Das Geheimnis von Hitlers Anzug

(Ergänzung!) Ich habe meine Blogleser mal wieder als Versuchskaninchen für ein psychologisches Experiment missbraucht. Diesmal sollten sie die Frage beantworten, ob sie einen sauberen und gepflegten Anzug von Adolf Hitler – für andere nicht als solcher zu erkennen – bei einem Gespräch mit der Bundeskanzlerin tragen würden.

Es handelt sich um einen Test, mit dem magisches Denken festgestellt wird. Gibt es eine böse Substanz oder Eigenschaft, die von Adolf Hitler auf seinen Anzug übertragen wird? Wenn nicht, gibt es einen rationalen Grund, den Anzug prinzipiell nicht zu tragen? Es handelt sich lediglich um Stoff. Ob er sich einmal an dem Körper eines Tyrannen befunden hat oder nicht, ändert gar nichts an der Beschaffenheit des Stoffes. Aber sehen wir uns die Problematik näher an:

Die Idee für das Experiment stammt ursprünglich von Paul Rozin von der Universität von Pennsylvania. Er fand heraus, dass es mindestens vier Gründe gibt, warum wir keine „bösen“ Gegenstände berühren möchten:

1.) Wir möchten nicht bei einer Tätigkeit ertappt werden, welche die Mehrheit vermeiden würde.

2.) Jeder Gegenstand, der mit einem Mörder assoziiert wird, ist negativ, also werden Assoziationen mit dem Tötungsakt erzeugt, wenn wir es tragen.

3.) Wir glauben, dass die Kleidung physisch kontaminiert ist.

4.) Wir glauben, dass die Kleidung spirituell (durch Geisterhaftes) kontaminiert ist.

Im Falle von Hitlers Anzug gibt es ein paar Probleme für alle, die meinen, ihn aus guten Gründen nicht tragen zu wollen: Man kann ihn äußerlich nicht Hitler zuordnen und es gibt keine direkte Verbindung zwischen dem Anzug und Hitlers Verbrechen. Der Anzug war schließlich keine Tatwaffe. Eine physische oder spirituelle Kontamination ist aus wissenschaftlicher Sicht Humbug, also entfallen die Punkte 2-4. Da obendrein in der Fragestellung festgelegt ist, dass man bei dieser Tätigkeit nicht ertappt werden kann, entfällt auch Punkt 1. Ergo gibt es keinen rationalen Grund, das Tragen von Hitlers Anzug zu einem Treffen mit der Kanzlerin abzulehnen (einige Kommentatoren bemerkten, dass sie es darum nicht tun würden, weil sie Angela Merkel nicht treffen möchten). Stellt sich nur noch die Frage, welchen positiven Grund man haben sollte, diesen Anzug auch wirklich zu tragen. Ich habe also meinen Lesern 1000 Euro angeboten, wenn sie Hitlers Anzug tragen, aber viele meinten, dies wäre recht wenig.

Obwohl die Leser meines Skeptiker-Blogs diese Frage sehr viel häufiger rational beantworteten als der Bevölkerungsdurchschnitt, so ruht doch die Neigung zum Aberglauben auch in Skeptikern. Allerdings schreibt der Psychologe Bruce Hood in seinem Buch „SuperSense“, dass Aberglauben auch Vorteile haben könne, zum Beispiel hat Geld eigentlich nicht den Wert, dem wir ihm beimessen. Trotzdem wäre es katastrophal, wenn wir plötzlich nicht mehr an den Wert von Geld glauben würden.

Ergänzung: Mehr zum Thema gibt es in diesem Artikel. Ein weiteres Beispiel für diese Art von magischem Denken ist die Distanz, die Menschen zu Aids-Opfern einnehmen, obwohl sie wissen, dass HIV nicht über Luft oder einfachen Körperkontakt übertragen werden kann. Der Stamm der Tairora aus Papua-Neuginea glaubt, dass positive Charaktereigenschaften der Mutter über die Muttermilch an den Nachwuchs weitergegeben werden.

