Gott und das Böse

Wenn Gott allmächtig, allwissend und allgut ist, warum gibt es dann das Böse auf der Welt? Wie gut sind die Antworten auf diese Frage? Die Minnesota Atheists haben sie sich vorgenommen.

Nehmen wir des Arguments wegen an, dass der Schaden, den Menschen anrichten, aus einem Missbrauch unseres freien Willens resultiert (obwohl man durchaus anmerken könnte, dass ein allguter Gott Hitler aufgehalten hätte).

Dann bleiben immernoch genetische Geburtsfehler, genetische und zugezogene Krankheiten und Naturkatastrophen übrig.

Hier sind die „Top 12 Entschuldigungen“, die religiöse Menschen anführen, um das schreckliche Verhalten ihres Gottes wegzuerklären.

1.) Unbekanntes größeres Gut

Die erste Entschuldigung lautet, dass Gott etwas Böses anstellen oder erlauben muss, um damit ein unbekanntes größeres Gut zu erreichen.

Aber schränkt das nicht Gottes Wissen und seine Macht ein? Heißt das nicht, dass sich Gott keine bessere Möglichkeit hat einfallen lassen können, um seine Ziele zu erreichen, als unschuldige Menschen zu quälen?

2.) Das Böse ist eigentlich die Liebe Gottes

Die zweite Entschuldigung lautet, dass das, was wir als „böse“ ansehen, eigentlich ein Beispiel für die „Liebe Gottes“ ist.

Das ist jedoch eine Definition von Liebe, die wir nicht verstehen können, weil sie genau das Gegenteil von dem darstellt, was wir unter Liebe verstehen. Also können wir nicht wissen, dass „Gottes Liebe“ wirklich Liebe ist – wir müssen es jemandem aufs mäßig überzeugende Wort glauben.

Wenn Krankheit ein Beispiel für die Liebe Gottes ist, sollten wir dann nicht alle versuchen, so krank wie möglich zu werden? Verletzen Ärzte den „Willen Gottes“, wenn sie versuchen, Krankheiten zu heilen?

3.) Wir brauchen das Böse, um das Gute zu würdigen

Der dritten Entschuldigung zufolge würden wir ohne das Böse das Gute nicht rechtfertigen können.

Aber könnte uns Gott nicht einfach eine Würdigung des Guten ermöglichen? Warum sollten wir gefoltert werden, nur um das Gute zu würdigen?

Krankheiten und Naturkatastrophen sehen wie schamlose Grausamkeit seitens Gott aus. Ohne Krankheiten und Naturkatastrophen könnten wir uns immernoch mit Gut und Böse im Sinne von moralischen Dilemmata und menschlichen Handlungen auseinandersetzen.

4.) Verurteile die Vorfahren und verurteile das Opfer

Laut der vierten Entschuldigung ist alles Böse, das geschieht, unsere Schuld, entweder direkt aufgrund von etwas, das wir getan haben oder indirekt aufgrund unserer „Vorfahren“ Adam und Eva.

Das ist bekannt als „Verurteilung des Opfers“. Ein Missbrauchsopfer glaubt typischerweise, je mehr oder weniger es bestraft wird, desto mehr oder weniger wird es geliebt.

Aber was hat ein unschuldiges Baby jemals getan, um einen Geburtsfehler zu verdienen?

Und welche Art von Gerechtigkeit macht Kinder für die Sünden ihrer längst verstorbenen Vorfahren verantwortlich?

5.) Das Böse ist notwendig für den freien Willen

Laut der fünften Entschuldigung hätten wir ohne das Böse keinen freien Willen und wären „Roboter“.

Aber was haben Geburtsfehler, Krankheiten und Naturkatastrophen mit dem freien Willen zu tun? Haben kranke Menschen mehr freien Willen als gesunde Menschen?

Gott erschuf angeblich einen Himmel, wo es keine Krankheiten gibt. Sind die Menschen im Himmel Roboter?

6.) Der Teufel hat es gemacht

Die sechste Entschuldigung besagt, dass Gott nicht wirklich verantwortlich ist für das Böse in der Welt, der Teufel ist es. Aber wer hat den Teufel erschaffen? Und ist Gott nicht angeblich allmächtig? Kann er den Teufel nicht aufhalten?

7.) Das Böse bleibt nicht lange

Der siebten Entschuldigung zufolge ist das Elend, das uns auf der Erde geschieht, kurz im Vergleich zu einer Ewigkeit im wunderbaren Himmel.

Na und? Ist das wirklich eine Entschuldigung dafür, Menschen zu quälen?

8.) Das Böse ist notwendig für das Mitleid

Laut der achten Entschuldigung ist das Böse notwendig, damit wir Mitleid erlernen.

Aber wenn Gott uns mitleidsvoll haben wollte, warum hat er uns nicht einfach so erschaffen? Wozu dieser sadistische Plan, unschuldige Babies zu quälen, um in ihren Eltern Mitleid zu erregen?

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4 Kommentare zu „Gott und das Böse

  1. —-„Bin arbeitsloser Gott, suche neuen
    —-Wirkungskreis. Meine Eigenschaften:
    —-anfallsweise sadistisch,
    —-gelegentlich großzügig.“

    Köstlich, ein Lese- und Denkvergnügen.
    Zugleich ein guter Überblick über die
    ‚Gottesbeweise‘ der Menschheitsgeschichte.

    Danke für das gelungene Übersetzen.

    -cees-

  2. Mal wieder ein gelungener Artikel über das Sein oder Nicht-Sein von Gott.

    Ich muss jetzt aber mal was loswerden: Was wäre die Welt ohne Religion? Ein guter, hochentwickelter Ort, an dem alle Menschen gleich sind und niemand den anderen belästigt? Wäre es nicht ziemlich langweilig ohne die Religion?

  3. „Ein guter, hochentwickelter Ort, an dem alle Menschen gleich sind und niemand den anderen belästigt? Wäre es nicht ziemlich langweilig ohne die Religion?“

    So ähnlich haben sie vor dem ersten Weltkrieg auch gedacht: Ist doch so langweilig hier…

    Ich konnte es ja noch niemals verstehen, wie jemand das Leid anderer Menschen mit dem Argument verteidigen kann, dass es sonst langweilig wäre. Außerdem gibt es gegen Langeweile bekanntlich Killerspiele.

  4. Der Originalartikel endet:
    „Eine andere Möglichkeit, die Fakten zu vereinbaren, besteht darin, auf die Nichtexistenz von Göttern zu schließen.“

    Und das ist falsch: Woher kommt denn die Annahme, dass eine Gottheit bestimmte Eigenschaften haben müsse? Die Punkte schließen nur bestimmte Eigenschaften aus, nicht aber eine Gottesexistenz als solche. Das kann bestenfalls einen Gottesanbeter abhalten.

    Die Denkweise ist aber das Aufzäumen des Pferds vom Schanze: Die Frage lautet nicht, warum dieser oder jener Gott nicht existiert, sondern zunächst einmal, ob sich eine solche Frage überhaupt stellt. Wie kommt jemand überhaupt darauf?…

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