Grundlagen des Neuen Atheismus

Der Wahn-WahnZusammen mit dem Physiker Dr. Bernd Vowinkel habe ich ein Mini-Manifest des Neuen Atheismus geschrieben:

Der Neue Atheismus gründet nicht nur auf herkömmlichen Argumenten gegen die Existenz Gottes, wie sie in der griechischen Antike, in der Rennaissance und in Zeiten der Aufklärung vorgebracht wurden, sondern er beruht auch auf den gewaltigen Fortschritten in Naturwissenschaft und Technik in den letzten Jahrzehnten, die zu einem Menschenbild und einem Weltbild geführt haben, das vollständig auf dem Naturalismus und dem Rationalismus aufbaut.

Gegen alle Religion

Die Neuen Atheisten lehnen das religiöse Denken in seiner Gesamtheit ab. Dieses lässt sich auch in weltlichen Ideologien finden: Heilige Bücher („Mao-Bibel“), Erlöserfiguren (Kim Jong Il), Rituale zur Förderung der Gleichförmigkeit des Denkens (Aufzüge bei den Reichsparteitagen), Inquisition (Gestapo) und Denunziantentum (etwa gegen „Judenfreunde“). Religionen und Ideologien teilen ein zutiefst gestörtes Verhältnis zu Demokratie und Menschenrechten. Aufgrund der zahlreichen Gemeinsamkeiten zwischen Religionen und Ideologien lassen sich Ideologien treffend als „Politreligionen“ bezeichnen.

Die Religion zieht als Erkenntnisfaktor im Vergleich zur Wissenschaft den Kürzeren. Sie ist zum Erkenntnisgewinn nicht nur ungeeignet, sondern hinderlich, da ihre wesentlichen Grundlagen Fantasie, Dogma und Wunschdenken sind, die eine objektive Erkenntnis verhindern.

Wer eine Existenzbehauptung aufstellt, muss diese belegen, da man andernfalls von der Existenz von allem Vorstellbaren ausgehen müsste, bis es nach und nach widerlegt wird, was prinzipiell unmöglich ist und dem Sparsamkeitsprinzip (Ockhams Rasiermesser) widerspricht. Da es keinerlei Belege für Übernatürliches jedweder Art gibt, kann man nur auf die Nichtexistenz des Übernatürlichen schließen. Sämtliche Religionen („soziale Systeme, deren Mitglieder übernatürliche Wesen verehren“) sind somit irrational. Alle Versuche, die Vernunft und die Logik für die Religion zu bemühen, sind gescheitert.

Die Idee eines Gottes, der in die Natur eingreift und die Arten erschafft, steht im Widerspruch zur Evolutionstheorie. Die Neuen Atheisten lehnen auch den Deismus ab, den Glauben an einen reinen Schöpfergott, der nicht ins Weltgefüge eingreift. Das anthropische Prinzip macht einen solchen Schöpfergott überflüssig. Zudem kann Gott als komplexes Wesen nicht am Anfang eines Prozesses stehen, der Komplexes aus dem Einfachen erzeugt (Evolution). Ein hochkomplexes Wesen wie Gott taucht nicht einfach aus dem Nichts auf, sondern es müsste das Ergebnis eines Prozesses ähnlich dem der Evolution sein.

Sobald überzeugend aufgezeigt wird, dass Wunschdenken und Dogmatismus besser dazu geeignet sind, eine humane Welt zu erschaffen, als kritisches Denken, so würden wir unseren Standpunkt einer ernsthaften Prüfung unterziehen müssen. Selbst wenn das jedoch der Fall wäre, bliebe Religion irrational und ihre Faktenbehauptungen befänden sich noch immer auf dem Kriegsfuß mit unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Wissenschaft und Religion sind unvereinbar.

Toleranz, aber kein Respekt

„Toleranz“ bedeutet nicht, dass man eine Position als legitime Meinung anerkennen muss. Toleranz bedeutet vielmehr, dass man andere Meinungen erträgt, auch wenn man ihnen nicht zustimmt. Vor allem bedeutet es, dass man anderen ihre freie Meinungsäußerung nicht verbietet oder ihnen für diese Gewalt antut.

Wir treten grundsätzlich für die Religions- und die Meinungsfreiheit ein. Die Erfahrung zeigt aber, dass Absolutheitsansprüche und Dogmen eben nicht auf das Miteinander innerhalb der jeweiligen religiösen Gruppen beschränkt werden. Dadurch entstehen häufig Schäden an der gesamten Gesellschaft. Ferner muss die religiöse Indoktrination von Kindern, die regelmäßig in solchen Gruppen stattfindet, als mentale Kindesmisshandlung eingestuft werden.

Der Respekt für religiöse Ideologien ist daher einzustellen. Religionen müssen öffentlich widerlegt und verspottet werden, Religionsvertretern muss so viel Macht wie möglich entzogen werden. Ziel ist eine religions- und ideologiefreie Welt.

Fazit

Die Konfliktlinien verlaufen heute zwischen Vernunft und Irrationalität, zwischen Klarheit und Verwirrung, zwischen Freiheit und Versklavung, zwischen Wissenschaft und Religion. Die Neuen Atheisten stehen für die jeweils erste Alternative.

2 Kommentare zu “Grundlagen des Neuen Atheismus

  1. HFRudolph sagt:

    Eigentlich haben wir bei den Brights doch auch genau so angefangen, nur passte das Konzept der Brights nicht wirklich zu diesem Vorgehen.

    Natürlich kann man eigentlich über Religion nur herzlich lachen.

    Ich meine aber, dass man differenzieren sollte, wie mit welchen Organisationen umzugehen ist:
    http://freenet-homepage.de/Naturalismus/Andere.html

  2. […] vier Wänden präsentieren. Frisch aus der Druckerei gibt es jetzt ein Buskampagnen-Poster für den Atheismus zuhause. Das Poster ist DIN A1 groß und zeigt auf der einen Seite viele Fotos von allen […]

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