glück“ in Theologenhände geriet, war einer von ihnen so außer sich, dass er eine von la Mettries geliebten Pasteten vergiftete. Manche sagen zwar, la Mettrie habe sich nur mit Pasteten überfressen, aber wer das für glaubwürdig hält, der kennt die finstere Beschaffenheit von Theologen nicht. Und wenn das kein Mord aus religiöser Motivation war dann, ähm, nun, es war einer!

2. Wie Religion den Schwimmunterricht vergiftet

Stellen Sie sich vor, Schwimmunterricht in einer katholischen Jungenschule zu haben, die von Nonnen geleitet wird. Die 60-jährige Obernonne Gusinde besteht darauf, dass die kleinen Jungs auch richtige, enge Badehosen anziehen und nicht diese modernen Badeshorts. Beim Unterricht klebt ihr strenger Blick an der Stelle, an der Sie es sich am wenigsten wünschen. Muss ich noch mehr sagen? Und ohne Religion gäbe es keine nach Geschlechtern getrennte Schulen, keine Nonnen und ein gestörtes Verhältnis zu ihrer eigenen Sexualität hätten die Gottes-Pinguine auch nicht.

3. Wie Religion Fahrstühle vergiftet

Fahrstühle sind an sich nichts Schlimmes, es sei denn, Sie stecken mit evangelikalen Missionierern darin fest. Nichts ahnend fahren sie geruhsam hinauf zu einer aktuellen Wissenschaftskonferenz, wo Sie einen Vortrag darüber halten werden, wie Fruchtfliegen mutieren, wenn man sie mit diesem und jenen kreuzt. Auf einmal steht ein mondkälbig grinstender Christ vor Ihrer Nase, hält Ihnen einen Prospekt davor und sagt: „Nimm Jesus als deinen Freund und Erlöser an, oder du wirst für immer in der Hölle braten.“ Sie lehnen dankend ab. Dann beginnen diese Leute zu singen: „Herr, rette ihn in seiner Not, denn sonst bratet er nach seinem Tod. Zeig ihm deine Weisheit, fein, sonst wird er ein Schnitzel sein.“ Na super, das verdirbt die ganze Vorfreude auf die Fruchtfliege! Ohne Religion hätte es ein so schöner Tag werden können!

Und nächstes Mal: Warum Religion Alcopops, Elefanten und Videospiele vergiftet…