Ibn Warraq über Fort Hood

Nach dem Anschlag

Der säkulare Humanist und Islamkritiker Ibn Warraq (Warum ich kein Muslim bin) hat folgende Stellungnahme zu dem islamistischen Terroranschlag in Fort Hood verfasst (meine Übersetzung):

Als Folge der Ermordung von 13 und der Verwundung von 38 Soldaten in Fort Hood am 5. November haben sich Medienanalytiker, Politiker und diverse andere Experten darum geschlagen, den beschuldigten Verursacher dieser Taten, Major Nidal Malik Hasan, 39, als ein Opfer darzustellen. Auf diese Weise dienten sie, ob absichtlich oder nicht, dem radikalen Islam als Apologeten. Von der CNN zur New York Times, von der NPR zur Washington Post wurden die Tötungen als ein Ergebnis von Rassismus dargestellt. Sie wurden der Furcht vor einer Stationierung in Afghanistan und dem Mobbing durch andere Soldaten zugeschrieben. Angeführt wurden die schlechte Anpassung von Major Hasan an sein Leben und sein Gefühl, nicht dazuzugehören, ein posttraumatisches Stresssyndrom und diverse persönliche und psychische Probleme. All diese Erklärungen sind Variationen von dem, was ich „Der Grundursachen-Fehlschluss“ genannt habe, der seit den terroristischen Anschlägen vom 11. September 2001 immer wieder begangen wurde. Der Grundursachen-Fehlschluss wurde entwickelt, um die Aufmerksamkeit vom Islam abzulenken, im Prinzip, um den Islam zu entlasten, der, wie man uns sagt, niemals für Gewaltakte zu verurteilen sei. Dieser Ansicht zufolge dürfen wir eine große Weltreligion des Friedens nicht dafür verantwortlich machen, wenn individuelle Anhänger dieses Glaubens Gewalt anwenden. Wir müssen tiefer graben: Die wahre Ursache ist Armut, die amerikanische Außenpolitik, der arabisch-israelische Konflikt, westlicher Kolonialismus und Ausbeutung, die Eheprobleme von Individuen und so weiter. Die aktuellen „psychologischen“ Interpretationen im Falle Major Hasan sind nur das jüngste Beispiel für diesen Grundursachen-Fehlschluss.

Der Australian erzählt uns, dass die Mentalität von Major Hasan ein „Mysterium“ bleibe, aber seine jihadistischen Intentionen sind für alle, die nicht von politischer Korrektheit gelähmt sind, ganz offensichtlich zu sehen. Laut CNN (7. Nov.) händigte Hasan am Morgen der Schießerei Kopien des Koran an seine Nachbarn aus. Laut der Associated Press (6. Nov.) haben Soldaten berichtet, dass Hasan „Alluhu Akbar“ [Gott ist Groß] geschriehen habe – der Kriegsschrei der Jihadisten – bevor er über einhundert Kugeln mit zwei Pistolen an einem Standort abfeuerte, wo ungefähr 300 unbewaffnete Soldaten auf Impfungen und Sehtests warteten. Die NPR setzt uns davon in Kenntnis, dass Hasan in einem frühen Stadium seiner Doktorarbeit an der Uniformed Military University of the Health Sciences in Bethesda, Md., beurlaubt wurde, weil er bei Patienten und Kollegen für seinem muslimischen Glauben missionierte. Die Associated Press (11. Nov.) fügt hinzu, dass Mitschüler, die an demselben Post-Graduierten-Programm wie Hasan teilnahmen, über einen Vortrag von ihm während ihrer Studien erzählte, „der Selbstmordattentate rechtfertigte“ und „anti-amerikanische Propaganda“ speite, dabei den Krieg gegen den Terror als einen „Krieg gegen den Islam“ denunzierte. Sein Kommilitone Val Finnell und ein weiterer Student beschwerten sich über Hasan, schockiert, dass es jemandem mit „dieser Art bösartiger Ideologie“ erlaubt wäre, eine Offiziersuniform zu tragen. Allerdings, und das ist wichtig, hat niemand eine formale Beschwerde wegen Hasans Ansichten und Kommentare eingelegt, aus Angst, diskriminierend zu erscheinen – mit anderen Worten aus politischer Korrektheit. Laut The Telegraph (6. Nov.) haben Armee-Kollegen berichtet, dass Major Hasan die amerikanische Außenpolitik verurteilte, dass er eindeutig erklärte, dass Muslime das Recht hätten, Widerstand zu leisten und Amerikaner zu töten und dass er seine Zufriedenheit über die Tötung eines US-Soldaten in einem Kreiswehrersatzamt in Arkansas im Juni zum Ausdruck gebracht habe, außerdem dass er sagte, die Leute sollten sich Bomben umschnallen und zum Times Square gehen. Es wurde großzügig darüber berichtet, dass Major Hasan die „Dar al-Hijrah“-Moschee in Virginia Falls besuchte, deren Hauptprediger zu dieser Zeit Anwar al-Awlaki, ein Yemen-basierter al-Qaeda Prediger mit weitläufigen Verbindungen zu Terroristen, war. Awlaki feierte Major Hasan am 9. November sogar als einen Helden, vier Tage nach den Angriffen in Fort Hood. Die Times of London (10. Nov.) enthüllte, dass Major Hasan mit Alaki in direkter Korrespondenz gestanden habe, eine Verbindung, aufgrund derer Hasan bereits unter Beobachtung des F.B.I. stand. Fast jede Nachrichtenquelle berichtete, dass Major Hasan vom F.B.I überprüft wurde, weil er sich auf einer Website positiv über Selbstmordattentate ausgesprochen hatte.

