Ex-Christin entschuldigt sich für jahrelange Dummheit

Eine amerikanische Mutter namens „Rechelle“ hat sich nun dafür enschuldigt, über Jahre hinweg eine überzeugte Christin („ein gigantischer Scheißtyp“) gewesen zu sein. In der Tat ist eine Entschuldigung auch das Mindeste, was wir dafür erwarten dürfen. Doch sollten wir als überzeugte Religionsfeinde auch stets zur Vergebung bereit sein. Rechelle: Wir verzeihen dir!

Anm: Dieser Beitrag ist ebensowenig eine Satire (abgesehen von meinen eigenen Anmerkungen am Anfang und am Ende) wie der über die Ermordung eines Atheisten in den USA. Es handelt sich um eine tatsächliche, ernstgemeinte Entschuldigung einer US-amerikanischen Ex-Christin an alle, die sie mit ihrem Glauben geschädigt hat. Ich werde zukünftig darauf achten, Satiren und Nicht-Satiren klarer als solche zu kennzeichnen.

Lasst mich nun ein paar Highlights aus ihrer Entschuldigung an euch weitergeben (übersetzt):

1. Ich entschuldige mich allen Homosexuellen gegenüber. Es tut mir leid, dass ich an eine Religion glaubte, die euch verdammt. Es tut mir leid, dass ich jahrelang glaubte, dass die Bibel in ihrer Verdammung der Homosexualität recht hatte. Es tut mir leid, dass ich nicht Woche auf Woche auf Woche erneut einen großen Aufwand inmitten der Sonntagspredigt darüber gemacht habe, als ich nicht mehr glaubte, dass die Bibel recht hatte, die Homosexualität als Sünde zu verurteilen, dass ich keinen Ärger gemacht habe, bis die Kirche eine einstweilige Verfügung gegen mich erlassen und mich auf 100 Fuß von der kirchlichen Zuflucht verbannt hat.

2. Ich entschuldige mich jedem auf der Erde gegenüber, der Jesus nicht als seinen persönlichen Erlöser akzeptiert hat, weil ich glaubte, dass ihr alle zur Hölle fahren werdet.

3. Ich entschuldige mich gegenüber allen meiner vormaligen Sonntagsschüler, weil ich ihnen beigebracht habe, dass die Bibel das Wort Gottes ist. […] Ich entschuldige mich dafür, eure Intelligenz nicht respektiert zu haben und über haarige Themen hinweg gegangen zu sein und all den Bullshit rationalisiert zu haben, der zu jeder Zeit in „Gottes Wort“ so gegenwärtig ist.

[…] Ich entschuldige mich dafür, dass ich euch nicht gesagt habe, dass die Bibel und das Christentum zwei der Hauptgründe waren, warum die Menschen so lange dafür gebraucht haben, von der Tyrannei zur Demokratie zu gelangen, von der Sklaverei zu Menschenrechten, von grausamen religiösen Vollmachten zum Zivilrecht. Ich hoffe, dass ihr es eines Tages selbst herausfinden werdet, trotz all dem, was ich euch beigebracht habe.

4. Ich entschuldige mich dafür, der Kirche Geld gegeben zu haben. […] Ich wünschte, ich hätte all das Geld dafür verwendet, das menschliche Leid zu reduzieren.

5. Ich entschuldige mich dafür, alle möglichen verrückten Sachen geglaubt zu haben, die wirklich verkorkst sind und unglaublich verletzend sind für meine Mitmenschen. Dinge wie Gott bestraft die Kinder und Enkelkinder […] für die Sünden der Eltern. Dinge wie meine Entschuldigung für das besonders gruselige Zeug in der Bibel (Sklaverei, Frauenhass, Völkermord) auf Grundlage des „historischen Kontexts“, anstatt dass ich darauf bestanden habe, dass es damals falsch war und heute falsch ist.

6. Ich entschuldige mich meinen Kindern gegenüber, dass ich eine passiv-aggressive christliche Mutter gewesen bin.

7. Schließlich entschuldige ich mich dafür, dass ich es zugelassen habe, dass mein Glaube meine Anwort auf die Probleme der Welt betäubte.

