Wie spüre ich die Existenz Gottes?

Kirche und WissenschaftGenauso, wie Sie die Anwesenheit verstorbener Ahnen spüren: Bestenfalls gar nicht. Die katholische Zeitung „Weltwoche“ beweist einmal mehr, was Katholiken von der Evolutionstheorie halten und das ist nicht viel. Angeblich sollen wir aus der „Unvernunft“ enstanden sein und der Autor möchte sich lieber aus „Verstehen und Freiheit“ entwickelt haben. Das ist eine Vermenschlichung der Natur, finsterster Animismus.

Wir sind nicht aus der „Unvernunft“ hervorgegangen, sondern aus einem natürlichen Prozess, der automatisch abläuft und der mit menschlichen Eigenschaften wie „Vernunft“ nichts zu tun hat. Und das ist nicht unsere „atheistische Interpretation“ der Fakten, das ist Evolutionstheorie pur, nachzulesen in jedem Schulbuch. Und wenn dieser Artikel eines beweist, dann ist es die Unvollkommenheit der menschlichen Vernunft, die so wohl kaum geplant gewesen sein kann.

„Wie der Gläubige sich durch den Unglauben bedroht weiss [sic!], bleibt auch der Atheist immer wieder vom Glauben angefochten“, heißt es schließlich. Und jeder, der das nicht so sieht, sei ein „fundamentalistischer Atheist“ wie Richard Dawkins. Am besten einfach jeden, mit dem man nicht übereinstimmt, einen „Fundamentalisten“ nennen – was für ein herausragendes Argument, das auch den letzten Zweifler überzeugt! Dawkins mag ja viele gute Argumente und überzeugende Belege anführen, aber hey, er ist ein Fundamentalist, wie die Taliban, nur ohne Bombenanschläge und alles andere, was ihn auch nur entfernt mit Fundamentalisten in Verbindung bringen würde, also hat er Unrecht!

Weiter erfahren wir, dass der Vielgottglaube gefährlicher sei als die Monotheismen: „Im Polytheismus findet immer wieder ein Krieg der Götter untereinander statt. Sollte jede Nation ihren eigenen Nationalgott haben, dürfte, wie die Geschichte lehrt, nicht Frieden, sondern Krieg das Ergebnis sein.“ Der Polytheismus besteht ja gerade darin, dass eine Nation eben keinen Nationalgott hat, sondern dass viele Götter akzeptiert werden. Die historischen Belege sind absolut eindeutig, dass die polytheistischen Gesellschaften wie das antike Griechenland oder Rom toleranter waren als die monotheistischen. Siehe einen aktuellen Artikel von dem Historiker Rolf Bergmeier, der aufzeigt, wie das Christentum die römische Kultur zerstört hat.

Kaum zu glauben, dass ein so aufdringlich unsinniger Artikel vom Präsidenten der Schweizerischen Bischofskonferenz stammt.

2 Kommentare zu “Wie spüre ich die Existenz Gottes?

  1. Bebu sagt:

    Der Artikel von Kurt Koch ist ja dermaßen zum Haare raufen, dass man eigentlich zu fast jedem Satz eine längere Erwiderung schreiben müßte. Aber da ich dir deinen Kommentarbereich nicht zumüllen will, stimme ich einfach mal dir zu.

    Und zur Sache mit den Fundamentalisten:
    Diese Klassifizierung einer Einstellung ist meines Erachtens eh reichlich leer. Sagt sie doch nur aus, dass sich jemand in seinen Ansichten zu einem Thema auf ein bestimmtes Fundament an Schriften o.ä. bezieht. Wendet man diesen Begriff nun auf überzeugte Atheisten an, läuft man damit doch eigentlich ins Leere, da wohl die wenigstens Atheisten ein Fundament aller Bibel, Koran & Co haben.

    Der Begriff wird also in Öffentlichkeit mal wieder in typischer absurder Weise verwendet, um Stimmung zu machen. Denn aufgrund der Selbstmordbomber ist er erstmal per se mit einer negativen Wertung verbunden (, wenn er von sich aus eigentlich auch nur beschreibend wirkt). Dieser negative Stempel soll dann auf Atheisten übertragen werden.

    Fehlt eigentlich nur noch, dass man Atheisten Religionsrassismus vorwirft. Altersrassismus gibt es ja auch schon als Wortschöpfung und da wäre die Verknüpfung von Religion und Rassismus nur konsequent…

  2. H. Lektor sagt:

    „Es ist für mich deshalb tröstlich, an den einen Gott glauben zu dürfen, der alles in allem ist und den ich in allem spüren darf – ausgenommen in der Gewalt.“
    wirklich sehr komisch, da fragt man sich doch, was für einen Gewalt-Begriff er anlegt?
    und warum sollten wir das Gute annehmen, das schlechte aber nicht (Hiob)? Vermutlich aus Angst vor der Theodizee…

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