Gegen Pazifismus

 

Pazifismus tötet und ist mindestens so gefährlich wie andere Ideologien. Über dieses Thema habe ich vor einer Weile einen Essay geschrieben, leider etwas versteckt in einem Artikel gegen Kuschelatheisten. Hier der Essay in Reinform:

Schwarzbuch des Pazifismus

Christopher Hitchens ist der Meinung, dass man fanatische Gruppen wie Taliban und Al Kaida gewaltsam bekämpfen muss. Nicht, weil sie anderer Meinung sind, sondern weil sie das Leben ihrer Mitmenschen unmittelbar bedrohen. Dabei sprengen sie überwiegend andere Muslime in die Luft. Christen und Atheisten treffen sie unterschiedslos genauso. Alle Menschen, die so etwas nicht mögen, sind also von diesem Problem betroffen.

Mainstream-Linke sehen das nicht so. Für sie sind Taliban und co. bestenfalls irgendwie schlecht, aber wirklich etwas gegen sie unternehmen wollen sie auch nicht. Terroristen haben nämlich magische Kräfte: Nicht nur stehen sie wieder auf, wenn man sie getötet hat, sie vermehren sich dabei auch noch auf wundersame Weise, wie Jesus das Brot und die Fische. Das ist so, als würde Sisyphos Felsen nicht nur immer wieder zurückrollen, sondern dabei jedes Mal auch noch größer werden.

Wer den Frieden dreimal leugnet…

Anders sehen das neben Christopher Hitchens auch Sam Harris (der zwar den Irak-Krieg nicht unterstützt, aber militärische Einsätze auch nicht prinzipiell ablehnt), Ian McEwan, Ayaan Hirsi Ali, David Aaronovitch, Bernard-Henri Levy und Nick Cohen. Für Mainstream-Linke sind jene Vertreter der „Pro War Left“, wie man Nick Cohens Haltung in England nennt, keine „wahren“ Linken. Vielmehr seien diese Ketzer auf die „Propaganda des Weißen Hauses“ hereingefallen, wie man mir jüngst aus dieser Ecke mitteilte. Es ist ganz unvorstellbar für die Mainstream-Linken, dass jemand sein Gehirn benutzen und zu einer anderen Beurteilung der Lage gelangen könnte als sie. Da muss doch eine Ideologie oder eine Verschwörung dahinter stecken! Wenn man schließlich selbst einer ideologischen Weltanschauung anhängt, kann man gar nicht verstehen wie es ist, sich eine eigene Meinung jenseits von Michael-Moore-Filmen zu bilden.

 

Denn sie wissen nicht, was Frieden ist

Vielleicht ist radikalen Pazifisten nicht ganz klar, was „Frieden“ überhaupt bedeutet. Die amerikanische Skeptiker-Fernsehserie „Penn & Teller: Bullshit“ hat sich in einer Folge dem Thema „Weltfrieden“ angenommen (Teil 1, 2 und 3). Dafür haben sie Friedensaktivisten auf einer Anti-Bush-Demo gefragt, was Frieden eigentlich ist. Eine Antwort lautete: „Frieden ist, wenn ich an einem Samstag Morgen mit meiner Frau und meinen Kindern im Bett liege.“ Penn Jillette (Gewinner des Richard Dawkins Award 2005), fand eine passende Anwort darauf: „Also Frieden ist, wenn du mit deiner Familie im Bett liegst, während in Ruanda Menschen erschossen werden.“

Es ist an der Zeit, einzusehen, dass Frieden und Diplomatie nur funktionieren, wenn beide Parteien ein Interesse daran haben. Wenn eine Partei die andere zwecks Errichtung eines Weltkalifats und für ein Ticket zu einer überirdischen Massenorgie einfach nur auslöschen will, dann kann es keinen Frieden geben und wer trotzdem noch die andere Wange hinhält, kann sich zwar freuen, ebenfalls den Märtyrertod für seine Ideologie gestorben zu sein, aber eine Belohnung im Jenseits gibt es dafür nicht. Vielleicht sollten wir ein solches Märtyrertum auch im Diesseits nicht belohnen.

Ein Hoch auf die Freiheitskämpfer

Womöglich besteht das Problem darin, dass noch nicht überall angekommen ist, wie unbelehrbar und gefährlich die Taliban und andere Gruppierungen dieser Art eigentlich sind. So werden sie von Teilen der Linken doch wahrhaftig als Freiheitskämpfer gegen die bösen USA angesehen. Die sind nämlich seit 9/11 für alles Leid der Welt verantwortlich.

Wikipedia hat sich die Mühe gemacht, eine Liste von Verboten zusammenzustellen, die im von der Taliban regierten Afghanistan gegolten haben und die sie wieder einführen wollen. Darunter finden sich Absonderlichkeiten wie das Verbot des Drachensteigenlassens, das Verbot des Züchtens von Vögeln und das Verbot, Lebewesen zu zeichnen. Außerdem haben sie alle Plätze umbenannt, in denen das Wort „Frau“ vorkommt, etwa „Frauengarten“ in „Frühlingsgarten“.

Wenn sich die Taliban nicht gerade mit vergleichsweise harmlosem Irrsinn befasst haben, gefielen sie sich darin, mutmaßlichen Verbrechern die Gliedmaßen zu amputieren, Männer zu verprügeln, deren Bärte zu kurz waren und öffentlich Frauen zu steinigen, weil diese vergewaltigt wurden (Ehebruch…). Es lohnt sich durchaus, die Liste einmal durchzugehen und sich zu überlegen, welche Rechte Frauen überhaupt noch hatten. Das ist gar nicht mal so einfach.

„Nichtmuslime mussten ein gelbes Abzeichen auf der Kleidung tragen“, heißt es ferner. Das klingt vertraut. Man kennt die Praxis von einer anderen Ideologie, welche ein Teil der Linken, darunter Bertrand Russel, damals genauso wenig bekämpfen wollte. Doch müsse man, wie aus den Reihen der Mainstream-Linken zu vernehmen, folgendes bedenken: „Die Amerikaner haben im Zweiten Weltkrieg auch Verbrechen begangen und nicht nur die Nazis.“

Irgendwas stimmt mit der heutigen Linken nicht. Vielleicht die Tatsache, dass sie genauso argumentiert wie die Rechte.

Sollen wir unseren Truppen in Afghanistan denn ernsthaft sagen, dass sie sich in Zukunft nicht mehr beim Landesaufbau verteidigen dürfen und sich lieber erschießen lassen sollen? Wer ihren sofortigen Abzug fordert, muss sich über die möglichen Folgen im Klaren sein: Die Taliban werden unzählige Menschen töten und das Land wieder unter ihre Kontrolle bringen. Dann werden sie noch mehr Menschen töten. Das ist es schließlich, was sie schon immer getan haben. Warum nimmt man das als angeblicher Verteidiger der Menschenrechte einfach in Kauf?

Soll der „Friede“ der Linken etwa darin bestehen, dass Fanatiker wahllos Menschen töten dürfen, solange sie nur die weichgespülten Michael-Moore-Fans nicht treffen?

