Iran und der Antisemitismus

Markus Mersault hat für die Organisation „Emanzipation und Frieden“ eine Rede zum internationalen Holocaust-Gedenktag gehalten. Insbesondere die Passage über den Iran, über Antizionismus und deren Verbindung zum Antisemitismus finde ich zitierwürdig:

Der neue Antisemitismus ist ein anderer: er ist nicht trotz Auschwitz, sondern gerade wegen. Er zeigt sich nicht mehr offen, sondern versteckt, oftmals in Form von Antizionismus, also dem Hass auf Israel.

Sich der Vergangenheit zu erinnern kann ehrlicherweise nur bedeuten,

– Israel nicht als einen Staat unter gleichen zu behandeln;

– Antisemitismus nicht mit moralischen Appellen zu bekämpfen, sondern die Ursachen, die für ihn verantwortlich sind, zu benennen und diese selbst zu bekämpfen;

– Und: Sich der Wandelbarkeit antisemitischer Ressentiments bewusst zu machen: Nicht nur dort, wo Antisemitismus drauf steht, ist auch Antisemitismus drin, sondern jener tritt gerade in Zeiten gesellschaftlicher Ächtung in versteckter, gewandelter Form auf; nennen möchte ich hier den Antizionismus, also die Delegitimierung Israels oder der Gleichsetzung von Faschismus und israelischer Politik, wenn die gesellschaftlichen Umstände es erfordern;

– Gegen Antisemitismus entschlossen vorzugehen; sei es in Deutschland oder sei es anderswo. So schlimm eine autoritäre Antwort auf den selbst autoritären Antisemitismus auch klingen mag, Appeasement hat nur dort Aussicht auf Erfolg, wo sich der Antisemitismus noch nicht völlig verfestigt hat in den Köpfen der Einzelnen.

Besonders virulent und gefährlich – das ist spätestens seit dem Nationalsozialismus bekannt – ist der Antisemitismus da, wo er zur Staatsdoktrin erhoben wurde und wo seine Verfechter über die technischen Möglichkeiten verfügen oder alsbald verfügen können, die die massenhafte Vernichtung von Jüdinnen & Juden und ihres Staates ermöglichen würde. Diese Bedingungen sind gegenwärtig im Iran erfüllt, wo der Antisemit Ahmadinedschad nicht nur regelmäßig den Holocaust leugnet, sondern auch große Teile der eigenen Bevölkerung gewaltsam unterdrückt und Andersdenkende ermorden lässt.

Antisemitismus heute in all seinen Formen zu bekämpfen, bedeutet nicht nur, den Blick statt auf den rechten Rand der Gesellschaft gerade auf den latenten Antisemitismus breiter Bevölkerungsschichten zu werfen, sondern insbesondere auch die Existenz jenes Landes sicherzustellen, das als Reaktion auf den Holocaust geschaffen wurde: nämlich Israel. Israel als Fluchtpunkt mehrerer Millionen Jüdinnen und Juden zu verteidigen, bedeutet auch, auf die Gefahren hinzuweisen, die vom Iran ausgehen: Ob der Iran die Atombombe bereits hat oder nur droht, dass sie in absehbarer Zeit in den Händen des Irren von Teherans landet, ist irrelevant, weil bereits die Möglichkeit der atomaren Aufrüstung des Irans für Israel existenzgefährdend ist; der Iran darf die Bombe niemals kriegen, weil das den sicheren Tod von über 7 Millionen Juden, aber auch Christen, Atheisten und Moslems bedeuten würde.

Der islamische Gottesstaat Iran stellt gegenwärtig die wohl größte Bedrohung für Israel und für die dort lebenden Menschen dar; wer Erinnerung an den Holocaust ernst meint, kommt nicht umhin, alles nötige zu tun, um dem Iran den Zugang zur Atombombe zu versperren. Leider hat die deutsche Bundesregierung noch nicht begriffen, dass wirtschaftliche Sanktionen einen größeren Druck entfachen, als moralische Appelle und Dialogangebote an den Irren von Teheran es jemals können.

