Alle Drogen legalisieren

Der britische Journalist Johann Hari hat sich das Thema vorgenommen. Hier seine Ergebnisse:

Fakt 1: Der Krieg gegen Drogen übergibt einen der größten Märkte in die Hände bewaffneter, krimineller Gangs, die das Land mit schrecklicher Gewalt überziehen.

Afghanistan ist das beste Beispiel. Aber es sei auch an die Zeit der „Prohibition“ von Alkohol in den USA erinnert, als Gangster wie Al Capone ihr Unwesen trieben. In den USA werden noch heute jedes Jahr rund 10 000 Morde aufgrund von Drogenkriminalität begangen, wie der Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman berechnete: „Prohibition ist der beste Freund des Drogendealers“, stellte er fest.

Fakt 2: Unter der Prohibition werden Drogen härter

Das liegt daran, dass die Dealer die Konzentrationen der Drogen erhöhen, um nicht zu viel davon verstecken zu müssen. Außerdem mischen sie den Drogen andere Substanzen bei, um die Konsumenten von mehreren Drogen abhängig zu machen. Die Forscher Matthew Robinson und Renee Scherlen haben herausgefunden: „Die zunehmend tödliche Natur von Drogen hat unter der Prohibition [allein in den USA] zu 15 000 Toten mehr im Jahr 2000 geführt, als wenn Prohibition Drogen nicht gefährlicher gemacht hätte.“

Fakt 3: Der Krieg gegen Drogen reduziert den Drogenkonsum nicht – aber die Alternativen können das

Am 1. Juli 2001 hat Portugal den Besitz aller Drogen legalisiert, inklusive Heroin und Kokain. Wie eine Studie von Glenn Greenwald für das Cato Institute zeigte, ging der Drogenkonsum zurück, vor allem unter Jugendlichen. 13-jährige nehmen mit vier Prozent geringerer Wahrscheinlichkeit Drogen, 16-jährige mit sechs Prozent Wahrscheinlichkeit. Heroin wurde unter Jugendlichen, die noch nicht süchtig waren, 50% weniger konsumiert. Portugal hat das Geld für die Verfolgung von Drogenkonsumenten in Rehabilitationsprogramme gesteckt. Die Zahl der Menschen in Behandlung ist um 147 % gestiegen.

Zwischen 1972 und 1978 entkriminalisierten elf US-Staaten den Besitz von Marijuana. Das National Research Council fand heraus, dass die Zahl der Marijuana-Konsumenten gleich geblieben ist. In der Schweiz wurden vor zehn Jahren legale Zentren eröffnet, wo man sich unter kontrollierten Bedingungen Heroin spritzen konnte – kostenlos. Einbrüche gingen um 60% zurück und Obdachlosigkeit hörte auf zu existieren. Eine Studie des Lancet fand heraus, dass die Zahl derer, die zu neuen Heroinsüchtigen wurden, um 82% fiel.

15 Kommentare zu „Alle Drogen legalisieren

    1. Ich heiß zwar nicht Andreas – aber vielleicht reicht ja solange die lapidare Fußnote 39 im =»Jahresbericht 2003 zur Drogenproblematik. Die Verfasserin =»EBDD sitzt übrigens passenderweise in Lissabon 😉

  1. Also dein Fakt 2 ist nicht ganz richtig.
    Mag sein das Leute die Drogen im großen Stil importieren dazu die Stoffe relativ rein transportieren, das ist ja auch verständlich: 1t Heroin transportiert sich besser als 2t 50%iges Heroin.
    Aber so kommt das doch nicht beim Endverbraucher an. Wenn ich ein Kilo reines Heroin hätte und es gewinnbringend verkaufen wollte, warum soll ich nicht 3% Aspirin drunter mischen merkt doch keiner, und wenn keiner 3% merkt, warum dann nicht 4% oder 5%… Ich möchte bezweifeln das Heroin vom Straßenmarkt mehr als 20% Heroin enthält!
    Aber gerade die Mittel zum Strecken sind für einen erheblichen Anteil der „Nebenwirkungen“ verantwortlich – die werden ja schließlich nach physikalischer Ähnlichkeit ausgesucht und nicht danach ob sie zu i.v.-Applikation, oder zum Rauchen geeignet sind.

  2. Schön und gut, aber wie soll diese Legalisierung aussehen?

    Darf ich dann ein Unternehmen gründen, das Heroin verkauft und zu diesem Zweck ähnlich groß bewirbt wie früher einmal Zigaretten? Oder soll es dann je nach Drogenart sinnvolle Einschränkungen geben? Wie z.B. diese, dass richtig harte, richtig abhängig machende Drogen nur an bereits Süchtige unter staatlicher Kontrolle abgegeben werden würfen, während der private Verkauf weiterhin verboten bleibt.

    Wie sieht es aus mit den langfristigen Konsequenzen durch einen verbreiteteren Konsum von neuen Rauschmitteln? Jetzt sind die Kosten und Schäden von Alkohol und Tabak nicht ohne. Etwas ähnliches bei weiteren Substanzen halte ich nicht gerade für wünschenswert.

    1. Mit solchen Einschränkungen kommt man zu nichts, weil man nichtmal die Debatte beendet kriegt, welche Drogen hart und süchtig machend, und deshalb zu beschränken sind. Da müsste mans ich vermutlich was besseres ausdenken.

      Im Übrigen wäre meiner Meinung nach ein totales Werbeverbot, auch für die Drogen, die jetzt schon legal sind eine gute Idee.

