Ethik für alle

Menschen haben verschiedene Meinungen über das gute Leben. Nicht nur in Bezug auf sich selbst, sondern auch in Hinblick darauf, wie alle anderen Menschen leben sollten. Welches Verhalten ist richtig und welches ist falsch? Philosophen haben sich jahrtausendelang die Köpfe darüber zerbrochen.

Und hier ist das Ergebnis:

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13 Kommentare zu „Ethik für alle

  1. Ethik hängt von bewussten Lebewesen ab, das sind zunächst einmal wir Menschen. Ein Stein braucht keine Ethik. Ein glückliches Leben zu führen, das ist ein universelles menschliches Verlangen, also eines, das bei jedem Menschen von Natur aus eingebaut ist. Das Verlangen nach und somit der Wert der Glücklichkeit ist in Bezug auf den Menschen (= relativ) folglich objektiv gegeben. Darum ist eine Ethik, die auf dem Streben nach Glücklichkeit beruht, objektiv.

    Für mich ist das immer noch eine Vergewaltigung der Sprache. Ich kann mich wissenschaftlich, sprich deskriptiv, mit der Moral, den Wünschen und der Natur der Menschen auseinandersetzen. Das ist dann so objektiv, wie eine Wissenschaft halt ist.
    Hier passiert aber noch mehr, hier wird nicht nur beschrieben, hier wird aus diesem empirischen Sein auf ein Sollen geschlossen und uns das Ganze als „irgendwo offensichtlicher Fakt“ untergejubelt.
    Wie der aufmerksame Leser aber bemerkt verlassen wir hier die Objektivität und die Ethik „für alle“. Ein religiöser Mensch mag zum Beispiel einwenden, dass es nicht das Ziel der Menschen sein soll, so viel Glück wie möglich zu erleben, sondern dass das Leben eine Prüfung ist und es besonders Edel ist viel Leid auf sich zu nehmen und dieser Hedonismus überwunden werden soll. Ein buddhistisch angehauchter Esoteriker wird etwas von Karma faseln.
    Das funzt einfach nicht.

    1. Du nimmst das von Anfang an nicht ernst. Lies es doch mal aufmerksam durch, denn deine Einwände werden bereits im Text beantwortet. Allmählich wird diese Verteidigung des Relativismus zur Besessenheit.

    2. Doch, ich dachte wenn du dich schon traust noch so einen Artikel zu veröffentlichen, dann kommen jetzt bestimmt die Hammerargumente, also habe ich das aufmerksam gelesen, aber irgendwie hat es mich nicht überzeugt.

      Ich bin auch kein Relativist, in dem Sinne, dass mir alles gleich wäre. Genau so wenig, wie ich ein 50:50 Agnostiker bin.
      Ich kann für meine moralischen Überzeugungen einstehen und kämpfen, obwohl ich weiß, dass sie nicht „objektiv“ sind. Gerade deshalb versuche ich sie zu intersubjektiven Werten zu machen. In der Praxis macht das keinen Unterschied.

    3. @piyd:
      „…Hier passiert aber noch mehr, hier wird nicht nur beschrieben, hier wird aus diesem empirischen Sein auf ein Sollen geschlossen und uns das Ganze als „irgendwo offensichtlicher Fakt“ untergejubelt…“

      Richtig, das ist eben der Punkt!

      @ethik für alle:
      „…Biologisch sinnvoll ist dieses Verhalten, weil ein Individuum sich nur fortpflanzen kann, wenn es überlebt und lebenskräftig ist. Aus diesem Grund sind Organismen auch darauf programmiert, für ihr persönliches Überleben und Wohlergehen zu sorgen. Die Grundannahme des ethischen Realismus, dass Menschen von Natur aus ihr Wohlergehen (Wohlbefinden, Glück) anstreben, steht also durchaus auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament. Es wäre jedoch falsch, den ethischen Realismus einfach mit dem Hedonismus, oder seinem modernen Nachfolger, dem Utilitarismus, gleichzusetzen. Nur der Ausgangspunkt ist derselbe. Vielmehr streitet man sich darüber, wie das Wohlbefinden aller Menschen zu erreichen wäre.…“

      => hier wird ganz klar vom Sein auf das Sollen geschlossen. Gut ist, was natürlich ist bzw. was „…biologisch sinnvoll…“ ist.

