Zwangsabtreibung legalisieren?

Pro-Life-Killer

Es lief gestern eine Gegendemonstration gegen die Lebensschützer mit dem Titel 1000 Kreuze in die Spree. So weit, so gut. Leider ist es nun aber das erklärte Ziel der Gegendemonstranten gewesen, den Strafrechtsparagraphen §218 ersatzlos zu streichen und nicht etwa nur, Abtreibung zu legalisieren. Wo liegt der Unterschied?

Hier: Dieser Paragraph verbietet nicht nur Müttern, ihre Schwangerschaft abzubrechen, sondern er verbietet auch Zwangsabtreibungen gegen den Willen der Mütter. Wer den §218 allen Ernstes komplett abschaffen will, spricht sich für die Abtreibung von Kindern gegen den Willen der jeweiligen Mutter aus, hat also wahrscheinlich keinen blassen Schimmer, was er da fordert.

Ausschnitt aus dem Paragraphen:

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter

1. gegen den Willen der Schwangeren handelt oder
2.

leichtfertig die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung der Schwangeren verursacht.

Liebe §218-Gegner: Befürwortet ihr Zwangsabtreibung, obendrein, wenn sie den Tod oder eine schwere Gesundheitsschädigung der Schwangeren verursacht? Nein? Dann schlage ich vor: Informiert euch vorher, was ihr abschaffen wollt. Lest doch einfach mal den Paragraphen, der euch nicht passt. Man kann übrigens nicht nur Embryos aus-, sondern auch Gehirne einpflanzen.

Ebenso doof war es, ein paar Kreuze in die Spree zu werfen, nur weil die Gegendemonstration „1000 Kreuze in die Spree“ hieß. Die Kreuze gehören euch nicht, also werft sie auch nicht in die Spree! Das Wasser auf den Mühlen der Propaganda der Lebensschützer.

Wo ich gerade von letzter spreche, man sehe sich das Geheule von Kath.net an, wo sie die reaktionäre Zeitung „Neue Freiheit“ zitieren:

Das Ganze war extrem aggressiv. Man versuchte, unsere weißen Kreuze zu stehlen und zu zerstören, einzelne unserer Marschteilnehmer wurden überfallartig aus nächster Nähe aus Leibeskräften angeschrieen, quasi Schallattacken. Störer begleiteten unseren Zug oder lauerten uns immer wieder auf, um uns zu beschimpfen. Mit hämischer Freude an der Unerträglichkeit des Gesagten für die Ohren von Christen wurde in Sprechchören Gott geschmäht.

Ich werd nicht mehr. „Schallattacken“! Sie haben euch angeschrien! Ooooh! Kommt, gebt den rechten Christen einen Keks zur Wiedergutmachung. Und in Sprechchören wurde „Gott geschmäht“ – das beste Beispiel für ein opferloses Vergehen. Diese Leute haben einfach keinerlei Selbstachtung, wenn sie sich öffentlich derart ausheulen. Ich würde mich schämen.

Brigitte Zypries, Bundesjustizministerin und Genossin der SPD, die sich als Vorreiterin eines Kampfes gegen Hasstiraden im Internet präsentiert, verschließt hier offenbar ihre Augen und Ohren.

Wenn jemand ihren Weihnachtsmann beleidigt, rufen sie nach Vater Staat! Und zeigen damit, was sie vom Recht ihrer Gegner auf freie Meinungsäußerung halten.

Das alles trägt Züge totalitärer Willkür und eines Fanatismus, der mit einer freiheitlichen, demokratischen Gesinnung nicht das Geringste gemein hat.

19 Kommentare zu “Zwangsabtreibung legalisieren?

  1. Trinculo sagt:

    Braucht man gegen Zwangsabtreibung wirklich ein eigenes Gesetz? Ist das dann nicht sowieso Körperverletzung und wird entsprechend geahndet?
    Ich meine man darf doch anderen auch keine Niere raus schneiden, nur weil es keinen extra Paragraphen für Nierenklau gibt. Warum sollte also eine Zwangsabtreibung legal werden wenn man diesen speziellen Paragraphen streicht? ❓
    Ist zufällig ein Jurist anwesend? 🙂

  2. Kathy sagt:

    § 218 bitte, nicht 216… 216 ist Tötung auf Verlangen… 😉

  3. Stefan sagt:

    Ich halte eine Zwangsabtreibung gegen den Willen der Mutter für unnötig. Es steht jedem Mann, der einfach nur Sex ohne Kinderwunsch möchte, frei, Kondome zu benutzen.
    Er könnte sogar von der Frau verlangen, zusätzliche Verhütungsmethoden anzuwenden.
    Eine Abtreibung ist ein operativer Eingriff, der zur Anwendung kommen sollte, wenn die Schwangerschaft ein Versehen war. Niemand sollte zu so etwas gezwungen werden.
    Ein Gesetz welches im Falle eines unbegründeten (z.B. durch gesundheitliche Problem) Verzichts auf Abtreibung eine Verminderung des Unterhaltsatzes bewirkt, halte ich dagegen für Utopie.
    In diesem Gottesstaat sollte erstmal das Abtreibungsverbot abgeschafft werden, dann sehen wir weiter.

