Werden Fundamentalisten die Erde besitzen?

Uncle Charles (Plakat: CFI)

Angehörige von isolierten religiösen Gruppierungen haben mehr Kinder als liberale Gläubige und Atheisten. Beispielsweise Ultraorthodoxe Juden, die Amish (Anstieg von 5000 auf 250 000 im letzten Jahrhundert) und Pfingstler erhalten patriarchale Gesellschaftsstrukturen aufrecht. Frauen bekommen wenig Bildung und man erwartet, dass sie Kinder zeugen und sich um den Haushalt kümmern. In der Regel tun sie das auch und darum vermehren sich Fundamentalisten weltweit exponentiell und schneller als alle anderen Menschen.

Der Soziologe Eric Kaufmann kommt in seinem neuen Buch „Shall the Religious Inherit the Earth?“ zu einem niederschmetternden Ergebnis: „Ohne eine Ideologie der sozialen Kohäsion kann der Fundamentalismus nicht aufgehalten werden. Die Religiösen werden die Erde besitzen.“ Und wir reden hier von religiösen Extremisten. Insofern ist es egal, ob der Glaube in den Genen steckt, oder ob er kulturell weitergegeben wird. Denn in kleinen, isolierten Gemeinschaften gibt es keinen Zugriff auf „falsche“ Informationen.

Liberale, ob gläubig oder ungläubig, müssen Konditionen schaffen, die liberale Paare dazu motivieren, mehr Kinder in die Welt zu setzen. So lautet eine Idee von Tom Rees. Eine zusätzliche Option wäre die Auflösung religiöser Parallelgesellschaften. Die Schulpflicht ist bereits eine Einrichtung, die der Bildung von Parallelgesellschaften entgegenwirkt. Stattdessen geschieht das Gegenteil: Die christlichen Fundamentalisten der „12 Stämme“ dürfen in Bayern ihren Kindern Unterricht in ihrer eigenen Privatschule erteilen, als Belohnung dafür, weil sie sich lange genug nicht an die Schulpflicht gehalten haben. Und in NRW, in Niedersachen und in anderen Bundesländern verdrängen christliche Privatschulen überall die staatlichen Schulen. Nicht ursprünglich aus religiösen Gründen, sondern weil es da weniger Ausländer gibt. Aber das ist egal, weil die Religion gleich mitgeliefert wird.

Tom Rees geht davon aus, dass obendrein zwar nicht die Gene für Religiosität (die es nicht gibt), aber die Gene für eine In-Group-Mentalität in solchen Gemeinschaften stärker vererbt werden. Also werden Menschen von Natur aus immer reaktionärer.

Wie schon beim Karikaturenstreit lässt sich die freie Gesellschaft durch religiösen Terrorismus erpressen. Insofern ist es wahrscheinlich, dass die Welt in ein paar hundert Jahren wieder aus kriegerischen Stämmen bestehen wird.

Quelle: Evo-Magazin

13 Kommentare zu “Werden Fundamentalisten die Erde besitzen?

  1. gwendolan sagt:

    Ich denke auch, dass eine staatliche Schulpflicht und ein (sehr) klein halten von Privatschulen längefristig der einzige weg ist, eine vernünftige Gesellschaft beisammen zu halten. Wenigstens in der Schule sollten die Kinder hören, wie die Welt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) wirklich ist.

  2. Bärli sagt:

    Na ja, ich ermutige da sehr, mehr Kinder zu bekommen. Da muss man anfangen, nicht in der Schule. Also.

  3. Mike sagt:

    Privatschulen sind nicht das Problem, denen kann man entsprechende Auflagen machen. Z.B. eben dass keine Religion gelehrt werden darf. Dieselbe Auflage sollte man auch den Eltern machen. Aber das ist leider beides nicht der Fall. Im Gegenteil, zumindest in der Schweiz ist es den Eltern per Gesetz explizit erlaubt ihre Kinder religiös zu indoktrinieren.