    4. Und wieder muß ich piyh beipflichten. Ich habe den Text noch mal genau gelesen, deshalb glaube ich, darf ich es auch. Ich fasse mich auch so kurz wie möglich.

      Zunächst einmal verstehe ich es von einem naturwissenschaftlichen Standpunkt aus nicht, weshalb von vornherein Ethik auf Lebewesen mit Bewußtsein eingeschränkt wird? Nicht nur, daß Bewußtsein naturwissenschaftlich schwer zu fassen ist. Wenn ich ernst nehme, daß es keine Seele oder etwas derartiges gibt, dann sollte es auch keinen prinzipiellen Unterschied zwischen dem Streben eines die Syhilis auslösenden Bakteriums nach bestimmten biochemischen Zuständen (frei von Ethik?), und dem Streben des Menschen nach bestimmten biochemischen Zuständen, die Glück bedeuten, (mit Ethik?) geben?

      Und dann ist in diesem Text der Knackpunkt im Gegensatz zum ersten gut festzumachen:
      „Das Verlangen nach und somit der Wert der Glücklichkeit ist in Bezug auf den Menschen (= relativ) folglich objektiv gegeben. Darum ist eine Ethik, die auf dem Streben nach Glücklichkeit beruht, objektiv.“
      Vieleicht wäre es hilfreich, doch noch mal ganz klar zu stellen, was mit „relativ“ gemeint ist. In dem Sinn, wie ich es verstehe, kann ich diesen Schluß vom Sein auf Sollen nämlich nicht nachvollziehen.

      Schon die Annahme, daß alle Menschen nach Glück als einem Zustand des Gehirns streben, halte ich für so vereinfacht, daß ich sie spontan nicht akzeptiere. Denn man kann ja, wie in der Ethik gerne gemacht, an Extremsituationen denken. Etwa an eine Mutter, die ihre letzte Kraft aufwendet, um gerade noch ihr Kind aus einem brennenden Haus zu retten, und dabei in Kauf nimmt, sich selber nicht auch noch retten zu können und gleich in den Flammen umzukommen. Eine solche Frau strebt sicherlich nicht nach „Glück“ in einem solch einfachen Sinne.

      Nehmen wir aber an, es sei tatsächlich objektiv nachzuweisen, daß alle Menschen nach Glück streben. Um dann daraus „objektiv“ zu folgern, daß es auch ethisch „gut“ ist, daß sie das tun, bräuchte es einen logischen Schluß (und das ist mehr als nur eine prakmatische Entscheidung!)
      Alle Menschen streben nach Zustand x ->
      Es ist gut, nach Zustand x zu streben
      (Und dieser Schluß dürfte für Tiere und Steine nicht gelten)
      Die Gültigkeit eines solchen logischen Schlusses sehe ich nicht, und im Text wird dieser Punkt auch nicht weiter erörtert.

  2. Willst du damit sagen, dass du uns die guten Argumente aus dem Buch verschweigst?

    P.S.:
    „Streben“ ist für mich ein Zustand, der Bewusstsein voraussetzt. Lebewesen mit Bewusstsein neigen allerdings dazu Prozessen in der Natur ein ihnen innewohnendes Streben zuzuschreiben.

    1. „Willst du damit sagen, dass du uns die guten Argumente aus dem Buch verschweigst?“
      🙂

      Die Taktik „Wenn ihr nicht versteht, müsst ihr halt richtig lesen. Oder halt DAS Buch“ begegnet einem übrigens durchaus auch in der Diskussion mit religiösen Menschen… (Aber solche Scherze werden hier bestimmt gar nicht geschätzt…;-) )