  4. Stefan sagt:

    Geile Aktion^^ (also der part mit den schmähungen)

    Aber mal im Ernst, warum fällt zwangsabtreibung nicht unter körperverletzung?

  5. Stefan sagt:

    Oh, und wenn ich schon dabei bin juristische Hiobsbotschaften zu verkünden…

    Mich beschäftigt schon seit langenm eins. Warum gibt es ein Grundrecht auf Religionsfreiheit wenn doch ein Recht auf Meinungsfreiheit existiert? Ich meine, es ist ja nicht so als würde das gleich bedeuten dass die Kirchen wieder jeden zum Christentum knechten könnten! Wenn jeder seine eigene Meinung haben darf dann kann er doch auch der Meinung sein dass Religion in den Müll gehört?

    Bitte um Aufklärung 😉

    • derautor sagt:

      Zur freien Religionsausübung gehört mehr als nur die Äußerung seiner Meinung über die Existenz Gottes, dazu gehören z.B. auch Versammlungen und Rituale.

      • Bebu sagt:

        Aber Versammlungen müßten doch auch durch die Versammlungs- und Koalitionsfreiheit gedeckt sein, oder?

      • Stefan sagt:

        Und? Mir doch egal ob Rituale zur Religionsausübung gehören! Wenn sie gegen kein Gesetz verstoßen kann man sie als Gläubiger ja auch weiterhin ausrichten und wenn doch, tja dann sollte sich der jeweilige Gläubige ernsthaft mit seiner Religion auseinandersetzen!

      • Stefan sagt:

        „Wenn sie gegen kein Gesetz verstoßen kann man sie als Gläubiger ja auch weiterhin ausrichten und wenn doch, tja dann sollte sich der jeweilige Gläubige ernsthaft mit seiner Religion auseinandersetzen!“
        Darum geht es ja. Nahrungstiere bei vollem Bewustsein zu schächten und Kinder zu beschneiden ist eindeutig gegen die hiesigen Strafgesetze. Daher werden sie von der Religionsfreiheit gedeckt.
        Auf diese Weise müssen sich die Trottel Gläubigen nicht mit ihrer Religion auseinandersetzen, folglich bleibt diese erhalten.

      • Stefan sagt:

        ja, deshalb wäre ich auch theoretisch dafür die Religionsfreiheit abzuschaffen! Allerdings habe ich Angst davor, dass ich nen Riesendenkfehler in meiner kleinen Theorie hab, und den möchte ich wenns geht nicht von meinem Diskussionsgegner erklärt bekommen!

      • derautor sagt:

        Man sollte nicht aufgrund seiner Religion oder Weltanschauung im Beruf diskriminiert werden. Ist das in anderen Gesetzen schon impliziert?

      • Stefan sagt:

        Keine Ahnung, drum frag ich ja^^

      • Stefan sagt:

        Tja, also ich hab mich noch einmal informiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass die Religionsfreiheit als Grundgesetz meiner Meinung nach abgeschafft gehört! Nicht nur, dass sie sowieso ignoriert wird, sie bietet den Gläubigen Sonderrechte, von denen ein Nichtgläubiger nun einmal nicht provitiert. Und wer entscheidet wer Gläubit ist und wer nicht? Die Kirche, der Staat? Alles in allem reichlich dubios, unnötig und vor allem unfair!

      • Bebu sagt:

        „Und wer entscheidet wer Gläubit ist und wer nicht? “
        –> Ach, du brauchst dazu nur eine ausreichend große Menge an Personen, die einen Irrsinn lang genug glaubt und diesen ohne Argumente mit Nachdruck vertritt.

        So wie jetzt beim Schulgebetfall. Dort habe ich bisher auch nur das Argument gehört, dass es die Pflicht des Jungen sei, zu beten. Deshalb bräuchte er dafür eine Räumlichkeit.
        Hätte er jetzt mit vielleicht guten Argumenten gefordert, dass er einen Raum zum Masturbieren braucht – z.B. weil er sich in der Pubertät befindet, sein Körper Veränderungen durchmacht, Hormone verrückt spielen und sich dabei auch am Vormittag mal Druck aufbaut, den er gerne in Ruhe abbauen möchte, hätte man ihn für verrückt erklärt. Aber einen Raum, wo er sich einmal am Tag die Nase auf dem Boden platt drücken kann, das ist okay…

  6. Radiosendung zum Thema:
    [audio src="http://www.vaeterradio.de/2009/vr10-09.mp3" /]

    Marsch für das Leben
    Frauenrechte kontra Lebensrechte

    Die Fristenreglung mit Zwangsberatung der Mütter bezüglich der Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung hatte der Bundestag 1993 beschlossen, die Entscheidung allerdings allein der Mutter überlassen. Väter können ihre Kinder gegen den Willen der Mütter nicht schützen.

