Die Deutschen sind Feiglinge

Ungefähr 5000 deutsche Soldaten sind im Norden Afghanistans stationiert, so weit entfernt vom Zentrum des Kampfes gegen die Taliban, wie sie es nur sein können, ohne das Land zu verlassen.

Ein Beitrag von Nick Cohen

Würde sich die Haltung der deutschen Bevölkerung durchsetzen, dann würden die Deutschen dem Beispiel der Niederländer folgen und sich noch weiter vom Kampfschauplatz entfernen, indem sie die weiße Flagge hissen und nach Hause gehen.

Während ich das schreibe, hat sich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel geweigert, den populären Forderungen nachzugeben und abzuziehen, aber sie weigerte sich auch, auf Washington und London zu hören, die sie anflehten, mehr Männer in den Süden zu schicken, damit jene dort den amerikanischen, britischen und australischen Truppen beistehen, welche die Taliban in der Helmland-Provinz bekämpfen.

Selbst im Norden war die deutsche Armee Kampfhandlungen ausgesetzt und mutige Männer haben ihr Leben verloren. Aber für den Großteil des Krieges hat für die deutschen Soldaten eine Ausgangssperre gegolten. Sie müssen bei Sonnenuntergang in ihre Lager zurückkehren, wenn sie kaum etwas zu tun haben, als mit dem Konsum erstaunlicher Mengen Wein und Bier fett zu werden. Laut einem Bericht für die Bundeswehr waren beinahe 40% übergewichtig. Mann für Mann, Kilo für Kilo, war der deutsche Soldat fettleibiger als der durchschnittliche deutsche Zivilist.

Viele in England und in den USA nennen sie Feiglinge, Schmarotzer oder Schlimmeres, aber die deutsche Gesellschaft weist Beleidigungen zurück, die aus Vorstellungen von Tapferkeit und militärischer Ehre hervorgehen, die sie für rettungslos korrumpiert hält. Weit davon entfernt, sich als Schnorrer wahrzunehmen, die von den Opfern anderer profitieren, halten die Deutschen ihr Verhalten für tugendhaft. Aufgrund der Geschichte des Nazismus, erklären sie, kann Deutschland die Taliban nicht direkt bekämpfen. Würde es das tun, wäre Deutschland aggressiv und militaristisch, eine sündige Nation, einmal mehr.

In den 1930ern und 40ern folgte Deutschland einer faschistischen Politik. Heute wollen die Taliban eine islamistische Diktatur errichten. Um für die deutsche Schuld am säkularen Faschismus der Vergangenheit zu büßen, weigern sich die Deutschen, sich ernsthaft dem Kampf gegen den Klerikalfaschismus der Gegenwart zu widmen.

Wir sollten nicht die Fassade der politischen Korrektheit verschleiern lassen, was andere Menschen zu anderen Zeiten ohne Zögern als Feigheit identifiziert hätten.

Quelle: Only ourselves to blame, The Australian

Nick Cohen ist ein britischer Journalist und neben Christopher Hitchens der bekannteste Vertreter der Decent Left.

38 Kommentare zu “Die Deutschen sind Feiglinge

  1. Stefan sagt:

    Man muss natürlich auch sehen, dass sich die USA, in Teilen auch Großbritannien und Frankreich, seit Jahrzehnten kontinuierlich im Kriegszustand befinden. Das schafft eine gewisse Routine. Wir hatten hier in D lange Jahre diese merkwürdige Situation ein Aufmarschgebiet für den Kalten Krieg zu sein. Dieser Unterschied schafft in den Armeen völlig verschiedene Strukturen. Die Bundeswehr beschäftigt sich in erster Linie mit ihrer eigenen Verwaltung und hat oft nicht die geeignete Ausrüstung. Aber ich sehe auch, dass sich vieles getan hat. Die Bundeswehr ist keine Pseudoarmee mehr, deren Aufgabe nur darin besteht die Russen solange zu beschäftigen bis die Amerikaner da sind. Die Bundeswehr selbst hat viel gelernt, aber hier redet man schon wieder von Rot-Grün.

  2. PlainCitizen sagt:

    Cohen verfällt dem alten angelsächsischen Wahn, dass alle gleich denken müssen wie Angelsachsen.

    • Martin sagt:

      Ich dachte, das sei der deutsche Wahn.

      • derautor sagt:

        So ist es. England hat eine lange, liberale Tradition. Sie ist viel älter als unsere und viel stärker verankert. In Deutschland dagegen sind die Menschen beinahe gleichgeschaltet: Wer nicht gegen Krieg ist – egal welchen -, der ist ein Faschist. Das gilt sogar für solche, die den Krieg gegen Faschisten befürworten.

  3. Kretzer2 sagt:

    Braucht es Mut, andere in den Krieg zu schicken? Ist es feige, das nicht zu tun?

    Mut braucht es nur für Dinge, die man selbst tut.

