Gruppendenken und die intellektuelle Elite

Lee Smolin: The Trouble with PhysicsIrgendwo zwischen Sozial- und Literaturwissenschaften existiert das pseudowissenschaftliche Gebiet der „Cultural Studies“, über das sich Naturwissenschaftler immer wieder gerne lustig machen. Niemand hat bislang darauf hingewiesen, dass die letzten 20 Jahre Herumrätseln auf dem physikalischen Gebiet der String-Theorie eine ebenso große, ideologisch geprägte Geld- und Energieverschwendung waren.

Dank einer genialen Kolumne von Orson Scott Card und einem Buch von dem Physiker Lee Smolin hat sich das nun geändert. Card zeigt auf, wie dumme und ahnungslose, aber hinreichend freche und strategisch geschickte Literatur- und Sozialwissenschaftler sich einer unverständlichen Sprache bedienten, die sie als besonders schlau erschienen ließ, hinter der sich aber inhaltlich nichts verbarg. Man erkennt diese Pseudowissenschaft an Begriffen wie „social construct“, „stream“, „flow“, „designate“, „connotation“ und man findet sie vor bei den ganzen „studies“: Women’s studies, African-American studies, gay und lesbian studies, „wo man nicht gebildet, sondern indoktriniert wird“, wie Card es treffend bemerkt.

Vergleichbarer Unfug hat in den letzten 20 Jahre den naturwissenschaftlichen Fachbereich der Physik heimgesucht. Dort hieß das „String Theorie“ und war praktisch die einzige Möglichkeit, an Forschungsgelder zu kommen. Dass Strings wahrscheinlich gar nicht wirklich existieren, hat man erst kürzlich herausgefunden. Das Problem: Erst vor kurzem hat sich jemand diese Frage überhaupt gestellt. Die Mathematik war eben gar so schön…

Der Physiker Lee „Smolin hat eine kritische Denkschrift darüber verfasst, wie sich eine interessante Theorie – die String Theorie – zu einer Ideologie entwickelt hat und dann zu einer wahrhaftigen Religion, bis sie heute das Feld der Physik so durchgängig dominiert, dass es fast unmöglich ist, darauf hinzuweisen, dass sie nicht belegt und wahrscheinlich nicht wahr ist“, heißt es in der Kolumne.

„[…] die 23 (oder 10, oder 11?) Dimensionen, die sich sauber in sich selbst zusammenfalten (weshalb wir sie nicht entdecken können) haben keinen Bezug zu irgendetwas im realen Universum.“

Das Problem: Gruppendenken.

„Eine Gruppe leidet an Gruppendenken, wenn sie:

1. Ihre Unangreifbarkeit oder ihre hohe moralische Position überschätzt

2. Kollektiv die Entscheidungen, die sich macht, rationalisiert

3. Outgroups und ihre Anführer dämonisiert oder stereotypisiert

4. Eine Kultur der Uniformität hat, wo sich Individuen selbst oder sich gegenseitig zensieren, so dass die Fassade der Einhelligkeit der Gruppe erhalten wird und

5. Mitglieder enthält, die den Gruppenführer beschützen, indem sie Informationen, entweder von ihnen oder von anderen Gruppenmitgliedern, dem Führer verschweigen.“

Auch in der Politik gibt es dieses Phänomen zur Genüge, nehmen wir etwa die Reaktion der Mainstream-Linken auf George W. Bush: „Er ist der schlimmste Präsident aller Zeiten, weil er nicht tat, was getan werden musste, um Nordkorea und den Iran davon abzuhalten, an Atomwaffen heranzukommen. Und er ist der schlimmste Präsident aller Zeiten, weil er tat, was getan werden musste, um Saddam Hussein loszuwerden.“

Card vermutet, dass String Theorie und Cultural Studies zusammenbrechen werden. Entweder, weil die Professoren und Studenten irgendwann selbst von dem Schwachsinn angekotzt sind, mit dem sie ihre Zeit verschwenden, oder weil die Klassen irgendwann nur noch aus Vollidioten bestehen und unter diesen Bedingungen hält sich Wissenschaft aufgrund ihrer Ineffizienz und den Angriffen von außerhalb nicht lange. Wir können mithelfen, indem wir die Spinner auslachen.

