Einfältig gegen Einfalt

Nicht-diskriminierte Türkin?

Das Antidiskriminierungsgesetz ist eines der besten Gesetze, die es in der BRD überhaupt gibt. Ich bin begeistert. Ein Hoch auf SPD, Grüne und Europa! Nach einem harten Kampf wurden sogar Atheisten in das Gesetz miteingeschlossen und dürfen ebenfalls nicht diskriminiert werden, was die Kirchen ursprünglich verhindert hatten. Und ich bin sogar einverstanden mit 99,9% der aktuellen Kampagne der Antidiskriminierungsstelle. Aber mit einem Plakat habe ich diverse Probleme.

Nämlich bin dem Plakat, das oben in dem Beitrag zu sehen ist. Es zeigt eine muslimische Türkin mit Kopftuch, die auf die Selbstverständlichkeit hinweist, dass auch sie nicht diskriminiert werden soll. Und da hat sie natürlich recht. Aber: Wenn sie nicht diskriminiert werden möchte, warum verzichtet sie dann auf ihre Rechte und ordnet sich dem Islam und ihrem Mann unter? Ich habe mit Arbeitgebern geredet, bei denen muslimische Türkinnen eingestellt sind und sie berichten von ernstzunehmenden Problemen mit genau dieser Gruppierung. Die Probleme haben mit der aufgezwungenen Abschottung der Türkinnen von der deutschen Gesellschaft zu tun. Einer Türkin, von der ich gehört habe, wurde verboten, mit ihren Kolleginnen über Privates zu sprechen oder sich mit ihnen nach der Arbeit zu treffen. Sie wurde immer von ihrem Mann von der Arbeit abgeholt und sie war nie ohne männliche Begleitung (aus der eigenen Familie, versteht sich) auf der Straße zu sehen.

Ich denke, jeder kann sich vorstellen, was das für die Arbeitsatmosphäre und für das Betriebsklima bedeutet, wenn eine Mitarbeiterin kein Wort mit ihren Kollegen und Kolleginnen wechseln darf, das nicht unmittelbar mit der Arbeit zusammenhängt. Es ist eine Atmosphäre ständiger Bedrückung, eine völlig unnatürliche, aufgezwungene Situation. Wie Miss Minchin (Charakter aus dem englischen Kinderbuch The Little Princess), die den Kindern verbietet, beim Essen zu sprechen und zu lachen. Die männlichen Unterdrücker wachen stets über ihren Besitz (ihre Frau), selbst wenn sie sich körperlich gar nicht im Raum befinden.

Aus Studien wissen wir, dass genau diese Gruppierung – gläubige, muslimische Türken beiderlei Geschlechts – am schlechtesten von praktisch allen Gruppierungen an die deutsche Gesellschaft angepasst sind. Und ich rede hier von Anpassung an die Dinge, die zu den absoluten Grundlagen einer freien Gesellschaft gehören. Fakt ist, dass die kopftuchtragenden Musliminnen gleichzeitig tendenziell die religiösesten Musliminnen sind. Nichtgläubige Musliminnen (ein Begriff, der keinerlei Sinn ergibt, der in der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ aber trotzdem vorkommt) tragen praktisch nie ein Kopftuch. Sogar die eben genannte, doch sehr an Schönfärberei interessierte Studie, kommt zu folgendem Ergebnis:

Musliminnen mit Kopftuch schätzen ihre Deutschkenntnisse seltener als gut oder sehr gut ein, sie sind seltener erwerbstätig, pflegen seltener Freundschaftskontakte mit Deutschen, sind seltener in deutschen Vereinen engagiert, wohnen häufiger in Wohngebieten, in denen überwiegend Ausländer leben, fühlen sich tendenziell weniger stark mit Deutschland verbunden und sind seltener eingebürgert. Sie stellen unter den Frauen aus muslimisch geprägten Herkunftsländern wenigstens in Bezug auf die berücksichtigten Indikatoren insofern die am schlechtesten in die deutsche Aufnahmegesellschaft integrierte Gruppe dar.

Übrigens ist die geläufige Behauptung, das Kopftuch werde aus kulturellen und nicht aus religiösen Gründen getragen, eindeutig falsch: 92,3% der Kopftuchträgerinnen gaben an, es „aus religiöser Pflicht“ heraus zu tragen. Das ist doch mal ein klares Ergebnis, das auf Selbstaussagen der Betroffenen basiert.

