Damals im Religionsunterricht

Der Lehrer betritt selbstbewusst die Klasse. Sein Lächeln drückt tiefe Freundlichkeit und Verständnis aus, während seine wohlausgesuchten Kleidungsstücke einen guten Geschmack vermitteln wollen.

„In der heutigen Stunde wollen wir das Thema der Gottesfrage behandeln. Zunächst einmal: Was versprecht ihr euch von Gott?“
Aus dem Wirrwar an Gerede in der Klasse waren Dinge wie „Geld“, „Pool“ und „Fortsetzung zu Braindead“ zu hören.
Der Lehrer wirkte unzufrieden.
„Nein, ich meine, wenn ihr zu Gott betet, was erwartet ihr dann von ihm?“
„Geld“, „Pool“, „Fortsetzung zu Braindead.“
„ES REICHT!“
Die Klasse verstummte.
„Aber,…“
„RUHE! Das sind natürlich völlig unrealistische Vorstellungen.“
„Was, Sie meinen Peter Jackson wird keinen Nachfolger zu Braindead drehen?“
„NEIN, VERFLUCHT! Oh, Herr, bitte vergieb mir!
„Ja klar, kein Problem.“
„Was ist kein Problem, Michael?“
„Ich vergebe Ihnen.“
„Aber du bist nicht Gott.“
„Achso.“
„Ja.“
„Ok.“


„Also, um meine Frage zu beantworten…“
„Herr Schmidt?“
„Ja?“
„Warum beantworten Sie ihre eigene Frage?“
„WEIL IHR OFFENBAR NUR UNSINN IM KOPF HABT!“
„Achso, ok.“
„Gut. Wir erwarten von ihm die Erlösung im Gottesreich.“
„Nein.“
„Was nein, Michael?“
„Ich will keine Erlösung im Gottesreich.“
„Wieso nicht?“
„Weil ich eine Fortsetzung zu…“
„HALT DEINEN MUND!“
„Also, wenn wir sterben und wenn wir gute Christen waren, dann kommen wir in den Himmel, so wie Jesus es gesagt hat. Und was ist der Himmel, Michael?“
„Da wohnt Gott.“
„Sehr gut. So ist es.“


In der Klasse machte sich Gekicher bemerkbar. Herr Schmidt wirkte ein wenig verunsichert.
„Herr Schmidt?“
„Ja, Michael?“
„Und wo ist der Himmel?“
„Na, da oben. Aber wir können ihn natürlich nicht sehen.“
„Nein, natürlich nicht…“
Das Gekicher kehrte zurück.
„Herr Schmidt, und was macht Gott da oben? Sitzt der oder steht der irgendwo drauf?“
„Na, was weiß ich. Der sitzt.“
„Wo sitzt er?“
„Auf einem Stuhl. Wo sonst?“
„Ist der Stuhl von IKEA?“
„DU MACHST DICH WOHL ÜBER MICH LUSTIG?“
„Herr Schmidt?“
„Was?“
„Sind Sie da sicher?“
„Womit?“
„Dass Gott mit schwedischen Bedienungsanleitungen zurecht kommt?“
Jetzt besuchte eine rote Färbung die wütenden Wangen des Lehrers.
„Was fällt dir eigentlich ein? Zehn Seiten, wenn du noch einmal die Allmacht des Herrn ein Frage stellst! Also, zurück zum Thema: Was bekommen wir noch von Gott?“
„Einen Stuhl?“
„Wieso einen Stuhl?“
„Achso, ich dachte nur, er hätte vielleicht gleich eine Sammelbestellung gemacht.“


„Nein, zurück zum Thema: Du kannst ihm auch deine Sorgen erzählen.“
„Ich kann alle meine Sorgen auch meiner Freundin erzählen.“
„Die wird dir aber keinen Trost spenden.“
„Echt? Und Gott wird mir Trost spenden?“
„Ja.“
„Inwiefern?“
„Er erhört dein Gebet.“
„Und?
„Und dann spendet er dir Trost.“
„Na, dann.“
„Herr Schmidt, wenn Gott so nett ist, warum sterben dann so viele Menschen in Kriegen und an Morden?“
„Weil sie sich von Gott abgewandt haben.“
„Und was ist mit Juden und Muslimen?“
„Na, die haben sich auch von Gott abgewandt.“
„Meine Freundin ist Jüdin. Muss sie jetzt sterben?“
„Ich befürchte schon.“

5 Kommentare zu „Damals im Religionsunterricht

  1. Alternatives Ende:


    „Herr Schmidt, wenn Gott so nett ist, warum sterben dann so viele Menschen?“
    „Weil sie sich von Gott abgewandt haben.“
    „Und was ist mit Christen?“
    „Die werden von Gott erlöst, weil sie Beten!“
    „Das heißt, die einen sterben, weil sie nicht beten, die anderen sterben, weil sie beten?“

    Ich LIEBE es, religiöse – und sonstige – Fanatiker durch Logik auszustechen.

    1. Wenn in der Auseinandersetzung mir religiösem Wahn Logik nicht mehr ankommt, hilft Satire zusätzlich. Und wenn es nur die eigenen Nerven entspannt! Das Verständnis Beider setzt allerdings ein gewisses Maß an Intelligenz voraus! Ich bezog das nicht nur auf vorstehenden Artikel. Obwohl der wirklich satirische Elemente hatte.

  2. Übrigens fand diese Satire von mir Verwendung in einem gymnasialen Religionunterricht der Unterstufe. Ich schätze, der Lehrer wollte zeigen, warum er solche Dinge natürlich nicht glaubt.

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