(Ein Auszug aus der Presseschau vom Evo-Magazin)

30 Kommentare zu „Das Geheimnis von Hitlers Anzug

  1. Grund 1 waere meiner.

    Allein die Tatsache, dass der Anzug (fuer mich) 100%ig nachweisbar Hitlers sein muss – sonst funktioniert die Wette nicht – und Du das weisst – dito, bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das herauskommt, deutlich groesser als 0 ist: Sei es, dass Du mich hinters Licht fuehrst, sei es, dass ich mich selbst verquatsche, wenn mich etwa jemand wegen der 1000 Euro fragt.

    Kurzum – das Verhalten ist nicht aberglaeubisch, es ist nur realitaetsnaeher, und (wie so oft in der Psychologie und Oekonomie) ist die scheinbare Irrationalitaet nur ein Artefakt der ungenauen Rekonstruktion der Beweggruende.

    1. Man geht bei solchen Szenarien davon aus, dass er Prüfer kein Teil von diesen ist. Ich weiß also nichts von der Sache. Und natürlich würde er seine Testpersonen erst recht nicht hinters Licht führen.

      Aber es ist schon klar, dass ich auf die gewöhnlich durchaus so verbreiteten irrationalen Beweggründe hinaus will und nicht auf solche rationalen Hintertürchen wie jener, dass man sich selbst verraten könnte.

      1. Psychologen, die ihre Testpersonen nicht hinters Licht führen…? Nee, so, wie das Szenario formuliert wurde, besonders von Dir & hier, geht es von sehr fragwürdigen Voraussetzungen aus: Der Anzug ist 100%ig und eindeutig Hitlers, und es besteht keine Möglichkeit für irgendwen als den 100% vertrauenswürdigen Testleiter und die Testperson, das zu wissen: Das ist keine plausible Konstellation.

        Und damit sind die Ergebnisse alles andere als aussagekräftig – Pfuschologie halt. (Die meisten interessanten (im Sinne von spektakulären) „Ergebnisse“ auf diesem Feld haben keine solide Grundlage und bieten Raum für jede Menge Alternativdeutungen.)

      2. Tscha, genau solche Auslassungen sind es, warum ein nicht unerheblicher Teil der Psychologie von vielen Naturwissenschaftlern nicht ernst genommen wird. 😀

        Sorry, aus einem logisch inkonsistenten (!) Gedankenexperiment grossartige Erkenntnisse ueber irrationales Verhalten zu erwarten, ist mehr als abenteuerlich. Der Schluss

        „Einige Atheisten wuerden nicht so ohne weiteres Hitlers Anzug tragen wollen

        =>

        Diese Atheisten denken und handeln irrational, und sind aberglaeubisch, weil es dafuer keine rationalen Gruende geben KANN“

        traegt schlicht nicht, weil die implizite zweite Praemisse („… es dafuer keine rationalen Gruende geben KANN“) schlicht falsch ist.

      3. Es ist Schwachsinn, weil dieses Hitler-Experiment lediglich eine Veranschaulichung der Ergebnisse von zahlreichen empirischen Studien ist!

      4. Immer wieder nett, wenn ein Geisteswissenschaftler einem Naturwissenschaftler/Wissenschaftstheoretiker erklaeren will, wie man Experimente aufzubauen und zu beurteilen hat. 😀

        Pardon, aber als Germanist/Anglist sollte man zumindest LESEN koennen. Ich hab nicht Paul Rozins Theorie angegriffen, der – korrektes Zitieren mal unvorsichtigerweise vorausgesetzt – explizit Raum fuer weitere Gruende laesst. (Welche, nebenbei, kein „Ergebnis von zahlreichen empirischen Studien“, sondern eine Deutung derselben ist – aber lassen wir solche Feinheiten.)

        Sondern das hier eingestellte und explizit vom Autoren so bezeichnete „psychologische Experiment“. Und das ist nun mal unbrauchbar.

        – Aber die Eingangsthese wurde letzlich bestaetigt: Auch Atheisten verfallen offenkundig in den Aberglauben, dass die Fach- und Sachkenntnis in einem Gebiet einen auf magische Weise daran hindere, einfachste Anfaengerfehler zu machen, wenn man in anderen Feldern herumdilettiert. (Besonders in einem Feld, wo selbst die Studien von „Experten“ und „Autoritaeten“ und selbst oft in Lehrbuechern zitiertes Allgemeingut sich als unhaltbar herausstellen.)

