Atheisten sind Heulsusen

Hör auf zu heulen!Das findet jedenfalls die christliche Autorin Charlotte Allen. In ihrem weinerlichen Heulsusen-Artikel in der LA-Times bezichtigt sie die Neuen Atheisten und ihre Anhänger, sich in einer pupertären Opferrolle zu wähnen und im Allgemeinen sehr wütend zu sein. Außerdem weinen wir viel.

„Ich kann Atheisten nicht ausstehen“, lautet der erste Satz ihres Artikels. Stellen Sie sich einmal vor, jemand würde schreiben „Ich kann Juden nicht ausstehen“. Das geht nicht, oder? Aber wenn jemand Atheisten im Allgemeinen nicht ausstehen kann, dann ist das gar kein Problem. Vielleicht, weil „Antisemitismus“ leichter über die Lippen geht als „Anti-Atheistismus“.

Würde ich so etwas schreiben wie „Ich kann Christen nicht ausstehen“? Da ich nicht alle Christen kenne, würde mir so etwas niemals einfallen. Höchstens, wenn ich mal wieder rumheulen will. Im Gegenteil kenne ich einige Christen, die ich gerne mag. Was ich nicht ausstehen kann, ist das Christentum als religiöse Ideologie.

Sie hält die Position „Falls die Wissenschaft etwas nicht beweisen kann, existiert es nicht“, für „philosophisch primitiv“. Das verwundert mich kaum, angesichts dessen, dass sie offenbar der Meinung ist, dass absolut alles existiert, von dem sie sich wünscht, es würde existieren, weil sie sich wünscht, es würde existieren. Diese Art von Solipsismus ist natürlich keineswegs philosophisch primitiv, sondern geradezu erhaben gegenüber der platten Position von uns eindimensionalen Szientisten.

Allens Problem mit Atheisten besteht darin, dass sie sich darüber beklagen, unterdrückt zu werden und dass sie so auf die „feinen Punkte des Christentums fixiert sind“. Würden wir einfach aufhören zu glauben, dass wir benachteiligt werden, dann würden wir nämlich gar nicht mehr benachteiligt werden. Nehmen wir die atheistische Buskampagne, die von sämtlichen Verkehrsbetrieben abgelehnt wurde. Das Problem ist keineswegs, wie ein naiver Betrachter meinen könnte, dass wir keine Werbung machen dürfen, während Bus und Bahn mit christlichem Schmus beklebt werden. Das Problem besteht vielmehr darin, dass wir uns darüber beklagen! Würden wir einfach die Klappe halten, dann gäbe es auch keine Diskriminierung.

„Hat der Sonntagslehrer etwa ihre Hintern als Kinder mit einer Bibel versohlt?“, fragt sie. Sonntagslehrer tun dies offenbar gerne, wenn ich das richtig verstehe. Nun, was mich als besonders radikales Exemplar verdorbener Gottlosigkeit betrifft, so kann ich sagen, dass ich nie eine Sonntagsschule besucht habe und nie von religiösen Individuen geschlagen wurde (im Gegensatz etwa zu unzähligen Heimkindern). Religion ist ein intoleranter und lächerlicher Quatsch mit Soße auf einer durchaus philosophisch anspruchsvollen Ebene, aber nicht immer auf der Ebene persönlicher Erfahrung.

Charlotte Allen geht auf Sam Harris Argument ein, dass ein Atheist in den USA nicht offen zugeben könne, einer zu sein, wenn er in ein wichtiges politisches Amt gewählt werden möchte. Darüber macht sie sich dann lustig und meint, dass dies von der Gesetzeslage her doch gar nicht der Fall sei. Ja, das weiß Sam Harris ebenfalls sehr gut. Das ist aber auch egal, weil es darum geht, dass niemand von den Bürgern gewählt wird, der sich offen als Atheist outet. Ich kann mir vorstellen, dass Präsident Obama nach seiner Amtszeit mit der offensichtlichen Tatsache rausrücken wird, dass er nicht an Gott glaubt. Aber solange er gewählt oder im Amt akzeptiert werden möchte, wird er dies garantiert unterlassen.

Schließlich zitiert sie Dawkins falsch. Angeblich habe er über Religiöse gesagt: „Sie fühlen sich ungebildet, was sie sind, oft eher dumm, was sie sind, unterlegen, was sie sind, und paranoid über eierköpfige Intelektuelle von der Ostküste, die auf sie herabsehen, was sie mit einiger Berechtigung auch tun.“

Tatsächlich geht aus dem entsprechenden Interview hervor, dass er sich hier auf Kreationisten bezieht, nicht auf Religiöse allgemein. Über die sagt er, dass er glaubt, Atheisten wären im Durchschnitt etwas schlauer, was sie sind.

Den Rest des Artikels verbringt Charlotte Allen damit, beleidigende Aussagen von Atheisten über Christen und deren Glauben zu zitieren, ohne auch nur mit einem einzigen Wort darauf einzugehen, inwiefern diese Aussagen nun eigentlich falsch sind. Das ist dann allerdings typisch für Gläubige allgemein, obgleich ich auch ein paar, wenige, Ausnahmen kenne: Sie scheinen tatsächlich zu glauben, dass die Wahrheit unwichtig ist. Wenn es sich traurig anhört, dass wir Maschinen sind, deren Zweck es ist, Gene weiterzugeben, dann ist das eben nicht nur traurig, sondern auch falsch, weil es traurig ist. Wenn es sich ungerecht anhört, dass einige Kriminelle niemals für ihre Taten einstehen müssen, dann ist das nicht nur ungerecht, sondern ist auch falsch, weil sie in der Hölle dafür zur Rechenschaft gezogen werden, eben weil es ungerecht ist. Dieses Wunschdenken nimmt unfassbare Ausmaße an. Als Christ kann man nicht einmal anständig sterben, ohne den Ausblick, auf alle Ewigkeit den Großen Führer im Himmel danken und ihn verehren zu müssen, als befände sich der Himmel in Nordkorea. Und die wünschen sich das auch noch.

