Feuerbringer im Radio

Prometheus und der Adler

Ich habe mal wieder eines dieser Fünf-Minuten-Interviews gegeben, diesmal für RBB „Trackback“ (Samstag, 22. 08. 2009, 18:00 – 20: 00 Uhr). Darin geht es um die aktuellen Forschungsergebnisse zur Religiosität.

Die Herausforderung bestand darin, die drei wichtigsten Erkenntnisse sehr kurz zusammenzufassen. Es ist doch ein längeres Gespräch herausgekommen, aber das Wichtigste ist enthalten und wird in die Sendung hineingeschnitten. Schriftlich zusammenfassen würde ich die Haupterkenntnisse so:

1. Persönliche Unsicherheit ist die Hauptursache für den Glauben an einen allguten Gott oder an eine allgute Regierung.

Menschen, die glauben, ihr Leben nicht unter Kontrolle zu haben und die sich in der Konsequenz angespannt fühlen, suchen nach Unterstützung von außerhalb.

Mit dem Anstieg der Religiosität sinkt das Verlangen nach persönlicher Sicherheit – wer religiöser ist, fühlt sich sicherer. Glaubt man sich von Gott behütet, braucht man, wie besonders religiöse, amerikanische Christen das sehen, keine allgemeine Gesundheitsfürsorge mehr, keine gerechten Löhne, keine staatlichen Schulen und keine anderen Religionen – weil sie die Existenz des eigenen behütenden Gottes in Frage stellen. Wirtschaftliche Unsicherheit fördert persönliche Unsicherheit und führt so zu mehr Religiosität, die wiederum wirtschaftliche Unsicherheit hervorruft.

2. Religionsfreie sind genauso wohltätig und kooperativ wie Gläubige. Doch gibt es auch Unterschiede: Nichtreligiöse stimmen eher mit der Gleichberechtigung von Frauen überein, sie sind toleranter gegenüber Minderheiten und ihnen ist persönliche Selbstbestimmung wichtiger. Fundamentalisten unterscheiden sich nicht signifikant von Gläubigen, die ihre heiligen Texte metaphorisch auslegen, weder in ihrer Autoritätsgläubigkeit, noch in ihren rassistischen Vorurteilen, die jeweils stärker ausgeprägt sind als bei Atheisten.

(Allgemein befinden Psychologen, dass religiöser Glaube die moralische Entwicklung hemmt, weil er Menschen an Dogmen oder an einfache Strickmuster bindet, anstatt dass sie für sich selbst ethische Lösungen ausarbeiten.)

3. Religiosität liegt nicht in der Natur des Menschen, sondern sie ist eine soziale Krankheit. Je mehr Freiheit und Sicherheit in einer Gesellschaft vorherrschen, desto weniger religiös ist sie.

Für die hereinschauenden RBB-Hörer noch einmal die Reihe zum Thema:

Religion – die neuesten Erkenntnisse:

Gott und der Tod

Religion: Die neuesten Erkenntnisse (1)

Religion: Die neuesten Erkenntnisse (2)

Religion: Die neuesten Erkenntnisse (3)

Religion: Die neuesten Erkenntnisse (4)

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