Das Ende des Appeasement

Wir befinden uns im Jahre 2009. Der ganze öffentliche Diskurs ist von Allversöhnern besetzt. Der ganze Diskurs? Nein! Unbeugsame Naturalisten hören nicht auf, den Allversöhnern Widerstand zu leisten. Sie argumentieren: Wissenschaft und Religion sind unvereinbar! Alles über den Didaktikstreit, den Nature-Skandal und den Widerstand gegen Templeton!

Episode I: Der Anfang

4. Februar 2009: Der Didaktikstreit über die richtige Vermittlung der Evolutionstheorie, die Auseinandersetzung über das Appeasement gegenüber Gläubigen und schließlich der Widerstand gegen die Templeton-Stiftung und der Nature-Skandal. Sie alle haben ihren Ursprung in einem Essay von dem Evolutionsbiologen Jerry Coyne, den das amerikanische Magazin The New Republic veröffentlichte. „Sehen und Glauben: Der nie endende Versuch, Wissenschaft und Religion zu versöhnen und warum er scheitern muss.“

Bereits kurz nach Veröffentlichung bricht eine heftige Debatte unter Wissenschaftlern aus dem englischsprachigen Raum darüber aus, ob Coyne recht hat und Wissenschaft inkompatibel ist mit religiösen Vorstellungen. Vor allem der Religionskritiker Sam Harris sorgt mit seinem Beitrag Es ist alles wahr für Aufsehen, in dem er die relativistische Haltung seiner Kollegen sarkastisch kritisiert.

Er schreibt darin: „Aber der Glaube lehrt uns, dass das Beste, leider, oft der Feind des Guten ist. Zum Beispiel fragen Leute wie Coyne, ob die Datenlage, dass Viren zehn Mal so häufig vorkommen wie Tiere und dass ein einziger Virus wie Grippe 500 Millionen menschliche Wesen im 20. Jahrhundert getötet hat (viele von ihnen Kinder), am besten mit Hilfe eines allwissenden, allmächtigen, allguten Gottes erklärt werden kann, der die Menschheit für seine geliebteste Schöpfung hält.“

„Falsche Frage, Coyne! Sehen Sie, die Weisen haben zu fragen gelernt, wie auch [der theistische Evolutionist Kenneth] Miller, ob es angesichts der Fakten einfach nur möglich ist, dass ein mysteriöser Gott mit einem unergründlichen Willen die Welt erschaffen haben könnte. Natürlich ist es das! Und das Herz frohlockt…“

22. Februar 2009: Der Neurowissenschaftler Colin Blakemore veröffentlicht seinen Beitrag „Die Wissenschaft ist nur ein Gen davon entfernt, die Religion zu besiegen“ im Kommentarbereich des Guardian. Darin schreibt er zum Beispiel: „Ich habe Vorbehalte gegen diese ‚Warum?‘-Fragen: Warum sind wir hier? Warum haben wir ein Gefühl für richtig und falsch? Entweder diese Fragen ergeben keinen Sinn, oder sie können als ‚Wie?‘-Fragen formuliert werden, welche die Wissenschaft sehr gut beantworten kann.“

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7 Kommentare zu „Das Ende des Appeasement

  1. Pingback: Diax's Rake
  2. Didaktikstreit? Scheint leider so,als ob die Evolutionstheorie das einzige Fachgebiet wäre, dass eine solche Diskussion nötig hätte. Warum eigentlich? Anstatt das Thema nüchtern und objektiv im Unterricht oder sonstwo zu behandeln, wird es mit philosophischen und religiösen Ingedienzen vermanscht. Schade drum.

  3. Den Non-Accommodationists oder den Neuen Atheisten geht es ja gerade darum, dass der Biologieunterricht aus einer neutralen Vermittlung von Fakten bestehen sollte. Es soll ihnen zufolge also gerade nicht mit philosophischen Ingredenzien vermanscht werden.

    1. Wobei es hier auch vollkommen gleichgültig sein sollte, welche philosophischen oder religiôsen Ansichten die Schüler haben. Einer Diskussion über die ethischen Voraussetzungen wissenschaftlicher Arbeit tut das ja keinen Abbruch.

  4. Im Bericht findet sich ein derart passender Verschreiber, das es mir schwerfällt ihn für Zufall zu halten:

    „23. April 2009: Jerry Coyne kritisiert neben der NAS und der NCSE nun auch die American Association for the Advancement of Science (AAAS), die weltgrößte Wissenschafsorganisation, für ihren Versöhnungswahn. “

    Ja, so sind sie, die versöhnlerischen Wissensschafe 😉

  5. Gute Zusammenfassung,
    das mit Nature hat mich richtig geschockt als ich das gelesen habe.
    Das zeigt auf Erschreckende Weise das wenn man Religion und Wissenschaft vereinen will, die Wissenschaft und freie Meinung großen Schaden nimmt

  6. Wenn man Religion mit Wissenschaft vermischt kann man die Religion vielleicht verbessern, die Wissenschaft aber nur verschlechtern.

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