    Und solange das so ist, ist der Appell an die Instinkte („Ihr Feiglinge!“) nichts als widerliche Kriegstreiberei. Und das ist unwürdig für jemanden, der sich wie derautor ansonsten auszeichnet durch exzellente Arbeit im Sinne von Aufklärung und Rationalismus.

    Es kann ja gute Gründe geben (und tut es auch!), in Afghanistan Krieg zu führen. Ich war nie Pazifist und werde es nie sein (irrelevant, aber nur als Beispiel). Doch je mehr gehetzt wird, desto mehr sollte man sich bemühen, kühlen Kopf zu bewahren, anstatt auch noch mitzuhetzen.

    • derautor sagt:

      Eine von der Masse abweichende Meinung zu vertreten ist nicht hetzen. Und das Problem besteht eher darin, dass sich die Deutschen gar nicht als die Feiglinge wahrnehmen, die sie de facto sind. Alleine, jemanden „Feigling“ zu nennen, ist kein Appell an die Gefühle. Vielleicht stimmt es ja und es wäre wichtig, dies rational einzusehen, damit man sich in Zukunft anders verhält?

      Wir profitieren alle vom Anti-Terror-Kampf der Amerikaner und der Briten, ohne dass wir einen angemessenen Anteil leisten würden. Stattdessen werden von zahlreichen Deutschen islamistische Verschwörungstheorien übernommen über die bösen Amis, die nur Öl wollen und Muslime töten. Sogar der islamistische Antisemitismus wurde als „Anti-Zionismus“ neu verpackt und wird hier verbreitet.

      • Ariton sagt:

        Korrekt!

        In Deutschland gibt es eine derartige Angst vor dem Islam das Kritik daran „besser nicht geäußert wird“.

        Will die Islamische Gemeinde etwas, wird es pauschal erlaubt, oft aus Angst vor Übergriffen.

        Wir Deutschen sind zu feiglingen erzogen worden. Und alle die das anders sehen sind Pauschal Nazis und Volksverhetzer. Selbst wenn sie gegen Nazis kämpfen wollen.

        Allerdings muß man sagen das die Tatsache das Deutschland in Afganistan Präsenz zeigt, aus Deutscher Sicht, schon Positiv zu werten ist.

        Wir Deutschen haben einen Feind den USA und UK nicht haben – die Vergangenheit. Wir müssen diesen Feind erstmal besiegen bevor wir im Ausland Mut beweisen können.

  4. Irgendwer sagt:

    Hitchens und Cohen sollten mal zeigen, dass sie echte Helden sind und selbst in den Krieg gegen die Taliban ziehen.

    • derautor sagt:

      Noch eines dieser Pseudo-Argumente, die immer wieder angeführt werden, egal, wie oft man sie widerlegt. Dir zufolge dürften ausschließlich Soldaten, die in Afghanistan stationiert sind und aktiv kämpfen, über einen Krieg entscheiden. Siehst du nicht, wie irrsinnig das ist, wenn du Politikern, Journalisten, Kindern, alten Menschen, beinahe dem ganzen Land das Recht absprichst, über die Legitimität von Kriegen zu diskutieren und zu entscheiden?

      • Bebu sagt:

        Nun sind Kinder und alte Menschen aus guten Gründen nicht in der Lage das Soldatenhandwerk ausführen. Über Politiker, Journalisten u.a. kann man das nicht so per se sagen.

        Deshalb frage ich mich:
        Wenn man in Afghanistan wirklich einen langfristigen Erfolg erreichen will und sich nicht nur in absehbarer Zeit möglichst wenig imageschädigend verpissen will, braucht man viel mehr Soldaten und viel mehr Geld. Wo man das Geld herkriegt, ist sicher auch interessant, aber ich will es erstmal mal ausklammern.

        So lange wir eine wehrpflichtigen Armee haben, müssen wir unsere Soldaten aus der ganzen Bevölkerung rekrutieren. Angenommen wir schicken als Deutschland selbst 100 000 Soldaten und die anderen Länder schicken vergleichbare Zahlen, so dass wir in Afghanistan auf eine Truppenstärke kommen, die dem vergleichbar ist, was die Allierten nach dem 2. WK anfangs stationiert hatten.

        Wenn wir immer so viele Soldaten dort stationiert hätten, bräuchten wir pro Jahr die zwei- bis dreifache Menge, wenn wir die aktuelle Verweildauer beibehalten. Da jeder Soldat ausreichend lange Ruhezeiten zwischen den Einsätzen braucht, bräuchten wir in 2 Jahren mindestens die vier- bis sechsfache Menge. D.h. wir bräuchten in zwei Jahren zwischen 400 000 und 600 000 Mann nur für den Kampf bzw. aktiven Einsatz vor Ort. Dazu kommen noch Logistik, Truppen für Ausbildung zu Hause und was weiß ich noch.