Nun muss man schon feststellen, dass solche streng religiösen bis islamistischen Musliminnen durchaus eine Herausforderung für deutsche Arbeitgeber darstellen. Einer meiner Gesprächspartner meinte sogar, er habe da einfach nicht mehr zusehen können, und die Muslimin entlassen. Es war zu viel Druck der Familie da und zu viele Sonderwünsche. Man konnte in der eigenen Firma nicht mehr frei atmen. Ich habe ihm gesagt, dass ich es trotzdem für eine falsche Entscheidung halte, weil ihre Eigenheiten nicht direkt die Arbeit betroffen haben. Aber zugegeben: Hier ist meine kuschelweiche Café-Latte-Haltung durchaus am bröckeln. Ehrlich gesagt, würde ich mit so einer Person selbst nicht arbeiten wollen. Insbesondere aufgrund ihrer männlichen Verwandtschaft, die eindeutig im „Faschisten“-Abteil meines Gehirns abgespeichert ist. Und da hat die Antidiskriminierungskampagne auch etwas Wichtiges zu sagen: So entscheidend die Nicht-Diskriminierung aufgrund der – wie in diesem Fall recht extremen – Religionszugehörigkeit ist, die Nicht-Diskriminierung von Frauen ist ebenfalls wichtig und wie ich finde, sehr viel wichtiger.

Wenn die Gleichberechtigung von Frauen kollidiert mit der Gleichbehandlung aufgrund der Religion – was ist vorzuziehen? Als Gentleman sind das für mich natürlich die Frauen.

Insofern hätte man als Repräsentanten für den Aufruf zur Gleichbehandlung aufgrund der Religion oder Weltanschauung besser ein Exemplar der Gruppierung genommen, welche die Werte des Grundgesetzes am besten repräsentiert: Einen Konfessionsfreien. Studien zeigen, dass Konfessionsfreie die toleranteste und liberalste weltanschauliche Gruppierung in Deutschland überhaupt bilden. Und diskriminiert werden wir in vielen Bereichen auch noch (als ob uns kirchliche Arbeitgeber einstellen würden! Und eine eigene „Theologie“ haben wir an  Unis auch nicht). Außerdem will ich auf ein Poster.

22 Kommentare zu „Einfältig gegen Einfalt

  1. ich mach ein Poster mit Dir 😉 Aber zuerst kannst Du einmal lesen, was das islamische Portal zum Thema zu sagen hat: http://bit.ly/7KHYQX
    Die sprechen davon, dass das Kopftuchverbot diskriminierend sei… ich seh eher das Kopftuchtragen als diskriminierend an – sowohl für die sich unterordnende Frau als auch für die offenbar „sich nicht unter Kontrolle halten könnenden“ Männer.

    Und im Übrigen: wenn Kopftuchverbot in öffentlichen Gebäuden wie von der CDU gefordert und gesetzlich verankert, dann auch Kreuzverbot in Klassenzimmern.

    1. Ein Kopftuchverbot IST diskrimierend!!! Wie sich andere Leute anziehen hat den Staat auf gut deutsch einen Scheißdreck zu kümmern!

      Meine Klamotten könnte man auch als Nihilismus, Anarchismus oder was auch immer, meine Springer als Gewaltbereitschaft interpretieren. Nach deiner Logik sollte man sowas doch schleunigst verbieten oder?

      Andererseits wäre es natürlich Heuchelei wenn man auf der anderen Seite auf Kuschelkurs geht. Keine Vorrechte (das würde für mich auch unter Diskriminierung fallen) und keine Nachteile für Menschen auf Grund ihrer Kleidung, ist doch einfach.

      1. Kopftuchtragen ist diskriminierend für die Frauen, die dies nicht tun.

        Die werden damit auch unter Druck gesetzt: alles Schlampen.

        Trägst Du kein kopftuch: selbst schuld,m wenn Du vergewaltigt wirst- „geschieht Dir recht, Du Schlampe!“

  2. „92,3% der Kopftuchträgerinnen gaben an, es „aus religiöser Pflicht“ heraus zu tragen.“
    Hast du dafür ne Quelle?
    Dieser hohe Anteil erstaunt mich jetzt schon.

