Gemeinsam gegen die Freiheit

Wenn du die Trennung von Kirche & Staat nicht magst, geh nach Iran (Shirt: QuizLaw Blog)
"Wenn du die Trennung von Kirche & Staat nicht magst, ziehe in den Iran" (Shirt: QuizLaw Blog)

Der Islamrat fordert nun auch Kreuze in unseren Gerichtssälen. Genau wie rechte Christen und 69% der Welt-Leser (ob sich das noch ändert?). Dass sich der religiöse Mob gegen den neutralen Staat zusammentut, ist mir schon länger aufgefallen. Rechte Christen und Islamisten sind sich insoweit einig, als sie die Grundlagen der freien Gesellschaft ablehnen und uns die Gleichheit vor dem Gesetz streitig machen wollen.

„Kizilkaya gilt jedoch als Fürsprecher einer interreligiösen Allianz gegen die Säkularisierung der Öffentlichkeit“, erfährt man im Welt-Artikel. Bin ich also doch nicht paranoid: Es gibt eine interreligiöse Allianz gegen die Säkularisierung. Wobei man sich fragt, warum es da überhaupt noch etwas zu säkularisieren gibt und warum unser Staat noch immer nicht säkular ist?

Muslimverbände haben sich schon für den christlichen Religionsunterricht stark gemacht, einfach, weil sie auch einen haben wollen. Und wenn man zusammen die Atheisten unschädlich gemacht hat, kann man sich wieder in 100-jährigen Kriegen die Köpfe einschlagen. Ich habe einen treffenden Wahlspruch für die Spinner-Fraktion:

Gemeinsam gegen die Freiheit. Interreligiöse Allianz.

Der neutrale Staat ist kein atheistischer Staat, sondern einer, der religiöse und weltanschauliche Toleranz anstrebt. Es gab schon genügend Religionskriege, sagten sich die Aufklärer, und so konzipierten sie den säkularen Staat, wo Kirche und Staat getrennt sind. Kein Religionsunterricht ist nicht dasselbe wie Atheismus-Unterricht. Auch wenn viele religiöse Menschen offenbar zu dämlich sind, das zu verstehen. Bei der Welt erfährt man außerdem:

Bemerkenswert ist die Intervention des Islamrats in diesem Streit, weil sich Muslimverbände anderer europäischer Länder oft gegen christliche Symbole im öffentlichen Raum aussprechen.

So bemerkenswert ist das nicht, schließlich bekämpfen die Kirchen in islamischen Ländern auch Gotteslästerungsparagrafen, während sie diese hierzulande verschärfen wollen. Es ist eine reine Machtfrage. Beide Religionen glauben, sie hätten die totale Wahrheit gepachtet, die sie mit allen Mitteln durchsetzen wollen, welche gerade nützlich sind.

Wenn Atheisten und Andersgläubige sich nicht länger vor einem neutralen Gericht für einen Gesetzesverstoß verantworten müssen, warum sollten sie sich dann überhaupt noch an die Gesetze halten? Offensichtlich gelten für mich keine Gesetze, wenn sie von einer einzelnen weltanschaulichen Gruppierung stammen und nicht von unserem gemeinsamen Staat. An religiöse Gesetze halte ich mich nicht und vor religiösen Gerichten werde ich nicht erscheinen.

Wir sind hier nicht in Saudi Arabien! Wir wollen keine Scharia, auch keine christliche. Und keine verdammten Kreuze in öffentlichen Gerichtssälen!

4 Kommentare zu „Gemeinsam gegen die Freiheit

  1. Der Verfasser drückt das Problem unmissverständlich aus. Die Ähnlichkeit christlicher und muslimischer Glaubensregeln und die dazugehörigen Verhaltenszwänge sind sich derart ähnlich (nicht nur bei den Fundamentalisten beider Seiten), dass einigermaßen klar denkende Menschen die Gefahren erkennen sollten. Gefahren für ein freies Denken, für die Freiheit des Menschen insgesamt. Eine alte Karikatur aus dem Simplicissimus sagte das vor 100 Jahren schon aus, damals mit einem protestantischen und katholischen Pfaffen: „In Glaubensdingen werden wir uns nicht einig, aber in der Erhaltung der Dummheit!“ SAPERE AUDE! Habe Mut, Dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

  2. „der religiöse Mob“ .. finde ich nicht treffend. Die wissen genau was sie wollen. Ich würde von Interessensgruppen reden. Vielleicht gibt’s auch noch ein kürzeres Wort.

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