Zum Glück waren nicht alle in den Medien durch politische Korrektheit gelähmt. Hier ist Ralph Peters in der New York Post (6. Nov.): „Am Donnerstag Abend beging ein radikalisierter muslimischer US-Armee-Offizier „Allahu Akbar!“ rufend den schlimmsten Terroranschlag auf amerikanischem Grund seit dem 11. September. Und niemand will ihn einen Terroranschlag nennen oder ihn mit dem Islam in Verbindung bringen. Welch Feiglinge wir sind. Politische Korrektheit tötete diese patriotischen Amerikaner in Ft. Hood so sicher wie es der islamistische Schütze tat. Und die Medien behandeln es wie einen Fall von nichkonfessionellem Ladendiebstahl. Das war ein terroristischer Akt. Wenn ein Extremist einen mörderischen Anschlag auf unsere unbewaffneten Soldaten plant und ausführt, um gegen unsere Bemühungen zu protestieren, islamistischen Fanatikern etwas entgegenzusetzen, dann ist das ein Terrorakt. Punkt.“

Es gab eine lobenswerte Besorgnis von Amerikanern über eine mögliche „Gegenreaktion“ gegen alle amerikanischen Muslime. Welche Gegenreaktion? Sogar im Gefolge der Angriffe des 11. September mit ihren 2976 Opfern betrugen sich die Amerikaner mit exemplarischer Zurückhaltung. Sie verhielten sich im Angesicht der Barbarei auf zivilisierte Weise.

Es ist an der Zeit, Apologetik und politische Korrektheit aufzugeben. Nicht alle Muslime sind Terroristen. Nicht alle Muslime hatten Anteil an den schrecklichen Ereignissen des 11. Septembers 2001 – oder an jenen des 5. Novembers 2009. Allerdings ignoriert man mit Absicht das Offensichtliche, wenn man so tut, als habe der Islam nichts zu tun mit 9/11 oder mit dem Massaker von Fort Hood. Den Islam aus der Gleichung zu lassen bedeutet, Ereignisse für alle Zeiten falsch zu deuten. Ohne den Islam ergeben die Langzeitstrategie und die individuellen Akte der Barbarei von Osama bin Laden und seinen Anhängern wenig Sinn. Ohne den Islam wird der Westen weiterhin nicht in der Lage sein, unsere terroristischen Feinde zu verstehen und er wird darum nicht in der Lage sein, mit ihnen fertigzuwerden. Ohne den Islam ist es weder möglich, die Barbarei der Taliban zu verstehen, die Lage von Frauen und Nicht-Muslimen in islamischen Ländern, oder – jetzt – die Morde, die Major Hasan zu verantworten hat.

Wir haben es schließlich mit islamistischen Terroristen zu tun und wir müssen die islamische Komponente ernst nehmen. Westler im Allgemeinen und Amerikaner im Besonderen scheinen nicht mehr in der Lage zu sein, die leidenschaftlichen religiösen Überzeugungen von islamistischen Terroristen zu erfassen. Es ist diese leidenschaftliche Überzeugung, die sich direkt gegen den Westen und gegen Nicht-Muslime im Allgemeinen richtet, die sie antreibt. Sie sind wirklich und wörtlich Gott-vergiftete Fanatiker. Wenn wir uns weigern, das zu verstehen, dann können wir sie nicht verstehen.