George Orwell über Pazifismus

Weil Amerika voll böse ist

Wer möchte, der darf sich von den Weichgespülten auch einen Vergleich von Saddam Husseins Folterlagern mit Abu Ghraib anhören. Tatsächlich stellt Abu Ghraib eine erhebliche Verbesserung dar im Vergleich zu vorher, wie Hitchens lakonisch bemerkte. Die Friedensaktivisten haben nur überhaupt keine Ahnung vom Vorkriegs-Irak. Sie wissen nicht, dass Saddam Hussein für den Tod von 1 400 000 Menschen verantwortlich ist, dass er sogar die Familien seiner engsten Parteifreunde entführen ließ, um sie vor ihren Augen foltern und vergewaltigen zu lassen, wenn sie ihn nur falsch ansahen. Im Gegensatz zu Guantanamo überlebte praktisch niemand einen Besuch seiner unzähligen Folterlager, wo Verdächtige (angebliche „Freimaurer“) auf Pfähle gespießt wurden. Stellen Sie sich einmal vor, dass Frau Merkel auch nur einen einzigen Menschen auf einen Pfahl spießen würde! Aber die ist ja auch kein böser Diktator, der so etwas naturgemäß tun darf…

Husseins versuchte Ausrottung der Kurden durch Giftgas muss für Gandhi-Fans wohl als Betriebsunfall durchgehen. Immerhin: „Der Irak war säkular“. Wahrscheinlich ließ Hussein deshalb das Land mit Moscheen zupflastern und hielt jede Woche eine Fernsehpredigt. Überhaupt: Was ist das eigentlich für eine Verteidigung? Darf sich ein Diktator etwa austoben, wie er will, so lange er nur „säkular“ ist (was auch immer das eigentlich bedeuten mag)?

Als gäbe es keinen Unterschied zwischen völkermordenden Faschisten wie der Baath-Partei und der einzigen Nation, die bewusst auf den Prinzipien der Aufklärung gegründet wurde. Als gäbe es keinen Unterschied zwischen dem Kampf für die Freiheit und dem Kampf für eine menschenverachtende Theokratie. Natürlich darf man, ja muss man die USA kritisieren – aber erst sobald man weiß, auf welcher Seite man eigentlich steht! Die an sich berechtigte Kritik an CIA-Gefängnissen, Überwachung und Waterboarding klingt aus dem Mund von jemandem, der Al Kaidas Terrorcamps für Pfadfinderlager hält, nämlich nur halb so überzeugend.

Land du aufbauen musst

Es wird oft übersehen, dass auch für Hitchens die eigentliche Lösung in der Verbesserung der sozioökonomischen Bedingungen liegt. Im Falle des Irak sind aufgrund der natürlichen Ölreserven diese Bedingungen gegeben, tatsächlich steht das Land mit einem gewaltigen Überschuss finanziell besser da als sein Befreier. Das Problem ist Afghanistan, weil es nicht über die nötigen Rohstoffe verfügt. Hitchens Vorschlag lautet: Der Westen sollte den afghanischen Bauern ihr Opium abkaufen und Medikamente daraus machen. Das könnte die Wirtschaft des Landes in die Gänge bringen.

Niemand stellt also in Frage, dass es materielle Bedingungen für eine zivilisierte Gesellschaft gibt. Nur lässt sich ein Land nicht aufbauen, wenn Fanatiker dies mit Waffengewalt verhindern; wenn sie unsere Truppen und Kinder, die am Wegesrand spielen, in die Luft jagen. Also müssen die Soldaten sich und die Bevölkerung des Landes gegen diese Kräfte verteidigen. Eigentlich logisch. Es sei denn, man sieht den Pazifismus nicht als berechtigten Versuch, unnötige Kriege zu verhindern, sondern als ideologische Legitimation dafür, „das Böse siegen zu lassen, weil gute Menschen untätig sind“.

Orwell über Pazifismus

Jetzt klärt doch mal einer Osama auf!

Trotz all dieser Probleme soll auch im Falle islamischer Diktaturen das Prinzip „Aufklärung“, reduziert auf das Element „Bildung“, die einzig wahre Lösung sein. Aber wie könnte das praktisch funktionieren? Wie kann man denn in einem Land, zumal als Ausländer, die Bildung fördern, das gezielt und mit Gewalt Bildung verhindert? Das gelingt ja nicht einmal den progressiven Kräften vor Ort. Zudem ist Bildung ein zwar unerlässlicher, doch sehr zeitintensiver Prozess.

Leider werden aber jetzt in diesem Augenblick Menschen im Namen des Glaubens niedergemetzelt, weil sie einigen Leuten nicht fanatisch genug sind. Schaut man da jetzt einfach zu und hofft, dass man irgendwann einmal Aufklärungs-Flugblätter abwerfen kann, oder greift man ein? Vielleicht ist die Antwort ja wirklich „abwarten und Tee trinken“, aber kann man nicht zumindest feststellen, dass die Frage berechtigt ist, anstatt sich mit Verschwörungstheorien über die bösen USA vor der Herausforderung zu drücken?

Frieden um jeden Preis?

Pazifismus kann genauso tödlich sein wie andere Ideologien. Man erinnere sich nur an den Völkermord von Ruanda, an das Massaker von Screbrenica, an die Gleichgültigkeit der Vereinten Nationen, als Milosevic den Totalitarismus wiederbelebte. In der Tat kann man sich allmählich fragen, wofür die UN überhaupt gut ist.

Wer „Frieden“ für wichtiger hält als Menschenrechte, dem ist tatsächlich seine eigene Bequemlichkeit wichtiger als das Leben seiner Mitmenschen. Während George Orwell, dieser angebliche Held der Linken, noch im spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten kämpfte, während Tom Paine und der Marquis de La Fayette noch in zwei Revolutionen, der amerikanischen und der französischen, für die Menschenrechte eintraten, kämpfen ihre Erben nur noch in einer: Der Revolution zur Verteidigung der Tyrannei durch aktives Nichtstun.

Pazifismus als Pathologie

39 Kommentare zu “Gegen Pazifismus

  1. Triviales sagt:

    Die Linke reibt sich vor allem deshalb am IrakKrieg, weil handfeste wirtschaftl. Interessen gemischt mit ein wenig religiöser Verblendung und alten offenen Rechnungen die Gründe für den Angriff waren. Dies übrigens schon beim ersten Irakkrieg. Mir wird immer noch zu schnell vergessen, daß der böseböse Hussein sehr viele Jahre ganz DICK befreundet mit den USA war und da hat’s niemanden gejuckt, wieviele Menschen gefoltert/umgebracht wurden. Als Handlanger, der die irakischen Soldaten immer wieder gegen den Iran aufstellte, war er ja gut genug. Und da wundert man sich heutzutage, warum so einige Menschen im Iran wenig mit den USA anfangen können, aber das nur nebenbei…
    Der Truppenabzug aus dem Irak ist längst überfällig.