„Die besten Autoren schreiben nicht, um ihren Professoren zu gefallen.

Die besten Künstler nehmen nicht mehr an ihren Kursen teil oder bewerben sich für ihre Stipendien.“

Wer sind die wahren Intellektuellen?

„Sie lesen regelmäßig Bücher aus verschiedenen Bereichen, vor allem aus Fächern, die sie nicht in der Schule gelernt haben“ (Ich würde hinzufügen: Sie lesen auch Bücher aus Fächern, die sie nicht studieren.)

„Sie genießen eine zivilisierte Diskussion mit Menschen, deren Ideen mit ihren eigenen nicht identisch sind und sie ändern ihre Meinung, wenn sie mit besseren Ideen konfrontiert werden.“

„Sie wenden sich von Vorurteilen ab und beurteilen die intellektuellen Fähigkeiten anderer Menschen nicht anhand der Schlussfolgerungen, die sie gezogen haben, sondern anhand der Denkprozesse, mit deren Hilfe sie zu diesen Schlussfolgerungen gelangt sind.“

Amen.

17 Kommentare zu “Gruppendenken und die intellektuelle Elite

  1. yilo sagt:

    „dumme und ahnungslose, aber hinreichend freche und strategisch geschickte Literatur- und Sozialwissenschaftler sich einer unverständlichen Sprache bedienten, die sie als besonders schlau erschienen ließ, hinter der sich aber inhaltlich nichts verbarg“

    Diese Beschreibung passt perfekt zu Theologen.Eloquent, redegewandt aber mit der Realität hat das herzlich wenig zu tun.All ihre Aussagen sind inhaltsleer und herbei fabuliert.Erstaunlich, dass sie sogar bei detaillierten Ausführungen ihrer verrückten Fiktion nicht rot werden.

  2. Stefan sagt:

    Ich fühle mich stark an die Beiträge zur Evolutionspsychologie erinnert. Die Existenz von Strings ist widerlegt worden. Etwa genau so wie die Evolutionspsychologie? Es ist wahr, dass die Stringtheorie sehr in Mode ist und Forschungsgelder für sich beansprucht. Doch das erleubt noch nicht einmal ansatzweise deine – mal wieder – laute und sehr starken Behauptungen, die du zum Glück nicht mit Fakten oder Hinterfragen untermauerst. Da du ja auch nie ein Blatt vor den Mund nimmst, erlaube ich mir, auch kurz deutlich zu werden. Ich habe das Gefühl, dass du besser nicht über Naturwissenschaften schreiben solltest, da dir dafür das Wissenschaftsverständnis schlicht zu fehlen scheint. Das sieht man schon alleine wunderbar daran, dass bei dir munter bewiesen und widerlegt wird, und Theorien alle naselang als offensichtlichen Blödsinn entlarvt werden. Und das mit einer Absolutheit und Gewissheit, dass jeder Theologe vor Neid erblasst. Ich würde dir dringend, bevor du weiter in die Richtung schreibst, eine Beschäftigung mit Naturwissenschaften nahe legen. Und zwar nicht nur pures Fakten runterbeten, sondern vor allem auch die Methodik. Und, das empfehle ich dir jetzt zum dritten Mal, endlich Wissenschaftshtheorie und dort vor allem Lakatos.

  3. derautor sagt:

    Du neigst dazu, jeden Unsinn zu entschuldigen, nur weil er von Naturwissenschaftlern verbrochen wurde. Wenn evolutionäre Psychologen leichtsinnig falsche Thesen verbreiten, dann waren es eben keine echten Wissenschaftler, oder die Medien sind schuld. Und wenn Physiker mit Strings ihre Zeit verschwenden, dann ist es mein Fehler, wenn ich das kritisiere (bzw. überwiegend die Kritik von Lee Smolin paraphrasiere).

    Im Falle der Evolutionären Psychologie war die Definition einfach nicht klar, ich habe mehrmals Verteidigungen der Soziobiologie geschrieben, die ich für etwas anderes als die EP hielt, wie viele Biologen auch. Dank dem Artikel von Sloan Wilson dürften es eine ganze Reihe an Biologen und Nicht-Biologen jetzt besser wissen.

