Sie haben Terminator abgesetzt!

TSCC

Verdammt! Terminator: The Sarah Connor Chronicles war eine Serie, die man sich als halbwegs intelligenter Mensch hat ansehen können, ohne gleich zu einer flüssigen Masse Blei zu zerschmelzen. Im Gegensatz zum aktuellen Kinofilm, der zwar aufwändig gemacht ist, aber inhaltlich belanglos, profitierte die Serie von intelligenten Drehbüchern.

Auch vordergründig, was Effekte, Action und schauspielerische Leistungen angeht, gab es nichts an TSCC auszusetzen. Für eine Fernsehserie höchstes Niveau, ähnlich wie die Neuauflage von Battlestar Galactica. Leider gab es am Ende nicht genügend Zuschauer, hauptsächlich Nerds und andere Außenseiter wie ein paar antireligiöse Blogger (Hallöle!) blieben der Serie treu.

Dabei ging es um so einfache Fragen wie die Entwicklung von Technologie und ihren Einfluss auf die Gesellschaft, inwiefern sich Menschen von Maschinen unterscheiden, Religion und ein erst schwesterliches, bis zunehmend erotisches Verhältnis zwischen John Connor und einem weiblichen Terminator (lechz!).

TSCC war, zugegeben, ein bisschen reaktionär. Der technologische Fortschritt endet in der Katastrophe, in einem intelligenten, selbstbewussten Netzwerk namens Skynet, das die Menschheit als seinen Feind erkennt (warum eigentlich?) und ihn auslöschen will. Darum werden in der Serie seitens der Connor-Fraktion allerlei Aktionen gestartet, um den Fortschritt aufzuhalten, die meist darin bestehen, irgendwen zu erschießen oder etwas in die Luft zu sprengen. Dabei werden interessante, ethische Fragen utilitaristischer Natur gestellt, etwa, ob es legitim ist, jemanden zu töten, der gar nicht weiß, dass er zum Untergang der Menschheit beitragen wird. Cameron, der weibliche Terminator auf der Seite von John Connor und seiner Mutter, entscheidet sich meist dazu, die Frage mit „ja“ zu beantworten.

Trotzdem, schwarz/weiß war die Serie eben gerade nicht. Zum Grundkonzept gehörte schließlich, dass sich Camerons Modellreihe von ihren Vorgängern dadurch unterscheidet, dass sie menschlicher ist. Sie entwickelt sich immer mehr in Richtung Mensch, teils angeblich wegen eines Fehlers, der durch eine Beschädigung ihres Chips verursacht wurde. So oder so verblassen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine. Dies gilt ebenso für John Henry und Cathrine Weaver, beide Terminatoren, die sich zunehmend in die Menschen hineinversetzen können und sich ihnen angleichen.

Der FBI, später Ex-FBI-Mann Ellison spielt dabei die Rolle des christlichen Gläubigen. Als er John Henry vom Himmel erzählt, meint dieser, dass es dort ganz schön eng sein müsste, wenn selbst für seine Seele ein zimmergroßer Speicher benötigt wird (er wird in der Gegenwart konstruiert, daher ist sein Speicher größer). Meiner Interpretation nach müsste die Serie, hätte man sie nicht abgesetzt, letztlich in der Aussage kulminieren, dass wir eben keine übernatürliche Seele besitzen, sondern unsere Persönlichkeit ein emergentes Produkt neuronaler Vorgänge ist, und dass wir uns insofern nicht von (hypothetischen, weit fortgeschrittenen) Maschinen unterscheiden. Etwas anderes lässt sich auf naturalistischer Grundlage auch nicht begründen.

Alle Terminatoren können mit der Religion nichts anfangen (im Gegensatz zum in dieser Hinsicht arg unrealistischen, obgleich irgendwie amüsanten Battlestar Galactica, wo die feindlichen Maschinen christliche geprägte Monotheisten sind). Das gilt allerdings ebenso für John Connor, seinen Onkel und seine Mutter, für die der Glaube ans Übernatürliche keine Rolle spielt, vielmehr die Hoffnung, dass man die Zukunft im Diesseits verändern kann, ein säkular-humanistischer Gedanke. Das lässt die Interpretation platzen, die Serie wolle Religion als besonders erstrebenswerte Eigenschaft der Menschen herausstellen. Wohl eher als besonders blöde Eigenschaft, angesichts dessen, dass Ellison wie ein Idiot rüberkommt uns sogar gegen den geistig simplen John Henry nicht besteht.  Es ist ungemein schade, dass TSCC abgesetzt wurde, bevor die Serie ihre provokative Aussage tätigen konnte, dass es keine fundamentalen Unterschiede zwischen Menschen und Maschinen gibt. Im aktuellen Terminator-Kinofilm unterscheidet uns von Maschinen „das menschliche Herz“, mit plattem Symbolismus durch ein reales Herz dargestellt. Solche banalen Blödheiten hätte man in TSCC nicht befürchten müssen.

Und nun? Jetzt sind wir dazu verdammt, darauf zu warten, dass sich die Transhumanisten durchsetzen und uns endlich zu übermenschlichen Cyborgs umbauen. Einen anderen Ersatz für diesen schweren Verlust sehe ich kaum. Würde Battlestar Galactica und die zweite Staffel von TSCC nicht bald auf Blu Ray erscheinen, würde ich mich glatt sofort an Skynet ausliefern. Die Präsenz intelligenter Serien korreliert nämlich mit meinem Vertrauen auf die menschliche Spezies und im Moment sieht es schlecht damit aus. Ob mich die neue Stargate-Serie menschenhoffnungsmäßig rekonstruieren kann?

