Sind Kuschelatheisten schuld an der Religion?

AppeasementLaut einer aktuellen Studie kann Religion nur überleben, weil viele Atheisten auf das Gebaren ihrer Anhänger reinfallen. Der Biologe und Philosoph Prof. Massimo Pigliucci weist darauf in Psychology Today und in seinem Blog hin…

Die Studie von James Dow geht davon aus, dass sich religiöser Glaube aufgrund eines individuellen Vorteils irgendeiner Art ausbreitet. In seinem Simulationsprogramm namens „evogod“ wies er nach, dass Religion nur dann gedeiht, wenn Atheisten die Religiösen unterstützen. Das Problem besteht nämlich darin, dass Religion aufgrund der hohen Kosten, die mit ihr verbunden sind, von alleine schnell zusammenbrechen würde. Diese Kosten sind Ergebnis der Tatsache, dass Religionen falsche Informationen über die Welt liefern, welche die darwinsche Fitness normalerweise reduzieren würden. Wer zum Beispiel glaubt, dass Thor seine Feinde schon bestrafen wird, der stellt früher oder später fest, dass Thor dies ganz und gar nicht vorhat und dass stattdessen die Feinde das eigene Dorf überrennen.

Die hohen Kosten der Religiosität werden allerdings kompensiert, sogar mehr als kompensiert, durch die Unterstützung, die Religiösen von Seite der Atheisten zukommt. Aber was treibt diese Atheisten nur dazu an, die Religiösen zu unterstützen?

Laut Dow sieht es so aus: „Falls eine Person bereit ist, für einen abstrakten Gott Opfer darzubringen, dann gewinnen die Menschen den Eindruck, dass sie auch dazu bereit sind, für die Gemeinschaft Opfer darzubringen (Der sogenannte ‚Grünbart‘-Effekt).“ Hierdurch ersparen sich religiöse Menschen praktischerweise, tatsächlich für die Gemeinschaft zu arbeiten.

Es handelt sich um das „Handicap“-Prinzip. Man findet es etwa bei Pfauen vor, deren großes, aufsehenerregendes Gefieder Feinde anlockt, also mit großen Kosten verbunden ist. Allerdings signalisieren die Pfauen damit, dass sie sich diese Kosten aufgrund ihrer hervorragenden Gene leisten können. Die Pfauendamen fallen dann auch wunderbar auf den teuren Schmuck rein, genau wie Menschenweibchen auf die bunten Gewänder des Papstes reinfallen.

Leider gibt es unabhängige empirische Belege, dass religiöse Menschen tendenziell stärker von der Gemeinschaft unterstützt werden als Atheisten, weil sie durch ihr kostenreiches Verhalten Vertrauenswürdigkeit vermitteln. Dies liegt eben genau daran, dass die Gläubigen die Realität falsch darstellen und ihr Wunschdenken verkaufen. Die Neuen Atheisten treten bekanntlich dafür ein, den Religionen zukünftig keinen Respekt mehr zukommen zu lassen.

Ein praktisches Beispiel für diese Art von Kuschelatheismus findet man in einem Interview des HVD namens KORSO auf Bergfahrt mit dessen Chefs Frieder Otto Wolf und Horst Groschopp. Letzter nörgelt mal wieder an mir herum, wenn er sagt:

„Ich jedenfalls erschrecke nicht darüber, dass einige im säkularen Spektrum den Kurs des HVD als „Kuschel-Atheismus“ denunzieren. Mich ärgert allerdings, dass damit politische Thesen öffentlich verkündet werden, die unseren politischen Gegnern nutzen und unsere religiösen Bündnispartner verunsichern. Über die Aufführungen der – jetzt schieße ich mal zurück – „Krawallatheisten“ wird das Leben urteilen. Für den HVD ist ganz klar, dass jede Kooperation mit Religionsfeinden ausgeschlossen ist.“

Man möchte also die „religiösen Bündnispartner“ nicht verunsichern. Schließlich haben diese ja mit ihren teuren Pfauenfederkleidern (Luftschlössern) bewiesen, dass sie vertrauenswürdig sind. Das Leben (Dummheit der menschlichen Spezies) wird über meine Ausführungen schon urteilen. Kooperiert wird ausdrücklich nicht mit jenen, die sich tatsächlich für die Gemeinschaft einsetzen (die Neuen Atheisten), sondern mit denen, die nur so tun (Religiösen). „Als Atheist kann man auch Nazi sein“, stellt Horst Groschopp am Ende noch einmal fest, um all jene zurechtzuweisen, die nicht auf bunte Pfauenfedern reinfallen wollen und damit all jene vorführen, die das tun.

Wenn die Religion ausschließlich aufgrund der Unterstützung von Atheisten weiterexistieren kann, wer ist dann eigentlich das größere Problem? Religiöse oder Kuschelatheisten?

(Danke an Rolf Degen für den Hinweis, bitte kauft alle seine Bücher)

12 Kommentare zu „Sind Kuschelatheisten schuld an der Religion?

  1. Danke für den Hinweis auf den KORSO-Artikel.

    „Wenn die Religion ausschließlich aufgrund der Unterstützung von Atheisten weiterexistieren kann…“
    Aber das würde doch bedeuten, dass auch wir schleunigst gläubig werden müssten – denn nach der Logik stirbt Religion aus, wenn alle religiös sind.
    Oder? 😉

  2. „denn nach der Logik stirbt Religion aus, wenn alle religiös sind.
    Oder?“

    Ja. Aber es gibt noch die zweite Alternative, dass wir aufhören, Religion zu respektieren.

  3. Ist ein Ende des Respekts gleichzusetzen mit der aktiven Zerstörung?

  4. Nein, aber die hängen schon zusammen. Wobei ich natürlich auch die aktive Zerstörung der Religion für eine wunderbare Idee halte.

  5. @Nic: „Aber das würde doch bedeuten, dass auch wir schleunigst gläubig werden müssten – denn nach der Logik stirbt Religion aus, wenn alle religiös sind.
    Oder? “

    Wieso werden? Uns wird doch eh dauernd von den Gläubischen vorgeworfen, Atheismus sei auch eine Religion.

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  8. Wenn die Religion ausschließlich aufgrund der Unterstützung von Atheisten weiterexistieren kann, wer ist dann eigentlich das größere Problem? Religiöse oder Kuschelatheisten?

    Eindeutig der Religiöse.

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