US-Militär zerstört Bibeln

Brennende Bibel (verkaufen Evangelikale als Merchandising)Endlich tut die amerikanische Armee mal was Sinnvolles: Sie hat in Afghanistan die Bibeln eines US-Soldaten zerstört, der sie für die Konvertierung der örtlichen Muslime zum Christentum einsetzen wollte. Wenn doch nur jeder seine Bibeln zerstören würde…

Gut, ein paar davon kann man in Museen und Bibliotheken als Relikte eines barbarischen, längst vergangenen Zeitalters gerne ausstellen. Zugegeben, ich benötige zudem eine Reihe verschiedener Bibelausgaben für mein Literaturstudium. Obwohl Literaten tendenziell skeptisch sind und waren, sind sie um Bibelreferenzen nicht herumgekommen. Dafür war das Ding einfach zu weit verbreitet, vor ein paar hundert Jahren war es immerhin das einzige Buch, das die Leute kannten – die Kirchen hatten die anderen ja verboten, zerstört oder zensiert.

In der Tat war es das erste, was die Christen bei ihrer Übernahme des römischen Weltreichs taten: Bibliotheken schließen und Theater verbieten. Für gut 1000 Jahre lang. Wenn das mal nicht der „kulturelle Holocaust“ war (warum protestiert der Zentralrat der Juden eigentlich nicht gegen diesen dämlichen Begriff?), über den sich diese ewig grinsende Couchgarnitur namens Dalai Lama ständig beklagt. Seine Mönche haben die tibetanische Kultur in ihrer Herrschaftszeit bis zu Maos Invasion vor 50 Jahren übrigens auch platt gemacht und jedes böse Omen aufkeimender Intelligenz in eben diesem Keim erstickt. Religion war schon immer der größte Feind von Geist und Kultur. Im Gegenzug können geistreiche und kulturell gebildete Menschen in der Regel auch nichts mit der Religion anfangen. Und ich mag sie bekanntlich auch nicht.

Al Jazeera hatte die Bibeln, die in örtliche, afghanische Sprachen übersetzt waren, öffentlich im Fernsehen gezeigt und der arabischen Welt ihre Verschwörungstheorie damit bestätigt, dass der Westen insgeheim nur einen christlichen Kreuzzug gegen den Islam führen möchte und nicht etwa einen Krieg gegen durchgeknallte Islamisten, die ein islamisches Weltreich anstreben, in dem sie tagein, tagaus Frauen und Schwule steinigen können, wann immer sie mal nicht damit beschäftigt sind, kein Schweinefleisch zu essen.

An dieser Stelle mussten die evangelikalen Missionierer in der US-Armee allerdings feststellen, auf welchen Prinzipien ihr Land tatsächlich gegründet wurde, und das sind die Prinzipien der Aufklärung. In den USA gibt es eine besonders strikte Trennung von Kirche und Staat. Wer meint, innerhalb der Armee seinen Freund und Erlöser Jesus Christus propagieren zu müssen, bekommt  früher oder später eben doch einen Tritt in den Allerheiligsten. Missionierung ist untersagt, vor allem die Missionierung der Bevölkerung des Landes, das man eigentlich von den finsteren Schergen der Taliban befreien will. Und zu wenig Religion ist wohl kaum das Problem der Afghanen, die vor ein paar Jahren noch von gewiss hinreichend religiösen Islamisten regiert wurden.

11 Kommentare zu „US-Militär zerstört Bibeln

  1. „Religion war schon immer der größte Feind von Geist und Kultur.“
    –> Große Zustimmung!!!

    „Im Gegenzug können geistreiche und kulturell gebildete Menschen in der Regel auch nichts mit der Religion anfangen.“
    –> Große Ablehnung! Zu Beginn meines Philosophiestudiums habe ich genauso gedacht: „Wer nachdenken kann, wird Religion für sich ablehnen.“ Der Philosoph Hilary Putnam hat mich während eines (ziemlich starken) Vortrags vom Gegenteil überzeugt. Der einstige Atheist (weil man Wissenschaftler nicht gleichzeitig glauben kann, sagte er) hat sehr schön auseinanderdekliniert, dass Glaube und wissenschaftliches Vorgehen parallel und ohne Konflikt ausgeübt werden können.

    Dein Satz stimmt, wenn man statt „Religion“ einfach „Religionsvertreter“ schreibt, um das Augenmerk auf die Taten im Namen der Religion zu lenken. Wenn Dein Religionsbegriff auch den Glauben an sich enthält (sprich: „Wer gläubig ist, kann nicht intelligent sein und muss Kultur zerstören), ist er IMHO falsch.