  3. Eigentlich ja einfach. Man kanns da analog zu Carlo Schmid halten. Die Demokratie muß nicht zulassen, das sie abgeschafft wird.
    Analog ist Diskriminierern das diskriminieren zu verbieten, keine Diskriminierung.
    Und Unterdrückern das unterdrücken zu verbieten, keine Unterdrückung.

    Ist aber auch eigentlich wurscht, ob die Damen das KT freiwiliig tragen oder nicht, so wie es wurscht ist, ob die Glatze die Stiefel und die Bomber freiwillig trägt. Es wird halt nicht sympathischer dadurch.
    Generell hat das Kopftuch aber auch einen ästhetisch positiv zu wertenden Aspekt: Es verhindert, das den 92,3% aus religiösen Gründen tragenden, die Kacke die sie im Kopf haben aus den Ohren auf die Schultern bröckelt.

    1. Das, Martin, war weit unter der Gürtellinie und einfach nur peinlich.

      Ich glaube, das es um wirklich mehr geht. Ich empfehle Dir sehr, mal Seyran Ates zu lesen: http://hpd.de/node/8201
      Auch den Frauen, die sich „freiwillig“ das Kopftuch umbinden, diese „Nationalflagge der Islamisten“, wirft sie vor, sich freiwillig in das Joch zu begeben. Wie Entführungsopfer, die sich nach einer gewissen Zeit mit ihren Entführern identifizieren und deren Gedanken für die eigenen halten, ohne zu merken, in welchem Gefängnis sie sich befinden. So macht sich die muslimische Frau selbst zum Objekt des Mannes, zum Ding, das dieser benutzt, wann und wie er es will.

      1. Es gibt ja auch „moderate“ Musliminnen die ihr Kopftuch freiwillig tragen.
        Das ist natürlich der Einzelfall, aber es soll ja auch Christinnen geben (die werden, befolgt man den christlichen Glauben konsequent genauso schlimm behandelt) freiwillig Kreuze tragen.

        Will sagen, natürlich ist es traurige Ironie, aber es gibt auch Ausnahmen.

  4. Und bei einer totalitären Religionsideologie wie dem Islam, ist das Ganze dann auch nochmal anders zu werten, als bei Symbolen einer Religion ohne weltlichen Missions- und Herrschaftsanspruch.

    1. interessant nur, daß immer, wenn man sowas anspricht, man selbst als Fremdenfeind oder Islamophob gilt.
      Selbst von Leuten, die sich sonst nen Kopf machen…
      … alles was nicht aus Deutschlkand kommt muss per se Guut sein, und alles was aus Deutschland kommt, böse.
      Da wären wir dann wieder beim Buch von MSS 😉

      Ist schon zie,mlich rassistisch, daß man, wenn man aus D kommt und kritik an Religionen übt, die hier erst importiert werden, gleich in die Nazi-Ecke gestellt wird.
      Als ob das nazi-sein in unseren Genen ist, was man unbedingt verhindern muss, oder nicht laut sagen darf.

      Dann sind aber diese political corrrecten Kritiker es, die vom Rassimus geprägt sind, und zwar von einem anti-deutschen. Bist Du deutsch, musst Du in Deinen Genen ein nazi-gen haben. Wenn Du alles fremde akzeptierst, dann kannst Du das vielleicht übertünchen.

      BTW: im Oktober war eine Harald-Schmidt-Sendung, da war ein Iraner Gast. Der war ganz stolz drauf, daß Iraner keine Araber sind, sondern Arier.

      Alles klar?!

      „Noch fragen?“ :->

  5. „Feuerbringer“, ein sehr schöner Name für Deinen Blog.

    Und als ich über diesem Namen nachdachte, kam mir endlich eine Idee, für ein von vielen gesuchtes Symbol, das für die europäische Aufklärung steht:

    Es köönte doch Eva sein, die den Apfel vom Baum der Erkenntnis pflückt!

  6. Wieder mal ein äußerst gelungener Kommentar!
    Die muslimischen Frauen werden ja gerade durch den Zwang zum Kopftuch/Verhüllen diskriminiert und gleichzeitig wird verlangt, sie nicht zu diskriminieren.
    Auch ich glaube, dass Kopftuchträgerinnen kaum in einen Arbeitsprozess mit normalem Kunden-/Kollegenkontakt integrierbar sind. Daher verrichten sie zumeist unqualifizierte Tätigkeiten wie Putzen. So folgen daraus weitere Diskriminierungen…

    1. Und ich denke, dass du dafür keine Belege hast!!!
      Und Kopftuchträger gleich als unqualifiziert zu bezeichnen (denn das tust du damit eigentlich) halte ich dann doch für diskriminierend.

