Können Tiere denken?

Denkender AffeLässt sich unsere Katze gerne streicheln, weil sie uns mag, oder weil wir ihr Futter geben? Inwiefern sind Tiere in der Lage zu denken? Der Philosoph Reinhard Brandt kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Tiere zum Erwägen, Urteilen, Reflektieren, logischen Verknüpfen und Moralisieren nicht fähig sind. Sie reagieren nur auf Reize, obgleich beizeiten auf recht komplexe Art und Weise, was die Illusion erzeugen kann, sie würden denken wie wir.

Laut einem neuen Buch von Prof. Marc Bekoff dagegen können Tiere nicht nur denken, sondern sie treffen auch moralische Entscheidungen. Diese regulieren angeblich das Sozialverhalten der Tiere. Es geht Prof. Bekoff vor allem um ein angeborenes Gespür für Fairness und Empathie, teils über Artgrenzen hinweg (z.B. Delfine). Der Primatologe Frans de Waal gibt allerdings zu bedenken: „Ich glaube nicht, dass Tiere im selben Sinne moralisch sind wie Menschen – mit einem hochentwickelten und vernunftbasierten Gespür für richtig und falsch – aber ich glaube, dass menschliche Moralität ein Bündel von psychologischen Neigungen und Fähigkeiten enthält, wie Empathie, Reziprozität (Gegenseitigkeit), ein Verlangen nach Kooperation und Harmonie, die älter sind als unsere Spezies.“

„Die menschliche Moralität hat sich nicht aus dem Nichts entwickelt, sondern erwuchs aus unserer Primatenpsychologie“, sagt de Waal ferner. „Primatenpsychologie hat uralte Wurzeln und ich stimme zu, dass andere Tiere viele der selben Neigungen zeigen und eine intensive Sozialität besitzen.“

17 Kommentare zu “Können Tiere denken?

  1. Stefan sagt:

    „Sie reagieren nur auf Reize, obgleich beizeiten auf recht komplexe Art und Weise, was die Illusion erzeugen kann, sie würden denken wie wir.“
    Wo ist da jetzt der Unterschied zum menschlichen Denken?

  2. derautor sagt:

    Wir reflektieren. Zumindest ich reflektiere, wobei mir aufgefallen ist, dass dies nicht für alle Mitglieder der Spezies gilt und insofern Ergebnis einer böswilligen Mutation sein könnte.

  3. Thomas sagt:

    Für mich ist diese Frage eher nebensächlich. Ich halte mich an Jeremy Bentham, was meine Behandlung von anderen Lebewesen anbelangt:

    „Die Frage ist nicht ‚Können sie denken?‘ oder ‚Können sie reden?‘, sondern ‚Können sie leiden?'“

  4. Peter N. sagt:

    Das ist vielleicht ohnehin der bessere Weg. Überhaupt, haben wirklich alle Menschen ein „hochentwickeltes und vernunftbasiertes Gespür für richtig und falsch“? Wenn man davon ausgeht, lassen sich viele Grausamkeiten jedenfalls nicht erklären. Eher scheint jeder noch so unmoralischse Klotz zu großem Egoismus fähig zu sein.

  5. derautor sagt:

    Gewalt ist eine Strategie, um seine Gene zu verbreiten und um das eigene Wohlbefinden zu verbessern. Eine Gesellschaft muss dafür sorgen, dass sich diese Strategie nicht lohnt, andernfalls werden Menschen zu ihr greifen.

  6. H. Lektor sagt:

    Wenn man das „reflektieren“ nun aber wörtlich nimmt, ehrenwerter Autor, dann bedeutet es nichts anderes, als daß die Eindrücke, die das Wesen/Subjekt von der Welt empfängt in ihm bzw. seinem Geist widergespiegelt werden. Und das ist inchts anderes als Reizreaktion und wie der „Unterschied“ zu den Bewußtseinsfunktionen nichtmenschlicher Tiere nun genau vorzustellen ist, müßte genauer ausformuliert werden. Ein einfaches „wie wir“ ist zu flach gestrickt und schon immer der Nährboden für die dähemlichsten Tatrechtfertigungen gewesen (Rassismus, ethnozentrik, androzentrik).

  7. H. Lektor sagt:

    PS: Worauf willst Du mit dem kurzen Beitrag eigentlich hinaus?

  8. derautor sagt:

    Aus dem oben verlinkten Artikel:

    „Zum ersten muss das Urteil sich auf etwas beziehen, dass der Denker sich geistig vorstellt und das außerhalb des Urteils liegt, zum zweiten muss sich die Aussage bejahen oder verneinen lassen und drittens wahr oder falsch sein können. „Der Baum ist nicht rot“ wäre ein Beispiel für solch ein Urteil: Das Prädikat „rot“ zeigt imaginativ auf etwas, das außerhalb des durch „Baum“ bezeichneten Gegenstandes liegt. Die Aussage beinhaltet die Möglichkeit einer Verneinung – in diesem Fall wird sie ausgesprochen. Und das Urteil des nicht-roten Baumes kann wahr oder falsch sein.

