Sollte man Ahmadinedschad töten?

Ahmadindeschad

Gab es nicht irgendwann mal eine Diskussion darüber, ob Tyrannenmord legitim ist, die mit dem Ergebnis beschlossen wurde, dass er legitim ist? Warum lebt der Tyrann Mahmud Ahmadinedschad dann noch? Wie viele Schwule, die es im Iran ihm zufolge gar nicht gibt, soll er denn noch ermorden lassen? Wie viele Frauenrechtlerinnen sollen noch verschwinden? Wie viele Mädchen sollen noch ausgepeitscht oder gesteinigt werden, als Strafe dafür, dass sie vergewaltigt wurden?

Nun, für mich ist die Sache klar. Aber sehen wir mal, wie meine Blogleser diese Frage beantworten…

13 Kommentare zu “Sollte man Ahmadinedschad töten?

  1. Bob Signs sagt:

    stelle diese Frage mal dem Buchautor, (selbsternannten) Kulturanthropologe und Fan des Papstes, Michael Hesemann! In der Tat hat er bei der Diskussion http://www.ufo-und-alienforum.de/thread.php?threadid=22683 über Papst XII. und dem 3. Reich bekräftigt, dass Tyrannenmord durchaus legitim ist. Er ist nämlich der Meinung, dass Papst Pius XII. am versuchten Anschlag gegen Hitler beteiligt war, worauf ich ihm entgegensetzte, dass man ihm deswegen nicht gerade nachträglich das Bundesverdienstkreuz verleihen müsse.

    Menschen vorsätzlich zu töten bzw. einen Mordplan zu schmieden, ist immer falsch. Selbst das Den Haager Kriegstribunal sprengt solche Leute nicht in Luft – abgesehen davon, dass solche Gedanken keinesfalls denen der angeblichen Lehren Jesu entsprechen, von denen der Vatikan ja anscheinend sooooo viel hält.

    Widerstand gegen Tyrannen muss stets von Innen heraus kommen. Siehe DDR-Dikatur – Honecker, Miehlke und Konsorten….

    Bob

  2. Apothecarius sagt:

    Ganz deiner Meinung, Bob

    Wenn das Volk ihn nicht haben will, soll das Volk ihn rauswerfen

  3. derautor sagt:

    Das sehe ich überhaupt nicht so. Wen interessiert denn, was „das Volk“ will? Vor 70 Jahren wollte das Volk Hitler und der wollte die Welt erobern und Massenmorde begehen. Es könnte auch sein, dass eine Mehrheit des iranischen Volks das Auspeitschen untreuer Frauen befürwortet, interessiert kein Stück. Die Menschenrechte sind universell und ausgepeitscht gehört allenfalls jeder, das sie für andere Menschen nicht anerkennt, sondern nur für sich.

    Ich finde diese kulturrelativistische Haltung barbarisch. Wenn das Volk will, dass Ahmadinedschad weiterhin Homosexuelle töten lässt, dann ist das in Ordnung, oder was? Nein, das ist es nicht.

    • kaho55 sagt:

      Im Grunde genommen zweifellos richtig, allerdings hat das iranische Volk in den letzten Monaten ganz klar gezeigt, was es von derartigen Ansichten hält…

  4. Bob Signs sagt:

    nun, was willst du machen? Ahmadinedschad umbringen oder umbringen lassen? Mit ein paar US-Soldaten dort einmaschieren und das Land dichtbomben – in der Hoffnung, dass Ahmadinedschad mit drauf geht? Am Ende dreht sich der Spieß um und Du bist dann der Barbar (siehe USA / Sadam Hussein) Früher oder später wird das Volk selbst erkennen, welchen Gesetzen, Sitten und Bräuchen sie anhängen und ob sie diese weiterführen wollen. Ein Dritter von Außen kann ihnen keine neuen Gesetze aufdrücken, wenn die Mehrheit doch weiterhin so leben will. Das war leider schon immer so. Nur in ganz wenigen Fällen hat sowas geklappt. Ein Sprichwort sagt: „Du kannst niemanden zu seinem Glück zwingen.“ Die Amis selbst haben eine große Unsitte in ihrem Land beseitig – nämlich die Sklaverei. Hätte man den damaligen Präsidenten auch umbringen sollen, der dies noch durchgehen ließ? Eins hätte nämlich gänzlich gefehlt: der Lernprozess und die Einsicht der Täter und Befürworter.

    Ich halte es so, dass Aufklärungsarbeit wahrscheinlich das bessere Mittel ist. Aus der Scheiße sollen die sich aber gefälligst selbst ziehen – und das werden sie irgendwann.

