Staat macht Kirche traurig

Zufriedenheit mit der religiösen Gemeinschaft hängt vom Staat ab

Je mehr sich die Regierung in religiöse Belange einmischt, zum Beispiel durch die finanzielle Förderung bestimmter Religionsgemeinschaften, desto weniger zufrieden sind Gläubige mit ihrer Kirche. Diesen Zusammenhang belegt eine neue Studie, welche zudem die Frage aufwirft, warum die BRD die Kirchen trotzdem mit unseren Steuergeldern vollstopft.

Es macht glücklich, eine religiöse Identität zu haben, also ein selbsterklärter „religiöser Mensch“ zu sein, im Gegensatz zu einem nichtreligiösen Menschen oder einem Atheisten. Der Effekt ist sogar ziemlich stark, eine religiöse Identität macht halb so glücklich wie verheiratet zu sein (was im Umkehrschluss natürlich doppelt so glücklich macht).

Das verwundert mich im Grunde nicht. Sicher macht es glücklich, sich im Begriff der alleinseligmachenden Wahrheit zu sehen, als Auserwählter und persönliches Lieblingsgeschöpf Gottes. Es macht auch glücklich, sein Lebens im Drogenrausch zu verbringen und manche Menschen macht es sehr glücklich, Enten zu kastrieren oder sich mit dem Hammer auf den Kopf zu hauen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie lautet, dass die Regulierung (Garantie) gesellschaftlicher, religiöser und politischer Freiheit durch die Regierung religiöse Menschen glücklicher macht. Je freier eine Gesellschaft, desto zufriedener die Gläubigen, denn sie können sich genau die Gemeinde aussuchen, die ihnen am besten gefällt. Je mehr eine Regierung eine bestimmte Gruppierung bevorzugt, desto unzufriedener und unglücklicher werden die Gläubigen. Wir bezahlen in Deutschland satte 98% der kirchlichen Sozialkonzerne (Caritas, Diakonie, etc.) von unseren Einkommenssteuern und Beiträgen, außerdem zahlen wir die Gehälter der katholischen Bischöfe. Mit den Kirchensteuern bezahlen die Angestellten der Sozialkonzerne ihre eigenen Gehälter. Diese Praxis ist natürlich grundgesetzwidrig, interessiert aber niemanden.

Vielleicht könnte sich das endlich ändern, sobald Gläubige einsehen, dass die Trennung von Kirche und Staat eindeutig in ihrem Interesse liegt. Die einzigen Profiteure der aktuellen Regelung sind nicht die Gläubigen, sondern die wenigen Bischöfe und Chefs der Kirchen, die sich mit unseren Steuern prächtige Villen zulegen. Insofern ist die Trennung von Kirche und Staat ein gemeinsames Anliegen von Atheisten und Gläubigen.

11 Kommentare zu “Staat macht Kirche traurig

  1. AndreasK sagt:

    Enten kastrieren? Joooh, könnte ich mir als ganz lustige Religion vorstellen …

  2. Aeternitas sagt:

    Hättest du einen Link zu der Studie?

  3. AndreasK sagt:

    Der Staat sollte die Kiche mal RICHTIG traurig machen und die Milliarden-Unterstützungen streichen. Und einen religionsneutralen Ethik-Unterricht einführen. Dann würden auch ander Religionen nicht mehr jammern können, dass ihre Lehre nicht schulisch abgedeckt ist.

  4. Stefan sagt:

    Ich denke, wenn wir nicht diese einseitige Bevorzugung zweier Kirchen hätten, gäbe es einen freieren Glaubens-Markt. Das hätte zwar viel Wildwuchs zur Folge, aber auch eine lebendigere Diskussionskultur. Außerdem könnte man ja im Laufe des Lebens wechseln, so wie man ja sein Leben lang auch nicht dieselbe Partei wählt. Der Automatismus entweder katholisch oder evangelisch zu sein, erstickt hingegen die Reflexion über den Glauben, weshalb die Automatischgläubigen so irritiert sind, wenn ihnen ein Atheist begegnet.