All diese Dinge tun mir ernsthaft leid und ich bereue sie zutiefst…

Und ich habe vor, Änderungen vorzunehmen, Schaden zu reparieren und mich zu bekehren.

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Danke für deine Worte, Rechelle! Gewiss werden viele meiner religionsfeindlichen Blogleser wütend und enttäuscht darüber sein, dass du so lange die Gehirne von Kindern mit diesem christlichen Nonsense infiziert hast. Und doch nehmen wir deine Umkehr von der Sünde mit Freude entgegen. Es wird eine Weile dauern, bis die Wunden verheilt sind, aber du meinst es ernst und wir verzeihen dir. Willkommen zurück in unserer Mitte, in der Gemeinde der Ungläubigen. Mögest du dir eines Tages selbst vergeben können.

21 Kommentare zu “Ex-Christin entschuldigt sich für jahrelange Dummheit

  1. gingganz sagt:

    Wenn man sagt „ich entschuldige mich“, dann geht man wohl davon aus „Schuld auf sich geladen“ zu haben. Kann man sich eigentlich selbst von dieser Schuld befreien, oder wäre „ich bitte um Entschuldigung“ hier die korrekte Form? Klingt wie Erbsenzählerei, ist es aber nicht, wenn man mal darüber nachdenkt…

  2. PlainCitizen sagt:

    Jetzt kommt sie sicher in den Himmel.

    @ gingganz
    Es wird im Original „I am sorry“ heissen, „Es tut mir leid“.

  3. Der mit dem Glauben tanzt sagt:

    Toll! Mehr Christen sollten solche Courage zeigen, sich selbst als ignorant abzustempeln und einzugestehen, dass man falsch lag. Darin liegt doch das Hauptproblem. Menschen geben ihre eigene Dummheit ungeren zu.

  4. Stefan sagt:

    Hm. Irgendwie klingt das ein wenig wie die Strohpuppen, die von christlichen Gruppierungen vorgezeigt werden um zu „beweisen“, wie Jesus jemanden von Homosexualität geheilt oder von Drogenproblemen befreit hat.

    Ich hoffe aber, dass dies hier nicht der Fall ist.

  5. Al-Maari sagt:

    Dieser Artikel klingt nach Satire, denn es wirkt vollkommen übertrieben. Vermutlich wurde ein Beitrag der Onion News wieder einmal ernst genommen, wäre auch nicht das erste Mal.

    Ich warte nur noch auf einen ähnlichen Artikel über einen ehemaligen Moslem.

    • yasemin sagt:

      na da brauchst nicht auf einen Artikel zu warten, ich schreibe das so ganz unbedeutend hierher. Ich verstehe auch nicht, wieso ich einmal als Schülerin für den Koran Partei erriffen habe, obwohl ich nicht daran glaubte. Bloß bin ich nicht prominent 🙂

      Aber man könnte auch einen Artikel über Turan Dursun schreiben, er hätte es verdient.

  6. derautor sagt:

    Es ist keine Satire, Leute. Einfach den Link in der Einleitung zum Original anklicken.

  7. Martin sagt:

    „Ich warte nur noch auf einen ähnlichen Artikel über einen ehemaligen Moslem.“

    Wäre auch angebracht. Eine allgemeine Entschuldigung oder auch nur „zur Kenntnisnahme“, das der Islam als sklavistisches System in seiner Geschichte gut 6-7 Millionen MEHR Menschen versklavt hat, als z.B. durch den transatlantischen Sklavenhandel versklavt wurden, wäre auch mal was Schönes.
    Oder überhaupt eine Kenntnisnahme der echten Geschichte des Islam, als über mehr als 1000 Jahre eroberndes, aggressiv Eroberungskriege führendes, sklavistisches (und auch rassistisches) System, das in vielem deutlich MEHR Schuld auf sich geladen hat,als sogar das Christentum.

    Aber da ist wohl nicht viel an Einsicht und/oder Anstand zu erwarten.

