Ist die Nichtexistenz Gottes schon bewiesen?

Hinterfrage alles!Diesen Beitrag hatte ich ursprünglich für die „Achse des Guten“ geschrieben, wo man den Atheismus, vor allem in der Ausprägung der Giordano Bruno Stiftung, gerne mal als Ideologie darstellt. Zum Beispiel in diesem seltsamen Gastartikel von Alan Posener oder in jenem hier von Nathan Warzawski (der paradoxerweise dem Förderkreis der GBS angehört…). Das Thema des Beitrags lautet: Ist Gottes Nichexistenz beweisbar?

Leider hat die achgut-Redaktion kein Interesse an meinem Beitrag gezeigt. Ich muss wohl ein böser Atheist sein, der im Geheimen Drachen beschwört und Christenkinder verspeist. Während ich mich mit diesem schlimmen Schicksal arrangiere, dürft ihr euch am folgenden Beitrag erfreuen:

Der Atheismus wird gerne als eine Ersatzreligion oder Ideologie dargestellt, jüngst etwa von Bischof Mixa. Stalin, Mao und Konsorten hätten dieser Logik zufolge ihre Völkermorde darum begangen, weil sie nicht an Jungferngeburt und unbefleckte Empfängnis glaubten – als würde jemand, der die Gottesbeweise und religiöse Dogmen für wenig überzeugend hält, daraus folgern, er müsse nun ganz viele Menschen töten. Richard Dawkins hat darauf eine passende Antwort gefunden, als er anmerkte, dass Stalin und Hitler auch Schnurrbärte hatten und niemand behauptet, dass sie wegen ihrer gemeinsamen Schnurrbärte Verbrechen verübten (abgesehen davon war Hitler kein Atheist).

Henryk Broder drückt seine Kritik am Atheismus so aus: „Später wurde ich Agnostiker, aus Gründen der Logik: Wenn man nicht beweisen kann, dass es Gott gibt, kann man auch nicht beweisen, dass es ihn nicht gibt.“ Es tut mir leid, Herr Broder, aber so logisch ist das keineswegs. Wie der Philosophieprofessor Steven D. Hales sagte: „Raten Sie einmal, wie viele professionelle Logiker denken, dass man Nichtexistenz nicht beweisen könne? So ist es: Kein Einziger.“ Entweder wir können gar nichts beweisen, inklusive unserer eigenen Existenz und der Existenz dieses Universums (und so argumentieren Philosophen, die Herrn Broders Meinung teilen), oder wir können auch die Nichtexistenz Gottes beweisen.

In der Wissenschaft geht man davon aus, dass etwas, für das es keine Belege gibt, nicht existiert. Eine sinnvolle Annahme, denn die Alternative läuft darauf hinaus, dass wir von der Existenz von absolut allem ausgehen müssten. Gespenster, Gnome, Trolle, Big Foot und fliegende Spaghettimonster würden in einer solchen Welt freudig herumtollen. Es läge in diesem Fall an den Wissenschaftlern zu beweisen, dass all diese Dinge nicht existieren. Eine praktisch unmögliche Aufgabe. Alleine, um Big Foot zu widerlegen, müssten Wissenschaftler hinter jeden einzelnen Baum auf diesem Planeten gleichzeitig nachsehen, ob er sich dahinter verbirgt.

Stattdessen sagt man, dass derjenige, der eine Existenzbehauptung aufstellt, diese auch beweisen muss. Das ist religiösen Menschen in den letzten 200 000 Jahren seit der Existenz von Homo Sapiens mit Gott nicht geglückt. Ich wünsche ihnen viel Glück für die Zukunft und bleibe bis dahin Atheist.

Hinweis: Der Physiker Victor Stenger glaubt, dass man die Nichtexistenz zumindest des christlichen Gottes auch empirisch beweisen kann, nicht nur logisch. Er führt diesen Gedanken in seinem Buch God: The Failed Hypothesis weiter aus.

19 Kommentare zu “Ist die Nichtexistenz Gottes schon bewiesen?

  1. Stefan sagt:

    Hmm, ich bin mir da nicht so sicher, ob der Vergleich von Dawkins gut gewählt ist: Ich halte Männer mit Schnurrbärten eigentlich schon für gefährlich.