Trotz des Gebots der Stunde, Wirtschaftssanktionen gegen den Iran zu implementieren, handeln deutsche Firmen weiter ungeniert mit dem Iran und tragen so zu dessen Aufrüstung bei. Das ist nicht nur ignorant, das ist fahrlässig; man muss es so drastisch formulieren: ihre ökonomischen Interessen sind ihnen wichtiger als 7 Millionen Menschenleben und als alle Iranerinnen und Iraner, die unter dem Regime leiden und die unter Einsatz ihres Lebens sich für Säkularisierung, Aufklärung, Gleichberechtigung und die freie Entfaltung des Einzelnen einsetzen.

40 Kommentare zu „Iran und der Antisemitismus

  1. Fundamentalismus auf beiden Seiten verhindert leider eine friedliche Lösung des Nahostkonfliktes. Die streng Bibel-, Talmud- und Korangläubigen berufen sich auf folgende Stellen in ihren „heiligen“ Schriften:

    1. Mose 13, 14-18: Gott sagte zu Abraham: „Schau um dich! Alles Land, das du siehst (Kanaan, das heutige Israel), will ich dir und deinen zahlreichen Nachkommen für immer geben…..“. Abraham durchzog also mit seinem Volk das Land und nahm es in Besitz. In Hebron baute er einen Altar für Gott.

    1. Mose 35, 10-12: Gott sprach zu Jakob (Israel): „Ich bin der allmächtige Gott. Sei fruchtbar und vermehre dich! Ein Volk, ja viele Völker, werden von dir abstammen, auch Könige. Das Land, das ich Abraham und Isaak versprochen habe, werde ich dir und deinen Nachkommen geben.“

    2. Mose 34, 11-14 (Gott befiehlt): „Ich werde die Amoriter, Kanaaniter, Hetiter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter vor dir her ausstoßen. Du darfst mit den Bewohnern des neuen Landes keinen Bund schließen. Sie werden dir sonst zum Verhängnis. Du sollst dagegen ihre Altäre niederreißen, ihre Götzenbilder zerschlagen und ihre Aschera-Pfähle fällen. Du darfst keinen anderen Gott anbeten, denn ich bin ein eifersüchtiges Gott.“

    5. Mose 7, 1-6 (Gott führt die Juden nach Israel): Gott gibt euch dieses Land und rottet die angestammten Völker aus, selbst wenn sie größer und stärker als ihr sind. Er liefert sie dir aus und ihr müsst sie vernichten. Du darfst sie nicht verschonen und keinen Bund mit ihnen schließen. Du darfst dich nie mit ihnen verschwägern, denn sie würden deine Nachkommen verführen, sich von Gott abzuwenden und anderen Göttern zu dienen. Reißt also ihre Altäre nieder, zerschlagt ihre Säulen, haut ihre Aschera-Pfähle um und verbrennt ihre Götterbilder. Denn ihr gehört nur Gott. Er hat euch aus allen Völkern der Erde auserwählt und zu seinem Eigentum gemacht.

    5. Mose 12, 29: Gott wird alle Heiden vor dir ausrotten, damit du ihr Land besetzen kannst, um darin zu wohnen.

    Josua 1, 13-15: Denkt an das Wort, das euch Mose, der Diener Gottes, gesagt hat: Euer Gott hat euch dieses Land gegeben. Eure streitbaren Männer sollen aber auch euren Bruderstämmen helfen, das Land einzunehmen, das Gott ihnen gibt. Danach können sie sich diesseits (östlich) des Jordans niederlassen.“

    Jesaja 60, 12: Heidnische Völker, die dir nicht dienen wollen, sollen umkommen, und ihr Land soll verwüstet werden.