      „„Streben“ ist für mich ein Zustand, der Bewusstsein voraussetzt. Lebewesen mit Bewusstsein neigen allerdings dazu Prozessen in der Natur ein ihnen innewohnendes Streben zuzuschreiben.“
      Ok, darauf wollte ich nicht hinaus. Mir scheint es grundsätzlich interessant, mal zu fragen, ob man das menschliche Bewußtsein, inklusive des Willens und einer Vorstellung von zielgerichtetem Handeln, für komplett auf naturgesetzliche Prozesse zurückführbar hält oder nicht.
      Wenn nein, dann muß man sich fragen lassen, wieso denn dann etwas in diesem Sinne von der Natur unabhängiges durch die Ethik zwingende (oder „objektive“) Ziele aus der Naturbeobachtung bekommen sollte?
      Wenn ja, dann muß man sich fragen lassen, wieso denn Ethik ausschließlich für den Menschen gelten soll? Denn dann wäre ein bewußtes Streben im Grunde auch nur ein durch Naturgesetze erzwungener, quasi „mechanischer“ Prozess, der halt nach freiem Willen aussieht. Im Prinzip wäre es aber nicht verschieden vom Verhalten anderer bewußtseinsloser Lebewesen auch. Ein „Streben“ in Deinem Sinne würde man dann letztlich allen zu Unrecht zuschreiben.
      Tja…

      1. Ihr geht mir einfach auf den Keks, weil ihr euch keine Mühe gebt, die Argumentation überhaupt zu verstehen. Ihr spielt immer wieder die alte Leier vom naturalistischem Fehlschluss ab wie eine Spieluhr.

        „Mir scheint es grundsätzlich interessant, mal zu fragen, ob man das menschliche Bewußtsein, inklusive des Willens und einer Vorstellung von zielgerichtetem Handeln, für komplett auf naturgesetzliche Prozesse zurückführbar hält oder nicht.“

        Ja, aber selbstverständlich!

        „Wenn ja, dann muß man sich fragen lassen, wieso denn Ethik ausschließlich für den Menschen gelten soll?“

        Weil wir Menschen sind! Für uns gilt keine Rotkehlchen-Ethik, weil wir keine Rotkehlchen sind!

        „Denn dann wäre ein bewußtes Streben im Grunde auch nur ein durch Naturgesetze erzwungener, quasi „mechanischer“ Prozess, der halt nach freiem Willen aussieht.“

        Ich habe bereits in meinen Essays über die Willensfreiheit seitenlang ausgeführt, warum diese Deutung Quatsch ist. Das meine ich mit: „Ihr gebt euch keine Mühe“.

      2. Ach ja: Und der Kommentar mit dem heiligen Buch war so richtig unterirdisch. Ihr könnt natürlich davon ausgehen, dass die Argumentation in „Sense and Goodness Without God“ umfangreicher ist und dass dort näher auf eure Einwände eingangen wird. Wenn Argumente für euch dasselbe sind wie Dogmen, und daran zweifle ich inzwischen nicht mehr, dann schließt euch irgendwo ein und werft den Schlüssel weg, aber verpestet nicht meinen Blog mit euren Ergüssen.

  3. Das wäre der eigentlich relevante Abschnitt über Objektivität:

    „Also ist die Ziel-Theorie ein objektives und nicht ein subjektives ethisches System, auch wenn es vollständig von der Natur bewusster Existenz abgeleitet ist; also existiert Ethik nicht unabhängig von der Existenz bewusster Wesen. Obwohl es auf einem essenziell subjektiven menschlichen Verlangen beruht, beruht es auf einem universellen; also ist es objektiv in einem relativen, anstelle eines absoluten Sinnes.“

    Die Ziel-Theorie beruht auf einem universellen menschlichen Verlangen, also ist sie objektiv in Bezug auf den Menschen. Und „in Bezug auf“ ist die deutsche Entsprechung von „relativ zu“, wie ich in den Ausführungen verdeutlicht habe.

    Wenn ich sage „1 + 1 = 2“ dann ist dies objektiv gültig für „ein x plus ein x sind zwei x“, aber nur relativ zu allem, was man eben zusammenzählen kann, damit es zwei ergibt. Zum Beispiel gilt die Rechnung nicht für „Wasser“, weil man nicht „ein Wasser plus ein Wasser ist zwei Wasser“ sagen kann. Ebenso gilt der ethische Realismus objektiv, aber nur relativ zum Menschen.

    Und offensichtlich ist es euch völlig wurscht, ob zwei ausgebildete Philosophen dies sagen, ihr meint trotzdem, ihr wisst besser, was Worte bedeuten (und zufällig genau das, was sie alltagssprachlich, nicht philosophisch, bedeuten). Dabei ist es klassischerweise die Hauptaufgabe der Philosophie, Worte ordentlich zu definieren und sie einheitlich zu verwenden.