  2. Achmed sagt:

    „Raten Sie einmal, wie viele professionelle Logiker denken, dass man Nichtexistenz nicht beweisen könne? So ist es: Kein Einziger.“

    Erinnert an die wahren Schotten. Sicherlich sind Logiker, die von der Nichtbeweisbarkeit Gottes ausgehen, unprofessionell. Ansonsten ein dolles Argument aus der Autorität. *gähn*

  3. derautor sagt:

    Das wäre nur ein Autoritäts-Argument, wenn ich
    1. Seine weitere Argumentation nicht verlinkt hätte.
    2. Sie nicht weiter im folgenden zusammengefasst hätte.

  4. schopi8 sagt:

    Mixa und Broder zeigen einmal mehr, dass in Bezug auf religiösen Glauben eigentlich nur noch die Frage zu klären ist:
    Führt Religion zu einem schweren Schädel-Hirn-Trauma
    oder
    Ist Religion ein schweres Schädel-Hirn-Trauma?

    Anyway…
    „Religion ist heilbar“

  5. Frager sagt:

    Du zeigst, dass es nicht sinnvoll ist, von der Existenz nicht beweisbarer Entitäten auszugehen. Das ist aber eine ganz andere Kategorie als die Beweisbarkeit der Nichtexistenz – da fände ich logische Schlußfolgerungen extrem spannend.

    Bis dahin bleibe ich im Prinzip Agnostiker im Bezug auf die Existenz von Christengott, Zeus, Osterhase, …, werde mich aber trotzdem weiter als Atheisten bezeichnen.

    Bzw. wenn Glauben bedeutet: „Ich nehme mit einer Wahrscheinlichkeit sehr nahe bei 1 an, dass…“ – dann ist der Satz „Ich glaube, dass Gott nicht existiert“ für mich korrekt. „Ich weiss, das der Osterhase nicht existiert“ ist für mich hingegen falsch.

  6. webbaer sagt:

    In der Wissenschaft geht man davon aus, dass etwas, für das es keine Belege gibt, nicht existiert.

    Exakt, der Wissenschaftler „weiss“ immer unter Irrtumsvorbehalt, er „geht davon aus“.
    Das was Du hier treibst ist Politik, da ist es absolut richtig in „diesen“ Kategorien zu denken.
    (Wobei der Atheismus auch noch insofern uncool ist, als dass er (oft) nur Schlechtes in den Religionen sieht, also antireligionistisch wirkt. Die Religionen waren stattdessen natürlich die Basis der europ. und damit auch weltweiten Zivilisation. Jedenfalls zwei davon, aber ein anderes Thema…)
    Beste Grüße!

  7. derautor sagt:

    „Die Religionen waren stattdessen natürlich die Basis der europ. und damit auch weltweiten Zivilisation“

    Ich frage mich, wo Gläubige ihre historische Bildung hernehmen. Aus dem Indoktrinationscamp der Pius-Brüderschaft? Du erwähnst die Aufklärung ja nicht einmal, Quelle der Menschenrechte und der freien Gesellschaft – der Zivilisation. Das Christentum war stets der ärgste Zivilisationsfeind.

  8. webbaer sagt:

    Darum ist die Zivilisation auch in chrsitlich-jüdischen Europa entstanden, die beiden genannten Religionen waren zwar „ärgste Zivilisationsfeinde“ – aberrr, anderswo war es noch viel schlimmer.

    Immer schön mit Maßstäben arbeiten, gell.

    BTW, bist Du hier der Haupt-Mac?

    • derautor sagt:

      Die Aufklärung fand ebenfalls im Europa statt und beendete das dunkle, christliche Mittelalter, das alles andere war als zivilisiert.

      • webbaer sagt:

        Sischer.
        Und da war eben die Infrastruktur, die durch Christen- und Judentum gegeben war, förderlich. Und zwar völlig unabhängig davon, ob Du eine Meinung hast, wer hier Zivilisationsfeind ist und wer nicht.
        Also, Du hast jetzt nicht geantwortet, ob Du der Haupt-Mac bist hier, also für den Artikel verantwortlich, aber dennoch: Die Nichtexistenz von Nichtexistentem ist nur dann beweisbar, wenn das System, das das Behauptete enthält, vollständig geprüft werden kann, dabei vollumfänglich verstanden wird.
        Ansonsten bricht man sich einen ab mit dem Versuch „empirisch“ (LOL) zu beweisen, was bewiesen werden soll. Hoffe mal, dass sich der gute Mann in seinem Buch nicht allzu stark exponiert hat.
        Beste Grüße!

  9. derautor sagt:

    Die Infrastruktur? Keine Ahnung, worin die bestanden haben soll. Mir fällt dazu nur der Feudalismus ein, der die Menschen zu Sklaven machte.