    Schon im ersten Kapitel kommt der Autor zu dem Schluss, dass Tieren eben diese Art des urteilenden Denkens nicht möglich ist“

    Ich gebe Frans de Waal hier recht.

  9. Stefan sagt:

    Mal überlegen…
    Meine Katze sitzt oft mit am Mittagstisch und beobachtet uns. Manchmal sieht wohl etwas interessant genug aus, um darum zu betteln. Dies geschieht durch Kratzen des Ellbogens.
    Wenn man ihm dann ein Stück Zuchini anbietet, untersucht er es olfaktorisch und wendet sich dann ab.
    Eine Entscheidung „Dieses Stückchen ist nicht essbar“ wurde getroffen.

    Inwiefern Menschen in der Lage sind, komplexere Geschehnisse, Zusammenhänge oder einfach nur Gegenstände zu „reflektieren“, ist einfach eine Frage der komplexität der Denkfähigkeit. Eine Aussage wie „Dieses Wesen verfügt über (keine) Denkfähigkeit“ beschreibt die Sache nur ungenau. Es gibt Zwischenstufen.

    Die Gemeinsamkeit ist aber trotzdem

    Reiz – Reizverarbeitung – Reaktion.

    Alles weitere sind nur Details.

  10. derautor sagt:

    Tiere können nicht in die Zukunft planen, sondern leben im Moment. Ich halte das für einen entscheidenden Unterschied. Und ihre Kommunikation ist erheblich simpler, sie kennen etwa keinerlei Bildersprache oder Symbolik. Ich finde, die Stellung der Tiere wurde als Abwehrreaktion auf das Christentum zu sehr erhöht. Das hat mit den Fakten einfach nichts mehr zu tun, wenn man etwa den „Mord“ an Tieren mit dem Holocaust vergleicht, wie PETA das tut.

    • Stefan sagt:

      Ich ging bisher stillschweigend davon aus, dass du mit Tieren Nicht-Menschen meinst.

      http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,612251,00.html

      Oder beziehst du das Word gar auf Nicht-Primaten?

    • H. Lektor sagt:

      Also ist der Mensch kein Tier (mehr)? Und das mit der Kommunikation ist auch noch nicht restlos raus. Möglicherweise sind unsere Analyseverfahren ja auch erheblich zu simpel? Und was heißt bitte „Abwehrreaktion auf das Christentum“? – Franz von Assisi hat den tieren das Evangelium gepredigt, war er jetzt Antichrist? Und was den Holocaust angeht: Der wird in Leviticus am Anfang angeordnet. Und zwar Tiere betreffend (Luther: „Ganzopfer“). Insofern ist die Bezeichnung „Holocaust“ für den Massenmord 33/45 ein Vergleich – mit Tieropfern. Weer wird damit nun eigentlich beleidigt????

  11. freidenkerin sagt:

    Wer bestimmt eigentlich definitiv, was unter Intelligenz, Denken, ja, gar Moral zu verstehen ist? Wir Menschen? Oh weh! Allein was die Moral anbelangt, ist uns jeder Vierbeiner haushoch überlegen, kein anderes Säugetier würde mutwillig Millionen Artgenossen in den Hungertod treiben, im Kampfe umbringen oder deren Reviere verseuchen. Meine Katze ist dazu imstande, meine Stimmungen zu erkennen, sie gibt mir Trost, Liebe und Wärme, wenn es mir nicht wohl ergeht. Sie setzt mit erkennbar taktischem Kalkül ihren Charme und Zärtlichkeiten ein, um von mir Schleckerlis zu erbetteln. Sie kann feststellen, welchen Weg ein Beutetier nehmen wird, und ihm den Weg abschneiden. Unsere Sinne sind im Vergleich zu sehr vielen anderen Säugetierarten nicht grade gut ausgeprägt, wir sollten uns allesamt hüten, über Verstand, Nichtverstand, moralischem Vermögen und Fähigkeit zum Denken einer anderes Spezies zu urteilen.

  12. Aeternitas sagt:

    Das scheint mir aber ein sehr verklärt des bild der Realität zu sein das du hier offenbarst.
    Deine Argumentation kann man genauso gut umdrehen, welches andere Lebewesen würde jemals auf die Idee zu kommen andere Tiere vor der Ausrottung zu bewahren, zumindest mir ist keins bekannt, ganz im gegenteil andere Lebewesen rotten sich in der Regel ohne Rücksicht auf Verluste gegenseitig aus.

    • H. Lektor sagt:

      mit verlaub, Sie gehen ziemlich schlampig mit dem Begriff „Realität“ um. Und das unter dem Nutzernamen Ewigkeit…den Rest verkneife ich mir und erspare ich dem Rest der Welt.

  13. freidenkerin sagt:

    Ach, mir ist ein sogenanntes verklärtes Bild der sogenannten Realität – ich lebe übrigens hervorragend damit! – tausendmal lieber als ein engstirniges.

  14. NixZen sagt:

    Also ich denke das wir nicht alles wissen, sondern nur denken wir wissen alles.
    Hab mir selbst mal ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht, wer Lust hat zu lesen:
    http://nixzen.wordpress.com/2010/03/08/konnen-tiere-so-denken-wie-menschen/

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.