        Können wir sowas mit den normalen Wehrpflichtigen decken? Insbesondere wenn man kämpfende Truppen haben will, kann man das Material, was so pro Jahrgang angeliefert wird, eher vergessen. Also müßte man anfangen bis in etwas höheres Alter z.B. 30, 35 oder 40 hinein Soldaten einzuziehen.

        Würde man jetzt noch nach meinem Verständnis von „fair“ vorgehen, müßte man eine Art Lotterie durchführen, wo jeder tauglich gemusterte Erwachsene bis zur ausgemachten Altersgrenze eine gewisse Chance hat eingezogen zu werden. Dann könnten auch Politiker und Journalisten eingezogen werden.

        Und dann frage ich mich doch, ob so ein Verfahren nicht zu einer anderen Bewertung solcher Kampfeinsätze führen würde.

      • derautor sagt:

        Ich bin für eine Berufsarmee.

    • Zach sagt:

      Was ist mutig daran, Menschen in den Krieg zu schicken? Was ist feige daran, andere Menschen nicht in den Krieg zu schicken? Ich selbst habe vom Tod eines Bundeswehrsoldaten keinen Nachteil – was hat meine Pro- oder Kontra-Kriegseinsatz-Entscheidung mit Feigheit zu tun? Ich sehe den Bundeswehrsoldaten schließlich nicht als meinen verlängerten Arm – dieses Nationalgefühl ist mir völlig fremd. Selbstverständlich ist das Gerede von Feigheit in diesem Kontext ein Appell an Emotionen und nicht an rationale Argumente. Feige ist etwa, den Konsequenzen der eigenen Entscheidungen und des eigenen Handelns auszuweichen – diese Charakterisierung trifft wohl eher auf die gleichzeitige Forderung nach Kriegseinsatz und Berufsarmee zu als auf die Ablehnung des Einsatzes. Hätte Cohen den Deutschen Geiz vorgeworden, hätte das sachlich besser gestimmt, aber wer ließe sich dadurch schon provozieren?

      Die Behauptung, dass Kriegsbefürworter in Deutschland es ach so schwer hätten, weil sie als Faschisten diffamiert würden, dient ebenfalls nur der Emotionalisierung der Debatte. Sie ist genausowenig hilfreich wie die notorische Begründung der Notwendigkeit der deutschen Aufrüstung mit dem Kampf gegen vermeintliche oder echte Nazis allerorten. Wieso führen wir statt dessen nicht einfach eine saubere Debatte über das pakistanische Atomwaffenarsenal, das in die falschen Hände zu geraten droht? Oder hätte man damit die Gefahr einer anderen, weniger hilfreichen Emotionalisierung – der Erinnerung an die Begründung des Irakkriegs?

      • derautor sagt:

        Auf Fakten hinzuweisen ist keine Emotionalisierung. An den Irakkrieg habe ich selbst mehrmals erinnert, um ihn zu verteidigen.

  5. Anmibe sagt:

    Cohen ist ein Dummkopf, könnte man seine Polemik auch überschreiben. Was und vor allem wem will er etwas sagen? Anscheinend spricht er nicht die Deutschen an, sondern macht im angelsächsischen Raum Stimmung gegen die Deutschen. Er betreibt eine ziemliche unschöne Form der Kriegshetzerei, denn der Angriff auf die Deutschen Soldaten trifft die Falschen, denn die dürfen schlicht nicht kämpfen! Es ist unsere unsäglich dumme Regierung unter, um und vor Merkel, die für diese Situation verantwortlich ist. Ich bin kein Freund dieses Krieges, im Gegenteil, und ich wäre auch nicht bereit nach Afghanistan zu gehen, schon gar nicht für Geld (die Deutschen sind dort im Grunde Söldner), aber ich halte es auch für perfide, jemanden in den Krieg zu schicken und ihm gleichzeitig quasi Schießverbot aufzuerlegen. Außerdem kann ich mich nicht des Eindruckes erwehren, daß Cohen versucht eigene Zweifel, bzw. Zweifel bei den eigenen Leuten durch Schuldzuweisung an andere bei Seite zu wischen. Wenn das Abenteuer Afgahnistan (mal wieder) schief geht, hat man wenigstens schon einen Sündenbock, denn »aller eigenen Heroën zu Trotze, konnten wir mit solchen Feiglingen an unserer Seite nicht gewinnen«.

    Mal abgesehen davon, woher kommt eigentlich die Merkel in deutschen Feldlagern würde soviel Wein getrunken (Bier hätte mich nicht gewundert), gibt es dazu eine Quelle?

    • Anmibe sagt:

      Korrektur, des letzten Absatzes. Dort sollte es natürlich Meinung und nicht Merkel heißen. Jetzt also nochmal richtig:

      Mal abgesehen davon, woher kommt eigentlich die Meinung, in deutschen Feldlagern würde soviel Wein getrunken (Bier hätte mich nicht gewundert), gibt es dazu eine Quelle?

      • derautor sagt:

        Cohen greift die Deutschen als Koalitionspartner im Afghanistan-Einsatz an, nicht fette Soldaten als solche.