    Übrigens: Der Artikel ist ’ne kleine Mogelpackung: Was im Titel steht, wird mit einem Satz abgehandelt. Danach gibt er nur noch geschichtliche Daten subjektiv wieder. Aber hey, ist dein Artikel, das kannste halten, wie de willst ;o)

  2. „Was im Titel steht, wird mit einem Satz abgehandelt.“

    Erst kommt ein Absatz direkt zum Thema, dann eine nähere Ausführung der Einleitung (wenn doch nur jeder seine Bibeln zerstören könnte) über zwei Absätze, dann wieder zwei Absätze direkt zum Thema. Außerdem stehen ja alle wichtigen Fakten drin, was soll man dazu noch sagen?

    „dass Glaube und wissenschaftliches Vorgehen parallel und ohne Konflikt ausgeübt werden können“

    Wenn man keinerlei Schlussfolgerungen aus der Wissenschaft zieht, oder wenn man einen Wischiwaschi-Glauben hat (z.B. Natur ist Gott), dann vielleicht schon. Andernfalls nicht. Der Gott der Bibel ist so tot, wie man nur sein kann.

    Statistisch betrachtet ist es in der Tat so, dass gebildetere und intelligentere Menschen seltener religiös sind.

  3. @derautor: „Statistisch betrachtet ist es in der Tat so, dass gebildetere und intelligentere Menschen seltener religiös sind.“

    Hm. Religionsausübung war in der DDR wegen der atheistischen Marx-Lenin-Lehre eher verpönt. Man könnte sagen, die hattens erkannt. Heißt das dann, dass in den neuen Bundesländern verhältnismäßig viele gebildete Menschen wohnen? *kopfschüttel*

    Wahrscheinlich fahren gebildete Menschen statistisch gesehen öfter mit der U-Bahn, als mit dem Rad. Das stimmt dann zwar statistisch, aber deshalb kann keine Kausalität zwischen Bildungssstand und Verkehrsmittel hergestellt werden ;o)

  4. Dieses Argument nennt man einen „Red Herring“ und ein „Ad Hominem“. Anstelle eine wissenschaftliche Studie zu widerlegen, greifst du einen beteiligten Forscher persönlich an, was nichts mit der Validität der Studie zu tun hat.

    Aber bitte, es gibt weitere Studien, die den selben Zusammenhang aufzeigen, etwa diese hier:

    „Atheists score 1.95 IQ points higher than Agnostics, 3.82 points higher than Liberal persuasions, and 5.89 IQ points higher than Dogmatic persuasions.“

    Atheismus und Intelligenz II

    Als Wissenschaftler wird Richard Lynn international durchaus ernst genommen, wie diese Folgestudie einer ganz anderen Universität beweist:

    Atheismus und Intelligenz III

  5. Ich weiß. Es stellt die allgemeine Arbeitsweise dar und nicht die speziell angewandte Methode bei dieser einen Studie. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat er da einmal mal hoch korrekt gearbeitet. /Ironie aus/

    Ich bin überzeugbar. Und deshalb würde ich ab sofort ganz vorsichtig von einer Korrelation reden. Aber eine Kausalität, wie im Artikel angedeutet, gibt es nicht.

  6. „Er hat immerhin schon versucht, Intelligenzunterschiede aufgrund der Hautfarbe zu beweisen.“

    Und das ist nun gänzlich „böse böse“, soetwas zu fragen, oder?

  7. Vielleicht ist es das, was mich stört: Die Intelligenz mag ein wichtiges Kriterium sein, um den Glauben abzulegen. Aber sie ist sicher nicht das einzige. Gesellschaft, staatlich gesicherte Freiheiten, Stärke des familiären Einflusses … Wenn ich’s mir genau überlege, ist Intelligenz nur ganz vielleicht überhaupt ein notwendiges Kriterium zur „Glaubensablage“, ein hinreichendes ist sie keineswegs!

  8. Netter Artikel. Ich hoffe, ich falle nicht in die Kategorie der „irgendwelchen Neunmalklugen“ 😉

    Ich fand das Thema schon immer spannend. Auf deinen Blog bin ich durch einen Freund aufmerksam geworden. Die Themen sind spannend und werden meistens mit dem entsprechenden wissenschaftlichen Hintergrund vertreten. Deshalb ein grundsätzliches „Thums up“, der Feedreader wurde soeben ergänzt.

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