Anti-Zionismus = Anti-Semitismus?

Iranischer Präsident Mahmoud Ahmadinedschad spricht auf einer Konferenz mit dem Titel "Die Welt ohne den Zionismus"

Iranischer Präsident Mahmoud Ahmadinedschad spricht auf einer Konferenz mit dem Titel "Die Welt ohne den Zionismus" (Foto: windsofbabylon.com)

Bei allen Unterschieden im Einzelnen ist bei den Radikalen von rechts oder links nach Ansicht der Extremismusforschung der Alleinvertretungsanspruch, die Ablehnung pluralistisch-demokratischer Systeme, Dogmatismus, das Freund-Feind-Denken und der Fanatismus gleich.

Antisemitismus kommt dann ins Spiel, wenn zum Beispiel der „jüdische Kapitalist“ als Innbegriff des „raffgierigen Kapitalisten“ erscheint, geheime Mächte im Hintergrund als unsichtbare Strippenzieher ausgemacht werden, deren Darstellung an die „Protokolle der Weisen von Zion“ erinnern und Israel als „Jude unter den Staaten“ als einzigem Land auf der Welt das Existenzrecht abgesprochen wird.

Der Antizionismus ist eine spezifische Form des Antisemitismus nach Auschwitz, der bei der radikalen Linken wie auch bei Rechtsextremisten und Islamisten zu finden ist. Eine sehr deutliche Parallele zu rechtsradikalen Antisemiten stellt die „aggressive Erinnerungsabwehr“ dar, wozu zum Beispiel die Gleichsetzung von israelischen Militäraktionen mit den Taten der Nationalsozialisten zählt. Dazu gehört auch die Bezeichnung der Palästinenser als „Opfer der Opfer“. Auch die Projektion der Politik Israels auf das Verhalten aller Juden in der Welt zählt zu den Indikatoren eines linken Antisemitismus.

Der Soziologe Thomas Haury macht für den linken Antisemitismus das „antiimperialistische Weltbild“, welches der radikalen Linken zugrunde liegt, verantwortlich. Dem zufolge ist die moderne Gesellschaft von einem Machtblock aus Kapital und Staat gesteuert, der international agiert und die beherrschte Bevölkerung unterdrückt. Nach diesem binären Weltbild fordern die guten unterdrückten Völker ihre Selbstbestimmung gegen die „böse fremde Herrschaft“ und die „imperialistische Ausbeutung“. Wendet man das antiimperialistische Schema auf den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern an, kommt man zum Antizionismus. Israel wird als „Brückenkopf“ der USA in der arabischen Welt dargestellt und den USA eine sich aus diesem Umstand erklärende einseitige Unterstützung der Interessen Israels vorgeworfen, die sich gegen die „Befreiungsbewegungen“ richtet.

Aus: Bundeszentrale für politische Bildung:

Daniel Kilpert: Antisemitismus von links

Ein Kommentar zu “Anti-Zionismus = Anti-Semitismus?

  1. Daniel sagt:

    Lese grade Broders „ewiger Antisemit“.
    Wow. das Buch ist 25 Jahre alt und der Judenhass immer noch der gleiche wie heute. Oder wie zur Nazi – Zeit, nur dass er jetzt Antizionismus heißt.Unglaublich.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.