    • Bärli sagt:

      Na, das wird dann ja ein richtig super Überwachungsstaat. „Haben die Eltern ihren Kindern etwas über Gott oder Jesus gesagt?“ Aber im Gegenzug dürfen dann Atheisten ihren Kindern auch nie etwas Negatives darüber sagen. Mal drüber nachgedacht, dass Eltern ihre Kinder immer erziehen, beeinflussen. Und sogar dann, wenn sie gar nichts sagen würden. Es gab und gibt genug Staate, in denen jede religiöse Erziehung verboten war/ist. Es waren allesamt Diktaturen. Und da ist dann auch noch viel mehr verboten.
      Ich wurde übrigens nie religiös „indiktrieniert“, niemand hat mich zum Kirchgang usw. gezwungen oder mich dafür belohnt. Es war meine eigene Entscheidung. Die entsprechenden Einflüsse kamen so ab meinem 16. Lebensjahr.
      Zu einer Demokratie gehört auch Religionsfreiheit.
      Nicht vergessen: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

      • Bärli sagt:

        Sorry, ich meinte natürlich „indoktriniert“
        Bärli wünscht allen einen schönen Sonntag.

      • cafedurst sagt:

        Tja, was soll ich sagen, mit 16 Jahren ist man für Mist sehr anfällig. Hast du es ersatzweise mal mit Drogen probiert? Soll auch helfen, die Augen vor der Realität zu verschließen.

        Nix für ungut
        Cafedurst

      • Amazone sagt:

        A propos Drogen: Nina Hagen ist „Gott“ ja bekanntlich auf einem LSD-Trip erschienen…
        Mit 16 war mir schon klar, dass diese Gott-/Jesus-Story nicht stimmen kann, und das obwohl ich christlich erzogen wurde. Manchen Menschen scheint logisches Denken eben schwerer zu fallen als anderen, und diese sind eine willkommene Beute für alle möglichen Religions- und Esoterikverkäufer.
        Was passieren kann, wenn man Kinder belügt, sieht man am Beispiel der 12-jährigen, die in Frankreich in einer Kirche immer wieder Feuer gelegt hat, weil ihre Schwester bei einem Autounfall gestorben ist und „Gott“ nicht auf sie aufgepasst hat. Es gibt keine Geister, die jemanden beschützen und solche Irrlehren haben an Schulen nichts verloren. Schlimm genug, mit welchem Unsinn Eltern ihre Kinder verdummen.

  4. knutsen sagt:

    Mit der gleichen Argumentationslinie wurde vor 100 Jahren argumentiert. Die Armen und kriminellen Schichten bekommen mehr Kinder als die gut gebildeten. Das würde zur Verdummung und Verwahrlosung der Gesellschaft führen. Das Gegenteil ist eingetreten.

    Religiöse bekommen in Europa und Nordamerika auch am meisten Kinder. Trotzdem ist der Atheismus auf dem Vormarsch.

    Der hier diskutierte Mechanismus ist zweifellos vorhanden. Aber es gibt noch eine Reihe weitere, die die Enzwicklung entscheidend beeinflussen.

    • derautor sagt:

      Die Armen leben nicht in Parallelgesellschaften, wo man sie mit fundamentalistischen Ideologien indoktriniert. Das ist etwas ganz anderes.

  5. cafedurst sagt:

    Komisch ist, daß die Leute, die Religionsfreiheit für Ihren Aberglauben einfordern, bestimmt nicht die Anschauung anderer tolerieren würden, wenn sie Macht dazu hätte. Schon mal von einem toleranten Zeugen Jehovas gehört? Oder einem toleranten orthodoxen Juden, Ostchristen und wie die Spinner sich alle nennen. Schaut man sich die Geschichte an, hat Religion mehr Menschen auf dem Gewissen als Nikotin und Alkohol. Sie lernen es nicht. Und ich habe den Verdacht, daß die Führer dieser Spinner selbst nicht glauben.
    Gruß aus Düsseldorf
    cafedurst

  6. Tanja sagt:

    /zynismus ein
    Da religiöse Fanatiker dazu neigen, sich gegenseitig umzubringen, mache ich mir da eher wenig Sorgen.
    /zynismus aus

    Erschreckend.

    • pufaxx sagt:

      @Tanja: So zynisch find ich das gar nicht …

    • pufaxx sagt:

      Erschreckend finde ich, dass für die meisten religiösen Fanatiker GAR KEIN Glaube deutlich schlimmer ist, als der falsche. Wenn’s blöd läuft, kriegen zuerst Ungläubige von allen Seiten eins auf den Deckel, bevor sich die Gläubigen gegenseitig dezimieren.

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