Die Neuauflage von Monkey Island

Monkey Island: Gebrauchtbootverkäufer Stan (LucasArts)

Ich sag’s ja nicht oft, aber wenn ihr den Adventure-Klassiker Monkey Island nicht kennt und kennen wollt, dann seit ihr die kulturlosesten Crétins jenseits der Haute Cuisine (angenommen, ihr wollt das Spiel auch nicht essen). Bei Steam gibt es eine Neuauflage der Affeninsel mit besserer Grafik, Sprachausgabe und neu eingespieltem Sound für läppische neun Euro.

Kauft es, oder ihr müsst den schrecklichen Geisterpiraten LeChuck heiraten!

Bei Monkey Island geht es um den auszubildenden Piraten Guybrush Threepwood, der die Gouvernante von Mêlée Island (TM) aus den Händen des heiratswilligen Geisterpiraten LeChuck befreien möchte. Außerdem muss er mehrere Prüfungen bestehen, um ein echter Pirat zu werden und endlich seine Zeit damit verbringen zu dürfen, den ganzen Tag das legendäre Gesöff „Grog“ zu trinken, mit dem man auch Gitterstäbe schmelzen kann.

Dabei hilft ihm unter anderem die „Voodoo-Lady“, die es in einer missglückten Variante auch in den „Monkey Island-Film“ (Ron Gilbert, Erfinder des Spiels) Piraten der Karibik geschafft hat. Film und Spiel basieren beide auf der Disneyland-Attraktion Piraten der Karibik, allerdings haben auch die Spiele der Reihe die Filme recht deutlich beeinflusst. Hier haben wir die Voodoo-Lady im Original:

Monkey Island: Voodoo Lady (Lucas Arts)

Ohne irgendwelche Andeutungen machen zu wollen, aber die Voodoo-Lady halte ich für sehr zitierwürdig. Schon in Die Invasion gab es übrigens eine Anspielung auf Monkey Island. Wenn sie jemand entdeckt hat, so möge dieser sie enthüllen und er wird ehrfürchtige Erwähnung finden in einem neuen Blogbeitrag! Es ist leider echt ein Problem: Die Leute kennen nichts, auch nicht die größten Klassiker, und dann beschweren sie sich über fehlende popkulturelle Referenzen, obwohl ich die doch versprochen hatte. *Seufz*.

Auf jeden Fall hat Monkey Island, vor allem die ersten beiden Spiele (das zweite kommt auch bald als Special Edition raus!), bereits Einzug in die Sprache und in die Kultur allgemein gehalten. Wenn euch schon einmal jemand mit dem Spruch „Hinter dir: Ein dreiköpfiger Affe!“ konfrontiert hat, dann wisst ihr nun, woher er stammt. Als Über-Nerd habe ich mir sogar ein Monkey Island-Shirt aus Australien besorgt. Auf der Frankfurter Buchmesse kommentierte es ein Passant mit „Ich bin Guybrush Threepwood, ein mächtiger Pirat“, was auch einer der einflussreichsten Sprüche aus dem Spiel ist (wundert euch also nicht, wenn es jemand auch ohne erkennbaren Zusammenhang plötzlich von sich gibt).

„Ich verkaufe diese feinen Lederjacken“ gehört ebenfalls dazu und ist eine Anspielung auf Indiana Jones (stammt schließlich ebenso von einer der Firmen von George Lucas – dieser Star Wars-Typ). Sollten irgendwo vegetarische Kannibalen auftauchen, die sich große Gedanken über gesunde Ernährung machen – die leben auf Monkey Island (TM). Und wenn irgendwo „TM“ hinter einem Namen steht und dies völlig deplaziert ausschaut – die Idee stammt auch aus Monkey Island (TM).

Monkey Island: Die legendäre "Scumm Bar" (LucasArts)

Die Neuauflage ist insgesamt auf jeden Fall gelungen. Inhaltlich hat sich nichts verändert, Grafik und Soundausgabe sind zeitgemäß erneuert. Das Gamedesign ist überraschend frisch, es ist in den letzten 20 Jahren fast nicht gealtert – fast, weil die langen Laufwege doch etwas stören. Auch etwas störend ist die obskure Steuerung, die teils per Keyboard funktioniert (zum Beispiel „G“ für „Give“). Aber das verinnerlicht man schnell oder schaut eben kurz im Optionsmenü nach. Ärgerlich auch, dass man Dialoge und Videosequenzen nicht abbrechen kann.