  6. Randifan sagt:

    Herr Cohen Artikel ist reine Propaganda und er kann auch nicht glaubwürdig erklären, warum die Talibanen überhaupt bekämpft werden. Er meint, die Talibanen wollen eine islamistische Diktatur errichten. Meine Antwort als Deutscher lautet:
    Afghanistan ist eine islamische Diktatur, die Scharia ist in der Verfassung verankert, auf Gotteslästerung und Apostatie steht die Todesstrafe.
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29919/1.html
    Der Unterschied zwischen den Talibanen und der afghanischen Regierung ist kleiner, als viele denken.
    Warum sollen deutsche Soldaten für so ein Land sterben?

    • derautor sagt:

      Warum sollen die Afghanen unter der Taliban-Herrschaft sterben? Warum sollen wir sterben, wenn die Taliban anderen Terrorgruppen Unterschlupf und Unterstützung bietet, damit sich Selbstmordattentäter auf unseren Marktplätzen in die Luft sprengen können? Genau das haben sie getan, als sie noch an der Regierung waren, genau das werden sie offensichtlich erneut tun, wenn sie es wieder sind.

      • Randifan sagt:

        „Warum sollen die Afghanen unter der Taliban-Herrschaft sterben?“

        Warum sollen deutsche Soldaten zusehen, wenn in ihrer Nähe Apostate und Gotteslästerer durch die dortige Justiz hingerichtet werden?

        „Warum sollen wir sterben, wenn die Taliban anderen Terrorgruppen Unterschlupf und Unterstützung bietet, damit sich Selbstmordattentäter auf unseren Marktplätzen in die Luft sprengen können?“

        Die Terroranschläge sind durch die Intervention in Afghanisten nicht zurückgegangen, das Nachbarland Pakistan entwickelt sich immer mehr zum Ausbildungslager für Terroristen und die dortige Regierung ist machtlos, aber keiner redet davon in Pakistan einzumarschieren.

      • derautor sagt:

        „Warum sollen deutsche Soldaten zusehen, wenn in ihrer Nähe Apostate und Gotteslästerer durch die dortige Justiz hingerichtet werden?“

        Das sollen sie nicht, sondern sie sollen eingreifen. Inwiefern ist das ein Argument gegen den Krieg, wenn sie den Krieg nicht konsequent genug durchführen?

        „das Nachbarland Pakistan entwickelt sich immer mehr zum Ausbildungslager für Terroristen und die dortige Regierung ist machtlos, aber keiner redet davon in Pakistan einzumarschieren“

        Das ist momentan nicht drin, weil die pakistanische Regierung so „halb“ mit dem Westen kooperiert. Aber ich bin nicht prinzipiell dagegen.

      • Randifan sagt:

        „Das sollen sie nicht, sondern sie sollen eingreifen. Inwiefern ist das ein Argument gegen den Krieg, wenn sie den Krieg nicht konsequent genug durchführen?“
        Der Punkt ist, der Krieg kann nicht gewonnen werden, weil die Unterschiede zwischen afghanischer Regierung und Talibanen sehr klein sind. Wie soll dieses Problem gelöst werden?

        Herr Cohen wirft den deutschen Soldaten vor, sie seien in ihrem Zuständigkeitsbereich zu feige und würden sich nur besaufen. Ich kann es nachvollziehen, wenn ich mein Leben und Gesundheit für den Aufbau eines islamischen Scharia-Staats aufs Spiel setzten müsste, wäre ich auch feige und würde mich betrinken.

  7. Erdregulator sagt:

    auch wenn in dem was cohen sagt ein fünkchen wahrheit steckt – insbesondere in bezug auf die „wohlfühl-linke“ die krieg „total doof“ findet und sich selbstgefällig einen bio-molkedrink aufmacht während man über „den Ami“ schimpft – finde ich, dass ein klein wenig ursache und wirkung verwechselt werden:
    auch WEIL die deutschen nicht auf alles schiessen was sich bewegt (meistens ähem), ist es im norden ruhiger als im süden.

    und das bild von heroischen amerikanern und anglo-sachsen ist schlichtweg propaganda: die meisten dieser soldaten sind leute, sie sonst einfach keine chance haben in der gesellschaft, und eben keine fahnenträger von humanismus und ratio. das macht ihr opfer nicht kleiner, aber als argument moralischer hohepriester taugt es damit einfach nicht.

    • derautor sagt:

      Hätten die Alliierten nicht auf die Nazis geschossen, wäre es viel friedlicher gewesen in Europa. Ebenso muss man die Taliban einfach passieren lassen. Alles klar.

      Die Motivationen von Soldaten sind ganz unterschiedlich, aber ist ja egal: De facto setzen sie ihr Leben aufs Spiel, um Terroristen zu bekämpfen und Menschen zu schützen. Planung und Theorie kommt meist von anderen, klar.