    Bob

  5. Bebu sagt:

    „Menschen vorsätzlich zu töten bzw. einen Mordplan zu schmieden, ist immer falsch.“
    –> Einen Menschen vorsätzlich zu töten ist nicht dassselbe wie einen Mord zu planen bzw. zu begehen. Mord ist nichts anderes als die Tötung eines Menschen unter bestimmten Bedingungen, die man vorher in einem Gesetzeswerk niederlegen muss.
    Eine vorsätzliche Tötung hingegen ist auch dann gegeben, wenn z.B. ein Scharfschütze mittels finalen Rettungschutz einen Geiselnehmer tötet.
    Dass beides immer falsch ist, halte ich für reichlich absurd. Für den Fall der vorsätzlichen Tötung habe ich bereits das Beispiel mit dem Rettungschuß gegeben. Notfalls kann man da beliebig viele andere Situationen konstruieren, die wohl kaum als „immer falsch“ eingestuft werden. (Außer von einigen Radikalpazifisten und Lebenswertobjektivisten.)
    Dass ein Mord immer falsch ist, kann man meines Erachtens auch nicht sagen, da Mord immer dann gegeben ist, wenn eine Tötung die aktuelle Definition des entsprechenden Gesetzes in dem entsprechenden Land erfüllt. Die träfe z.B. auch auf die Hitlerattentäter zu, die versucht haben Hitler zu töten. Sie wären nach den Gesetzen des 3.Reich Mörder gewesen.

    Deshalb kommt es bei der Tötung eines Menschen meiner Meinung nach immer auf die Umstände und die Folgen an.
    So auch hier im Fall von Ahmadinedschad. Man kann ihn sicherlich töten, wenn die Wahrscheinlichkeit groß genug ist, dass dadurch das in meinen Augen menschenverachtende Treiben im Iran gestoppt wird. Würde sein Tod hingegen nur die nächste Marionette an die Macht bringen, die sich dann mit Massenhinrichtungen für die Tötung von Ahmadinedschad rächt, sähe es vielleicht schon anders aus.
    Insgesamt muss man, denke ich, eine Menge Faktoren berücksichtigen, die sich auf die Konsequenzen dieses Tyrannenmord auswirken. Ich habe dazu leider nicht das nötige Wissen und den Überblick, um eine eindeutige Entscheidung zu treffen.

    Tendentiell würde ich seine Tötung aber befürworten. Vorher würde ich jedoch auf internationaler Ebene quasi eine Art Rechtsstaat nach westlicher Prägung etabliert sehen wollen, dem alle Staaten ihre souveränen Rechte zu übereignen haben und der dann im Rahmen seines Gewaltmonopols mittels Polizei und Militär für die Einführung und Einhaltung der Menschenrechte bzw. eines detaillierteren Rechtskodex ähnlicher Prägung sorgt. Eine derartige Institution wäre sinnvoll, da Nationalstaaten leider inkompetent sind und ihre Macht höchstens dafür ausnutzen andere Gebiete auszuplündern/mit Krieg zu überziehen/usw. Auch gibt es meines Erachtens keinen Grund, warum wir uns als Trockennasenaffen mit diesen geschichlich gewachsenen Gebilden namens Nationalstaaten weiterhin aufhalten sollten, der über primitive Patriotismus-/Nationalismusgefühle hinausgeht, die sich meines Erachtens sowieso nur auf dem niedrigen Niveau der religiösen Gefühle bewegen.
    Wenn es diesen Weltstaat dann gäbe, wäre die Beseitigung von solchen Diktatoren nur noch ein kleineres Problem, da die danach möglicherweise eintretende Unruhe mittels internationalen Sicherheitskräften verhindert werden kann.

    Leider ist es sehr sehr unwahrscheinlich, dass wir uns als Spezies jemals zur Schaffung einer derartigen Institution durchringen werden können, da viel zu viele Menschen mit viel zu viel Macht am derzeitigen Chaos viel zu gut verdienen.

  6. Bebu sagt:

    Nachtrag:
    @Bob
    Was macht dich so optimistisch, dass sie sich selbst irgendwann aus der Scheiße ziehen werden? Es gibt keine Garantie auf irgendeinen Fortschritt irgendeiner Art. Die Welt und ihre Staaten werden nicht zunehmend demokratischer und menschenfreundlicher. Es ist genauso gut möglich, dass wir uns wieder auf ein Niveau der Unterdrückung wie im Mittelalter hinbewegen.