    Jeremia 25, 27-30 (Gott sagt): „Besäuft und erbrecht euch, fallt hin bleibt liegen, damit man euch erschlagen kann. Die Strafe trifft euch, ihr kommt nicht ungeschoren davon. Ich erhebe das Schwert gegen alle Bewohner der Erde. Der Herr wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung… Ich werde die Ungläubigen verurteilen und die Gottlosen abschlachten. Das Land wird übersät von Erschlagenen sein, die weder beklagt noch begraben werden dürfen, sondern auf den Feldern verrotten werden. Der grimmige Zorn des Tyrannen (Gott) wird das Land verwüsten.“

    Sure 2, Vers 191: „Und erschlagt sie (die Ungläubigen), wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben; denn Verführung (zum Unglauben) ist schlimmer als Totschlag. …“

    Weitere entsetzliche Bibelstellen (die Bücher Mose sind auch Kernstück des jüdischen Talmud) und Links zu entsprechenden Koranstellen unter:

    http://bibelzitate.npage.de/willkommen_50704105.html

  2. Wenn Ahmadinedschad so geisteskrank ist, dass ihn der Preis für die atomare Vernichtung Isreals – nämlich der Untergang seines Landes – das wert ist, dann werden ihn auch keine Wirtschaftssanktionen davon abhalten.

  3. Ich muss dem ja (fast) allem zustimmen aber

    „- Israel nicht als einen Staat unter gleichen zu behandeln;“

    Stößt mir ein wenig seltsam auf. Es hört sich für mich fast so an als würde hier eine Sonderstellung für den israelischen Staat gefordert. Aber auf welcher Grundlage will man das bitte rechtfertigen?

  4. Und auf das das Judentum als die einzig Wahre Religion der Auserwählten Gottes sich weiter verbreite und die Herrschaft über alles erlangt!
    Und lass uns nebenbei mal die ollen Palis ausrotten, nerven eh nur.
    Ich geh dann mal kotzen.

    1. Israel besteht zu über 70% aus säkularen Juden, Fundamentalisten haben da nicht viel zu melden. Ich finde, es ist durchaus gerechtfertigt, Israel unter einen besonderen Schutz zu stellen, wenn man bedenkt, dass seine Nachbarn es von der Landkarte fegen wollen.

      1. Also dass diese 75% „Sekularen“ in dem Sinne sekular sind, dass sie nicht an einen Gott glauben kann ich mir kaum vorstellen. Wär doch zu schön um wahr zu sein. Das wäre ein höherer Anteil als in Deutschland. Also zumindest laut der bei Wikipedia zitierten Studie über Jugentliche:
        >>Nach der 15. Shell Jugendstudie aus dem Jahr 2006 glauben 30 % der befragten deutschen Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 24 Jahren an einen persönlichen Gott<<

      2. >>Ich finde, es ist durchaus gerechtfertigt, Israel unter einen besonderen Schutz zu stellen, wenn man bedenkt, dass seine Nachbarn es von der Landkarte fegen wollen.<<
        Ja, finde ich auch; Und gleiches sollte auch für die Palästinenser gelten.

      3. Juden sind mehrheitlich Atheisten oder Agnostiker, das ist bekannt. Im Gegensatz zu den Christen haben sie die Ankunft des Messiahs auf „irgendwann“ verschoben und die Sache dann bald nicht mehr ernst genommen.

      4. Wirklich? Also mir war das nicht bekannt. Wieso gibt es dann überhaupt noch Juden (also außerhalb Israels). Sie müssten sich dann doch so stark mit anderen Teilen der Bevölkerung durch Heirat mischen, dass sie nicht mehr als „Juden“ existieren. Oder ist die gemeinsame Sprache bzw. „sekulare jüdische Kultur“ (was auch immer das sein sollte) ein derart stark bindendes Element, dass sie deshalb bevorzugt untereinander heiraten und damit als eigenständige Gruppe fortbestehen?

      5. Ja stimmt hab ich auch schonmal gehört. Aber wer sagt das? Das kann doch nur eine religiöse Regel sein und die lässt sich nicht auf sekulare Juden anwenden.