      • Erdregulator sagt:

        nja, du hast da natürlich schon recht, aber ich tu mir sehr schwer damit „die taliban“ als homogene gruppe zu sehen. Sicher gibt es unverbesserliche fundamentalisten, die mit ALLEM mitteln gestoppt werden müssen.
        Aber das land ist eben kein druchoranisierter Polizeistaat wie das dritte reich; man muss jenen radikalen du zulauf abgraben – und das geht nicht mit kugeln, sondern mit hoffnung.
        wer es schafft jungen afghanen eine alternative zu bieten wird erfolg damit haben, es für alle besser zu machen.

        nochmal, das ist kein aufruf zur nachsicht mit hardcore fundamentalisten.

      • derautor sagt:

        Auch unter den Nazis gab es ja Hausfrauen, die der SS Kuchen gebacken haben.

        Klar braucht Afghanistan eine wirtschaftliche Basis. Hitchens hat den Vorschlag gemacht, Drogen zu legalisieren, weil sie dort nichts anderes haben. Die können sie hierher verkaufen.

  8. Erdregulator sagt:

    hätten die aliierten 1934 deutschland besetzt statt später, wäre es aber doch auch sinnvoller gewesen den frauen neue backformen zu stellen, anstatt ihre 16 jährigen söhne mit der schicken binde zu erschiessen,nur weil sie das erste mal bei der HJ sitzung waren.
    ich bin einfach nicht sicher ob man das dritte reich 1939 mit dem heutigen afghanistan vergleichen kann was die verbreitung der jeweiligen (schädlichen) ideologie anbetrifft (wirklich: keine ahnung).

    hitchens vorschlag kenn ich, aber ich hab die vermutung, dass er damit eher ein wenig provozieren wollte; sicherlich kann man opiate vielfältig verwenden, aber darauf eine wirtschaft aufzubauen – najaaaa.

    noch eine sache. wir sind total d´accord darin dass mich das rumgenörgle am bösen amerikaner (oder israeli for that matter) bei gleichzeitiger totaler ignoranz der viel schlimmeren anderen alternative nervt.
    nichtsdestoweniger sind viele kritikpunkte nicht falsch: hätte man sich in den 80ern schon etwas sorgfältiger seine waffenbrüder ausgesucht, müsste man jetzt vielleicht nicht so viele der eigenen söhne (ubnd töchter) zum töten und sterben schicken.
    agreed?

    • derautor sagt:

      Ja, das stimmt. Allerdings kann man in demokratischen Ländern nicht die Taten vergangener Regierungen mit den Taten aktueller Regierungen vermischen. Weder Bush noch Obama haben die Muddschaheddin gegen die Russen unterstützt.

      Außerdem: Auch egal. Heute stehen wir vor einer bestimmten Situation und brauchen für diese eine Lösung – wer auch immer daran schuld ist. Wir können nicht Terroristen passieren lassen, weil bestimmte westliche Regierungen sie in der Vergangenheit zu bestimmten Zwecken unterstützt haben.

      • Erdregulator sagt:

        stimmt. genauso finde ich cohens angriff aber undifferenziert: „die deutschen“ gibt es nicht; nicht hier und nicht in afghanistan.
        es gibt leute die zu bestimmen zwecken bestimmte idiotische meinungen vertreten oder vertreten haben.
        für mich eher ein argument gegen direkte demokratie-elemente: man bläst eine meinung in den cosmos ohne die fakten zu kennen oder sich wirklich dafür zu interessieren. noch ist es einfach zu bequem in deutschland sich einen schönwetter-idealismus zu leisten, ohne sich für die furchtbaren konsequenzen wirklich (argumentativ) rechtfertigen zu müssen.

  9. Felix sagt:

    „Um für die deutsche Schuld am säkularen Faschismus der Vergangenheit zu büßen, weigern sich die Deutschen, sich ernsthaft dem Kampf gegen den Klerikalfaschismus der Gegenwart zu widmen.“

    Ist das tatsächlich Ihr Ernst? Sehen Sie nicht, dass deutsche Soldaten nun in einem Land aufräumen sollen, dass Russen, Amerikaner und Afghaner selbst über Jahrzehnte hinweg verwüstet haben und dass sich selbst aufgrund von Religionsfragen, Opiumanbau und anderen Dummheiten im Weg steht, und das die Soldaten darauf verständlicherweise wenig Lust haben, sintemal sie dabei ihr Leben aufs Spiel setzen? Das hat mit Bekämpfung des so genannten „Klerikalfaschismus“ wenig zu tun – abgesehem davon, dass hier schon lange Religionsfreiheit herrscht.

    • derautor sagt:

      Ist doch völlig wurscht, ob in Deutschland Religionsfreiheit herrscht, wir reden über Afghanistan und das Taliban-Regime!

