Washington Post bei Brandstifter gefunden

The Atheist's WayLaut der Überschrift eines Artikels der Washington Post wurde ein Buch über Atheismus im Haus von einem Brandstiftungs-Verdächtigen entdeckt, der zehn Kirchen abgefackelt haben soll. Dass er auch ein Buch über Dämonen besaß, wird in der Überschrift nicht erwähnt, obwohl es erheblich verrückter klingt als ein Buch über Atheismus.

Insbesondere als eines, das für Humanität argumentiert.

Es ist im Prinzip einfach egal, was im Haus von Brandstiftern oder Amokläufern gefunden wird. Millionen Menschen spielen Killerspiele und tun keiner Fliege etwas zu Leide, Millionen Menschen lesen Bücher über Atheismus und würden nicht einmal einen Tropfen Weihwasser missbräuchlich verwenden. Also was soll das?

Die psychologische Erklärung ist naheliegend: Objekte, die mit Verbrechern in Verbindung stehen, müssen mit deren böser Substanz infiziert sein. Besonders geeignet sind Objekte von verdächtigen Minderheiten wie Atheisten. Wir neigen von Natur aus dazu, so etwas zu glauben, auch wenn man als Erwachsener irgendwann mal sein Gehirn einschalten und erkennen sollte, dass dies Aberglauben ist.

Die Frage ist nur, warum die Washington Post es für nötig hält, gerade das Atheismus-Buch zu betonen. Gewiss hat die Polizei im Haus des Brandstiftungs-Verdächtigen auch Socken gefunden und Gläser. Warum werden Socken und Gläser nicht für die Brandstiftung verantwortlich gemacht?

Wer für einen Zusammenhang zwischen dem Atheismus-Buch und dem Abfackeln von Kirchen argumentieren möchte (was die Polizei überhaupt nicht behauptet), der möge sich überlegen, warum dieser eine Typ nach der Lektüre eines Atheismus-Buches auf die Idee gekommen sein sollte, so etwas zu tun, und Millionen andere Leser nicht? Es kann offensichtlich nicht an dem Buch liegen.

Außerdem wurde dort ein Buch namens Demon Possession gefunden und eine Reihe von Waffen. In einer öffentlichen Toilette hinterließen die zwei Verdächtigen ein Graffiti mit einem umgedrehten Kreuz in Flammen und der Aufschrift „Little Hope was Arson“ (eine Anspielung auf die Little Hope Baptist Church, die sie abgebrannt haben sollen). Die beiden Täter kennen sich aus Kindertagen und besuchten die First Baptist Church in Ben Wheeler.

Also mal sehen: Zwei Jugendliche, die in einer fundamentalistischen Höllenprediger-Kirche in einem Fanatiker-Kaff in Texas erzogen wurden, die zahlreiche Schusswaffen besaßen und ein Buch über Dämonen – außerdem ein Buch, das für Menschenrechte und säkularen Humanismus argumentiert – haben zehn Kirchen abgebrannt. Wer ist schuld? Für die Medien (auch DallasNews) ist es das Atheistenbuch.

Bei dem Buch handelte es sich um das neue The Atheist’s Way.

Ich habe einen Teil des ersten Kapitels gelesen und halte es für vollkommen harmlos, ein ganz typisches Buch, in dem für eine säkular-humanistische Ethik argumentiert wird (den Atheismus setzt der Autor voraus). Laut einem Amazon-Rezensenten entspricht die Aussage dem, was Angel in der gleichnamigen Fernsehserie von Josh Whedon (auch ein Atheist) sagt: „Falls es keine größere Bedeutung gibt, dann ist die geringste freundliche Tat das Größte auf der Welt“.

(Übrigens finde ich Angel neben Buffy auch empfehlenswert, Ende der Durchsage)

Im ersten Kapitel des bösen Atheistenbuchs steht zum Beispiel:

Es liegt wahrscheinlich in deinem Herzen, etwas Gutes zu tun, dein Potenzial zu entfalten, ein wenig Edelmut dabei zu empfinden, wenn du dein Leben ehrlich lebst, deinen Zorn angesichts des Unrechts auszudrücken, einen anderen Menschen zu lieben, weil ihr euch zueinander hingezogen fühlt, menschliche Errungenschaften wie die Redefreiheit zu feiern, die Kunst zu schätzen und vielleichst selbst ein wenig Kunst zu erschaffen […]

Scheiße, das macht mich so wütend! Auf einmal glaube ich an Dämonen und Satan und stehe auf Schusswaffen und will Kirchen abfackeln! Ein ehrliches Leben, Gutes tun, Lieben, Kunst erschaffen? Eben: Das sind nur andere Worte für „Kirchen abfackeln“! Ergo: Hasta la vista, Kirchengebäude!

Das ist eines der größten Probleme mit der Religion: Sie verleiht den Menschen eine Rechtfertigung für Hass gegen Minderheiten, für wilde Verdächtigungen und Hexenjagden. Um so mehr muss sie bekämpft werden – natürlich nicht, indem man genauso dämlich wird wie religiöse Fanatiker und Kirchen abbrennt (die meisten Kirchenabbrenner waren historisch betrachtet übrigens Angehörige einer konkurrierenden Konfession). Sondern, indem man aufzeigt, das es etwas Besseres gibt.

Angefangen zum Beispiel damit, keine wilden Verdächtigungen auf der Basis von überhaupt nichts in große Titelzeilen noch größerer Zeitungen zu schreiben.

4 Kommentare zu „Washington Post bei Brandstifter gefunden

  1. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Der Grund für Amokläufe liegt im Milchkonsum.

    100% aller Amokläufer sind durch Milchkonsum in ihrer frühesten Kindheit traumatisiert wurden – ob nun direkt durch Muttermilch oder vom Fläschchen. Kein Amokläufer, der nicht mit Milch eingestiegen wäre. Kein einziger!

    Und Wasserkonsumenten sind kaum besser! 😀

  2. Den Atheisten interessiert die Kirche gar nicht, wozu sollte er sie abfackeln. Aber Gläubige können sich gar nicht vorstellen, dass sie uninteressant sind, und dass einer keinen Hass auf die Falsch-Gläubigen hat.

Kommentare sind geschlossen.