    Afghanistan gestaltet sich da schon wesentlich schwieriger. Doch auch hier greift als Begründung für einen Angriff oder anschliessendes Besetzen des Landes wohl kaum, daß dort Menschen getötet wurden/werden. In dem Fall hätten wir SEHR viele Länder in der Welt auf der To-Do Liste. Und es ging den USA auch nicht um Menschenrechte, sondern um das Austrocknen eines

    religiös-fanatischen Sumpfes (eventuell mit dem Bonus OsamabinLaden) zur Terroristenausbildung und hier gehe ich mit der Anti-Pazifismus-These im Gleichschritt.

    Solche Gestalten wie die Taliban gehören entweder ent-radikalisiert durch Bildung/Umerziehung/Änderung der Lebensumstände oder, als letztes Mittel der Wahl… ausgemerzt.

    Den Bauern das Opium abzukaufen, würde zwar in erster Linie die Clanchefs und Warlords stärken, denn die machen den guten Schnitt beim Handel, aber das dürften in den wenigsten Fällen fanatisch Religiöse sein. Ich denke, da muss man ansetzen, denn was hat man ihnen sonst anzubieten? Und diese Landstriche fernab der Städte bekommt man mit militärischen Mitteln nicht kontrolliert(Die Mongolen, Alexander der Große, die Briten, die Russen haben es ja alle schon probiert)

    In den Städten hingegen, die man kontrollieren kann, sollte mehr Geld reingepumpt werden, um Schulen aufzubauen, Infrastruktur zu verbessern und wirtschaftl. Leben zu entwickeln. Die Feinde von religiösem Fanatismus sind immer Bildung und Lebensperspektive gewesen und das muss in Afghanistan Einzug halten. Notfalls auch mit weiteren Soldaten.

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  3. Jörg W. sagt:

    Toll geschrieben – und bei diesem Blog besteht sogar die Hoffnung, dass es jene lesen, die dadurch zum Nachdenken angeregt werden. Ich zum Beispiel 😉

  4. AndreasK sagt:

    „Es ist ganz unvorstellbar für die Mainstream-Linken, dass jemand sein Gehirn benutzen und zu einer anderen Beurteilung der Lage gelangen könnte als sie.“

    Diese Grundhaltung haben komischerweise alle Leute, die anderer Meinung sind, als ich …

  5. Martin sagt:

    Tja, dieses debile Verhalten, gepaart mit einem der extremen Rechten immer ähnlicher werdenden Antisemitismus/Israelhass ist es dann auch, warum ich große Teile der Linken und Grünen für unerträglich halte. Und das erste Mal seit ich seit 26 Jahren wahlberechtigt bin, wohl rechts von der SPD wählen werde.

    Ich verstehe vor allem nicht, wie man nicht verstehen kann, das wohl der einzige Weg zu einem halbwegs haltbaren Frieden der ist, sowohl eine entsprechend tragfähige wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Infrastruktur aufzubauen, ALS AUCH der unnachgiebige Schutz ebendieser gegen die Kräfte, die diese entweder zerstören oder sich aneignen wollen.

    Unbedingter Pazifismus ist in einer nicht ebenso unbedingt pazifistischen Welt ein Verbrechen.

    • derautor sagt:

      Na, rechts von der SPD wähle ich bestimmt nicht. Da muss noch viel Schlimmeres passieren, um mich dazu zu bringen.

      • Martin sagt:

        Hmmm, nämlich?

      • derautor sagt:

        Die CDU hält Atheisten nicht für gleichberechtigte Bürger, sondern duldet uns lediglich. Die werde ich doch nicht wählen. Darüber habe ich ja schon mal geschrieben. Ich weiß nicht, wenn alle linkeren Parteien Israel vernichten wollten, dann würde ich vielleicht FDP wählen.

  6. Thomas sagt:

    Ab ca. 00:36:00 – Gysi zur außenpolitischen Haltung der Linken. Was gibt es daran auszusetzen?

    • derautor sagt:

      Alles. Man könnte genauso sagen, dass der Kampf der Alliierten gegen die Nazis nur Hass bei den Nazis auslöste und so mehr Nazis am Ende dabei raugekommen sind. Das Argument ist so ein unfassbarer Blödsinn, dass mir fast das Gehirn rausfällt, wenn ich es nur hören muss.

      Mit „Befreiungsbewegungen unterstützen“ meint man normalerweise „Terrorgruppen unterstützen“. Ist die Hamas eine „Befreiungsbewegung“?

      Gysi kritisiert, dass es noch nicht genügend ausgebildete Polizisten in Afghanistan gibt und gleichzeitig, dass wir gar nicht in Afghanistan sein sollten, um dort Polizisten ausbilden zu können. Soll er sich einweisen lassen, aber meine Stimmt bekommt er gewiss nicht.

      • Thomas sagt:

        Nicht alle, die in Afghanistan gegen die Besatzungstruppen kämpfen, sind Faschisten. Ähnlich wie im Vietnam-Krieg, hat sich ein beachtlicher Teil des Widerstandes erst nach dem Tod tausender Zivilisten den Guerilla angeschlossen haben.

        Mit „Befreiungsbewegungen“ mein Gysi wohl kaum Terroristen, sondern jene, die sich von den Taliban befreien wollen – denen jedoch aufgrund der massiven Kollateralschäden und mangelhaften Aufbaupolitik der internationalen Truppen keine Möglichkeit zur Entfaltung erhalten. Auf Afghanistan hat die Hamas meines Wissens so gut wie keinen Einfluss.

        Gysi kritisiert, dass in diesem Krieg einige bekannte Fehler (wie z.T. oben beschrieben) widerholt wurden. Es hat offensichtlich kaum konstruktive Zusammenarbeit mit der befreiungswilligen afghanischen Bevölkerung gegeben. Natürlich wäre ein sofortiger Totalabzug blauäugig, aber eine Änderung der Kriegsstrategie wäre notwendig, vor allem indem vermieden wird, dass weniger Zivilisten aus Hass auf die Kriegsführung der internationalen Truppen zur Guerilla überlaufen.

  7. Martin sagt:

    Sorry Thomas,

    Deine Meinung ist zwar verbreitet, aber völliger Unfug.
    „Nicht alle, die in Afghanistan gegen die Besatzungstruppen kämpfen, sind Faschisten.“

    Doch, doch. Wer eine faschistische Sache fördert, ist praktisch ein Faschist, ob der das nun so sagt oder nicht.

    „Ähnlich wie im Vietnam-Krieg, hat sich ein beachtlicher Teil des Widerstandes erst nach dem Tod tausender Zivilisten den Guerilla angeschlossen. “

    Das ist die übliche, romantisierende, aber schlichtweg falsche Sicht. Es ist alleine schon deshalb horrender Blödsinn, weil die weitaus meisten Zivilisten direkt auf das Konto eben dieser Faschisten gehen.

    Wäre Deine Sicht der Dinge der Fall, dann würden die Taliban eben grade nicht völlig wahllos den Tod der Zivilbevölkerung in Kauf nehmen. Oder diese einfach mal deswegen abschlachten, weil sie es wagen, zivil zu leben.