  10. Ratte sagt:

    Ich besuche seit einiger Zeit mit Interesse diese Seite. Aufklärung 2.0 – Eine Oase der Vernunft. Viele bisherige Beiträgen fanden meine Zustimmung aber bei diesem Beitrag einschließlich der Kommentare scheint die Vernuft weitgehend auf
    der Strecke zu bleiben. Wer glaubt hier denn wirklich, die USA kämpfe in Afghanistan gegen islamistische Diktatur und internationalen Terrorismus???
    Betrachtet man die geschichtlichen Fakten, ist dies nicht nur lächerlich sondern schlicht naiv. Die Amis verstanden sich schon immer prächtig mit Diktatoren, religiöser Fanatismus ist und war kein Hinderungsgrund, solange man auf der „richtigen“ Seite stand. Die „Terroristen“ um unseren Super-Feind Osama Bin Laden hießen in den achtziger Jahren „Freiheitskämpfer“. Sie wurden von den USA
    finanziert und bewaffnet, um die Sowjets, die damaligen Besatzer, in einen aussichtslosen Krieg zu stürzen. (Der damalige Miltärberater Jimmy Carters, Brzezinski, hat mittlerweile in seinen Büchern eingeräumt, den geheimen Plan entworfen zu haben, islamistisch-fundamentalistische Mudschaheddin zu mobilisieren, um die pro-sowjetische Regierung in Afghanistan zu stürzen und der Sowjetunion ein eigenes Vietnam zu bescheren.)
    Ich kann mich noch sehr gut an die damaligen Schlagzeilen erinnern. Kaum ein Tag verging, an dem nicht die Tapferkeit dieser kranken islamistischen Fundamentalisten glorifiziert wurde.
    Als die Sowjets sich zurückzogen und die Taliban Kabul eroberten, haben diese Verrückten dann zuallererst den ehemaligen kommunistischen Präsidenten Nadschibullah samt seines Bruders öffentlich aufgehängt und am nächsten Tag über den Rundfunk – Radio Scharia genannt – ihre frauen- und kulturverachtenden Gebote verkündet. Nicht-verschleierten Frauen wurde das Gesicht mit Säure verätzt, Frauen durften nicht mehr arbeiten, und wer keinen Mann hatte, saß im Rinnstein und hielt schweigend die Hand auf. Man braucht wirklich kein „linkes Weichei“ zu sein, um zu erkennen, dass die Unterstützung der religiösen Fundamentalisten durch die USA der afghanischen Bevölkerung mehr geschadet als genutzt hat. In diesem Fall wären jedem vernünftigen Wesen die Kommunisten lieber.
    Die USA haben sich in keinster Weise darum gekümmert, was ihre ehemaligen verbrecherischen Verbündeten dort veranstalteten – zumindest bis zum 11. September 2001.
    Und jetzt sind die USA (einschließlich unserer Bundeswehr) wieder vor Ort und glänzen durch Furchtlosigkeit und Tapferkeit. Sie bombardieren Hochzeitsgesellschaften und im Sand gestrandete Tanklastzüge, bei denen sich ein paar Habenichtse ein paar Liter Kraftstoff klauen wollen. Und dann wundert man sich über die zunehmende ablehnende Haltung der Zivilbevölkerung gegenüber ihren Besatzern.
    Leute, gebraucht mal euren Verstand und versetzt euch in die Lage eines normalen Afghanen über vierzig (solche gibt es dort auch). Der hat alles am eigenen Leibe miterlebt und weiß genau, wer für die islamistische Idiotie dort verantwortlich ist. Und fragt euch, ob die USA eine moralische Berechtigung haben, sich dort als Heilsbringer aufzuspielen. Wer berechtigterweise dafür einsteht, dass die Kirchen sich zu ihrer kriminellen Vergangenheit bekennen, sollte bei kriegsführenden Staaten nicht zu großzügig sein.

    • derautor sagt:

      „Wer glaubt hier denn wirklich, die USA kämpfe in Afghanistan gegen islamistische Diktatur und internationalen Terrorismus???“

      Ich glaube das.

      „Die Amis verstanden sich schon immer prächtig mit Diktatoren“

      „Die Amis“ ist etwa dasselbe wie „die Juden“. In der amerikanischen Demokratie wird alle vier Jahre die Exekutive ausgewechselt, die Legislative und Judikative werden ebenfalls immer wieder ausgewechselt. Was in den 1980ern war, hat nichts zu tun mit heute.

      „islamistisch-fundamentalistische Mudschaheddin zu mobilisieren, um die pro-sowjetische Regierung in Afghanistan zu stürzen“

      Ja, das stimmt. Aber inwiefern ist das ein Argument gegen einen Krieg gegen die Taliban und gegen al Qaeda?

      „dass die Unterstützung der religiösen Fundamentalisten durch die USA der afghanischen Bevölkerung mehr geschadet als genutzt hat.“

      Vielleicht, ja. So oder so war es ein Fehler.

      „Sie bombardieren Hochzeitsgesellschaften und im Sand gestrandete Tanklastzüge“

      Ich hoffe, du willst nicht behaupten, dass dies absichtlich geschehen ist.