    • Bebu sagt:

      Das stimmt zwar. Aber wenn ich mir ansehe, wie Kirchen in den USA aggieren, weiß ich nicht, ob ich deren offensiv aggressive Art lieber in Deutschland hätte als die deutschen Kirchen, die aufgrund der Finanzierungsmethoden immer mehr den Kontakt zu den Menschen verlieren.

  5. gernoteimann sagt:

    Der Staat unterstützt ja nicht umsonst die Gehirnwaschzentralen. Er kann sich auf zwei drittel der Bundesbürger verlassen, die sich zu allen Antworten die der Staat und die Politik in die Runde schmeißt, ruhig verhalten. Und das ist einiges Wert,wenn nicht noch mehr.
    Und ist das Leben hier eine Endausscheidung, so wartet ja schon das bessere im nirgendwo.
    Man sollte Ihnen einfach per Gesetz verbieten zu missionieren, dann wäre nach drei vier Generationen aah Ruah, und der Mensch könnte endlich anfangen, da weiterzumachen, wo er vor 2000 Jahren aufhören musste,
    nämlich sich weiter zu entwickeln.

    • Bebu sagt:

      Ob wirklich die ganzen zwei Drittel den Kirchen folgen, bezweifel ich dann doch. Sind immerhin viele Taufscheinchristen dabei und einige deren berufliche Existenz von kirchlichen Vereinigungen abhängt.

      Ein komplettes Missionierungsverbot würde ich nicht unterstützen. Vielmehr würde ich verlangen, dass sich alle Religionsgemeinschaften mit ihren kompletten Hauptschiften (quasi ihrem Programm) im Rahmen des Grundgesetzes, der Menschenrechte und der FDGO bewegen müssen (dürfte bei Bibel, Koran & Co schon schwierig werden) und wenn dies nicht der Fall ist, sollte man sie zu Anpassungen zwingen und ggf. vom Verfassungsschutz beobachten lassen.
      Darüberhinaus brauchen wir ein Gesetz, dass die religiöse Beeinflussung von jungen Menschen (also Jugendlichen und Kleinkindern) effektiv unterbindet.
      (Letzteres könnte wohl wirklich zu einem schnellen Absterben der alten Religionen führen.)

      • gernoteimann sagt:

        Jetzt wird es aber konkret. Dazu müssten wir in der Regierung Stimmen gewinnen und das dürfte wohl die größte Hürde bedeuten. Wunschdenken hilft da leider nicht. Solange der Staat von den Kirchen profitiert, sollte man nicht zu euphorisch sein. Wir stecken hier in einem sogenannten Teufelskreis, wenn man das Wort in den Mund nehmen darf. Wir haben es der Einheit zu verdanken, dass wir überhaupt ein drittel sind. Die sogenannten harmlosen, sind ein erhebliches Gewicht, wahrscheinlich das Größte. Sie werden uns aber sofort den Rücken kehren, wenn wir derart vorgehen würden. Wenn es eine Möglichkeit gibt, dann die, Das alles, was gegen die Religionen spricht und auch schon bewiesen ist, zu verbreiten zu allererst unter uns und dann nach außen. Wir sind nämlich auch eine Familie, nur schwerer unter einen Hut zu bekommen, was ja auch gut ist. Das soll nicht heißen, dass wir uns organisieren müssen, obwohl dieser Gedanke einiges für sich hat.
        Die Maxime ist schon alt: „Wissen tötet den Glauben und das ist doch gut zu wissen, oder?
        Im Übrigen muß nur die Lüge immer wiederholt werden, die Wahrheit braucht dies nicht, aber sie ist der Veränderung unterworfen. Ihr einziges Mango.

  6. derautor sagt:

    Mir würde es schon reichen, wenn sich die religiösen Privatschulen an die Lehrpläne halten müssen und nicht vom Staat finanziert werden, wie Religionsgemeinschaften allgemein. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht selbst die freie Gesellschaft gefährden bei unserem Versuch, sie zu schützen.

    • gernoteimann sagt:

      Das ist vollkommen richtig, in diese Richtung zu denken, ohne Dich belehren zu wollen. Es werden kleine Schritte mit viel Arbeit sein, gegen einen übergroßen Widerstand. Leider ist da mit Vernunft und Verstand nicht viel zu erreichen. Wir sollten weniger dissen aber mehr wissen.

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