    Deine Sicht ist nur eine andere Variante des verbreiteten, fast klassischen „edlen Wilden“ Schemas. Die imperialistischen, bösen „Zvilisierten“ haben durch rücksichtslosen Waffeneinsatz Zivilisten getötet und aus flammender, natürlich gerechter Wut darüber beginnt der edle „Wilde“ einen heroischen Kampf gegen die technologische Übermacht. So etwa jedenfalls.

  8. Bebu sagt:

    „Sollen wir unseren Truppen in Afghanistan denn ernsthaft sagen, dass sie sich in Zukunft nicht mehr beim Landesaufbau verteidigen dürfen und sich lieber erschießen lassen sollen? Wer ihren sofortigen Abzug fordert, muss sich über die möglichen Folgen im Klaren sein: Die Taliban werden unzählige Menschen töten und das Land wieder unter ihre Kontrolle bringen. Dann werden sie noch mehr Menschen töten. Das ist es schließlich, was sie schon immer getan haben. Warum nimmt man das als angeblicher Verteidiger der Menschenrechte einfach in Kauf?“
    –> So wie es derzeit läuft, gibt es nur die Option, dass unsere (und alle anderen) Truppen so schnell wie möglich raus gehen oder quasi verzehnfacht, bei gleichbleibender Einsatzfähigkeit wohl eher verhundertfacht werden.
    Denn das, was da derzeit praktiziert wird, ist Soldatenopfern auf dem Altar der Großmannssucht unserer Politiker.
    Der Grund dafür liegt darin, dass mit dieser geringen Soldatenzahl bei der Landesgröße, Bevölkerungsanzahl, (Verkehrs-)Infrastruktur, Topographie, usw. usw. keinerlei langfristige Wirkung erzielt wird. Nicht umsonst hat selbst der Oberfehlshaber letzte Woche mehr Soldaten verlangt.
    Nur wo soll man die hernehmen? Unsere Bundeswehr soll ja jetzt schon an ihrer Belastungsgrenze sein (wie sagte Volker Pispers: „Wenn das der Russe gewußt hätte“). Wie sähe es da aus, wenn wir plötzlich mit 150 000 deutschen Soldaten dort wären und wo sollten wir die herkriegen?

    Deshalb: So lange mit so wenigen Soldaten, die so amateurhaft ausgebildet und ausgerüstet sind, bei so unklarer Strategie und schlechter Finanzierung weitergemacht wird, sage ich, dass die Soldaten besser heute als morgen abzogen werden sollten. Denn es ist mir dann wirklich scheiß egal, ob dort dann wieder Zustände herrschen wie vor dem Einmarsch (als wenn sie das jetzt nicht schon an vielen Stellen auf dem Land herrschen würden). Unsere Soldaten verhindern dies auf lange Sicht eh nicht und für Gasgerds Fehler und Merkels diplomatische Spielchen sollten sie ihr Leben nicht verlieren.

    „Hitchens Vorschlag lautet: Der Westen sollte den afghanischen Bauern ihr Opium abkaufen und Medikamente daraus machen. Das könnte die Wirtschaft des Landes in die Gänge bringen.“
    –> Wäre theoretisch eine Möglichkeit. Ich würde aber eher vorschlagen, dass wir den Schwarzmarkt für die Opiumprodukte zerstören, indem wir staatlich kontrolliert die Produkte an bereits Süchtige verteilen, die Strafen für illegalen Verkauf massiv erhöhen und den Bauern in Afghanistan alternative Produkte zum Anbau zur Verfügung stellen. Letzteres natürlich nur, wenn die Truppenzahl massiv aufgestockt wird.

  9. sapere aude sagt:

    Was für ein Schwachsinn.

    Pazifismus tötet? Wie sieht es denn mit der potentiellen Opferzahl Deines Bellizismus aus?

    In Deiner Logik müßte man alle Taliban, Tschetschenen, Nordiren, Basken usw. töten, um endlich eine friedliche Welt zu bekommen.

    Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die Durchsetzung mitlitärischer Gewalt das einzige Mittel zur Verhinderung von Völkermord ist?!

    Für Dich ist das Eintreten für nichtkriegerische Beendigungen von Massenmorden gleichbedeutend mit Nichtstun?

    Mit einer solchen Polemik stellt man sich auf dieselbe Stufe der Massenmörder, die man bekämpfen zu müssen glaubt.

    Mach Dir klar, dass die Grausamkeiten des Saddam-Regimes, die Du hier anprangerst, in keinem Verhältnis zu den Grausamkeiten der Warlords eines komplett destabilisierten Irak stehen.

    Mach Dir klar, dass Saddam nur mit Unterstützung der USA solch diktatorische Macht erlangen konnte. Du solltest Dir tatsächlich überlegen, auf welcher Seite Du stehst. Auf der Seite der menschenverachtenden Weltpolitik der USA, die sich auf einer Stufe mit den radikalen Taliban befindet oder auf der Seite von Menschen, für die Frieden kein leeres Wort, sondern Verpflichtung auch im eigenen Handeln ist.

    Wie heißt es doch so schön in dem Lied der Ärzte:

    „Gewalt erzeugt Gegengewalt, hat man Dir das nicht erzählt, oder hast Du da auch – wie so oft – im Unterricht gefehlt?“

  10. Trinculo sagt:

    „Pazifismus tötet? Wie sieht es denn mit der potentiellen Opferzahl Deines Bellizismus aus?“
    Dir ist doch aber hoffentlich schon klar, dass es auch noch Varianten zwischen diesen beiden Extrempositionen gibt? Nur weil jemand Pazifismus kritisiert muss er nicht die komplett entgegengesetzte Meinung haben und sich immer währenden Krieg herbeisehnen.
    Pazifismus geht davon aus, dass friedliche Mittel immer und unter allen Umständen, das Mittel der Wahl sein sollten, selbst dann, wenn sie nichts bringen; während der Bellizismus davon ausgeht, dass militärische Mittel stets vorzuziehen sind, selbst wenn friedlichere Mittel zur Verfügung stehen. Das ist beides Unsinn, weil es keine Universallösung für alle möglichen Probleme gibt. Da muss man den Einzelfall betrachten, um die bestmögliche Lösung zu finden – auch wenns Arbeit macht.
    Ich meine, dass wenn friedliche und militärische Mittel gleichermaßen zielführend sind, die friedlichen vorzuziehen sind. Militärische Mittel sind deswegen aber nicht immer falsch, sie können aber auch sinnvoll sein, nämlich dann wenn sie erstens geeignet sind das angestrebte Ziel zu erreichen und zweitens das mildest mögliche Mittel sind.
    So bedauerlich das auch sein mag, aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof, und manchmal versagen alle friedlichen Mittel, und dann kann unter Umständen eine militärische Intervention sinnvoller sein, als dann einfach gar nichts zu tun.

    „Du solltest Dir tatsächlich überlegen, auf welcher Seite Du stehst.“
    Und du solltest dir überlegen, ob es tatsächlich immer sinnvoll ist, sich gänzlich auf die Seite von irgendwem zu stellen.