    „But along with the overview of the current state of the field, Smolin has also created a critical memoir of the way one interesting theory – string theory – became an ideology and then a virtual religion, until it now dominates the field of physics so thoroughly that it is only just barely possible to point out that it is not proven and probably is not true.“

    Lee Smolin hat als Physiker Ahnung von Physik, behaupte ich mal. Oder ist er kein echter Physiker, sind wieder die Medien schuld oder was ist es diesmal?

    Wer sich allgemeinverständlich ausdrücken will, kann keinen wissenschaftstheoretischen Jargon runterbeten. Ich habe lange genug die wissenschaftstheoretischen Debatten über die Evolutionstheorie verfolgt, um zu wissen, dass die niemanden kümmern außer ein paar Freaks.

  4. Garderon sagt:

    Dazu muss man aber auch anmerken, dass Lee Smolin zu den bedeutenden Physikern der Loop-Quantengravitation ist, welche bei der Frage der Quantengravitation ja in direkter Konkurenz zur String-Theorie steht.
    Beide Theorien sind jedoch noch weit in den Kinderschuhen und noch ist nicht abzusehen, welche der Theorien das Rennen machen wird.(Wobei es auch einige Meinungen gibt, dass am Ende beide Theorien zusammenkonmmen werden)
    Jedoch stimme Ich überein, dass die String-Theorie vorallem in den Medien überhypt wird und eben die Loop-Quantengravitation als Alternative kaum beachtung findet. Jedenfalls kommt es mir so vor.

    MfG

  5. Stefan sagt:

    Evolutionspsychologen haben eben nicht irgendeinen Unsinn leichtisnnig verbreitet. Es regt mich immer auf, wenn in den Medien verbreitet wird, dass die Wissenschaft sich hier und dort geirrt hätte und ihre Erkenntnisse früher oder später ohnehin falsch seien. Im Gegenteil! Das Irren ist zentraler Bestandteil und die Stärke von Wissenschaft. Daran erkennt man sie sogar. Als Wissenschaftler braucht man zwingend ein Klima, in dem man sich auch irren darf, ohne gekreuzigt zu werden. Alles andere ist wissenschaftsfeindlich. Irren ist der fundamentale Motor von Wissenschaft. Wenn man sich daran aufhängt und es als Fehler, als Versagen, als KO-Kriterium hinstellt, dann zeigt man damit nur, dass man keine Ahnung von Wissenschaft hat.
    Und das ist, was mich stört, wenn du über Wissenschaft schreibst. Du greifst irgendwelche Aussagen auf, sagst ein Prophet (Journalist oder Physiker) habe offenbart, sie seien nicht wahr und würden nicht der absoluten Wahrheit entsprechen und verdammst sie, die Wissenschaftler dahinter und das gesamte Arbeitsgebiet in die Tiefen der unwissenschaftlichen Hölle. Diese Götzenanbeter! Wagen sich zu irren! Wo die Propheten doch klar sagen, was falsch und was richtig ist! Die religiösen Anspielungen wollt ich mir jetzt nicht mehr verkneifen. Denn dadurch, dass du dir nicht die Mühe des wissenschaftlichen Diskurses machst, kommt es genau so rüber 😉

    Versteh mich nicht falsch. Ich teile durchaus die Kritik Smolins. Aber wo dieser die Stringtheorie für unwahrscheinlich hält, wird bei dir eine belegte Nicht-Existenz von Strings, die Bestrebungen zur Geldverschwendung, die Beschäftigung damit zu Blödsinn. Und das ein „kleiner“ Unterschied. Und definitiv nicht wissenschaftlich. Es ist viel eher der Unterschied zwischen einem wissenschaftlichen Weltbild und einem simplizistischen, das meint DIE Wahrheit mit Gewisseheit zu kennen. Auch hier lässt die Religion wieder grüßen 😉

    Und klar ausdrücken kann man sich selbstverständlich auch, ohne falsch oder unverständlich zu werden. Carl Sagan war ein Meister darin und hat ganze Bücher über Wissenschaftlichkeit geschrieben – und im gleichen Atemzug Pseudowissenschaften abgewatscht und auch zeigen und erklären können, wieso und warum. Und zwar so, dass es jeder versteht. Richard Feynman ist ein weiter Kandidat, der selbst die Quantenelektrodynamik vergleichsweise verständlich rüberbrachte. Das ist alles nur eine Frage dessen, was der Autor auf dem Kasten hat 😉