Aber zum Glück ist das alles nur kindisches und erbärmliches Wunschdenken, wenn ich das mal wütend protestierend und gleichzeitig mit Tränen in den Augen anmerken dürfte.

Hier noch ein schöner Cartoon zum Thema:

Der weinerliche AtheistDer weinerliche Atheist 2

9 Kommentare zu „Atheisten sind Heulsusen

  1. Ich kann mir vorstellen, dass Präsident Obama nach seiner Amtszeit mit der offensichtlichen Tatsache rausrücken wird, dass er nicht an Gott glaubt. Aber solange er gewählt oder im Amt akzeptiert werden möchte, wird er dies garantiert unterlassen.

    Wenn Obama ein Atheist sein soll, so wie sein Vater, dann ist er ein verdammmt guter Schauspieler. Aber mit dem Opportunismus hast Du schon recht.

    Obama schafft Gebetstreffen im Weißen Haus ab

  2. Also mir gefällt der erste Satz des Artikels. Er ist so erfrischend ehrlich. Da weiß man wenigstens gleich von Anfang an, woran man ist.
    Besser als das Geschwafel manch anderer Artikel, wo man erst gegen Mitte merkt, in welche Richtung das geht.

    So und jetzt geh ich noch ne Runde heulen, oder so… 😆

  3. „While I’m a christian, I don’t believe that religious folk have a monopoly on morality.“

    „Whatever we once were, we are no longer a christian nation.“

    „…or we could go with deuteronomy which suggests stoning your child if he strays from the faith?“

    Ich bin wie Christopher Hitchens der Meinung, dass das ein Christ einfach nicht sagen würde.

  4. Als nicchtgläubiger Mensch fühle ich mich stärker und sicherer. Moral hat nichts mit Religion zu tun. Das zeigen Untersuchungen an Kindern und Primaten. Ich brauche keine Rechtfertigung für mein Handeln, außer dem meines eigenen Gewissens.

    Und ich lebe meine Leben hier und jetzt. Mit meiner Moral und meinem Gewissen. Wenn ich mich über andere Menschen und ihre Moral aufrege, dann sage ich es oder ich lasse sie ziehen.

    Wäre ich eine Heulsuße, dann würde ich mir wünschen, dass alle „Sünder“ (überspitzt und in den Augen meiner Moral) am jüngsten Tag doch noch ihr Fett wegbekommen! Gerichtet von einem Überwesen. Und ich stehe neben ihm auf dem Richterpult!

    Wenn ich das schreibe, muss ich grinsen. Weil es das erbärmlichste ist, was Religion schaffen kann. Ein Gericht nach dem Tod…

    Wer sind also die größeren Weicheier? Stark sein im Leben und dafür im Leben geliebt und geachtet zu werden. Auch von denen, die nach uns kommen! Nur so habe ich ein gutes Gewissen. Nicht vor Gott, sondern vor mir selbst. Ich bin Gott!

    Zu Obama: Er ist Politiker! Was erwartet ihr?

  5. @ Der Adrige

    Ein Gericht nach dem Tod…

    Das ist so nicht ganz korrekt, der Tote, wird nicht sofort nach seinem Tod gerichtet, sondern das „Jüngste Gericht“ tifft erst in der Apokalypse ein. D. h. das selbst die Toten darauf warten müssen. 😆 Danach errichtet Jesus sein „Tausendjähriges Reich“ (das kennen wir doch schon von irgendwo) mit Israel als politisch und religiös dominierender Weltmacht. Nachdem das alles dann vollbracht wurde, errichtet Gott ein neues „Jerusalem“ (Welt) und einen neuen Himmel…bla bla bla, klingt wie ein mieser Science Fiction.

    Zu Obama: Er ist Christ! Was erwartet ihr?

  6. Ich denke, dass Obama nur behauptet, Christ zu sein. Er wurde säkular erzogen und wenn man nicht als Kind indoktriniert wird, dann kommt man kaum auf die Idee mit der sprechenden Schlange und dem geopferten Gottessohn. Erst recht nicht, wenn man so intelligent ist wie Obama.

    Was mit den Toten nach dem Tod passiert, darüber scheinen Christen sehr uneinheitliche Vorstellungen zu haben.

  7. Also dieser Artikel von Charlotte Allen… da weiß man nicht, was man sagen soll…

    Allein schon solche Aussagen wie:
    „If there is no God — and you’d be way beyond stupid to think differently — why does it matter whether he’s good or evil?“
    Ist die Frage ernst gemeint? Versteht die Frau nicht, warum Atheisten&Co die Existenz eines Gottes o.ä. verneinen/ablehnen/für unwahrscheinlich halten, aber gleichzeitig auch auf die Grausamkeiten der angeblich existierenden Wüstengötter hinweisen?

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