      Zwang wird wohl ein Faktor sein, aber einer unter Anderen der dazu führt, dass muslimische Frauen die sich das Kopftuch zu eigen machen oft wenig integriert sind.

      1. Ich arbeite in einem sehr großen internationalen Finanzkonzern, in dem muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen, nur als Reinigungskräfte beschäftigt sind. Die einzige Muslimin, die Kundenkontakt hat, ist „normal“ gekleidet und verhält sich wie alle anderen Kollegen, das heißt, man erkennt ihre religiöse Überzeugung nicht, wenn man es nicht zufällig weiß.
        Ich habe keineswegs behauptet, dass Kopftuchträgerinnen unqualifiziert *sind*, sondern durch ihre selbst (?) gewählte Ausgrenzung meist nur für unqualifizierte Tätigkeiten angestellt werden (auch wenn sie vielleicht das Zeug zu „mehr“ hätten). Welcher Bankkunde möchte sich von einer Frau, die sich selbst (durch ihre Kleidung) als gegenüber Männern minderwertig deklariert, über Vermögensanlage beraten lassen?

      2. Gut, das stimmt. Ich denke wir haben uns einfach nur misverstanden. Aber ich denke, das betrifft vor allem Geschäftszweige mit viel Kundenkontakt.

    2. …stell Dir bloss mal vor, die Frau ist schlauer als der Mann… wo das wohl hinführen würde?
      Insofern ist doch Putzen optimal.
      Dann lernt die Frtau das auch den ganzen tag, damit sie es zu Hause weiter machen kann…

  7. So einfach ist das alles nicht. Viele muslimische Frauen ziehen das Kopftuch gar nicht freiwillig an und die, die es freiwillig anziehen, haben eine Gehirnwäsche hinter sich und glauben nun selbst, dass die Versklavung von Frauen das Natürlichste der Welt ist. Dieses System muss man irgendwie aufbrechen.

    1. Selbstverständlich muss man das! Nur ist das Kopftuch da eher das geringste Problem. Fördert man Integration und erhöht die sozialen Ausgaben (ja,ja, leicht gesagt…)erreicht man denke ich mehr als man mit Einschränkung von Bekleidungsfreiheit (schönes Wort) jemals bewältigen kann.

  8. Hallo Stefan,

    Sie schreiben „es soll ja auch Christinnen geben (die werden, befolgt man den christlichen Glauben konsequent genauso schlimm behandelt) freiwillig Kreuze tragen.“

    No, auch die Christinnen haben gefälligst Kopftücher zu tragen (und die Kerle einen anständigen Bürstenschnitt). Es ist immer wieder lustig eine Christin zu fragen, warum sie sich als Bibelgläubige nicht an die biblischen Regeln des Herren hält. Diese lauten (1. Korinther 11:5-15 Einheitsübersetzung):

    „Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dann in keiner Weise von einer Geschorenen. Wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, soll sie sich doch gleich die Haare abschneiden lassen. Ist es aber für eine Frau eine Schande, sich die Haare abschneiden oder sich kahl scheren zu lassen, dann soll sie sich auch verhüllen. Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann. (…) Urteilt selber! Gehört es sich, dass eine Frau unverhüllt zu Gott betet? Lehrt euch nicht schon die Natur, dass es für den Mann eine Schande, für die Frau aber eine Ehre ist, lange Haare zu tragen?“

    1. Gut gesprochen, ich habe mir dieses Buch zwar angetan, aber irgendwann werde ich wohl mental eingeschlafen sein.
      Will sagen das mit dem Kopftuch ist mir neu.

      Und was die Konsequenz angeht…wären alle „Christen“ die sich als solche bezeichnen wirlich das was sie zu sein glauben; Nun ich denke ich könnte meine Nachmittage damit verbringen bei Steinigungen zuzusehen (oder in meinem Fall wahrscheinlicher, gesteinigt zu werden).

  9. So ein Quatsch. Der Spruch von Jesus, „Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“, müsste auch Dir bekannt sein. Ich bin zwar kein Christ, aber ein wenig sollte man auch über die unterschiedliche Bedeutung von Altem und Neuem Testament für den christlichen Glauben wissen.

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