      1. „Mit solchen Einschränkungen kommt man zu nichts, weil man nichtmal die Debatte beendet kriegt, welche Drogen hart und süchtig machend, und deshalb zu beschränken sind. Da müsste mans ich vermutlich was besseres ausdenken.“
        –> Nun, es gibt Rauschmittel, die machen einen körperlich in einer Form abhängig, dass ein kalter Entzug lebensgefährlich sein kann. Solche Mittel sind sicherlich mit Einschränkungen zu versehen als andere. Von daher käme man um eine derartige Einschränkung gar nicht rum.

        „Im Übrigen wäre meiner Meinung nach ein totales Werbeverbot, auch für die Drogen, die jetzt schon legal sind eine gute Idee.“
        –> Hier haben wir dann das Problem, was alles als Droge betrachtet wird. Schaut man die Entwicklung im Bereich Computerspiele, besondere Online-Rollenspiele, an, sind hier auch große Suchtgefahren vorhanden mit ähnlich unschönen Auswirkungen. Wo müßte man bei diesem Verbot die Grenze ziehen?

  3. Also wenn überhaupt Legalisierung, dann zu einem horrenden Preis und vor allem schnell süchtig machende Stoffe können und dürfen nicht legalisiert werden.
    Es sollten zumindest die dadurch entstehenden sozialen Unkosten gedeckt sein.
    Diese Ansicht beziehe ich übrigens ebenfalls auf Alkohol und Tabak.

    Gruß

    AMUNO

  4. „In der Schweiz wurden vor zehn Jahren legale Zentren eröffnet, wo man sich unter kontrollierten Bedingungen Heroin spritzen konnte – kostenlos. Einbrüche gingen um 60% zurück und Obdachlosigkeit hörte auf zu existieren. Eine Studie des Lancet – eines der respektiertesten Medizin-Fachmagazine der Welt – fand heraus, dass die Zahl derer, die zu neuen Heroinsüchtigen wurden, um 82% fiel.“

    Wenn das so ist, kann daraus nur folgen, dass wir Heroin kostenlos unter kontrollierten Bedingungen (in dafür vorgehensehenen Zentren mit qualifizierten Ärzten) anbieten sollten. Den Preis ist es wert.

    Auch ansonsten sollten wir endlich von dem Verbots-Denken abkommen. Aus diesen Studien folgt eindeutig, dass bei der Legalisierung von Drogen die Kriminalität drastisch reduziert wird und auch der Drogenkonsum abnimmt. Was gibt es da überhaupt noch zu diskutieren?

    1. Das in der Schweiz beschriebene Beispiel ist genau die Sicht, die ich auch befürworte. Abgesehen von den illegalen Händlern aller Stufen gewinnt nämlich dabei jeder Betroffene an Nutzen. Da die diese Händler meines Erachtens aber nicht berücksichtungswürdig sind in ihren Handeln, wäre so eine Regelung sogar stark pareto superior.

      „Auch ansonsten sollten wir endlich von dem Verbots-Denken abkommen. Aus diesen Studien folgt eindeutig, dass bei der Legalisierung von Drogen die Kriminalität drastisch reduziert wird und auch der Drogenkonsum abnimmt. Was gibt es da überhaupt noch zu diskutieren?“
      –> Das mit der Kriminalität leuchtet mir ein.

      Aber nimmt der Konsum wirklich so pauschal ab? Sieht man sich den Alkoholkonsum an, habe ich da eher einen anderen Eindruck.
      Wären dann weitere Rauschmittel legal, die auch nicht sofort stark abhängig machen und ähnlich konsumiert werden können wie Alkohol und Tabak, könnte ich mir einen ähnlichen Effekt vorstellen. Der Konsum würde weitere Gesellschaftschichten erreichen und somit würde die Zahl an möglichen Langzeitschäden und kurzzeitigen unerwünschten Effekten (wie z.B. tödliche Verkehrsunfälle aufgrund von Rauschzustand o.ä.) in der absoluten Zahl steigen.
      Dies müßte man bei einer Legalisierung und einer Regelung der legalen Verbreitungswege berücksichtigen.

      Gäbe es da ein durchdachtes System, spricht für mich nichts gegen eine Legalisierung.

  5. Eine Legalisierung bzw. Illegalisierunge würde sich im Grunde genommen nichts bringen.

    Wenn jemand schon abhängig von Drogen ist, wird er/sie höchstwahrscheinlich alles tun, um weiterhin „an den Stoff zu kommen“.

    Wieso nehmen die Menschen überhaupt Drogen? (Flucht vor der Realität, Depressionen, Probleme)

    Drogenpräventionsmaßnahmen wären viel vorteilhafter!

  6. Was denkt ihr dazu:
    Ein Kind in der 2 Klasse unternimmt in der Schule einen Versuch, hier werden Nachteile der Drogen (die Sucht) gezeigt. Und zwar mit Durst, hört sich jetzt lächerlich an aber welches Kind das mal kurz vor dem Verdursten war und weiss das Drogen das selbe Gefühl hervorrufen, wird jemals vor seinem ersten Joint sitzen und sich auf das Gefühl freuen das bald kommt? Es weiss nach dem Rausch kommt bzw. wenn man Süchtig ist… Naja das Gefühl man brauche mehr gibts beim ersten Konsum ja leider nur bei „harten“ Drogen aber es schreckt glaub ich gut ab.. 1000 mal besser als n Film oder sonstiges auf jeden Fall.

    Wie hat man es eigentlich geschafft alle Drogen zu verbieten nur Alkohol und Nikotin so zu verharmlosen?

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