  11. sapere aude sagt:

    Trinculo, Du schreibst:

    „Pazifismus geht davon aus, dass friedliche Mittel immer und unter allen Umständen, das Mittel der Wahl sein sollten, selbst dann, wenn sie nichts bringen“

    Genau das ist der Grund, warum sich Menschen wie der Autor dieses Blogs für Krieg aussprechen. Krieg als legitimes Mittel der Fortsetzung von Politik.Ob man den Krieg als Selbstzweck oder als Mittel zum Zweck ideologisch überhöht, ist da zweitrangig.

    Krieg ist immer falsch. Auch ein Krieg zur Beendigung eines Krieges.

    Das gilt prinzipiell und universell und ist vom Einzelfall unabhängig – auch wenn es natürlich keine „Universallösungen“ für Konflikte aller Art gibt.
    Selbstverständlich muss man jeden Konflikt individuell lösen – aber jedenfalls nicht mit Mitteln militärischer Gewalt.

    Krieg ist nie – das lehrt die Erfahrung der letzten Jahrtausende – das „mildest mögliche Mittel“. Mit dieser Argumentation rechtfertigst Du JEDEN Krieg, da er ja als das jeweilig mildest mögliche Mittel interpretiert werden kann. Die Kriege in Afghanistan oder im Kosovo gelten nicht als Krieg, dürfen nicht als Krieg gelten, weil es Deutschland verfassungsmäßig verboten ist, Krieg zu führen.

    Aber die Gesetze werden Stück für Stück angepasst. Erst haben wir sogenannte „humanitäre Missionen“ durchgeführt, und durften nur im äußersten Fall der Selbstverteidigung Gewalt anwenden. Die Bundesregierung hat kürzlich dieses Gesetz gekippt. Nun darf Gewalt auch ohne unmittelbar bevorstehende Gefahr und ohne Not zur Selbstverteidigung angewendet werden.Die unmittelbar Folge war der Tod hunderter Zivilisten bei einem deutschen Luftangriff.

    Dass „das Leben kein Ponyhof“, weiß der Pazifist besser als jeder Bellizist. Denn der muss Lösungen für Unrecht und Gewalt abseits der üblichen gewaltsamen „Lösungen“ finden.

    Kreative friedliche „Mittel“ des Protests gegen Repression, Unterdrückung und Gewalt versagen nie. Es gibt immer Möglichkeiten, Konflikte ohne die Anwendung mörderischer Gewalt zu entspannen. Die besten Beispiele sind Gandhis Salzmarsch oder der Montgomery Bus Boycott. Es gab aber auch Formen des zivilen Widerstandes im Dritten Reich:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ziviler_Ungehorsam#Ziviler_Ungehorsam_im_Dritten_Reich_.281933.E2.80.9345.29

    Du sagst, ich solle mir überlegen, „ob es tatsächlich immer sinnvoll ist, sich gänzlich auf die Seite von irgendwem zu stellen“.

    Ich sage Dir was: Ich stelle mich auf die Seite derjenigen, die Opfer eines Krieges als „mildest mögliches Mittel“ geworden sind.

    In den letzten 100 Jahren waren das ein paar Millionen. Denn auch Hitler – den wirst Du ja sicher bei Deiner Argumentation im Hinterkopf haben – begründete seinen grausamen Vernichtungskrieg mit Notwehr.

    In Deinem Duktus wäre Hitlers Überfall auf Polen nämlich ein „mildest mögliches Mittel“ gewesen – das „geeignet war, das angestrebte Ziel zu erreichen“.

    • Bebu sagt:

      Da wollte ich doch glatt genauer drauf eingehen und dann kommt am Ende doch die Nazikeule…

      „Krieg ist immer falsch. Auch ein Krieg zur Beendigung eines Krieges.

      Das gilt prinzipiell und universell und ist vom Einzelfall unabhängig – auch wenn es natürlich keine „Universallösungen“ für Konflikte aller Art gibt.“
      –> Gehört Selbstverteidigung oder Unterstützung angegriffener Staaten für dich auch dazu?
      Wie beweist du deinen absoluten, (scheinbar?) bewerterunabhängigen Anspruch auf immerwährende Falschheit des Krieges?
      Was hälst du von Polizei und dem staatlichen Gewaltmonopol?

      „Kreative friedliche „Mittel“ des Protests gegen Repression, Unterdrückung und Gewalt versagen nie. Es gibt immer Möglichkeiten, Konflikte ohne die Anwendung mörderischer Gewalt zu entspannen.“
      –> Diese Aussage ist dermaßen verträumt und absurd, dass ich mich gar nicht entscheiden kann, mit welchen (lustigen) Gegenbeispiel ich dir diese Position zerflücken soll.
      Deshalb nur kurz: Wenn du nach dieser Strategie verfährst, verlierst du langfristig gegen jeden, der auch nur halbwegs bereit ist, ein gewisses Maß an Gewalt anzuwenden.

  12. sapere aude sagt:

    Ja, bebu, „Selbstverteidigung“ gehört auch dazu. Selbstverteidigung ist nämlich nicht gleich Selbstverteidigung. Ob Du, wenn Dich jemand angreift, ihm sämtliche Knochen brichst, sein Haus niederbrennst und seine ganze Familie auslöscht ist etwas anderes, als wenn Du Deinen Gegner daran hinderst, Dir weiter Leid zuzufügen, ohne ihn selbst zu verletzen oder zu töten.

    Es gibt keinen „bewertungsunabhängigen Anspruch auf immerwährende Falschheit des Krieges“. Krieg richtig oder falsch zu finden ist das Ergebnis moralischer Erwägungen. Da gibt es keine „absoluten“ Regeln. Darüber muss man diskutieren. Das tun wir hier.

    Polizei und staatliches Gewaltmonopol in einem demokratischen Staat wie Deutschland sind nur möglich auf der Basis friedlicher politischer Auseinandersetzungen.

    Wer unangemessene Gewalt anwendet wird bestraft. und zwar aufgrund demokratisch entstandener Gesetze.

    Ich würde mich freuen, wenn Du meine „verträumten“ und „absurden“ Argumente „zerflücken“(sic) würdest. Mich würde interessieren, welche tollen Argumente Du anzubieten hast.

    Gewalt ist nicht gleich Gewalt.

    Die körperliche und seelische Verletzung von Menschen bis hin zum Tod (Krieg) kann auch mit verletzungsfreien Mitteln ver- und behindert werden.

    Die Anwendung von kriegerischer Gewalt wird IMMER mit Selbstverteidigung gerechtfertigt. Erst wenn diese Selbstverteidigungsspirale unterbrochen ist, kann man anfangen, sich vernünftig zu unterhalten.

    Es gibt keinen guten Krieg. Es gibt keine faire militärische Intervention. Es gibt keine „Kollateralschäden“.