      „wer für die islamistische Idiotie dort verantwortlich ist“

      Trotz ihrer damals fördernden Maßnahmen ginge es zu weit, viel zu weit, die Amerikaner für den Islamismus verantwortlich zu machen. Für diesen ist vor allem Ruhollah Chomeini verantwortlich.

      „Wer berechtigterweise dafür einsteht, dass die Kirchen sich zu ihrer kriminellen Vergangenheit bekennen, sollte bei kriegsführenden Staaten nicht zu großzügig sein.“

      Die USA leugnen in keiner Weise ihre Fehler. Aber sie bleiben nicht sitzen und heulen, sondern sie bemühen sich darum, diese Fehler nicht zu wiederholen und sie möglichst zu korrigieren. Bei der Kirche haben wir eher das Problem, dass sie ihre Fehler nicht als solche erkennt und nicht den notwendigen Veränderungswillen aufweist.

      Sorry, insgesamt bist du dem Anti-Amerikanismus ins Netz gegangen. Du konstruierst ein allumfassendes „Amerika“, das für alles verantwortlich ist, was jemals amerikanische Politik war. Wir haben heute eine ganz andere Regierung in den USA als damals. Die öffentliche Meinung ist komplett verändert. Dinge ändern sich – überall außerhalb des Vatikans.

      • Ratte sagt:

        „Sorry, insgesamt bist du dem Anti-Amerikanismus ins Netz gegangen“
        Tut mir leid, aber damit machst du es dir zu einfach. Um Missverständnisse zu
        vermeiden: Ich halte die amerikanische Demokratie natürlich für die bessere Staatsform (im Vergleich zur kommunistischen Diktatur der Sowjetunion). Unter diesem Gesichtspunkt war es nicht unbedingt ein Fehler, was die USA in Afghanistan veranstaltet haben, denn der Krieg in Afghanistan hat nicht unwesentlich zum Zerfall des sowjetischen Imperiums beigetragen; aus westlicher Sicht ein Riesenerfolg und das Ende des kalten Krieges.
        Allerdings haben sich die USA dabei verbrecherischen Organisationen bedient. Der 11. September ist für mich ein damit verbundener Kollateralschaden, von genau diesen Verbrechern verübt. Es birgt immer ein Risiko, wenn man sich mit Verbrechern einlässt. Die Kollateralschäden auf seiten der Afghanen nimmst du ja scheinbar auch in Kauf; dies ist keine Kritik sondern eine Feststellung.
        „Sie bombardieren Hochzeitsgesellschaften und im Sand gestrandete Tanklastzüge.
        Ich hoffe, du willst nicht behaupten, dass dies absichtlich geschehen ist.“
        Die westliche Welt hätte nach Ende des kalten Krieges die Chance gehabt eine friedlichere Basis des Zusammenlebens aller Völker zu schaffen. Diese Chance haben sie unter Führung der Bush-regierten USA kläglich vertan. Bush, ein minderbemittelter religiöser Fanatiker.
        Für uns bleibt nur eine friedliche Alternative. Möchtest du wirklich, dass Nato-Soldaten überall dort einmarschieren, wo fundamentalistische Diktatoren herrschen?
        Und wenn, hätten wir dazu das moralische Recht?
        Und hast du wirklich so große Angst vor Staaten wie Afghanistan und Iran???
        Von diesen Staaten ging noch niemals eine wirkliche Aggression aus, 3000 Tote am 11. September mal ausgenommen.
        Merkst du denn nicht, dass diese Angst irreal ist – von Medien inszeniert, denen du auf den Leim gehst???
        Die Wahrscheinlichkeit, dass du bei einem Verkehrsunfall dran glauben musst, ist bei uns immer noch wesentlich höher, als bei einem Al-Qaeda-Anschlag ums Leben zu kommen.
        Lass dich nicht verarschen!!! Ich glaube, dass du hier in „ein Netz“ gegangen bist.
        Ich wünsche trotzdem noch einen schönen Restabend.

  11. Thomas sagt:

    @ Ratte:

    Also ich habe keine unmittelbare Angst, dass Islamisten in naher Zukunft Deutschland platt machen und ich glaube auch, dass Andreas die nicht hat. Ich gehe davon aus, dass die USA und Europa islamistische Diktatoren und Terroristen nicht nur wegen der Terrorgefahr im Westen bekämpfen, sondern auch wegen der Unterdrückung und Bekämpfung der eigenen Bevölkerung.

    Wenn es darum geht, eine faschistische Dikatur zu stürzen, sind für meine Begriffe fast alle Mittel recht und billig, sofern sie nicht die Menschenrechte verletzen. Warum sollten wir nicht überall dort den totalitäre Regimes bekämpfen, wo immer sie uns begegnen? Wenn es dazu kein ethisches Recht gibt, mit welchem Recht haben dann die Alliierten die Nazis bekämpft? Warum sollten wir uns nicht dazu bekennen und auch offensiv vertreten, dass Demokratie und Menschenrechte ethisch Totalitarismus und Schari’a überlegen sind?