    Aber von Journalisten und Geisteswissenschaftler erwarte ich, ehrlich gesagt, nichts derartiges. Denn dort gilt meiner Meinung nach viel zu oft:
    Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat. – Johann Wolfgang von Goethe

  6. derautor sagt:

    Du scheinst nicht zu bemerken, dass Theorie und Realität nicht immer übereinstimmen. Theoretisch ist Wissenschaft dieses skeptische Ding, das stets seine Fehler einsieht und immer dazu lernen will. Aber sie wird betrieben von Menschen, die Fehler machen und ganz bestimmte, vom wissenschaftlichen Optimum abweichende Interessen haben können.

    20 Jahre Fixierung auf Strings und kaum Förderung für andere physikalische Forschung – das ist ein Fall für Freud, nicht für die romantische Vorstellung von Wissenschaft, die du vertrittst.

    „Unterschied zwischen einem wissenschaftlichen Weltbild und einem simplizistischen“

    Ich bin Polemiker und vereinfache, bis es weh tut. Und tut es nicht weh, bleibt alles so, wie es ist. Insbesondere wenn man es mit Leuten zu tun hat, die bis zu den Haaren in mathematischen Spekulationen stecken und gar nicht merken, das sie vielleicht über etwas grübeln, das gar nicht existiert (wie Theologen im Falle Gott). Was ich tatsächlich denke, könnte durchaus viel skeptischer sein, als es meine Texte glauben machen. Allerdings habe ich ein zusätzliches „wahrscheinlich“ eingefügt, um wissenschaftstheoretischer zu wirken.

    Dein Angriff auf Geisteswissenschaftler allgemein passt gut zu meiner Interpretation, dass du die Naturwissenschaft über das gesunde Maß hinaus verehrst.

  7. Stefan sagt:

    Gerade weil fragwürdige Theorie und Realität nicht übereinstimmen, ist der naive Falsifizismus genau das: naiv. Lakatos. Zum fünften Mal. In der Praxis wird nicht munter falsifiziert. Das ist wissenschaftlich auch gar nicht sinnvoll. Das bedeutet aber auch, dass dein „Alles Blödsinn! Weil .. da ist was falsch“ eben nicht realistischer ist, sondern einfach die falsche Theorie. So funktioniert Wissenschaft schlicht und ergreifend nicht. Lakatos, Lakatos. Lakatos 😉

    Ich denke nicht, dass ich irgendwas über das gesunde Maß hinaus verehre. Natürlich ist Naturwissenschaft das Fundament jedes vernünftigen Weltbildes und genießt daher auch bei mir großes Ansehen. Aber ich sehe nicht, was das mit meiner Aussage zu tun hat. Ich bin im Grunde Grenzgänger zwischen Ingenieurwissenschaften, Geisteswissenschaft und auch Naturwissenschaft. Damit meine ich konkret: zwei der Dinge habe ich studiert, Fachliteratur kenne ich aus allen drei. Und da fällt mir nun einmal ein Unterschied auf.

    Die einen Autoren schaffen es oft selbst komplexe Dinge einfach, aber nicht vereinfachend darzustellen. Und andere Autoren stellen eben selbst einfache Dinge kompliziert und unverständlich dar. Das fällt auf. Und meiner Beobachtung nach sind Risikofaktoren für Letzteres: Geisteswissenschaft und deutscher Kulturkreis.