    Die Nichtexistenz eines rein übernatürlichen Gottes lässt sich nicht empirisch beweisen, die Nichtexistenz des christlichen Gottes, der Gebete erhört, Wunder wirkt, etc. sehr wohl. Man muss nur empirisch überprüfen, ob Gebete wirken. Das hat man getan, sie wirken nicht, also existiert der christliche Gott, der Gebete erhöhrt, nicht.

    Ich bin der Administrator und einzige Blogautor.

    • webbaer sagt:

      Ja, genau, Du musst Dich mit dem Christen- und Judentum und der europäischen Geschichte vertraut machen, wenn Du die Aussage bzgl. des zivlisatorischen Wertes der beiden Religionen verstehen willst. [1]
      Bzgl. des Beweises der Nichtexistenz von Nichtexistentem sind wir wohl auch anderer Meinung.
      🙂

      [1] Anregungen: Schau einfach mal auf die Barbarei, die anderswo geherrscht hat (und teilweise noch jetzt herrscht). Oder überlege Dir mal was die Menschen von 100.000 v.Chr. bis sagen wir mal 5.000 v.Chr. gemacht haben. Was in dieser Zeit nicht so toll geklappt hat, jedenfalls nicht ausgereicht hat eine nachhaltige Zivilisation aufzusetzen. Die seinerzeitigen Menschen haben sich wohl anatomisch gar nicht so stark von unsereins unterschieden.
      Also wirklich mal (auch mit ein wenig Fantasie) übelste menschliche Minderleistungen betrachten, dann werden die werthaltigen Standards der „Zivilisationsfeinde“ sicherlich klar.

  10. Stefan sagt:

    webbaer:
    Und du solltest dir schleunigst die reale Zivilisationsgeschichte einmal ansehen. Die Erfindung von Ackerbau, Städten, Verwaltung, Schrift und Staaten geht auf den nahen Osten zurück – Mesopotamien. Die Sumerer waren das erste Volk der Welt, das ein Großreich gründete und es waren auch die Sumerer, die als erste eine Schrift erfanden. Für Jahrtausenden spielte sich Zivilisation im nahen Osten und nicht in Europa ab. Diese ersten und großen Zivilisationen der Menschheitsgeschichte von den Sumerern über die Assyrer und die Babylonier, zu den Hethitern, Ägyptern und Griechen – alle frühen Hochkulturen hatten eines gemeinsam: sie hatten mit Christentum oder Judentum oder allgemein Monotheismus absolut nichts zu tun.
    Im Gegenteil. Betrachtet man Zivilisation und Christentum ergibt sich eine andere interessante „Kleinigkeit“. Denn der Aufstieg des Christentums korreliert und hat vermutlich bedingt, den Untergang des römischen Reichs, die Vernichtung der antiken Kultur und des antiken Wissens und führte damit aktiv den Beginn der dunklen Zeit, des Mittelalters herbei. Erst als sich die Menschen wieder etwas von der Kirche abwendeten begann auch im Christentum wieder die Moderne. Und zwar mit der Wiederentdeckung des von Christen verfolgten und zu vernichten versuchten antiken Wissens. Wie sehr diese christliche Zerstörungswut uns noch heute zu schaffen macht, zeigt schön dieser http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,644238,00.html Artikel. Das ist das wahre Gesicht deiner angeblichen Zivilisationsbringer. Das Christentum war von Anfang an ein Kultur- und Zivilisationsvernichter, getrieben von unbändigem Hass auf alles, was nicht in der Bibel steht. Einem Hass, dem selbst die große Bibliothek in Alexandria zum Opfer fiel.
    Für dem Lesen abgeneigte Zeitgenossen kommt demnächst sogar eine Hollywood-Verfilmung Zivilisationsvernichtung durch die Christen. Agora http://www.youtube.com/watch?v=7pm_PEGSWeA erzählt die Geschichte von Hypatia, die an der großen Bibliothek in Alexandria arbeitete und lehrte und das Pech hatte, den Aufstieg des Christentums und dessen Streben alles nicht-christliche Wissen und jede nicht-christliche Kultur zu vernichten, mitzuerleben. Hypatia ist dabei keine Erfindung, sondern eine gut belegte historische Person, die der Nachwelt wegen ihrer brutalen Ermordung durch fromme Christen in Erinnerung blieb. Das Christentum als Zivilisationsbringer. Das ist an menschenverachtenden Zynismus nicht mehr zu überbieten …

  11. webbaer sagt:

    Das Christentum als Zivilisationsbringer. Das ist an menschenverachtenden Zynismus nicht mehr zu überbieten …

    Christen- und Judentum kapseln bspw. das Deeskalationsprinzip oder das Prinzip der angemessenen Bearbeitung. Das ist ein Wert an sich, man darf davon ausgehen, dass das Eskalationsprinzip und das Recht des Stärkeren „längere“ Zeit massgeblich war.
    Du zeigst hier übrigens auch ein Zivilisationsdefizit, wenn Du „Menschenverachtung“ vorwirfst. Liesse man Dich wie Du möchtest, LOL, dann wäre auch einiges zu befürchten, gell.
    Geh ruhig mal davon aus, dass die Systeme, die die Aufklärung gebracht hat, die anderswo nicht möglich gewesen wäre, wie sich der Webbär gerne erlaubt anzumerken, ausschlaggebend sind für die Zivilisation, wie wir sie kennen und schätzen.

  12. Stefan sagt:

    Nein, davon darf man nicht ausgehen. Im Gegenteil. Aufgrund von allem, was man weiß, war jede einzelne Erfindung des Christentum bereits vorher vorhanden. Insbesondere jeder einzelne angeblich christliche Wert existiert in praktisch jeder menschlichen Kultur vollständig unabhängig vom Christentum. Es hat uns an Werten von daher absolut gar nichts gebracht. Was am Christentum deeskalierend sein sollte, bleibt dein Rätsel. Und Menschenverachtung werfe ich nicht vor, sondern stelle einfach nur nüchtern fest. Es existiert keine andere Religion auf dieser Welt, welche eine so breite, tiefe und lange Blutspur kontinuierlich durch die Weltgeschichte zieht wie das Christentum. Was meinst du, warum die „Kriminalgeschichte des Christentums“ zwölf dicke Bände füllt? Weil Christen im Namen ihres Glaubens furchtbar nett sind? Auch heute ist das nicht anders. Beispiele liesen sich unzählige nennen. Aber ich fürchte, das wäre bei dir völlig sinnfrei. Denn … was weißt du schon von mir? Dass ich an keinen Gott glaube ist ein sicherer Schluss. Dass ich das Christentum nüchtern sehe auch. Und sonst? Nichts. Aber das reicht dir ganz genau, um zu wissen, was für ein Monster, ein Unmensch ich bin, der ganz, ganz sicher ganz, ganz schlimme Dinge anstellen würde, hätte er was zu sagen. Das ist ja auch klar. Schließlich habe ich ja keine göttliche Moral. Ein Monster muss ich also sein! Ist klar 🙂

    • Stefan sagt:

      Oh, ich sehe gerade. Die Kriminalgeschichte des Christentums ist doch nur auf 10 Bände angelegt (9 sind bisher erschienen). Mea Culpa.

  13. webbaer sagt:

    Insbesondere jeder einzelne angeblich christliche Wert existiert in praktisch jeder menschlichen Kultur vollständig unabhängig vom Christentum.

    Wenn das die Gegenthese ist, nunja, LOL.
    Zudem, und jetzt mal ganz im Ernst: Du must ruhiger werden, die Debatte schien doch interessant und sachlich. Da darfst Du mit solchen Vorhalten nicht kommen.
    Sachlich gibt es aus meiner Sicht nichts mehr nachzutragen, zumindest im Moment sieht der Webbär nichts dementsprechendes, also, bis denne, beste Grüße!
    Webbär
    PS: Auch an den Inhalteanbieter!

    • Stefan sagt:

      Ach komm, das ist doch ein Witz. Du gibst klar zu verstehen, dass du von der historischen Realität nicht viel hältst, wähnst dich erkennbar überlegen (was interessant ist, da du offenbar keine Details zur Geschichte des Christentum kennst) und fährst persönliche Angriffe. Und du glaubst, das sei eine ruhige, freundliche Diskussionsart? Aber ich kann dich beruhigen. Ich rege mich nicht auf. Ich habe lediglich deinen persönlichen Angriff überspitzt dargestellt, weil dir die Unsachlichkeit deiner Beiträge nicht bewusst zu sein scheint.

      Und nur noch einmal zur Deutlichkeit: Dass das Christentum keine Werte erfunden hat, das ist keine lustige, amüsante Gegenthese, sondern weitestgehend Tatsache. Dass dir das nicht in deine Propaganda passt, das ist klar. Aber die Erde ist ja aus religiösen Gründen auch keine 10.000 Jahre alt und flach. Wissen wir ja 🙂

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