Eichsfeld will Nichtgläubige vertreiben

Christenverfolgung

In einem Kloster in Worbis, Kreis Eichsfeld, soll eine christliche Schule entstehen. Soweit nicht ungewöhnlich. Doch soll sich diese Schule nicht in kirchlicher Trägerschaft befinden, sondern in staatlicher! „Die Jugend sei in Ehrfurcht vor Gott zu erziehen“, sagte Landrat Werner Henning (CDU) der regionalen Presse dazu. Und die Kinder von konfessionslosen Eltern? Die werden in den Nachbarort Gernrode geschickt, weg von den anständigen Christenkindern.

CDU und Kirchen im heldenhaften Kampf gegen die Gottlosigkeit. Im Deutschland der 1950er Alltag. Der aktuelle Kulturkampf, der seit der Debatte um den Berliner Religionsunterricht wütet, bietet den Kirchen und der CDU die Gelegenheit, endlich wieder ihr wahres Gesicht von damals zu zeigen. Das Gesicht der Intoleranz, des religiösen Fanatismus und der Menschenverachtung. Denn wenn eine vom Staat finanzierte Schule entgegen den Grundregeln der freien Gesellschaft und des Grundgesetzes, mit Unterstützung einer angeblich demokratischen Partei, ein „christliches Leitbild“ vertreten soll und wenn Kinder aus der Stadt vertrieben werden, wenn sie keine christlichen Eltern haben, dann ist das Menschenverachtung und sonst nichts.

Mich hat mal jemand gefragt, ob ich die Religion hasse. Nun, ich laufe nicht den ganzen Tag herum und denke mir „Oh, böse Religion!“, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Den größten Teil des Tages hasse ich Religion also nicht. Aber es sind Momente wie dieser hier, da könnte ich die Religion zu einem Duell herausfordern. Ein solcher Tribalismus, ein solch heuchlerisches Gutmenschentum („eichsfeldisch-humanistische Werte“ nennt der Landrat den örtlichen Katholizismus), ein so kleinbürgerliches Scheuklappendenken, eine solche Verachtung von allem, was anders ist, was unserem guten Gott im Himmel, was unserem großen Führer da oben nicht gefällt. Wenn sie mich aus der Stadt werfen würden, das könnte ich ja noch verstehen, aber Kinder – die noch gar keine Meinung zum Thema Gott haben können? Der Sinn des Unterfangens ist klar: Schnapp sie dir, so lange sie jung sind! Eine frühkindliche Indoktrination ist schwer wieder loszuwerden.

Atheisten können es sich nicht länger leisten, leise ihre Gottfreiheit zu genießen, sondern wir müssen aufstehen und sagen „So nicht! Bis hierhin und nicht weiter!“ Fakt ist, dass die Kirchen (und die CDU/CSU) diesen Kulturkampf gewinnen können. Sie verlieren zwar ständig an Anhängern, aber sie haben mehr Geld (VIEL mehr Geld!), sie haben mehr Personal (ERHEBLICH mehr Personal!), sie haben mehr Macht (UNVERGLEICHLICH mehr Macht!) und sie haben mehr Menschen, die sich für ihre Sache engagieren. Die öffentlich sichtbarste Organisation von Nichtgläubigen, die Giordano Bruno Stiftung, hat nicht einmal so viel Geld wie ein kommunaler Sportverein (hier ist übrigens ihr Spendenkonto).

Was wir Freidenker, Atheisten, Naturalisten haben und was der Gegenseite fehlt, ist einzig ein Minimum an Verstand und Ansätze von Zurechnungsfähigkeit. Atheisten können Gläubigen nicht länger nur dabei zusehen, wie sie sich für ihre Überzeugungen engagieren und nach und nach die ganze Welt verdummen. Wir müssen rausgehen und klarstellen, dass wir zunächst einmal auch Rechte haben – dass wir auch Menschen sind, inklusive unserer Kinder – , dass das kritische Denken ein Wert ist, der es mit der Gottesfurcht mehr als aufnehmen kann und dass wir die freie Gesellschaft gegen diese Betonköpfe verteidigen werden!

Darum rufe ich nun zu einer großen Ent-Missionierungs-Tour auf. Besucht religiöse Veranstaltungen in eurer Umgebung und stellt einfach ein paar kritische Fragen. Ein Riss im Betonschädel genügt völlig, um ihn bröckeln zu lassen und für Vernunft empfänglich zu machen. Den Rest erledigen die Gläubigen schon selbst, zumindest diejenigen, die nicht bereits verloren sind und für alle Zeit in ihrem Fanatismus gefangen. Dieser Blog heißt nicht ohne Grund „Aufklärung 2.0“. Ich habe ihm diesen Namen gegeben, weil wir ein neues Zeitalter der Aufklärung brauchen. Beginnen wir eines, jetzt!

Siehe auch: „Wehret den Anfängen!„, ein Aufruf des endlich mal nicht kuscheligen HVD.

8 Kommentare zu „Eichsfeld will Nichtgläubige vertreiben

    1. Bwah. Ich mag diese Autokorrektur von Sonderzeichenansammlungen nicht. 😦

  1. Dazu noch ein Artikel beim hpd: Gegen Eichsfelder Missionierungsversuch ( http://hpd.de/node/7087 ) – darion wird der Landrat so zietiert: „„Übrigens sei ein christlicher Gottesbezug nun auch wirklich nicht schlimm. Selbst das Grundgesetz besitze diesen Gottesbezug“, sagte er der regionalen Presse: „Die Jugend sei in Ehrfurcht vor Gott zu erziehen, so oder ähnlich heiße es in den meisten Verfassungen.““
    Gruselig… es wird Zeit, dass durch das Eichsfeld mal ein frischer Wind weht.

    Und zum Thema: Ent-Missionierungs-Tour – ich habe letzte Woche eine Beschwerde an das Deutschlandradio Kultur geschrieben, weil mich dieses Wort zum Tage“ morgens unglaublich nervt… Was daraus wurde kann man hier ( http://tinyurl.com/obhnj6 ) nachlesen.

    1. gespannt auf die diskussion im EIC-Forum??
      dort wirst du ganz fix verwarnt und gesperrt wenn du nicht konform schwimmst. der admin n.dettenbach tritt dann per persönlichen mails weit unter der gürtellinie nach, natürlich NIE öffentlich. Zensur vom feinsten.

  2. Mal wieder Polemik vom Feinsten, gratuliere!
    Und weil ich ein böserböser Christ bin, der nur allzugerne seine Feinde durch Umarmung ärgert: Der Sprachgewlt kommt das schon fast al olle Luther ran (und ich bleibe bei der These, daß er die Aufklärung in Deutschland entscheidend mit vorbereitet hat; eine der wenigen, die mir nicht von der Korrektur angestrichen wurden…)

  3. ”eichsfeldisch-humanistische Werte”

    oh Herr!!!…

    treffender hätte er das (Selbst-)Bild vieler – aber zum Glück nicht aller – Eichsfelder kaum in einen Term bringen können, obwohl einige Eichsfelder Christen schom im Wort „Humanismus“ eine Art Schimpfwort sehen:
    http://forum.eichsfeld.net/viewtopic.php?f=10&t=1175&p=3481&hilit=humanismus#p3481
    paradox…

    Aber zumindeste das hat er auch mal gelernt (er hat Literatur studiert. Spezial- und Lieblingsgebiet: „Theodor Storm“).

  4. Die Worte spornen wahrhaftig an.Da fühlt man sich doch gleich lebendiger.

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