        Insofern hast Du Deinen Punkt glaenzend demonstriert. 😉

      5. Selbstverständlich ist es möglich, dass nur der Testleiter und die Testperson wissen können, dass ein Anzug von Hitler stammt und niemand sonst. Schließlich ist der Anzug Massenware. Einen solchen Anzug hatten unzählige Menschen getragen. Wie sollte man wissen, dass dieses spezielle Exemplar Hitler gehörte? Aber nehmen wir einmal an, jemand findet das mit einem gewaltigen Aufwand heraus und schadet so der Testperson.

        Was ändert dies an der Tatsache, dass die Menschen eine Tendenz haben, an die Übertragung von Charaktereigenschaften auf persönliche Gegenstände zu glauben, was man aus vielen Studien weiß? Dann gibt es vielleicht auch einen rationalen Grund, den Anzug nicht zu tragen, meinetwegen, und trotzdem tun es viele Menschen nicht aus irrationalen Gründen!

        Dass es keine andere Studien zum Thema gäbe, ist ein Humbug. Hier werden zum Beispiel mehrere erwähnt:

        http://www.thefreelibrary.com/Contagious+thoughts:+under+a+%27magical+law,%27+good+and+evil+prove+as…-a011315474

        Ich würde auch die Studien zum Händewaschen, um sich von Sünden zu reinigen, einbeziehen. Auch in diesem Fällen glauben die Betroffenen schließlich, dass Sünden eine Substanz auf ihrem Körper wären, die sie sich abwaschen könnten.

        Und hier ist die Originalstudie von Rozin:
        http://www3.interscience.wiley.com/journal/119318849/abstract

      6. Nochmal zum Mitschreiben: Rozins Studie, so wie die anderen, habe ich explizit nicht in Frage gestellt, und auch seine Ergebnisse und seine Deutung nicht. Ich halte die Deutung für plausibel, wenn auch nicht sonderlich spektakulär. Dass Menschen Gegenstaende mit Personen verbinden, die sie berührt haben, ist nun auch keine sonderliche Einsicht – Alltagsbeispiele Reliquienkult, Autogrammjägerei, sammelnde Fans reichen mir völlig als Belege aus.

        Die „Anzugs“geschichte in der vorliegenden Form dagegen taugt als Experiment weiterhin nichts, weil sie von wesentlichen Voraussetzungen ausgeht, die die Untersuchten nicht teilen müssen. (Schlicht, weil ein Anzug nicht plausiblerweise gleichzeitig für 2 Personen völlig eindeutig identifizierbar und für alle anderen Personen unter keinen Umständen identifizierbar ist.)

  2. Mein Grund, diesen Anzug nicht zu tragen, ist Nr. 2. Ich vermag nicht zu erkennen, dass dieser Grund durch den Umstand widerlegt würde, dass es sich nicht um ein Tötungswerkzeug handelt. In der Tat assoziiere ich Hitler selbst mit dem Anzug und möchte dieses Kleidungsstück deshalb nicht tragen. Mit magischen Vorstellungen (Nr. 3 oder 4) hat das nichts zu tun. Ich finde, man kann sich auch mal die Gegenfrage stellen: Weshalb gerade einen Anzug tragen, der Adolf Hitler gehört hat? Wenn man den Kick braucht, bitte schön. Ich brauch ihn nicht.

    1. Das Problem besteht darin, dass niemand, der nur den Anzug sieht, ihn mit Hitler assoziieren würde. Das tust du nur, weil man dir gesagt hat, dass er von Hitler stammt. Aber mit dem Anzug wurden keine Verbrechen begangen wie mit einem Messer oder einer Pistole. Es ist nur ein Anzug!

      Der Anreiz sind die gebotenen 1000 Euro.