    Es gibt nur Millionen von Opfern von Bomben, Landminen, Raketen, Panzergranaten, Uranmunition, Handgranaten, Flammenwerfer, Torpedos, Laserwaffen und mehr
    http://bundesrecht.juris.de/krwaffkontrg/anlage_46.html
    , bedient von Menschen, meist Männer und Familienväter, die nur Befehle ausführen.

    Es ist geschätzt worden, dass für die Zivilbevölkerung die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Kriegs getötet zu werden, heute neunmal höher ist als für Angehörige der kämpfenden Armeen. Nach Schätzungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz ist der Anteil an Zivilopfer in der Gesamtzahl der Opfer im Laufe des 20. Jahrhundert von 5 % im ersten Weltkrieg auf 90–95 % in den Kriegen, die gegen Ende des 20. Jahrhunderts stattgefunden haben, gestiegen. Etwas abweichende Schätzungen geben das Verhältnis zwischen Zivilopfer und getöteten Soldaten mit 1 zu 8 im ersten Weltkrieg und mit 8 zu 1 am Ende des Jahrhunderts.

    Eine noch wenig beachtete Gruppe von Kriegsopfern sind die kriegstraumatisierten Kinder mit Spätfolgen, die noch die nachfolgende Generation belasten.

    Krieg als „ultima ratio“?

    Das ich nicht lache.

    Mit einem gewaltsamen Kriegsende ist das Morden nicht vorbei.

    Wenn Du dem Krieg als sogenannten „letzten Ausweg“ das Wort sprichst, gehörst Du in eine Linie mit sämtlichen Kriegsverbrechern der letzten Jahrtausende.

    • Bebu sagt:

      „Ja, bebu, „Selbstverteidigung“ gehört auch dazu. Selbstverteidigung ist nämlich nicht gleich Selbstverteidigung. Ob Du, wenn Dich jemand angreift, ihm sämtliche Knochen brichst, sein Haus niederbrennst und seine ganze Familie auslöscht ist etwas anderes, als wenn Du Deinen Gegner daran hinderst, Dir weiter Leid zuzufügen, ohne ihn selbst zu verletzen oder zu töten.“
      –> Also angenommen. Land A wird von Land B überfallen, weil in Land B keine liebe Pazifisten sind. Muss ich dann bei der Selbstverteidigung dafür sorgen, dass ich die angreifenden Soldante nach Möglichkeit nur kampfunfähig schieße, während sie die Allgewalt der modernen Kampfführung auf mich einprasseln lassen?
      Beim Bund habe ich ja schon so komische Ideen gehört, dass wir unsere Feinde nur kampfunfähig schießen sollen, aber das hielt ich doch für einen Bürokratenwitz.

      „Es gibt keinen „bewertungsunabhängigen Anspruch auf immerwährende Falschheit des Krieges“. Krieg richtig oder falsch zu finden ist das Ergebnis moralischer Erwägungen. Da gibt es keine „absoluten“ Regeln. Darüber muss man diskutieren. Das tun wir hier.“
      –> Dann erklär mir diese Sätze von dir:
      „Krieg ist immer falsch. Auch ein Krieg zur Beendigung eines Krieges.

      Das gilt prinzipiell und universell und ist vom Einzelfall unabhängig (…)“
      Diese sind zumindest absolut und eine Bewerterabhängigkeit kann ich auch nicht so recht erkennen.

      „Polizei und staatliches Gewaltmonopol in einem demokratischen Staat wie Deutschland sind nur möglich auf der Basis friedlicher politischer Auseinandersetzungen.

      Wer unangemessene Gewalt anwendet wird bestraft. und zwar aufgrund demokratisch entstandener Gesetze.“
      –> Angenommen wir transportieren dieses Prinzip endlich auf die nächst höhere Ebene. Dann passiert etwas wie bei der großen Flut in Myanmar, wo die Machthaber ihr Volk durch unterlassene Hilfeleistung verrecken lassen, während sie es sich gut gehen lassen.
      Dürfte man dort jetzt mittels Spezialeinheiten die Machthaber beseitigen? Oder soll man da auch darauf hoffen, dass sie irgendwann zur Besinnung kommen und aufhören ihr Volk zu unterdrücken?

      „Die körperliche und seelische Verletzung von Menschen bis hin zum Tod (Krieg) kann auch mit verletzungsfreien Mitteln ver- und behindert werden.“
      –> Hmmm… Okay dann lassen wir die Machthaber in vorherigen Beispiel weiterhin keine Hilfsorganistionen ins Land lassen und sehen zu, wie die Menschen an Seuchen und Unterversorgung verrecken, anstatt mittels konzentrierter Gewalt gegen die Machthaber vorzugehen.
      (Letzteres bedeutet natürlich den Bedarf an vernünftiger Planung und großen finaziellen Aufbaumitteln. Das bin ich aber durchaus bereit zu zahlen.)

      „Die Anwendung von kriegerischer Gewalt wird IMMER mit Selbstverteidigung gerechtfertigt. Erst wenn diese Selbstverteidigungsspirale unterbrochen ist, kann man anfangen, sich vernünftig zu unterhalten.“
      –> Hier stellst du unter Beweis, dass deine Position entweder absurd gefährlich oder weltfremd ist.
      Du willst doch nicht ernsthaft einem Staat, der von einem anderen überfallen wird (und hier meine ich einen echten Überfall und keine gefakten wie vor dem 2.WK oder vor Vietnam), verbieten sich dagegen zu wehren. Denn wenn sich der angreifende Staat nicht an deine Wunschregeln hält, macht der mit dem überfallenen Volk, was er will. Davon ist die Geschichte voll.
      Diese Strategie des bedingungslosen Kooperierens funktioniert leider nur so lange, bis irgendein Arschloch kommt, das sich nicht daran hält. Deshalb sollte man als Staat glaubwürdige Abschreckungsmaßnahmen haben.

      „Es gibt keinen guten Krieg. Es gibt keine faire militärische Intervention. Es gibt keine „Kollateralschäden“. “
      Von einem guten Krieg will ich auch nicht sprechen. Es gibt notwendige Kriege, wie z.B. den, der einem von einem angreifenden Staat aufgebürdet wird. Kämpft man diesen nicht, kann man das gesamte Volk auch gleich zum kollektiven Freitod aufrufen, da das angreifende Volk später eh machen kann, was es will.
      Und es gibt sinnvolle Kriege, für die man meiner Meinung nach aber erst die internationalen Struturen schaffen müßte. D.h. es müßte auf internationaler Ebene eine schlagkräftige, gut ausgebildete und ausgerüstete Armee in Kombination mit Aufbaukräften und Aufbaumitteln geschaffen werden, die allen Diktatoren dieser Erde klar macht: Wenn ihr euch in dieser oder jener Art und Weise gegebenüber eurem Volk verhält, seid ihr und eure ganze Brut dran.
      Mit Hilfe dieses Machtmittels im Hintergrund könnte man dann deine schönen friedlichen Verhandlungen führen. Anders wird es kaum funktionieren, da die meisten Menschen dumme, egoistische Arschlöcher sind.

