Wir brauchen mehr Monopole

Ausgaben Technologie US

Wie ich vor kurzem herausgefunden habe, gibt es tatsächlich Wissenschaftler, die für Wirtschaftsmonopole argumentieren. Zum Beispiel gibt es Beiträge auf dem Blog Gene Expression, der sich normalerweise mit Genetik befasst, wo argumentiert wird, dass Monopole innovationsfördernd wirken. Dafür bieten die Autoren auch viele Belege an.

In der obigen Grafik sieht man die Ausgaben des amerikanischen Verteidigungsministeriums für allgemeine Forschung, Raumfahrt und Technologie in Prozent von allen Verteidigungsausgaben. Sie sind am höchsten in den 1960er/70er Jahre, als das Ministerium noch eine Beinahe-Monopolstellung hatte.

Verteidigung Human Resources

In dieser Grafik sieht man derweil die Ausgaben für Verteidigung  und menschliche Resourcen. Das Ministerium gab immer mehr Geld für Mitarbeiter aus, während es immer weniger Innovationen hervorbrachte, als zunehmend Konkurrenz aufkam. Offenbar lenkt Konkurrenz Unternehmen von der Forschung ab und enorme Resourcen werden in die Bekämpfung der Konkurrenz, anstatt in Innovationen investiert. Am eindrucksvollsten fand ich folgende Grafik:

Große Ideen

Es handelt sich um die Verteilung „Großer Ideen“, also wichtiger Innovationen, über die Jahrzehnte. Als Bell Labs und das US-Verteidiungsministerium eine Monopolstellung innehatten, waren die großen Innovationen bei weitem am zahlreichsten. Damals wurde zum Beispiel das moderne Passagierflugzeug und das Internet erfunden.

Insofern können wir nur hoffen, dass google und Microsoft ihre Marktstellung weiter ausbauen. Vielleicht können wir dann endlich mit Biotechnologie Übermenschen erschaffen, außerdem will ich ein fliegendes Auto und ein Hoverboard.

6 Kommentare zu „Wir brauchen mehr Monopole

  1. Sorry aber die dort aufgeführten Statistiken belegen die Behauptung das Monopole gut für die Innovation sind ganz und gar nicht.

    Wie viel das Department of Defence für Forschung und/oder für Personalressourcen ausgibt ist erstmal unerheblich für die in dem Zeitraum stattfindende Innovation. Und wenn man sich ankuckt das der unterschied in der ersten Grafik grade mal zwischen 4% und 2% ist ist das auch nicht mehr so gewaltig.

    In der letzten Grafik ist aufgeführt das es in den letzten 20 Jahren so gut wie keine Innovation gab.
    Was ich sehr sonderbar finde da wir uns mitten in der digitalen Revolution befinden. Mein Handy hat heutzutage mehr Rechenleistung als der erste PC den ich gekauft habe.
    Ganz offensichtlich lässt „Popular [b]Mechanics'[/b] Big Ideas“ einiges aus, vermutlich sämtliche Ideen außerhalb der Mechanik und belegt die Behauptung damit nicht.

    Und was dein fliegendes Auto angeht:
    http://www.threepanelsoul.com/view.php?date=2008-11-05

  2. Wirklich spannend – wobei das aber wahrscheinlich nur so lange funktioniert, wie Monopole potentiell vergänglich sind, also in einem marktwirtschaftlichen Setting ständig gefestigt/erneuert werden müssen.

  3. Leuchtet eigentlich ein: als Monopolist verbraucht man keine Ressourcen zum erhallt der Marktposition, Werbung, man muss niemanden Über/Unterbieten.

    So ist das z.B.: bei Krankenkassen: Es wird immer behauptet mehr Wettbewerb, mehr Krankenkassen führen zu besserer „Qualität“ zu niedrigeren Preisen – das ist doch völlig kontraintuitiv.
    Jeder einzelne Wettbewerber muss einen Verwaltungsapparat unterhalten, und muss mit Werbung und dergleichen sich im ökonomischen „Struggle for Live“ behaupten; und dann auch noch Gewinn erwirtschaften.
    Wenn es nur eine staatliche Krankenkasse (mit vielen verschieden Tarifen) gäbe … die bräuchte das alles nicht, und könnte diese „Ersparnis“ und den Endverbraucher weitergeben.