      1. Ich besitze eine alte Kaffeekanne, die meiner verstorbenen Oma gehörte. Immer wenn ich sie benutze, weckt sie in mir bestimmte Assoziationen – schöne Erinnerungen an meine Oma. Deswegen benutze ich sie – auch wenn Gäste diese Assoziationen nicht haben (vielleicht sind sie er ersschrocken über das alte Blechding). Die Blechkanne an sich ist weder gut noch schlecht, genauso wie Hitlers Anzug. Ich würde also für mich auch Erklärung #2 wählen – wenn da nicht stehen würde, daß der Gegenstand an sich für schlecht gehalten wird. IMHO sind es jedoch die Assoziationen, die Unbehagen auslösen, nicht der Gegenstand an sich. Und das ist für mich Grund genug, ihn nicht zu tragen.

      2. War eine nette Idee, das Experiment.
        Die eigentliche Assoziation des Anzuges mit Hitler (oder der Kanne mit der Oma) sind noch nicht Aberglaube und schlecht. Assoziationen befähigen uns ja erst, Erfahrungen auf ähnliche Situationen anzuwenden. Schlechtes Denken ist erst, wenn man sich dadurch einengt (wir haben ja gesagt, der Anzug ist nicht zu eng). Wenn man die Gedanken an die Oma gerne hat, ist deswegen auch der Gebrauch der Kanne nicht abergläubisch.

  3. Die Argumentation ist daneben. Was das mit Irrationalität zu tun hat erschliesst sich mir nicht. Dann wär’s auch irrational, wenn ich KEIN Bild meiner ungeliebten Schwiegermutter neben dem Bett hängen haben will.

    Ich will nicht an den Typen denken, weil er nun mal nicht zu dissoziieren ist von seinen Verbrechen. Seinen Anzug zu tragen, im Wissen dass es sein Anzug ist, erinnert mich an seine Verbrechen, und das brauche ich nicht, weil es Schöneres gibt im Leben. Da trage ich lieber einen schönen italienischen Anzug, der ist erstens schön und zweitens von Leuten gemacht, die sich eine Heidenmühe gaben, etwas Gutes zu machen. Wenn das Irrational – naja, Freude ist halt schon völlig irrational.

    Ausserdem ist das Tragen eines Anzugs eines Verbrechens auch eine rituelle Handlung, und das hat durchaus seine Wirkung, da braucht man nur die Neurologen zu fragen (und Hood will ja Neuroscientist sein).

    Rituale sind eine Methode, Dinge im Leben erinzuordnen und zu bewerten, Geburt, Hochzeit, Tod, usw. Weil wir uns das BIld von der Wirklichkieitt immer konstruieren, müssen wir bei Ereignissen das Bild ändern, und da helfen Rituale. Da läuft was ab in Hirn, und die Festplatte wird etwas umorganisiert, das ist alles. Mit dem Anzug brennen wir auch was auf die Festplatte, und etwas, das keine Freude auslöst.

    Das hat nichts mit Aberglauben und Übersinnlichem zu tun. Ich halte vielmer die Argumentation für irrational – sie versucht die Realität des Hirnes wegzureden.

    1. Man könnte sagen, dass Erklärung 2 auf meine Argumentation zutrifft, sie ist mir aber zu schwach. Ein Mörder ist irgendwer, das Ereignis muss schon was Grösseres sein (zB meine Schwiegermutter)

  4. Ich würde das Ding einfach tragen und gegen meinen Drang ankämpfen, den Anzug mit den Taten Hitlers zu assoziieren (die bloße Assoziation ist bereits Aberglauben, liebe Leute! Das ist ein Stück Stoff und die Assoziationen sind Fabrikationen eures Gehirns, nichts Reales!).

    1. Daran denken, dass der Anzug von H ist, ist Aberglauben, wenn er von H ist?

      Dann ist es Aberglauben, wenn ich ein Foto von den Ferien in der Toskana sehe und an die Ferien in der Toskana denke.

      1. Nein, aber es ist völlig wurscht, ob der Anzug von Hitler ist, weil es nichts an der Beschaffenheit des Anzuges ändert! Es ist nur Stoff!

      2. Die Frage war, ob man ihn tragen würde. Schon vergessen? Die Assoziation ist kein Aberglaube, sondern so ziemlich der normalste Vorgang im Gehirn. Aberglaube wirds erst, wenn man glaubt, dass die Assoziation physikalisch etwas mit dem Anzug zu tun habe.