Der Jihad ist „ein religiöser Krieg gegen Ungläubige in Mohammeds Mission. Es ist eine hochamtliche religiöse Pflicht, etabliert im Koran und in den Traditionen als heilige Institution und vorgeschrieben spezifisch zum Zwecke der Ausbreitung des Islam und der Abwehr des Bösen von Muslimen.“ So wird er in keiner geringeren Quelle als dem Wörterbuch des Islam beschrieben, also sollten wir nicht so tun, als wären wir überrascht, wenn islamistische Terroristen ihre Mission so verstehen.

In Folge des Massakers von Fort Hood stehen Amerikas Armee, das FBI, das CIA, das Heimatschutzministerium und andere konter-terroristische Behörden einigen schweren Entscheidungen über Muslime gegenüber, die für sie arbeiten. Schließlich entspricht die Ansicht, die Major Hasan ausdrückte – dass Muslime in der US-Armee nicht im Irak oder in Afghanistan arbeiten sollten, oder anderswo, wo sie vielleicht ihre muslimischen Brüder töten müssen – genau den Fatwas von einigen muslimischen Führern wie Ali Gum’a, dem Mufti von Ägypten, der muslimischen Soldaten verboten hat, am sogenannten Krieg gegen den Terror teilzunehmen.

Wenn muslimische Soldaten oder Agenten oder Funktionäre der Meinung sind, ihre primäre Loyalität gebühre dem Islam und nicht den Vereinigten Staaten, können wir sie ihren Dienst dann unbesorgt fortsetzen lassen? Es ist eine quälende Frage, aber eine, mit der wir uns auseinandersetzen müssen; allerdings können wir uns nicht ernsthaft mit dieser Frage befassen, wenn wir uns darum bemühen, so zu tun, als wäre der Islam selbst kein Teil der Auseinandersetzung.

Ibn Warraq ist Leitender Forschungsstipendiat des Center for Inquiry und Autor von fünf Büchern, darunter Warum ich kein Muslim bin und Verteidigung des Westens (beide von Prometheus Books herausgegeben).

2 Kommentare zu „Ibn Warraq über Fort Hood

  1. Tja, recht hat der Mann. Warum ich kein Muslim bin fand ich recht gelungen, wenn auch teils etwas unsortiert.

    Irgendwie hat sich wirklich auch hier, d.h. in Europa, inzwischen eine Haltung herausgebildet, nach der es nur Vorurteil oder Islamophobie sein kann, negatives beim Islam zu sehen.

    Schönes Beispiel ist da grade eine Studie zu „Vorurteilen in Europa“. Das 42% den Islam für eine intolerante Religion halten, soll als Beleg für Vorurteile dienen. Das ist natürlich völlig lächerlich. Der Islam IST in der Praxis die intoleranteste Religion überhaupt, die Wertung hat also tatsächlich mit dem WISSEN um den Islam zu tun und nicht etwa mit Vorurteilen.

  2. Guter Text, danke für die Übersetzung.

    Bitte den Islam nicht „angreifen/kritisieren“, dann wird „er“ auch schon nichts tun, bzw. „er“ wird merken, daß wir keine Konfrontation suchen, „wir“ sind ja alle so gut und wenn wir nicht gestorben sind, dann sucht Rapunzel immer noch die sieben Zwerge …
    Nun, wenn die USA Probleme mit ihren Moslems und den Globalen-Moslems hat, so startet man die Superwaffe „pc“, ist ja eigentlich ein Rohrkrepierer und nur für die Bedienungsmannschaft gefährlich.
    Mea culpa, die USA und der ganze „Westen“ ist ja auch an allem Schuld und dieses Büßergewand zieht man sich gerne an, schon vorauseilend. Diese Schuld gibt es nur in den christlichen Ländern, …armer Knut…wir sind am Hunger schuld…Mensch allein ist am Klimawandel schuld, wir gewöhnen uns an „allem Schuld“ zu sein, um anderen und uns zu zeigen wie „gut“ wir sind, das geht aber den anderen mindestens 12m am Ar… vorbei!
    Wir sollten nicht alles entschuldigen und verstehen wollen, manchmal ist das, was wie Sch… aussieht, wirklich nur Kot.

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