      D.h. also: Nur weil ich Krieg nicht kategorisch ablehne, befürworte ich nicht jeden Krieg. Kriege, die z.B. nur als verkapptes keynesianische Konjunkturprogramm für die heimische Waffenindustrie dienen und nebenher die Anzahl des white trash reduzieren sollen, sind auch nicht mein Fall und ich lehne sie ab.
      Nur glaube ich nicht an „das Gute“ im Menschen, da mir eine Illusion von einer immer friedlichen Lösung erlaubt.

      „Wenn Du dem Krieg als sogenannten „letzten Ausweg“ das Wort sprichst, gehörst Du in eine Linie mit sämtlichen Kriegsverbrechern der letzten Jahrtausende.“
      –> Tja und du gehörst wohl in eine Reihe mit denen, die dem angreifenden Mob als erste mit offenen Armen entgegen gelaufen sind und dann auch als erste erschlagen wurden. 😉

  13. Stefan sagt:

    Ach je, so viele kluge Menschen reden aneinander vorbei…traurig!

    Grundsätzlich würde ich dem Artikel jedoch durchaus beipflichten. Denn was hier scheinbar jeder ach so kluge Pazifist zu vergessen scheint ist, dass die Tatsache dass man Kriege nicht kategorisch ausschließt nicht gleichzusetzen ist mit der Aussage dass Kriege gar nicht so schlimm sind. Jeder hier weiß wie schrecklich Kriege sind, welche Opfer sie fordern…

    Doch um wieder einmal das 3. Reich Beispiel zu Hilfe zu nehmen…Wer glaubt dass er mit einem Gandhi Salzmarsch 2.0 gegen ein unmenschlich gewaltbereites, faschistisches und bis auf den Grund verkorkstes Naziregime ankommt…der hat definitiv zu viel schlechte Filme gesehen! Oder er ist, pardon, einfach nur zu dumm zum scheißen!!!

  14. ZeroMatter sagt:

    Danke, sapere aude, dass du uns eindrucksvoll die eklatante Weltfremdheit von Pazifisten bestätigst!

    Ein ideales praktisches Beispiel, dass den Artikel gelungen untermauert.

  15. sapere aude sagt:

    Die Vorwürfe der Weltfremdheit, Träumerei und Dummheit gebe ich gern zurück. Wer glaubt, Krieg sei die Lösung aller Probleme, „einfach nur zu dumm zum scheißen(sic)“.

    Der Traum von einer gerechten Welt, in der man mit ein bißchen gerechtem Krieg Menschenleben rettet, ist spätestens seit dem 2. Weltkrieg ausgeträumt.

    Wie kann man so weltfremd und illusionär denken, dass man man ernsthaft glaubt, mit der Vernichtung von Menschenleben könne man die Vernichtung von Menschenleben bremsen?

    Wie blöd muss man sein?

    Ihr, die Ihr hier die Ermordung von Unschuldigen. Von Männern, Frauen und Kindern zur Notwendigkeit erklärt, traumt wohl ernsthaft von der Friedens-Wirksamkeit eines Krieges.

    Frieden läßt sich nicht herbeibomben. Ein Krieg läßt sich aber sehr wohl boykottieren.

    • Bebu sagt:

      „Der Traum von einer gerechten Welt, in der man mit ein bißchen gerechtem Krieg Menschenleben rettet, ist spätestens seit dem 2. Weltkrieg ausgeträumt.“
      –> FALSCH! Hätten sich damals nämlich alle anderen Staaten außer dem 3. Reich nach deiner Devise verhalten, gäbe es heute nur noch künstlich gezüchtete blonde Blauäugige mit gut ausgeprägter Muskulatur im rechten Arm. 😉

      Denn eben dieses 3.Reich ist das Paradebeispiel für einen nicht kooperativen Spieler, der mit eroberten Völkern umging, wie es gerade passte.

      „Wie kann man so weltfremd und illusionär denken, dass man man ernsthaft glaubt, mit der Vernichtung von Menschenleben könne man die Vernichtung von Menschenleben bremsen?“
      –> Je nach Phantasie kann man sich hierfür viele Situationen denken, die vom kleinen, irren Geiselgangster bis hin zum wilden Staatschef, der über Atomwaffen verfügt, reichen.

      „Ihr, die Ihr hier die Ermordung von Unschuldigen. Von Männern, Frauen und Kindern zur Notwendigkeit erklärt, traumt wohl ernsthaft von der Friedens-Wirksamkeit eines Krieges.

      Frieden läßt sich nicht herbeibomben. Ein Krieg läßt sich aber sehr wohl boykottieren.“
      –> Hier wird nicht die Ermordung zur Notwendigkeit erklärt. Hier wird nur mit guten Gründen erklärt, dass man Verbrecher nicht ungehindert ihren Zielen nachgehen läßt.

    • Nanomyte sagt:

      „Die Vorwürfe der Weltfremdheit, Träumerei und Dummheit gebe ich gern zurück. Wer glaubt, Krieg sei die Lösung aller Probleme, „einfach nur zu dumm zum scheißen(sic)“.“

      Krieg ist NICHT die Lösung ALLER Probleme, allerdings die Lösung einiger weniger Probleme. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen/können.

      Pazifismus ist schön und gut, erfüllt aber MANCHMAL (nicht häufig) den STRAFTATBESTAND der sich „Unterlassene Hilfeleistung“ schimpft.
      Die ist aus gutem Grund ein Verbrechen.

      • Stefan sagt:

        Oder um es mit einem durchaus bekannten Zitat zu untermauern:

        „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“

        Für alle die dieses Zitat nicht kennen (den Aussagen nach dürften dass in diesem Fall vor allem die Pazifisten sein), es ist von Erich Kästner!

        Und anscheinend hat da doch noch jemand mein (dachte ich) idiotensicheres 3. Reich Beispiel nicht verstanden. Pazifisten hätten sich auf keinen Fall daran beteiligen dürfen Hitlers Truppen gewaltsam an der Eroberung der Welt zu hindern um so MILLIARDEN!!! Leben zu retten. Wären also mehr Menschen „friedliebende“ Pazifisten gewesen wäre ich heute mit aller Wahrscheinlichkeit kein Atheist, sondern Anhänger einer von Grund auf menschenverachtenden Ideologie, ich würde nicht in die Schule gehen um dort etwas zu lernen sondern um täglich meine ausreichende (und individuell anpassbare) Dosis Gehirnwäsche verabreicht zu bekommen! Und wahrscheinlich wäre ich auch noch eifrig dabei die letzten Nichtarier zu erlegen anstatt für Demokratie, Menschenrechte und Logik einzutreten!

        Mit anderen Worten, natürlich war es nicht schön oder friedlich gegen Hitler zu kämpfen, aber wer sich ernsthaft einbildet, dass man sich nur auf die Straße zu hocken und zu hoffen braucht, dass die Nazis ein Einsehen haben und nicht alle „Demonstranten“ abschlachten (Ha! Wenn das nicht Ironie war!!!), der hat wirklich nicht den letzten Funken Verstand behalten.