      3. Ich bezweifle nicht, dass es normal ist, im Gegenteil neigen wir von Natur aus zum Aberglauben (Muster sehen, wo keine sind; Dualismus; Essenzialismus; Kreationismus, etc.). Allerdings verfügen wir ebenso über einen Verstand, mit dem wir uns solcher Fehler bewusst werden und sie vermeiden können. Eigentlich sollte man derartigen Aberglauben in der Pupertät hinter sich lassen.

        Es ist schon klar, dass man einen Anzug mit Hitler assoziiert, wenn man mitgeteilt bekommt, dass er Hitler gehörte. Aber warum und inwiefern sollte uns das stören? Hören wir doch einfach auf, bloßen Stoff mit der Essenz des Hiterschen Bösen in Verbindung zu bringen.

      4. „Muster sehen, wo keine sind“

        Es gibt nur interpretierte Muster. Und die Interpretation ist vorläufig. Aberglaube beginnt erst dort, wo man physische oder physikalische Zusammenhänge sieht, die es nicht gibt.

        Es besteht ein Unterschied zwischen der Hasenpfote als Glücksbringer und der Hasenpfote als Erinnerung an ein Ereignis. Ersteres ist Aberglaube, letzteres ist es nicht.

        Dass der Stoff nichts damit zu tun hat, war immer schon klar. Es ist auch nicht der Stoff am Anzug, der stört, sondern die Assoziation selber, die stört (oder den Nazi freut). Die Assoziation ist eine Tatsache. Die bringen Sie nur weg, indem sie sich in den Kopf schiessen. Verdrängen geht natürlich auch, aber nur vordergründig.

        Kann sein, dass die Assoziation Sie nicht stört, und das ist dann bei Ihnen so. Bei mir ist es anders. Hat aber nichts mit Aberglauben zu tun, denn ich stelle nur Gefühle auf Grund der Assozitation fest, keinen Wirkungszusammenhang. Gefühle können sich übrigens auch verändern, und das weiss ich im Moment des Gefühls auch.

      5. Die Frage wäre, ob man durch die rationale sachliche Einordnung eine Assoziation derart einordnen kann, dass diese kein Hindernis mehr darstellt, einen Vorteil von 1.000,00 Euro einzustreichen.

        Ich meine, dass das möglich ist, wenn auch vielleicht nicht zu 100%. Als Kind hat man Angst, allein in den dunklen Wald zu gehen, auch wenn man sicher sein kann, dass dort nichts gefährliches ist. Heute als Erwachsener kann ich mich von entsprechenden Ängsten durch rationale Erkenntnis befreien – vielleicht haben sich aber auch nur die Instinkte verlagert.

  5. Hmmm, jetzt im Nachhinein kann ich nicht mehr garantieren, daß meine =»Antwort völlig unbeeinflußt war, da ich schon mal eine Beschreibung/Rezension des Buches gelesen habe (ohne mich jedoch an Einzelheiten zu erinnern).
    Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner dort geäußerten Meinung.

  6. Was den Hauptpunkt betrifft:

    Natürlich sind wir alle (aber-)gläubisch und vorurteilsbehaftet. Es ist schlicht nicht möglich, zu allem und jedem im Alltag ein qualifiziertes, durch eigene gründliche Recherche abgesichertes Wissen zu besitzen. Also arbeitet man mit Näherungslösungen. Und rechnet – rationalerweise – auch damit, dass alle das in den meisten Situationen tun. Kurz: Irrtum ist immer möglich.

    Wirkliches Gläubischsein liegt m. E. aber erst dann vor, wenn man wider besseren Wissens auf Dauer an irgendwelchen Einstellungen, Meinungen usw. festhält – Fakten nicht zur Kenntnis nimmt.