Aber das alles ist, als würde man Star Wars für die aus heutiger Sicht lächerlichen Puppen in der Kneipe auf Tatooine kritisieren (dann wieder bin ich kein Star Wars-Fan und tue hiermit genau das). Monkey Island ist einfach einer dieser zeitlosen Klassiker und man muss es kennen. Eine Neuauflage kommt da wie gerufen.

18 Kommentare zu „Die Neuauflage von Monkey Island

  1. Eigentlich ziemlich geil. Wenn es denn nicht mit Steam verseucht wäre. Aber naja, ich werds mir trotzdem holen.

    Wie sieht es mit der Sprachausgabe aus? Taugt die was? Ich könnte mir vorstellen, dass die ansonsten das Oldschool Monky Island Flair ein wenig versauen würde *g*

  2. … uuuuuhnd die ausführliche Erklärung, was sich genau hinter Monkey Island verbirgt, ist an den kanalisationsentsprungenen Teil der Blogleser gerichtet?

      1. Das haben sie ja nicht, sonst hätten sie den Artikel nicht abgewertet. Ich gehe schon davon aus, dass sich einige beleidigt fühlten, was auch an der missverständlichen Formulierung lag, also durchaus zum Teil meine Schuld war. Meine Kommentare hier gehören allerdings nicht zum Artikel, auf den sich die Wertung bezieht.

    1. Vielleicht die (ich glaube von dir nachträglich entschärfte) Beleidigung am Anfang?

      1. Die war ironisch gemeint, außerdem ist die schon lange weg und es wird immer noch fröhlich abgewertet. Nein, es gibt da ein paar dämonische Christen, die herausgefunden haben, dass mir Abwertungen auf die Nerven gehen und die werten meine Beiträge jetzt ab. Kinder…

  3. Ich würde es mir ja kaufen, wenn ich Adventures spielen würde. Inhaltlich und vom Dialogwitz würde solche Spiele sogar spielen. Nur kann ich eine Sache an den meisten Titeln dieser Art einfach nicht ab, nämlich die Situationen wo man irgendwo festhängt, weil sich irgendein Spieldesigner einen total abgedrehten Lösungsweg für ein Rätsel ausgedacht hat, bei dem man die absurdesten Dinge miteinander kombinieren muss.
    Deshalb habe ich bisher auch nur eine handvoll dieser Titel gespielt (DOTT, Monkey Island 3, Baphomet Fluch 2 und noch zwei, drei andere…).

    Sollte sich das irgendwann bei Adventures ändern, bin ich als Kunde gerne bereit hin und wieder zu so einem Titel zu greifen. Aber bis dahin bleibe ich bei meinen Singleplayer-RPG.

    1. Viele der neueren Adventures sind wesentlich leichter als die älteren Vertreter des Genres, und konzentrieren sich teilweise hauptsächlich auf den Witz, so z.B. die Sam & Max Reihe.

      Das sind auch die Einzigen, die ich ohne schiere Verzweiflung aufgrund der abstrusen Lösungswege spielen kann…

  4. Hilfe ist doof ^^

    Naja, ich habe Monkey Island auch gespielt, und war ebenso entzückt wie du! Mit der alten Grafik verschwindet zwar auch der Retro-Flair ein wenig, aber bei dem Spiel ist das völlig in Ordnung. Genau wie Bebu kritisiere ich die Teils abstrusen Lösungswege. Aber hey, davon gibts nicht viele.
    Nur so nebenbei: Syberia fand ich toll ^^

  5. Wow, sowas liest man doch gern! MonkeyIsland II war mein erstes Computerspiel, damals noch auf meinem 486er. Da wird man glatt nostalgisch! 😉 Vor allem die Sprachausgabe macht mich neugierig, die hat mir damals schon ein wenig gefehlt (immerhin gab’s die bei Simon the Sorcerer auch schon).

    Laut wine.org lässt sich die Neuauflage sogar unter Linux spielen. Wenn auch mit Wine statt mit ScummVM, ich bin dennoch entzückt! 🙂

  6. Jô, super! Klar sind die Lösungen manchmal abstrus, aber wenn es zu einfach ist und man nicht rumprobieren muß, macht es auch keinen Spaß. Wer die Lösung kennt, versenkt beispielsweise auf Monkey Island nicht sein Schiff mit dem Gummibaum, einem Stein und dem putzigen Denkmal. Und das ist doch lustig, die meuternde Crew zu versenken. 😉

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