        Analog würde man ja auch nicht sagen, Kommunist ist jemand, der eine kommunistische Mutter hat. Oder Franzose ist jemand, der eine französische Oma mütterlicherseits hat. Ok, das vielleicht schon. Wobei das wenig Identitätsstiftend wäre. Vielleicht kommt auch irgendeiner meiner weiblichen Vorfahren (jeweils mütterlicherseits) aus Frankreich oder gehörte der Religion XY an, trotzdem bin ich kein Franzose noch gehöre ich der Religion XY an.

      6. ok, Religion ist ja schonmal außenvor bei athesitischen Juden.

        Ethnie und Kultur wäre auch auf mein Franzosenbeispiel anwendbar, trotzdem bin ich kein Franzose, auch wenn meine Ururgroßmutter mütterlicherseits französin gewesen wäre.

        Und nochmal zu der Regel „Jude ist jemand dessen Mutter jüdin ist“. Warum denn dann nicht wenn sein Vater (oder Urgroßopa) Jude ist?

      7. Ok, also geht es hierbei eigentlich um das Labeling mit einer Religionszugehörigkeit, die von Mitgliedern dieser Religion durchgeführt wird. Und somit auch nur für Angehörige dieser Religion(sauffassung) Gültigkeit besitzt.

        Und zusätzlich laut dem Wikipediartikel um irgendein Volkskonstrukt: „Gleichzeitig forderten säkulare und nicht ultraorthodoxe Parlamentarier, neben einer religiösen Konversion auch die Möglichkeit einer Art säkularer Konversion zum jüdischen Volk zu ermöglichen“. Da scheint es also um ein Konstrukt zu gehen, welches in „Konkurenz“ zu dem Nationalstaaten-Konstrukt eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe defniert. Wiederum von Mitgliedern dieser Gruppe.

  5. Es ist absolut egal für den Status Israels ob die Bürger mehrheitlich „sekulär“ oder „religiös“ sind. Relevant ist einzig und allein dass es den Antisemiten nicht interessiert wie sich ein „Jude“ (wer das ist bestimmt noch immer der Antisemit) zur Religion seiner Eltern/Vorfahren stellt. Das Verspechen der Bürgerlichen Gesellschaft alle ungeachtet ihrer Herkunft anzuerkennen wird bei den Juden [als Personifikation alles als negativ Erfahrenen im Kapitalismus] ausgesetzt; die historische Wahrheit der Verfolgung und die immer wiederkehrende Androhung der Vernichtung machen Israel notwendig. Hier Zwecks Stärkung der eigenen Position „Atheisten, Agnostiker“ ins Feld zu führen ist meines Erachtens schon kontraproduktiv, gibt es doch Teile der Israelischen Bevölkerung dem Hass der Antizionisten Preis. Man mag die Atheisten Sympathischer finden, dafür „dass Israel nicht als einen Staat unter gleichen zu behandeln [ist]“ genügt der längst nicht abgeschaffte Grund der Staatsgründung sowie der gebündelte solcher Leute, wie sie sich hier in der Kommentarspalte ja auch schon wieder eingefunden haben.

    1. Es ging ja darum, ob Israels Politik von religiösen Fanatikern beeinflusst wird, die auf Konfrontation aus sind. Da kann man schon einmal anmerken, dass dem nicht so ist.

  6. Ein sehr wichtiger Artikel, der deutlich auf die Gefahr der zunehmenden Gleichsetzung von Isrealkritik = Antisemitismus hinweist. Ein Vergleich, den wir nicht mal ansatzweise akzeptieren dürfen.

    Antisemitismus bedeutet, Menschen auf
    Grund ihres jüdischen Glaubens oder ihrer jüdischen Abstammung feindlich gegenüber zu stehen. Israel ist ein Staat, kein Mensch. Isreal wird nicht kritisiert, weil hauptsächlich Juden in ihm wohnen, sondern weil es aktuell z.B. grundlegende Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit mißachtet.

    Israel darf nicht nur, nein es muss auf diesem Gebiet genau so behandelt werden wie jeder andere Staat.

    Kritisiert werden können muss auch jüdische Tradition und jüdische Religion. Auch dort ist keine Sonderrolle angebracht.

