Big Fat Important Movie

Big Fat Important MovieIch habe mir gerade den neuesten Film von David Zucker („Die Nackte Kanone“) reingezogen. Es handelt sich um eine rechte Satire gegen Michael Moore. Sie hat einen gemischten Eindruck bei mir hinterlassen. Ihr Problem besteht vor allem darin, allzu deutlich Partei für die US-Rechte zu ergreifen.

Zum Beispiel treten in einer Szene Zombies von der ACLU (US-Bürgerrechtsorganisation) in einem Gerichtssaal auf und der Richter erschießt sie mit seiner Schrotflinte. Mir war an der Stelle nicht ganz klar, wie genau die Kritik an der ACLU lautet. Insgesamt ging es wohl darum, dass sie die Maßnahmen zur Terroristenbekämpfung, angesichts der Gefahrenlage, überzogen attackiere. Auch beschützt der Richter eine Steintafel mit den Zehn Geboten in seinem Gerichtssaal, wobei andererseits jemand ein paar davon abschießt und der Richter dann fragt, ob das Gebot, man solle nicht töten, noch da sei. „Na ja, auch egal“.

Der rechte Talkshowhost Bill O’Reilly hat ein paar Gastauftritte, in denen er vor allem Michael Malone ins Gesicht schlägt. Leider ist O’Reilly selbst ein echter Idiot. Insgesamt kann man sagen, dass der Film immer dann nicht gelungen ist, wenn er, obgleich teils ironisch, rechte Positionen aufgreift.

Was dagegen ins Schwarze trifft, ist die Kritik an der Mainstream-Linken und an postmodernistischen Universitäten. In einer urkomischen Szene sieht man ahnungslose Studenten, die gegen die Regierung und gegen die Sonne demonstrieren und einfach alles in Sprechchören wiederholen, was Michael Malone von sich gibt. Richtig, wenn auch nicht sehr witzig, ist die Kritik am Pazifismus, etwa wenn Malone mit General Patton die Verhandlung zwischen Neville Chamberlain und Hitler besucht. In der Tat ein bizarres, historisches Ereignis. Chamberlain übergab Hitler einfach ein paar Länder, damit er den Rest der Welt in Ruhe lässt. „Wie heißt das? Ach, nennen wir es einfach ‚Polen‘.“ Auch schön: Es hat den amerikanischen Bürgerkrieg nie gegeben und in dieser alternativen Gegenwart ist Malone der größte Sklavenhalter der USA.

Am besten ist zweifellos die Szene, in der Michael Moores Besuch in Kuba auf die Schippe genommen wird (zu sehen in „Sicko“). Er läuft dort mit einem Cocktail in der Hand herum und erzählt, dass es in Kuba an jeder Straßenecke ein Krankenhaus gäbe, verteilt irgendwelche kostenlosen Medikamente, während hinter ihm von Castros Soldaten die Patienten erschossen werden. Schließlich will er mit seinem Boot nach Amerika zurückfahren und als die Kubaner das sehen, wollen sie alle mit aufs Boot, um aus Kuba zu flüchten. Malone verkloppt sie mit dem Paddel und wirft sie hinaus. Auch nett: Eine Veralberung der Cannes-Filmfestspiele, wo Filme gegen Hitler oder McCarthy gemacht werden. „Aber natürlich würde ich nie einen Film gegen die Gefahren unserer Zeit, zum Beispiel gegen Islamisten machen“, sagt der Gewinner-Regisseur. „Die würden mir ja den Kopf absäbeln.“

Insgesamt fand ich den Film durchaus sehenswert und auf jeden Fall besser als alle Filme von David Zucker seit Die Nackte Kanone 33 1/3, auch wenn mir das patriotische Getue auf den Wecker gegangen ist. Hab ihn mir auf Blu Ray angesehen, wo gerade bei diesem Film das Bild wirklich herausragend gut ist. Die Extras sind ziemlich überflüssig, so erfährt man im Audiokommentar nicht viel über die politische Haltung von Zucker und co. (David Zucker ist eigentlich gar nichts rechts, sondern mitte-links), es geht eher um technische Fragen.

Es war zwar rechte Propaganda, aber da ich die Rechte für genauso bescheuert halte wie die Linke, kann ich mich hier über genau das amüsieren, was mich an der Linken stört, während ich mich bei linker Satire über das amüsieren kann, was mich an der Rechten stört. Die Rezensionen des Films kommen leider häufig aus dem Moore-Lager, was dem Film allerorts insgesamt keine hohe Bewertung eingebracht hat. Aber es ist leider einfach eine Tatsache, dass die Rechte viele gute Gründe hat, sich über die Linke lustig zu machen, man denke etwa an deren Neigung zu Verschwörungstheorien (Bush verantwortlich für 9/11) und zu durchgeknallten Vergleichen zwischen Hitler und Bush oder zwischen Guantanamo und Ausschwitz. Und dass sich Al Quaeda mehrmals positiv über Moores Filme geäußert hat und sie für ihre Propaganda gebraucht, ist leider ebenso keine Fiktion.

Hier ein guter Clip aus dem Film:

3 Kommentare zu “Big Fat Important Movie

  1. kosinsky sagt:

    Naja, scheint ja zunächst mal eine Parodie auf den narzistischen, selbstgerechten und kapitalistisch mit seinem anti-kapitalismus sehr erfolgreichen Michael Moore zu sein. Und das wurde ja auch schon lange mal Zeit, so würde man sagen. Dass sich der Film dann logischerweise über Heuchelei, Lügen und links-ideologische Überheblichkeit von Moores Filmen und Büchern lustig macht, was auch „rechte“ Kritiker teilweise machen ist auch unumgänglich. Denn dass Moores politische Gegner auch die (bewussten und unabsichtlichen) sachlichen und inhaltlichen Unzulänglichkeiten seiner Polemiken aufs Korn nehmen, kann man ihnen nicht verübeln.
    Wie Sie richtig schreiben kann man sich, unabhängig von irgendwelchen politischen Verortungen der Filmemacher, über gut gemachte Parodien amüsieren und sich durch das „Vom hohen Ross holen“ der Parodierten angenehm unterhalten lassen.

  2. richard sagt:

    sehr schlechter film bitte nicht kaufen

  3. Watcher sagt:

    Wenn es denn ein gut gemachter Film wäre könnten sich auch einige eher linke Menschen über diesen Film amüsieren. Es ist aber kein guter Film, sondern eine schlechte Satire:

    http://reflexion.blogsport.de/2010/05/07/big-fat-important-movie-eine-kritik/

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