    Wie etwa das Faktum, dass es so etwas wie „absolut sichere“ Geheimnisse – wie im Szenario vorausgesetzt – nicht gibt. Und dito – dass die irrationalen Assoziationen anderer nicht in Rechnung zu stellen kein sehr rationales, aufgeklärtes Verhalten darstellt…

    😉

  7. So ein Anzug Adolf Hitlers ließe sich sehr teuer verkaufen.
    1983 veröffentliche der „Stern“ die angeblichen Tagebücher Hitlers, obwohl die enthaltenen Aussagen politisch sehr brisant waren. Für diese gefälschten Tagebücher gab das Magazin über 10 Millionen Mark aus.

    Beim Thema „Adolf Hitler“ reagieren die Medien sehr irraional, auch wenn er als menschliches Monster gilt, gibt es im Fernsehn unzählige Dokumentationen über Hitler.

  8. Mensch Leute, es ist doch nur ein Anzug! Was macht ihr euch denn ins Hemd? Solange er nicht kontaminiert ist (was er ja nicht ist), ist es doch vollkommen egal! Was gibt es denn da zu diskutieren oder nicht anziehen zu wollen? Ist euch eigentlich klar, dass euer Nasenspitzenatom sich mit einer nicht zu vernachlässigenden Wahrscheinlichkeit mal im HIRN von Göbbels befunden hat? Leute euer NASENSPITZENATOM, in seinem kranken Hirn!!!! OMG!! Dann lieber schnell noch mal die Nase waschen gehn!! Ich meine, wie wollt ihr DAS vor euren Mitmenschen rechtfertigen?
    Also echt, solche Ansichten „also ich würde den (total atomar sauberen und nach Cremehonigseife riechenden) Anzug NIE tragen“, sind einfach vollkommen behämmert. Alles was um uns ist, jedes Atom hatte schonmal irgendwie mit irgendwas Schlimmem zu tun. So ist das nunmal in einer Welt, wo alles recycelt wird. Jeder, der diesen gedachten Anzug nicht trägt oder meint sich darüber aufregen zu müssen, macht sich – aus eben genannten Gründen – einfach nur lächerlich. Und das 100000000 Leute den Anzug auch nicht tragen würden, ist einfach nur eine deutliche Bestätigung von MSS: „Die Welt wird nicht von skrupellosen Verbrechern, finstren Kapitalisten oder machtgierigen Despoten regiert, sondern von einer gigantischen, weltumspannenden RIESENBLÖDHEIT. Wer´s nicht glaubt, ist schon infiziert.“ Also ein bißchen mehr Rationalität könnte man schon an den Tag legen. Bei „Hitler“ drehen die Leute immernoch total am Rad, das ist nämlich das Problem hier. Ich glaube den Anzug von fast jedem anderen Unmenschen würden die Leute eher anziehen.

    1. Einigen (z.B. PlainCitizen) geht es hier doch darum, dass sie den Anzug mit Hitler assoziieren. Wenn das lächerlich sein soll…
      Außerdem scheint es mir ein wenig weit hergeholt, wenn Du die Diskussion über den Anzug auf eine Stufe mit dem Beispiel der Big-Brother-Zuschauer/Verschwörungstheoretiker von MSS stellst.

      1. Per defnitionem passiert diese Assoziation allerdings nur in ihrem Kopf und ist daher eben purer Aberglaube und dieser ist – wenn so selbstverständlich vertreten – eben lächerlich. An dem Anzug ist nichts hilteriges mehr dran, außer dass er das Stück Stoff mal anhatte – kann aber niemand mehr nachweisen, außer dass die anziehende Person es eben „weiß“. Man kann sich drehn und wenden wie man will: wer ihn nicht tragen will, sollte sich auch seine Nasenspitze amputieren lassen – um redlich zu bleiben! Es lässt sich doch letztlich darauf runterkochen: alles hängt mit Allem zusammen. Sobald etwas aber zu >>99% atomar ausgetauscht bzw. sauber ist, sollte man doch mal den Verstand einschalten und erkennen, dass Realität und Gefühl (wie so oft) wenig miteinander zu tun haben (eben <<1%).

      2. Handlungen sind Signale, das hat noch gar nix mit Aberglaube zu tun. Die Assoziation (im deutschen Sinn, nicht im englischen) passiert diesem oder jenem und beeeinflusst dessen Einschätzung des Anzug-Trägers. Das hat auf den Träger Auswirkungen.

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