    Nicht sein dürfen Angriffe auf Menschen oder Menschengruppen allein auf Grund ihrer weltanschaulichen Orientierung. Egal ob Christen, Humanisten oder Juden. Hier, aber nur hier, sehe ich wegen der Schwere und der Länge der Verfolgung von Juden eine Sonderstellung angebracht.

  7. „Antisemitismus bedeutet, Menschen auf
    Grund ihres jüdischen Glaubens oder ihrer jüdischen Abstammung feindlich gegenüber zu stehen.“

    Dann wäre atheistische/antitheistische Kritik an den jüdischen Religion (als Teil umfassender Religionskritik) auch Antisemitismus (auch wenn Kritik eher ablehnend als „feindlich“ ist). Richtiger/besser wäre, Antisemitismus nur auf die Ethnie zu beziehen.

    1. Nein, wäre atheistische Kritik nicht. Denn diese steht der Religion meinetwegen „feindlich gegenüber“, aber nicht den Menschen die diese Religion haben.

      Man möchte schließlich, (so man das denn wirklich will und nicht sagt sollen se halt, solange es niemandem schadet), die Menschen von der „Geißel“ der Religion befreihen und nicht die Welt von den Menschen, die diese Religion haben.

    2. „Richtiger/besser wäre, Antisemitismus nur auf die Ethnie zu beziehen.“

      Sind ethnische Konstrukte etwa immun gegen Kritik?

      1. „Ethnische Konstrukte“? Wenn Juden Menschen mit jüdischer Mutter sind, dann ist das de facto eine Ethnie und kein Konstrukt.

      2. Dass Juden Menschen mit jüdischer Mutter sind, bezieht sich nicht auf die Ethnie, sondern auf eine religiöse(?) Regel.

        Richtiger wäre es, wenn man es auf Vater und(/oder) Mutter beziehen würde.

        Und selbst dann wäre es ein Konstrukt. Was wäre denn jemand, der nur ein Elternteil welches selbst jüdische Eltern besitzt hat? Ein genetisch/ethnisch gesehener halber Jude. Ja so könnte man das vielleicht nennen…

      3. „Wenn Juden Menschen mit jüdischer Mutter sind, dann ist das de facto eine Ethnie und kein Konstrukt.“

        Ethnien sind Konstrukte.

  8. „Denn diese steht der Religion meinetwegen “feindlich gegenüber”, aber nicht den Menschen die diese Religion haben.“

    Naja, die Religion ist (was Kritik angeht) ja nur die Summe ihrer Mitglieder. (Das wird daran deutlich, daß man ausgestorbene Religionen nicht kritisieren muß.)
    Das Problem ist bekannterweise, daß der Kritik an jüdischer Religion sofort mit der Antisemitismus-Keule begegnet wird.

    „Sind ethnische Konstrukte etwa immun gegen Kritik?“

    Was ist eine ethnisches Konstrukt? Wenn es so etwas wie Gender (als gesellschaftlich konstruiertes Geschlecht im Gegensatz zum biologischen Geschlecht) ist, dann ist das sicher nicht immun gegen Kritik.

    1. Ethnische Konstrukte = Ethnien.
      Das ist nur persönliche Ausdrucksweise. Ethnien sind ja schlicht Konstrukte, die sich über die Zeit zwischen Menschen, die denselben Raum bewohnt haben, gebildet haben und nun noch immer vorherrschen.

      „Wenn es so etwas wie Gender (als gesellschaftlich konstruiertes Geschlecht im Gegensatz zum biologischen Geschlecht) ist, dann ist das sicher nicht immun gegen Kritik.“

      Ethnien sind schon per Definition gesellschaftlich konstruiert…

  9. Jagut, könnte man so sagen. Aber auch dann wäre es nur eine Kritik an einigen Vorstellungen/Handlungen dieser Menschen und nicht am Menschen als Ganzes.