    Du hast zwar meiner Meinung nach recht damit, dass man einmal erwachsene Menschen in ihrer Prägung kaum oder nur sehr schwer zu anderen Werteinstellungen verhelfen kann. Aber soll das jetzt dafür herhalten, dass man andere Menschen, die unter den Konsequenzen dieser Wertvorstellungen zu leiden haben, ihrem Schicksal als Hinrichtungsopfer für Homosexualität, Fremdgehen, Vergewaltigung, usw. überlässt?

  7. derautor sagt:

    Die USA sind in absolut keiner Weise zu vergleichen mit dem Regime der Baath-Partei. Die Baath haben Leute mit mittelalterlichen Methoden gefoltert, sie haben Unschuldige gepfählt und ihnen bei lebendigem Leib die Eingeweide rausgerissen, weil sie sie der „Freimaurerei“ verdächtigten. Jeder vierte Iraker arbeitete für den Geheimdienst, es gab keine ruhige Minute für die Menschen im Irak. Wer solche Vergleiche anstellt, hat keine Ahnung.

    Klar sollte man nicht nur einfach Ahmadinedschad töten, sondern man muss einen Rechtsstaat garantieren. Ich habe zudem nie erwähnt, dass irgendwer sonst außer dem iranischen Widerstand ihn töten sollte.

  8. Stefan sagt:

    Nun, also ich für meinen Teil habe mich dem „Ich weiß nicht…“ – Punkt angeschlossen. Allerdings nicht weil ich es grundsätzlich falsch finde Tyrannen zu töten! Prinzipiell würde ich gerne mit demjenigen tauschen der den Finger am Abzug hat, die Frage die sich dann stellt ist aber, was würde passieren wenn in dieser Situation das leider immer noch „legitime“ Staatsoberhaupt draufgeht? Ich denke das würde den Puppenspielern Hinter Ahmadinedschad nur einen willkommenen Vorwand liefern um Oppositionelle etc. zu verschleppen / töten / foltern…
    Wahrscheinlich wäre dann keine 2 Wochen später ein neuer Tyrann an der Macht, nur muss der sich dann nicht mehr für seine Taten rechtfertigen!

  9. Bob Signs sagt:

    Eure Argumente sind gut und ich kann diese verstehen – gerade wenn ich an die Opfer solcher Dikaturen denken muss. Dennoch bin ich der Meinung, das ein Mord von außerhalb nichts bringen würde (was von Andreas anfangs offenbar auch nicht so gemeint war). Ich dachte da an einige Überlegungen made in Israel. Was würde passieren, wenn z.B. die Israelis Ahmadinidschad und auch gleich Natan mit in Luft jagen? Sowas würde fast nur Nachteile bringen und wie auch schon gesagt wurde, würde eine Marionette nur ausgetauscht werden, die sich dann nur wieder rächt.

    Dieser Widerstand muss eben von innenhalb der Kultur kommen. Man könnte z.B. Widerstandsorganisationen unterstützen und stärken, damit diese putschfähig werden und bei Erfolg weitere Hilfe bei der Umstrukturierung leisten. Diesen Weg würde ich durchaus begrüßen.

    Bob

  10. Martin sagt:

    Die Tötung A.s ist auf jeden Fall moralisch rechtfertigbar. „Argumente“ wie „Die Tötung eines Menschen ist immer falsch“ sind weder moralisch noch logisch haltbar.

    Es gibt im konkreten Fall allerdings die Gefahr, das eine Tötung von außen einen gewissen Stimmungsumschwung hervorrufen könnte, deshalb wäre es m.E. notwendig, das die Tötung von den Iranern selbst durchgeführt wird.

    Anders wäre das z.B. bei der Fatwa gegen Rushdie (und entsprechenden weiteren Mordaufrufen) gewesen.
    Die richtige Antwort auf die zum Mord aufrufenden Mullahs wäre gewesen, diesen selbst mit dem Tod zu drohen und sie auch zu töten, bis sie den Mordaufruf zurücknehmen.

    Entsprechend wäre es völlig gerechtfertigt, zum Mord Andersdenkender aufrufende Muslime selbst mit dem Tod zu bedrohen und bei nicht erfolgendem Widerruf auch durchzuführen.

    Im Wesentlichen geht es um die Klarstellung: „Wenn Ihr uns mit dem Tod droht, nur weil wir unsere Meinung äußern oder uns auf eine Art verhalten, die Euch nicht paßt, dann werden wir soviele von Euch töten, bis ihr das laßt.So oder so.“

  11. schnuppermoench sagt:

    Was für ein schwieriges Thema. Moralisch und juristisch sowieso.
    Auf jeden Fall sollte nicht voreilig zur „Tyrannentötung“ aufgerufen werden, sie kann nur das allerletzte Mittel sein.

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