    Wie hätte George W. Bush denn deines Erachtens eine „eine friedlichere Basis des Zusammenlebens aller Völker“ schaffen sollen? Indem er etwa statt Krieg gegen „Die Achse des Bösen“ Deals mit Faschisten gemacht hätte?

    • Ratte sagt:

      „Indem er etwa statt Krieg gegen “Die Achse des Bösen” Deals mit Faschisten gemacht hätte?“
      Hat er doch – Eine Diktatur, in der ausschließlich die Gestze der Scharia gelten und von der nahezu alle islam-fundamentalistischen Bewegungen ausgehen:
      Ich zitiere Wikipedia:
      Trotz der undemokratischen Regierungsform und der Menschenrechtsverletzungen hat Saudi-Arabien sehr gute diplomatische Beziehungen zu Europa und den USA. …
      Saudi-Arabien ist ein enger Verbündeter der USA….
      Die engen Beziehungen zwischen den beiden Ländern lassen sich als Tausch von Zugang zu Öl gegen Sicherheitsgarantien beschreiben. … Im Gegenzug forderten die USA in Vergangenheit des Öfteren die Erhöhung der Erdöllieferungen an ihre Raffinerien, um den Preis zu senken und die Wirtschaftslage im Lande zu entspannen, zuletzt im März 2008 bei einem Treffen von Vizepräsident Dick Cheney mit König Abdullah.“
      Jede den USA freundlich gesonnene Diktatur wurde in der Vergangenheit von den USA unterstützt. Auch Saddam Hussein, niemand störte sich an seinen Menschenrechtsverletzungen, bis er sich gegen die USA wandte. Osama Bin Laden und seine fanatische Gruppe hat in Afghanistan nur deshalb jemals die Macht übernehmen können, weil die USA diese aufgebaut haben. Zitat eines Mudschaheddin Führers damals: „Diese Leute (die dafghanische Regierung Ende der 80er) wollten die Armut abschaffen, alle Leute – auch Frauen – gleich behandeln und jedem es ermöglichen Lesen und Schreiben zu lernen. Das ist gegen den Islam und daher mussten wir kämpfen“.
      Weitere Beispiele: Guatemala, Kolumbien, Nicaragua, Persien (Iran), …
      Als in Chile der Sozialist Salvador Allende 1974 als Sieger in freien Wahlen hervorging und Reformen angeht, wurde er durch einen in den USA vorbereiteten Militärputsch von General Pinochet abgesetzt und ermordet. …
      Ich denke, nahezu jeder Staat der Welt handelt nach eigener Interessenlage – besonders die USA, die dabei über viele Leichen gehen. Nur behaupten die USA dabei immer moralisch besonders untadelig zu handeln und im (höheren) Recht zu sein – erinnert mich irgendwie an das Christentum bzw. an den Vatikan.

  12. Thomas sagt:

    @Ratte:
    derautor hat recht, das sind keine Argumente gegen die Intervention im Irak und in Afghanistan.
    Saudi-Arabien hat die USA sowohl beim Irak- als auch beim Afghanistan-Krieg unterstützt und wird selbst häufig von Terroranschlägen heimgesucht. Trotz vieler Menschenrechtsverletzungen ist das Land dabei, demokratischer und religios moderater zu werden. Die staatliche Zensur wird langsam gelockert und freie Wahlen werden eingeführt; Frauen haben freien Zugang zu höherer Bildung.

    Freilich sind die Amis mit den Saudis auch wegen ökonomischen Zwängen verbündet, aber ich halte es für absurd, die gesamte US-Außenpolitik darauf zu reduzieren. Die Fehler der Vergangenheit, z.T. sogar vergangener Generationen (Chile) rechtfertigen auch nicht, heute noch mehr Fehler zu machen, z.B. totalitären Regimes und Terroristen mit Appeacement zu begegnen.

    Natürlich handelt jeder Staat nach seiner eigenen Interessenlage. Es ist ja auch im Interesse der USA, dass der nahe Osten nicht noch mehr Terroristen und totalitäre Regimes ausbrütet, die alle Amerikaner umbrigen wollen. Ist es moralisch tadelig, das zu verhindern? Ich bin sehr kritisch eingestellt gegenüber der marktradikalen Schock-Strategie z.B. in Chile und im Irak und da haben die USA bestimmt nicht nur Wohltaten für die Bevölkerung erreicht. Aber wieso soll ich nicht trotzdem generell dafür sein, dass Terrorismus und Totalitarismus bekämpft werden? Ich kritisiere immer wieder gern das „Wie“ des Krieges und des Aufbaus in Krisengebieten, aber nicht, die Interventionspolitik an sich. Unbedingter Pazifismus führt nur dazu, dass gefährliche Ideologien sich mit waffengewallt ungehemmt ausbreiten.

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