    Aber ich sehe keinen wertenden Unterschied zwischen den Wissenschaften, sondern einen Unterschied in der Arbeitsweise und eben auch einen Unterschied im sprachlichen Ausdruck. Jegliche wertende Grabenziehung bei den Wissenschaften an sich stammt hierbei von dir. Zu solch einem Graben neigen aber viele reinen Naturwissenschaftler und reinen Geisteswissenschaftler. Ich war’s in der Uni gewohnt. In einem Seminar sieht man Naturwissenschaftler „skeptisch“, im anderen Geisteswissenschaftler. Kam auf die Fakultät an, in der man gerade war. Nachvollziehen kann ich’s. Gut find ich’s nicht. Und so halten die einen mich dann für einen Naturwissenschaftsfreak und die anderen für einen Geisteswissenschaftsfreak. Und ich denk mir dabei nur: sagt mehr über den anderen als über mich aus 😉

  8. Reason sagt:

    Lee Smolin mit seinem Reiten auf der Emergenz, dass Bewusstsein, der Kosmos und alles darüber hinaus etc. emergente Münchhauseneffekte seien ist mir zutiefst suspekt.
    Schon allein sein Quantenphysikgehampel,dass nichts wirklich sein könne, wobei der Beobachter aus den Beobachtungen quasi als Laplacescher Dämon heraus gehoben wird um dann intellektuell dem Obskurantismus unfreiwillig eine Nische für ihren ganzen Müll anzubieten kann einen stutzig machen.
    Smolin hat recht indem er sagt, dass alles wieder mehr zur Empirie zurückkommen sollte und sich nicht auf mathematische Luftschlösser beschränken dürfe, aber seine Beispiele sind denkbar ungeeignet.

  9. HFRudolph sagt:

    @derautor: Danke für den netten Artikel!

    Ein Problem in der Physik ist tatsächlich, dass sie sich massiv auf mathematisches Gebiet ohne zwingend logische Schlussfolgerungen begeben haben und dass bei einigen Menschen das allgemeine Bewusstsein dafür verloren gegangen ist, dass ein gravierender Unterschied zwischen Mathematik und Physik besteht.

    Die Physik benötigt mathematische Prozesse, der Kernbereich der Physik ist aber die Realität. Und wenn man den Blick auf diese Schnittstelle richtet, dann erscheint der Geldaufwand in diesem Bereich tatsächlich ein religiöses Ausmaß zu haben.

    • Stefan sagt:

      Die Realität verhält sich nichtsdestoweniger mathematisch – denn ihr ist es offensichtlich egal, dass viele Menschen glauben mit Mathematik nichts anzufangen zu können. Der Kernbereich der Realität verhält sich absolut mathematisch und ist, da rätselt man seit Jahrhunderten, vielleicht sogar Mathematik. Ich verstehe, dass mancher mit dieser Beziehung nichts anfangen kann. Aber es ändert nichts daran, dass die Mathematik in der Physik genau so real wie Elementarteilchen ist.

      Was du sonst so schreibst ist wieder einmal das übliche Unverständnis für Wissenschaft. Grundlagenforschung? Geldverschwendung! Forschung betreiben ohne zu wissen, wo man rauskommt und ob man überhaupt wo rauskommt? Geldverschwendung! Zum Glück hört in der Regel niemand an wichtigen Positionen auf solche Wissenschaftsfeinde wie dich. Forschung ist nie Geldverschwendung. Kritik, wenn Forschung zu einseitig gefördert wird, ist mehr als berechtigt. Doch alles andere ist Blödsinn.

      Nur mal so am Rande ein Beispiel. Als Einstein die allgemeine Relativitätstheorie aufstellte war sie auch nur eine mathematische Spielerei mit offensichtlich realitätsfremden Blödsinn wie sich verändernen Massen bei Bewegungen oder dass die Zeit verschieden schnell vergehen kann, oder gar gekrümmte Raumzeiten. Was für ein realitätsfremder, rein mathematischer Blödsinn das doch war! Und heute? Heute verlässt sich jedes Verkehrsflugzeug und Millionen Autofahrer und mittlerweile sogar Millionen Handybesitzer auf die Relativitätstheorie, denn ohne Einsteins Formeln wären Satellitennavigationssysteme unmöglich. Um nur ein Beispiel zu nennen.

      Realitätsfremde, rein mathematische Spielerein zu betreiben, die keinen Bezug zur Realität haben. Die Stringtheorie ist nicht die erste, die sich sowas anhören muss. Und genau wie bei der Relativitätshtheorie kann der Vorwurf bei der Stringtheorie genau so falsch sein. Und das ist der Punkt. Man weiß es nicht. Und daher muss man es weiterverfolgen.