    • Sigrid sagt:

      Einzelnde Moslems könnten ein derartiges „Outing“ kaum öffentlich machen, weil ihre Ex-Glaubensbrüder dafür sorgen würden, dass sie das nicht lange überleben. Insofern vestehe ich schon, wenn jemand sein restliches Leben nicht unter Polizeischutz verbringen will.
      Was ich nicht verstehe, ist die fehlende öffentliche Distanzierung der „gemäßigten“ Moslems (ja wo sind denn die alle?) von den Gewalttaten und Anschlägen. Aber das ist ein anderes Thema.

      • PlainCitizen sagt:

        Das sind keine Anschläge, das ist Streben auf dem Wege Allahs, also Religionsausübung.

      • kikorangi sagt:

        „Was ich nicht verstehe, ist die fehlende öffentliche Distanzierung der “gemäßigten” Moslems (ja wo sind denn die alle?) von den Gewalttaten und Anschlägen.“

        Es hat bereits Demonstrationen von Moslems gegen Terrorismus im Namen ihrer Religion gegeben. 😉 Darüber wird in den Medien aber offenbar nicht berichtet.

        Davon abgesehen, wo sind die Christen, die gegen volksverhetzende Sprüche z.B. aus dem Vatikan auf die Straßen gehen ?

  8. kikorangi sagt:

    Dsa finde ich irgendwie süß, die Frau würde ich gern kennenlernen, die ist bestimmt ein wunderbarer, intelligenter Mensch !

  9. Martin sagt:

    @kikorangi: Na, dann vergleich doch mal die Demos gegen Nazis oder die Lichterketten seit Jahrzehnten, wenn was passiert ist, mit der Reaktion der Muslime.
    Erschöpft sich doch höchstens in „vergifteten Entschuldigungen“ der Verbandsvertreter, die die Tat in 1/10 der Stellungnahme bedauern und 9/10 damit zubringen, den Opfern selbst die Schuld zu geben.

    Wenn ich Bemerkungen lese, das dies und das ja ein Generalverdacht gegen Muslime sei, kann ich inzwischen nur sagen: Na und? Solange Muslime sich verhalten, wie sie es tun, solange sie jedes Splitterchen im Finger des Westens sehen, aber die tonnenschweren Balken in den eigenen Augen nicht und jeder ehrlichen Selbstkritik total und komplett unfähig sind, solange ist der Generalverdacht auch gerechtfertigt.

  10. PlainCitizen sagt:

    jetzt sinds schon 1470. Wau. Von 1400’000’000. Das macht … 0.0001 %. Super!

    • kikorangi sagt:

      Naja, ich höre/sehe davon ja jetzt auch das erste mal …. 😉

      Sorry, ich bin eben krankhaft harmoniesüchtig. 😉

  11. […] erwähne ich das hier alles? Ihre Story wird von Atheisten hierzulande erfreut aufgegriffen und nicht ganz ohne Häme kolportiert. Rechelle wird das kaum stören, aber natürlich ist es billig, so zu tun, als gäbe es nur diese […]

  12. Agnostix sagt:

    Natürlich ist das ne tolle Sache, dass jemand einsieht dass ihr bisheriges Leben von seltsamen Vorstellungen geleitet wurde. Das kommt vermutlich nicht oft vor.
    Einsicht erfordert Reflexion und eine selbstkritische Haltung.

    Warum hier auf einer atheistischen Seite ein Wettbewerb der Religionen (welche denn schädlicher sei) stattfindet ist mir allerdings schleierhaft.
    Ich dachte hier sei es geradezu erwünscht Religion zu kritisieren.

    Selbstkritik würde auch bei den Religionsverteidigern nicht schaden. Hallo!!! Ihr seid auf ner Atheistenseite!!! Oder seid ihr gar keine anständigen Atheisten?

    • derautor sagt:

      Wovon um alles in der Welt redest du eigentlich?

    • theveggieatheist sagt:

      stimmt… in dem schönen Artikel geht es nicht um den Vergleich von Religionen, sondern das sich jemand Gedanken gemacht hat, was er mit seiner Religiösität falsch gemacht hat…

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