Das Wort zum Evolutionstag

Ich bin auf die komische Idee gekommen, eine Predigt zum Evolutionstag zu schreiben. Keine Sorge: Sie ist rein naturalistisch, ganz lieb und kaum polemisch. Und sogar ein wenig tiefsinnig.

Heute ist Evolutionstag! Der Tag, an dem wir die Erkenntnis feiern, dass uns keine übernatürlichen Kreaturen als ihre Spielbälle gebrauchen, sondern dass wir ein Teil der Natur sind. Der Baum allen Lebens hat eine gemeinsame Wurzel: Das erste selbstvermehrende Molekül. Von ihm bis zum Menschen sind mehr als drei Milliarden Jahre vergangen, eine Zeit, die alles Leben miteinander verwoben hat.

Zwei große, alte Fragen der Menschheit können wir heute dank der Wissenschaft beantworten: Wo kommen wir her und was ist der Sinn des Lebens?

Wir sind das Produkt eines natürlichen Vorgangs namens „Evolution“, natürliche Wesen, die einen genetischen Code weitergeben, der Informationen von Milliarden Jahren in sich birgt. Wir stammen ab von einzelligen Lebewesen, von Fischen, von mäuseähnlichen Säugetieren, von Affen und schließlich von Urmenschen. Sie sind alle den Weg des Lebens gegangen, heute gehen wir ihn weiter.

Sind wir ein Teil der Natur, so bedeutet dies auch, dass wir keine unsterbliche Seele unser Eigen nennen und dass die Flamme unseres Daseins am Ende verlöschen wird. Wir leben weiter in der Erinnerung unserer Lieben, in den Werken, die wir der Nachwelt hinterlassen, in den Genen unserer Kinder und unserer Verwandten. Wenn wir die Welt besser zurücklassen, als wir sie vorgefunden haben, sind wir der Unsterblichkeit so nahe gekommen, wie es uns möglich ist. Über die Geschicke der Welt werden unsere Kinder entscheiden, für die wir das Feld verlassen.

Die Evolutionstheorie hat auch die Moral den Händen göttlicher Mächte, oder vielmehr ihrer irdischen Vertreter, entrissen. Es interessiert nicht länger, welche heiligen Kriege allgute Wesen höherer Sphären von uns erwarten, welche Opfer wir ihnen darbringen sollen, welches Sexualverhalten sie von uns fordern, welche Speisen wir für sie essen oder nicht essen dürfen und auch ob wir am Sabatt Stöcke sammeln, ist alleine unsere Entscheidung und schon lange nicht mehr der Willkür göttlicher Vorlieben ausgeliefert. Nun haben wir die Macht und nun haben wir auch die Verantwortung. Herausforderungen sind es, an denen wir wachsen.

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7 Kommentare zu „Das Wort zum Evolutionstag

  1. Pingback: Nics BlogHaus
  2. Wunderschön ^^

    Zur Evolution: Ist es nicht so, dass der Mensch mittlerweile ein Wörtchen mitzureden hat in der natürlichen Selektion? Ganz zu schweigen davon, dass er sich durch sein Ausbreiten auf der Welt ganz gewaltig und unwiderruflich in selbige eingemischt und nachhaltig verändert hat? Führen wir nicht einen Kampf gegen die Natur, die (ich personifiziere sie mal ganz dreist) uns für unsere Missetaten auslöschen will?

    1. „Zur Evolution: Ist es nicht so, dass der Mensch mittlerweile ein Wörtchen mitzureden hat in der natürlichen Selektion?“
      –> Da wir als Menschen auch zu den Umweltbedingungen gehören, die andere Menschen in iherem Leben vorfinden, haben wir quasi schon immer im Mechanismus der „natürliche Selektion“ mitgemischt. Seitdem wir zumindest hier in entwickelten, reicheren Ländern viele technische Möglichkeiten des Schutzes vor sonstigen Umwelteinflüssen entwickelt haben, ist der Selektionsdruck durch diese Einflüsse in Teilen geringer geworden (z.B. durch Impfungen, Nahrungsproduktion, Hygiene, Wohnmöglichkeiten, usw.).

      „Führen wir nicht einen Kampf gegen die Natur, die (ich personifiziere sie mal ganz dreist) uns für unsere Missetaten auslöschen will?“
      –> Ich würde ja nicht sagen, wir gegen die Natur einen Kampf führen, da wir Teil der Natur sind. Vielmehr aggieren wir Menschen im Rahmen, der sich durch die biologie und kulturelle Evolution ergebenen Möglichkeiten, was dann leider auch bedeutet, dass wir in der Summe viel zu oft zu kurzfristig denken und handeln. Dass führt dann wiederum dazu, dass wir oft erst aus Schaden klug werden und Rohstoffe in zu großem Maße verbrauchen, Teile der Umwelt vergiften, usw. Am Ende könnte das dann dazu führen, dass wir Teile unser Lebensbasis zerstören, also den Ast auf dem wir sitzen absägen. Vielleicht geht es dann sogar so weit, dass wir als Spezies irgendwann aufgrund dieses Verhaltens aussterben wie es schon so viele ander Arten (die natürlich nicht aufgrund eines vergleichbaren Verhaltens, sondern aufgrund sich verändernder Umwelteinflüsse)

      (Ich würde sogar an manchen Tagen sagen, wenn ich mir z.B. solche Meldungen über Kindesmissbrauch in katholischen Kinderheimen durchlese, dass ein Aussterben unser Art kein großer Verlust wäre. Die Erde würde es sicherlich auch nicht stören, wenn sie denn etwas empfinden könnte. Sie hat ja, wie George Carlin schon sagte, von uns das erhalten, was sie wollte: Plastik. 😉 )

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