      • derautor sagt:

        Offenbar ist es dir egal, was Wissenschaftler tun, solange es Wissenschaftler tun, ist es automatisch sinnvoll. Wenn sie versuchen würden, mit mathematischen Spekulationen Gott zu beweisen, wäre das genauso sinnvoll, weil es eben Wissenschaftler sind.

        Ich denke auch, dass sich die Realität mathematisch beschreiben lässt, ebenso ist es denkbar, mit Mathematik gar nichts zu beschreiben, sondern einfach damit herumzuspielen, weil man irgendwo nicht nachgedacht oder einen Fehler gemacht hat. Das haben mir Mathematiker und Physiker bestätigt.

  10. HFRudolph sagt:

    Es wäre mal interessant, zu ermitteln, welchen Betrag die Berechnung (nicht Erforschung…) abstrakter Stringtheorien weltweit bisher gekostet hat.

  11. Stefan sagt:

    Ach Unsinn. Es ist nicht egal, was Wissenschaftler tun. Denn sie definieren sich über das, was sie tun. Wer wissenschaftlich arbeitet ist Wissenschaftler und wer unwissenschaftlich arbeitet ist kein Wissenschaftler. Daher geht dein ständiger Vorwurf an der Sache vorbei.
    Es geht auch nicht darum, ob sich jemand irgendwelche Autoritäten zur Erklärung der Naturwissenschaft oder der Welt sucht, denen er dann blind traut und voller Überzeugung folgt. Wissenschaftler sind auch nur Menschen, so dass sich immer und überall Grüppchen bilden. In dem Fall hier eben Loop-Quantentheoretiker gegen Stringtheoretiker. Man kann sich gerne einer Grupper anschließen – in dieser Frage ist mir z. B. die Loop-Quantengravitation deutlich sympathischer, da sie meiner Meinung nach mehr erklärt (bei der Stringtheorie stört mich die klassische Raumzeit). Aber der wissenschaftliche Sachverstand sollte einem darüber nicht abhanden kommen. Wer den anderen Gruppen die Wissenschaftlichkeit oder gar das Existenzrecht abspricht ist kein deut besser als Fundamentalisten für die jeder anderer Ansatz als der eigene „Verirrung“ ist und am besten sofort aufhören muss.
    Als wissenschaftlicher Mensch muss man sich stattdessen bei der Beurteilung nach der Wissenschaftlichkeit fragen. Und die wird nicht an dem Weg, sondern am Ergebnis festgemacht. Es ist völlig egal, wie die Theorie entsteht – d. h. mit welchen Werkzeugen (damit mein ich eure bösen mathematischen „Spielereien“). Es kommt auf das Ergebnis an. Ergibt sich daraus ein Erkenntnisgewinn und ist dieser überprüfbar?
    Bei denen im Beitrag angesprochenen und zwischen den Zeilen etwas verächtlich genannten höheren Raumdimensionen ist es z. B. so, dass die Erzeugung von schwarzen Löchern im LHC von deren Existenz abhängt. Gibt es höhere Raumdimensionen, so wie die Stringtheoretiker sie sich vorstellen, kann der LHC schwarze Minilöcher erzeugen. Gibt es diese Dimensionen nicht, ist die Produktion von schwarzen Löchern am LHC unmöglich.

  12. Stefan sagt:

    Und das Neuste aus der Physik: magnetische Monopole sind nachgewiesen worden. Das ist darum interessant, da deren Existenz vor etwas über 70 Jahren aus puren mathematischen Überlegungen abgeleitet wurde. Zusammen mit der Existenz von Antimaterie übrigens. Für beides gab es damals keine experimentellen Belege und die magnetischen Monopole waren bis heute – und damit deutlich länger als die Antimaterie – nur reine mathematische, wie ihr sagen würdet, Spielerei. Jetzt ist der Nachweis für deren Existenz erbracht. Das nur noch als aktuelle Anmerkung zur Beziehung der Mathematik und Physik, von der ich zuvor gesprochen habe. Denn diese ist bis heute nicht verstanden – aber dennoch real.

    http://www.helmholtz-berlin.de/aktuell/pr/pm/pm-archiv/2009/pm-tennant-morris-monopole_de.html

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