    Genau so bei medizinischer Versorgung, oder Versorgung mit Strom und Wasser, aber auch dem ÖPNV … ich kann nicht nachvollziehen das der Staat der sich das heere Ziel der „Versorgungssicherheit“ leisten kann derartiges in die Hände derer abgibt deren höchstes Ziel die Gewinnmaximierung ist???

    1. Nun, hier muss man denke ich nochmal unterscheiden zwischen sog. natürlichen Monopolen, die meist stark infrastrukturabhängig und mit hohen Fixkosten verbunden sind wie die von dir im letzten Absatz Genannten und den „nicht natürlichen“ Monopolen wie im Beitrag. Bei natürl. Monopolen ist die Güterproduktion durch EINEN Hersteller am kostengünstigsten. In der Tat halte ich hier den Privatisierungswahn für unsinnig, da sich so private multinationale Oligopole herausbilden und staatlich extrem beschnitten werden müssen zur Eindämmung der Marktmacht. Hier macht private Betreiberschaft nur Sinn,wenn der Staat der „Kunde“ ist (Monopsonstruktur) und dann seinerseits das Gut an den Bürger weiter gibt. In den Ländern, wo die Krankenkassen einigermaßen funktionieren und finanzierbar sind,ist das zB meistens der Fall.

  4. Au-ah. Man braucht sich nur einmal ansehen, was in jüngster Vergangenheit Monopole für die Weiterentwicklung, für die Innovation bedeutet hat. Microsoft wird angesprochen. Schönes Beispiel! Kaum hatte Microsoft ein Quasi-Monopol bei Betriebssystemen (mit Windows) und Browsern (mit Internet Explorer) wurde deren Weiterentwicklung faktisch eingestellt. Erst als ernstzunehmende Konkurrenz vorhanden war (am deutlichsten bei den Broswern in Form von Firefox, bei Betriebssystemen in Form steigender Marktanteile von Linux und Mac OS X), erst dann begann Microsoft wieder schnellstmöglich mit der Weiterentwicklung. Und das ist auch plausibel. Gibt es keinen Konkurrenten, ist es völlige Geldverschwendung, die Produkte zu verbessern. Schließlich müssen die Kunden bei dem Monopolisten kaufen, egal wie schlecht die Produkte auch sind. Alternativen gibt es bei einem Monopol ja keine.

    Zu den Grafiken fallen mir drei Sachen ein.
    1. „Major inventions“? „Big ideas“? Geht’s vielleicht noch ein wenig subjektiver? Noch ein wenig willkürlicher, beliebiger?

    2. Dass die direkten Rüstungsausgaben abnahmen hat natürlich auch sicherlich nichts damit zu tun, dass die Hochrüstung im kalten Krieg ein Sockelniveau erreicht hatte und auch nicht damit, dass die Sowjetunion nicht mehr mithalten konnte und erst recht nicht damit, dass der mächtige Gegner – die Sowjetunion – schließlich ganz wegfiel.

    3. Selbst wenn heute weniger große Ideen erfunden würden, dürfte das damit zusammenhängen, dass sich die Menschheit auf einem deutlich höheren Niveau befindet. Mit jedem Jahr ein Stückchen höher und damit anspruchsvoller. Mal eben ein Rad erfinden oder eine Dampfmaschine ist eben keine Revolution mehr. Ein grundlegenderes Problem dürfte aber sein, dass man die Wichtigkeit erst mit zeitlichen Abstand im Normalfall kennt. Vor gar nicht so langer Zeit wurden z. B. Internet und selbst Computer noch als völlig unwichtiges Spielzeug von Freaks gesehen. Um den Kreis wieder mit Microsoft zu schließen, mit der grandiosen Fehleinschätzung, das Internet sei eine völlig unwichtige Entwicklung glänzte einst Bill Gates persönlich.

  5. Ich finde es zumindest interessant, hört man ja nicht oft, dass jemand für Monopole argumentiert. Das heißt nicht, dass ich dem auch zustimme.

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