    1. „Ach ja: Und der Kommentar mit dem heiligen Buch war so richtig unterirdisch.“
      Ja, ich dachte schon, daß eine solche Reaktion kommt, und konnte es mir doch nicht verkneifen. Ich entschuldige mich, zumindest ein bißchen.

      „Wenn Argumente für euch dasselbe sind wie Dogmen, und daran zweifle ich inzwischen nicht mehr, dann schließt euch irgendwo ein und werft den Schlüssel weg, aber verpestet nicht meinen Blog mit euren Ergüssen.“
      Nein, dazwischen unterscheide ich schon sehr genau. Und ich glaube nicht, daß ich hier schon einmal das Wort „Dogma“ gebraucht habe. Trotzdem bin ich mir irgendwie nicht mehr sicher, ob weitere Kommentare von mir erwünscht sind.

      „Die Ziel-Theorie beruht auf einem universellen menschlichen Verlangen, also ist sie objektiv in Bezug auf den Menschen. Und „in Bezug auf“ ist die deutsche Entsprechung von „relativ zu“, wie ich in den Ausführungen verdeutlicht habe.“

      „Für uns gilt keine Rotkehlchen-Ethik, weil wir keine Rotkehlchen sind!“

      Ok, verstanden. Ehrlich. Sie ist objektiv relativ zum Menschen. Das begrifflich zu verstehen war allerdings auch gar nicht so mein Problem. Sondern eher, daß es, nach dem gleichen Argumentationsschema, eine Rotkehlchenethik, eine Darmbakterienethik, und eine Ethik fallender Steine gibt?

      „Dabei ist es klassischerweise die Hauptaufgabe der Philosophie, Worte ordentlich zu definieren und sie einheitlich zu verwenden.“
      Ja, dieser Ansicht hänge ich auch an. Und die zweite Hauptaufgabe ist es, logische Zusammenhänge und Argumentationsstrukturen aufzudecken. Und damit hapert’s hier meiner Meinung nach.

      „Und offensichtlich ist es euch völlig wurscht, ob zwei ausgebildete Philosophen dies sagen, ihr meint trotzdem, ihr wisst besser, was Worte bedeuten“
      Dazu liegt mir auch ein Kommentar auf der Zunge. Sage ich ihn? Ja, ich sage ihn, dann bin ich mir zumindest sicher, hier persona non grata zu sein:
      Begründungen durch Berufung auf Autorität sind bei religiösen Menschen auch ausgesprochen beliebt!

      Tschüß!

      1. Tschüß.

        Und es ging bei dem Philosophen-Argument darum, dass ihr Carrier und Harris, wie an euren Kommentaren erkenntlich, für vollkommen dämlich zu halten scheint, dass ihr sie gar nicht erst ernstnehmt. Ihr unterstellt ihnen Fehler, die Philosophen einfach nicht machen würden, also ist vielleicht etwas an euren Unterstellungen falsch? Darum gings, das war kein ad hominem. Tatsächlich haben sie eure Einwände schon beantwortet und es interessiert euch nur nicht, weil ihr euer Naturalistischer-Fehlschluss-Dogma penetrant wiederholen müsst. Meine Nerven und meine Zeit sind begrenzt.

        @piyh: Ich lasse mich nicht auf meinem eigenen Blog dumm anmachen. Wozu auch? Wer bezahlt mich dafür, dass ich mir von euch anhöre, was für ein böser Dogmatiker ich doch wäre, weil mich eure absurden Uralt-Pseudo-Gegenargumente nicht sofort überzeugen? Ich habe vor ein paar Wochen selbst noch gegen Harris argumentiert, aber dann meine Meinung geändert, weil er mich überzeugt hat. Dafür war es nötig, ihn erst einmal ernstzunehmen und nicht immerzu die alte Suppe aufzuwärmen, während man Scheuklappen trägt. Wir sind unterschiedlicher Meinung, wer hier religiösen Denkstrukturen folgt.

        In Punkto „Mund verbieten“:
        http://diewahrheit.at/video/poster-haben-keine-rechte

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