    Diese Gesetzesänderung mit Beratungszwang sollte Schwangerschaftsabbrüche statistisch zurückdrängen, das Gegenteil ist allerdings der Fall. Aus diesem Grunde haben etwa 1000 Lebensschützer am 26. September mit 1000 weißen Kreuzen auf die täglichen Abtreibungen im Lande aufmerksam gemacht. Mittlerweile ist diese Aktion eines Schweigemarsches schon zur Tradition geworden. Verschiedene Organisationen unterstützen den Bundesverband „Lebensrecht“ dabei.

    Ein Aktionsbündnis von Antifaschisten, Feministen und pro familia hatten zu einer Gegendemonstration aufgerufen. 1000 Kreuze in die Spree war ihre Antwort auf den Schweigemarsch für das Leben. Probleme lassen sich allerdings nicht durch eine „Abtreibung“ in die Spree lösen.

    Problematisch sind die Ausgrenzung der Väter bezüglich der Entscheidung für oder gegen die Kinder, die wirtschaftlichen Interessen an abgetriebenen Kindern für Forschung, Medizin und Kosmetik, und die Gefühle nach einer Abtreibung.

    • Bebu sagt:

      „Problematisch sind die Ausgrenzung der Väter bezüglich der Entscheidung für oder gegen die Kinder“
      –> Wie darf man sich da eine praktikable Lösung vorstellen? Die schwangere Frau will abtreiben, der (potentielle) Vater nicht. Wie wird dann die schwangere Frau davon abgehalten, dies zu tun? Sperrt man sie ein? Überwacht man sie rund um die Uhr? (Immerhin könnte sie ja einen „Unfall“ haben, der zu einem Verlust des Kindes führt.) Und zu letzt: Was ist davon zu halten, wenn eine Frau ein Kind nicht will, sie aber aufgrund des Vatereinsspruchs dazu gezwungen wird das Kind auszutragen, dementsprechend unter Stress/Druck/Depressionen oder was auch immer gelangt und damit die Entwicklung des Kindes ungünstig beeinflusst? Provokant gefragt: Hat der Vater dann ein Recht auf Schadensersatz?

  7. Was soll das? Wovon sprichst Du? Was willst Du wirklich? Sag doch einfach mal Deine Meinung, über die es sich lohnt nachzudenken. Jedes Kind, auch das werdende Kind, hat zwei Elternteile – also warum darf nur ein Elternteil darüber entscheiden und bestimmen, ob das Kind leben darf? Erkläre mir das mal.

    • Bebu sagt:

      Ich vermute mal, dass dies an mich gerichtet ist.

      „Was soll das? Wovon sprichst Du? Was willst Du wirklich? Sag doch einfach mal Deine Meinung, über die es sich lohnt nachzudenken. Jedes Kind, auch das werdende Kind, hat zwei Elternteile – also warum darf nur ein Elternteil darüber entscheiden und bestimmen, ob das Kind leben darf? Erkläre mir das mal.“
      Ganz einfach. Wenn du oder wer auch immer den potentiellen Vätern ein Recht bei der Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung einräumen willst, möchte ich gerne wissen, wie das umgesetzt werden soll.

      Denn mal ehrlich, wenn eine Frau ein Kind einfach nicht haben will, kann ein Mann dagegen kaum etwas tun. Sie kann heimlich abtreiben, im Ausland, bei einem Pfuscher oder sie hat einen „Unfall“, der zu einer Fehlgeburt führt.

      Wie kann man dies realistisch verhindern? Ich sehe da keine Möglichkeit, die nicht an einer Totalüberwachung, wegen absichtlichen „Unfällen“, sogar einer massiven Totalüberwachung, vorbeigeht. Wäre das wirklich eine Lösung?

      Davon abgesehen, glaube ich nicht, dass es so gut ist, wenn eine Frau ein Kind austrägt, dass sie auf den Tod gar nicht haben will. Denn wie wirkt sich der psychische Zustand und die damit verbundene Hormonausschüttung/Lebensführung auf die Entwicklung des Embryos/Fötus aus? Wahrscheinlich nicht positiv.

      Sicher wäre es nicht verkehrt, wenn es eine praktisch zu realisierende Möglichkeit gäbe, die dem Vater (auch der ist ja nicht immer 100% sicher) eine Möglichkeit zur Mitentscheidung gäbe. Aber ich sehe keine.

      • Bebu sagt:

        Noch ein kleiner Nachtrag:
        Zusätzlich muss mitberücksichtigt werden, dass die schwangere Frau quasi ganz alleine die Risiken einer Schwangerschaft (kleinere/mittlere temporäre/dauerhafte Erkrankungen, aber auch lebensgefährliche Komplikationen) und weitere mögliche Nutzenverluste wie z.B. optische Beeinträchtigungen aufgrund der Schwangerschaftsnachwirkungen.

        Demgegenüber sehe ich nicht so viele vergleichbare Nachteile auf Seite des potentiellen Vaters, die ich in eine konsequentialistische Folgenabwägung miteinbeziehen müßte. Aber ich möchte gerne welche kennenlernen, falls es welche gibt.

        Und eine Sache noch:
        Was macht man, wenn ein potentieller Vater ein Veto gegen einen Schwangerschaftsabbruch einlegt und sich nach der Geburt über einen Vaterschaftstest zeigt, dass er gar nicht der biologische Vater ist?

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