        „Ihr, die Ihr hier die Ermordung von Unschuldigen. Von Männern, Frauen und Kindern zur Notwendigkeit erklärt, traumt wohl ernsthaft von der Friedens-Wirksamkeit eines Krieges.“

        Und wieder ein eklatanter Fehlschluss. Das tut hier nämlich niemand! Ich glaube, dass ein Krieg gegen Hitler die (mit Abstand) bessere Alternative zum still dasitzen und abwarten war, warum, dass habe ich ja eben ausgeführt.

      • Bebu sagt:

        „Wären also mehr Menschen „friedliebende“ Pazifisten gewesen wäre ich heute mit aller Wahrscheinlichkeit kein Atheist, sondern Anhänger einer von Grund auf menschenverachtenden Ideologie,“
        –> Wenn du nicht mindestens 70 bist, wärst du nie geboren worden. 😉

        (Tut mir leid. Musste sein…)

      • Stefan sagt:

        passt schon^^

        ich versteh nur nicht warum ich 70 sein müsste. „Konsequent“ wie die Nazis nun mal waren, glaube ich nicht das meine Eltern ins KZ gegangen wären.

      • Bebu sagt:

        Meiner Meinung nach würde fast jegliche Veränderung der Bedingungen, wann deine (oder auch meine) Eltern Sex hatten und wie sie Sex hatten dazu führen, dass nicht dieselbe Spermazelle die(selbe) Eizelle befruchtet, was wiederum nicht zu demselben Menschen führen würde.
        Deshalb müßtest du bereits mindestens 70 sein, damit du vor dem Beginn des 2.WK geboren wurdest, um von Veränderungen der Geschichte betroffen zu sein.

      • Stefan sagt:

        ah, jetzt^^
        doch, das macht sinn!

  16. ZeroMatter sagt:

    „Der Traum von einer gerechten Welt, in der man mit ein bißchen gerechtem Krieg Menschenleben rettet, ist spätestens seit dem 2. Weltkrieg ausgeträumt.“

    Was heißt spätestens? Weil faschistische Diktaturen seither nicht mehr existieren?
    Und gerecht wird die Welt nie sein. Da braucht man sich nichts vormachen.

    „Wie kann man so weltfremd und illusionär denken, dass man man ernsthaft glaubt, mit der Vernichtung von Menschenleben könne man die Vernichtung von Menschenleben bremsen?“

    Wie kann man so weltfremd und illusionär denken, man kann nur durch Verhandlung jedes Problem lösen.
    Man kann einige Probleme lösen, aber irgendwann ist Schluss. Und das ist immer früher, je klarer ersichtlich ist, dass die Gegenseite entweder zu feige oder zu dämlich ist, etwas handfestes zu unternehmen.

    „Frieden läßt sich nicht herbeibomben. Ein Krieg läßt sich aber sehr wohl boykottieren.“

    Klar. Dann boykottier doch die Ermordung von Menschen auf der anderen Seite der Welt.

    Keine Ahnung, in welchem Paralleluniversum du lebst und woher dieses Internetanschluss hat, aber dieselben Naturgesetze wie unser Universum kann das wohl kaum haben…

    Pazifismus ist ja ganz lieb, solange man keine drei Sekunden darüber nachdenkt – aber jede Ideologie, die dann nicht mehr funktioniert, wenn sich auch nur ein Mensch nicht mehr daran hält, ist ein völliger Schwachsinn.

    „Wie blöd muss man sein?“

    Da wurden ja bereits ordentliche Maßstäbe gesetzt…

    • ZeroMatter sagt:

      Natürlich gehört das so…:
      Wie kann man so weltfremd und illusionär denken, man kann NICHT durch Verhandlung jedes Problem lösen.

  17. Ulrich sagt:

    Ein echter Pazifist der wirklihc bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben zu geben ist für mich bewundernswert. Er ist meiner Ansicht nach auch moralisch überlegen. Als Soldat werde ich wiederum mein Leben dafür geben, daß solche Pazifisten ihre Ansichten leben können.

    Echter Pazifismus ist aber eine Minderheitenmeinung und wird es meiner Ansicht nach höchstwahrscheinlich auch immer sein. Von daher stellt sich die Frage ob Pazifismus überhaupt in irgendeiner Form praktisch relevant ist.

    Echter Pazifismus ist in der heutigen Welt meiner Ansicth nach Irrelevant. Er bewegt nichts, er befördert aber auch nichts. Er macht sich nicht schuldig durch Unterlassen wie es hier propagiert wird. Dazu ist er als Idee zu klein, zu unbedeutend.

    Auch die Linken die von Pazifismus reden, sind zum größten Teil keine wirklichen Pazifisten und wären jederzeit bereit für bestimmte Ziele Gewalt anzuwenden. Sie sind also keine Pazifisten, sondern nur ihre Ziele sind andere.

    • Bebu sagt:

      „Ein echter Pazifist der wirklihc bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben zu geben ist für mich bewundernswert.“
      –> Wieso das denn? Jemand der das tut, zeigt für mich nur einen maßlos übertriebenen Idealismus.

      „Er ist meiner Ansicht nach auch moralisch überlegen.“
      –> Gegenüber wem und warum? Je nach Situation kann nämlich so eine Haltung dazu führen, dass andere Menschen Leid verschiedener und auch extremster Form bis zum (Folter-)Tod ertragen müssen, obwohl es dem überzeugten Pazifisten ggf. ein leichtes gewesen wäre, dies zu verhindern.
      Darin kann ich keine „moralische Überlegenheit“ erkennen. (Ganz davon abgesehen, dass ich eh so meine Probleme mit dem Wort „moralisch“ habe.)

      „Er bewegt nichts, er befördert aber auch nichts. Er macht sich nicht schuldig durch Unterlassen wie es hier propagiert wird. Dazu ist er als Idee zu klein, zu unbedeutend.“
      –> Man müßte dazu mal Zahlen erheben, um das wirklich beurteilen zu können.

      Trotzdem könntest du recht damit haben – aber auch nur in Bezug auf Kriege.
      Wenn nämlich ein überzeugter Pazifist zu keinerlei Gewaltanwendung gewillt ist, kann diese Haltung im privaten Umfeld einiges an Schaden anrichten. (s.o.)

      Davon abgesehen ist Pazifismus in reiner Form einfach eine ziemlich schwache Strategie, da er keinerlei Gegenmittel gegenüber aggressiven Strategien hat, um sich gegen diese notfalls zur Wehr zu setzen. Ein eingeschränkter, wehrhafter Pazifismus (oder wie man es entsprechend nennen will) ist da normalweise erfolgversprechender.

      „Als Soldat werde ich wiederum mein Leben dafür geben, daß solche Pazifisten ihre Ansichten leben können.“
      –> Wow… ich weiß nicht wirklich, was ich dazu sagen soll. Denn alles, was mir dazu einfällt, könnte leicht als Beleidigung aufgefasst werden.

      Deshalb nur kurz: WARUM?

  18. dierafa sagt:

    ziemlich blöder, kurzsichtiger, ja, durchaus schlechter text. danke dafür

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