10 Kommentare zu „Sie haben Terminator abgesetzt!

  1. Hmmm,nie gesehen, aber vielleicht schau ichs mir mal an.
    Habe grade -zusammen mit meiner Lebensgefährtin- die erste Staffel von „Six Feet Under“ geschaut. Ganz große Empfehlung (im Original auf englisch schauen), mit Sicherheit eine der besten Serien überhaupt.

    1. Ja, die haben wir auch auf DVD besorgt. Tipp: ebay nach englischen Versionen schauen – da gibt es das gute Ding schon mal sehr günstig!

  2. Die erste Staffel von Six Feet Under war auch klasse, besonders die Werdbung.

    TSCC fand ich zwar auch gut aber ich fand das immer ein bisschen Schwierig mit den Zeitreisen, aber in jedem Fall besser als der Film, obwohl der zweite ja auch schon in die Richtung ging die Grenze zwischen Machine und Mensch zu vermischen.
    Bei Battlestar, fand ich eigentlich nur den Typen (ich vergess den namen immer) interessant der wegen nem Chip im Hirn immer mit seiner (maschinen)Freundin redet,der der später auch (kurz) zum Präsidenten gewählt wird.

  3. Ich habe von der Serie nur die erste Folge gesehen und war damals davon nicht so sehr begeistert. Vielleicht lag es daran, dass ich die ersten beiden Kinofilme so gut fand oder dass die Serie sich (wie eigentlich alle Serien) erst in den ersten Folgen finden muss, bis sie zu voller Blüte erstrahlen kann. So gesehen weiß ich natürlich nicht, wie gut die späteren Folgen waren.
    Irritiert hat mir nur eine Szene, in der ein Terminator, der Johnt töten sollte, eine Pistole unter seinem Fleisch versteckt hat und dann als Lehrer da in der Wunde rumpulte. Was das sollte, hab ich damals nicht so recht verstanden und hat mich neben dem lahmen Tempo etwas abgeschreckt. Jetzt wo die Serie aber zu Ende ist, werde ich sie mir vielleicht mal am Stück ansehen.

    „Die Präsenz intelligenter Serien korreliert nämlich mit meinem Vertrauen auf die menschliche Spezies und im Moment sieht es schlecht damit aus.“
    –> Ich weiß ja nicht, ob du nur auf Sci-Fi-Serien stehst. Aber meine absolute Lieblingsserie ist derzeit Dexter. Etwas besseres und perfekteres aber ich bisher noch nicht im Serienformat gesehen. Die Geschichte einer Staffel ist immer gut und durchdacht auf 12 aufgeteilt. Trotzdem hat jede einzelne Folge ein stimmiges, abgeschloßenes Hauptthema. Das Szenario ist meiner Meinung und meines Wissens nach wirklich originell. Der Humor ist auch nicht schlecht. Es gibt einiges an Gewalt und in dieser Verbindung wirklich ethische Konflikte, die man nicht so einfach beantworten kann.
    Und das beste: Die Serie läuft in den USA im Kabel, weshalb es endlich auch mal nackte Haut in einer US-Serie gibt und die nervtötende FCC sich ihren Kinderschutzwahnsinn sonstwohin stecken kann.

  4. Also ich habe die erste Staffel von TSCC auf DVD und schau immer wieder gerne rein. Die Frage, was den Menschen vom Androiden unterscheidet, läuft ja auf die Frage hinaus, was den Menschen zum Menschen macht. Das ist doch, was uns an Androide interessiert. Ich finde Philip K. Dick hat das in Blade Runner mit dem Konzept der Empathie (Voigt-Kampff-Test) sehr unterhaltsam durchgespielt. Mir gefällt an TSCC auch, dass der arme John Conner ständig mit Androiden und Personen konfrontiert wird, die ihn aus einer anderen Zeit kennen und er so ständig mit seinem Ich aus einer anderen Lebensphase zu tun bekommt. Das finde ich unterhaltsam, denn normalerweise haben wir mit dem Menschen, der wir früher waren oder in der Zukunft sein werden nicht viel zu tun.

    Ich bin ein großer Fan von Battlestar Galactica! Bis auf die letzte Staffel. Ich bin sehr enttäuscht, dass die Serie so ideenlos zu Ende gebracht wurde. Was mir an BSG gefällt, ist dass diese Serie als einzige mir bekannte den Weltraum wirklich ernst nimmt, nämlich als riesiger leerer Raum, und die Viper eine wunderbar realistische Flugphysik haben.

  5. Transhumanismus überfordert die TV-Kernzielgruppe offensichtlich. Kein Wunder, dass anspruchsvoll inszenierte SF-Serien kaum quoten können. Der Zeigest will Kampf-Mönche, Detektiv-Nonnen und „Mein Gott, Herr Pfarrer“…

  6. Ehrlich gesagt wundert es mich weshalb diese Sendung abgesetzt wurde.
    Habe persönlich nur ein Paar Folgen gesehen wodurch sich ein Zusammenhang schwer herstellen läßt, aber sogar meine Frau meinte, das die Sendung vergleichsweise sehr gut sei.

    Vielleicht war es dann doch zu Komplex für die Allgemeinheit? 🙂

    1. Lief die nicht bei Fox, stellenweise zu unsäglichen Zeiten freitags und im Verbund mit anderen kränkelnden Serien? Meine bei serienjunkies.de etwas in der art gelesen zu haben.

      Ist wohl leider oft etwas willkürlich mit den Serien, die überleben. Eine meiner Meinung nach auch recht gute Serie wie „Over There“ wurde auch nach einer Staffel eingestellt. Da war aber wohl die Irakkrieg-Thematik das größere Problem…

  7. „Ich fand die Geschichte viel zu paradox (Zeitreise), ich habs eh nur wegen der hübschen Summer Glau angesehen.“

    Grund genug

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