  10. „Ethnien sind schon per Definition gesellschaftlich konstruiert“

    Man darf aber nicht verwechseln, daß es einen Unterschied zwischen Kategorie und Konstrukt gibt. Kategorien (biologisches Geschlecht, biologische Ethnie (das wäre ja „Kind einer Jüdin“)) sind immer konstruiert, aber Konstrukte (soziales Geschlecht, soziale Ethnie) sind nicht immer sinnvolle Kategorien.

    Das hieße, daß man Antisemitismus nur auf die soziale Ethnie beziehen sollte, nicht auf die biologische. (Unabhängig von der Frage, ob es eine solche gibt, insbesondere weil diese ja nur auf die soziale zurückgeht.)

    1. „biologische Ethnie (das wäre ja “Kind einer Jüdin”)“

      Na ja, eben gerade dadurch dass es nur „Kind einer Jüdin“ ist, und nicht „Kind eines Juden“ oder „Kind eines Juden und einer Jüdin“ macht es biologisch schon kaum mehr Sinn. Außerdem ist der Begriff „Ethnie“ grundsätzlich nicht biologisch definiert, sondern sozial/gesellschaftlich/kulturell.
      Für eine biologische Definition müsste da schon das äußerst unschöne Wort „Rasse“ herhalten…

    2. „Rasse“ ist wirklich ein unschöner und falscher Begriff, da dieser eine zu starke Unterschiedlichkeit ausdrückt. Besser wäre es vielleicht von einem „Einfluss auf das Genom“ oder so zu sprechen.

  11. „Außerdem ist der Begriff “Ethnie” grundsätzlich nicht biologisch definiert, sondern sozial/gesellschaftlich/kulturell.“

    Wie ich sagte bin ich auch dieser Meinung.
    Etwas genauer wäre es vielleicht, Antisemitismus auf die jüdische Nationalität zu beziehen, aber ganz sauber ist wohl auch das nicht.

  12. Da „Kritik an der jüdischen Religion“ nicht dasselbe ist wie der Hass auf Menschen bzw. der Kritik an einem Menschen als Ganzes, würde ich den Begriff Antisemitismus vielleicht definieren als:

    „Antisemitismus ist der Hass auf Menschen, welche der jüdischen Religion angehören oder in einer anderen Weise vom Antisemiten dem Judentum zugeordnet werden.“

  13. „Hass auf Menschen, welche der jüdischen Religion angehören“

    Gerade von der Zuordnung als Religion muß man doch wegkommen. Und die Definition als „Haß“ ist auch nicht sehr hilfreich, weil das viel zu ungenau zu definieren ist (siehe „Verbrechen aus Haß“). So würde Kritik an der jüdischen Religion (z.B. der Kinderrechtsverletzung bei orthodoxen Juden) einfach als „Haß“ bezeichnet und damit „antisemitisch“ (was es natürlich nicht ist).

  14. naja und „welche der jüdischen Religion angehören“ triffts auch nicht merke ich gerade. Es müsste heißen „motiviert durch die Tatsache, dass diese Menschen der jüdischen Religion angehören“.

    Jemand kann ja auch jemanden hassen, der zufällig nur ist, aber ihn wegen etwas anderem hassen. Dann ist er ja kein Antisemit.

    „Kritik an der jüdischen Religion“ ist aber kein Hass. Und wenn dieses Hass wäre, dann wäre es kein Hass gegenüber Menschen die diese Religion besitzen als Ganzes, sondern ein Hass gegenüber einigen Ansichten/Handlungen dieser Person.

  15. Mein Vorschlag:
    „Antisemitismus ist das Hegen unbegründeter Vorurteile gegenüber Menschen, die als Juden bzw. jüdisch eingestuft werden.“

    Das passt, meiner Ansicht nach.

    Ob’s Hass, Kritik, oder Abscheu oder die jüdische Religion, das jüdische Volk oder die jüdische Nation ist, spielt in meinen Augen keine bedeutende Rolle.

  16. @ Walter: Du kopierst hier immer wieder mal Artikel rein, aber das geht aus urheberrechtlichen Gründen nicht, sorry. Müsstest du schon zusammenfassen und verlinken.

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