Robin Hood für Religioten

"Gott, es ist so, als wäre jeder, mit dem ich jemals geschlafen habe, hier." (Gewinner des CFI-Blasphemiewettbewerbs)
"Gott! Es ist so, als wäre jeder, mit dem ich jemals geschlafen habe, hier." (Gewinner des CFI-Blasphemiewettbewerbs)

Sie nehmen es vom Steuerzahler und geben es dem Klerus: Politiker aller Parteien, welche die staatlichen Zahlungen an die Kirchen nicht einstellen wollen.

Warnung: Polemik!

(Neue Idee: Ich versehe die bösen Beiträge mit Warnhinweisen. Vielleicht ist das ein Kompromiss.)

Aktuell ist eine Debatte über das Thema Kirchenfinanzen im Gang. Die Kirchen finanzieren sich nicht nur durch freiwillige Kirchensteuern, sondern auch durch Zahlungen aus allgemeinen Einkommenssteuern. Obwohl bereits in der Weimarer Reichsverfassung (deren entsprechender Paragraph laut GG noch gilt) eine Ablösung dieser Zahlungen vorgesehen ist und obwohl es sich ganz offensichtlich um eine Verhöhnung der Trennung von Staat und Kirche und um einen Angriff auf die freie Gesellschaft handelt, will nur eine Minderheit der Politiker aus SPD und FDP die Zahlungen einstellen. In der WELT heißt es heute:

Alois Glück spricht von einem „populistischen Selbstläufer“, aber einem mit wenig Substanz. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und ehemalige CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag meint die von einigen FDP-Politikern in Gang gesetzte Debatte über eine Verringerung oder gar „Ablösung“ historisch begründeter staatlicher Zahlungen an die Kirchen, die sich in Deutschland auf 460 Millionen Euro jährlich summieren. „Hier geht es nicht um ein Kernproblem des Staates“, sagte Glück der WELT.

Es ist eine derart vorhersehbare Reaktion, hier von „Populismus“ zu sprechen und das Problem kleinzureden, dass es einem nur noch schlecht werden kann. Was kommt denn als nächstes? Schieben sie die Debatte auf die bösartige Enthüllung des kirchlichen Missbrauchs, bei dem die Enthüllung das eigentliche Verbrechen ist, und nicht das Verbrechen?

In Nordrhein-Westfalen ist eine Veränderung des Systems der Staatsleistungen „offiziell gar kein Thema“, wie Prälat Karl-Heinz Vogt, Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf, der WELT bestätigt. Es gebe seitens der Regierung keine Anfrage zu dieser „schwierigen Materie“. Der Prälat gibt sich gelassen, was die Wirksamkeit des Vorstoßes von FDP-Politikern, darunter der Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki, angeht: Er habe den Eindruck, dass nachdem der Kindesmissbrauch durch Kleriker aus den Schlagzeilen verschwinde, ein neues emotionales Thema gesucht werde.

Ja, was auch sonst? Das eigentliche Problem am Kindesmissbrauch durch Kleriker ist nicht der Kindesmissbrauch durch Kleriker, sondern die angeblich sensationslüsterne Berichterstattung über so ein „emotionales Thema“. Kinder vergewaltigen ist kein Ding, es sei denn, es kommt heraus. Obwohl: Auch dann ist es kein Problem, nur das Herauskommen,  das ist das Problem, denn mit dem „Out of the Closet“-Getue hatten sich die Kirchen noch nie anfreunden können.

Die Debatte über die Kirchenfinanzen soll  eine „schwierige Materie“ sein (= langweilig, braucht die Leser nicht zu interessieren), aber auch ein „emotionales Thema“ (= sensationslüstern, niveaulos). Aber es ist ja nicht neu, dass die Kirchen zwei Gesichter haben und so kann es vorkommen, dass sich ein Kirchenfunktionär mit seinem Doppelgänger verwechselt, der mit der gegenteiligen Logik argumentiert.

Justizminister Busemann kontert kühl: Die Rechtslage zwischen Staat und Kirche sei durch Staatsverträge geklärt. Daher sehe er „keinerlei Diskussionsbedarf“.

Es ist wie mit den Nürnberger Rassegesetzen. Die waren gesetzlich geregelt, also gab es da keinen Diskussionsbedarf. Wenn es erstmal Verträge gibt, dann ist auch alles in Ordnung und offensichtlich ergibt es keinen Sinn, darüber zu diskutieren. Wenn die Taliban einen Vertrag mit örtlichen Mullahs abschließen und sie gemeinsam Frauen steinigen, dann ist das eben ein Vertrag und insofern ist alles klar. So wird vorgesorgt, damit niemand auf die Idee kommt, eine Diskussion wäre vielleicht doch sinnvoll:

So tritt der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller dafür ein, die Bischofsbesoldung neu zu regeln, damit es nicht so aussehe, als würden die Oberhirten vom Staat bezahlt. In Wirklichkeit seien die staatlichen Dotationen die Renditen aus den enteigneten Kirchengütern. Die Veränderungen sollen so behutsam vonstatten gehen, dass das Konkordat zwischen Bayern und dem Heiligen Stuhl nicht im Kern getroffen wird: „Entflechten ja, Auflösen nein.“

Es soll für die Öffentlichkeit also „nicht so aussehen“ als würden die Oberhirten vom Staat bezahlt – obwohl sie weiterhin vom Staat bezahlt werden sollen. Die katholische Kirche ist ja der große Vertuschungsexperte, ich bin insofern zuversichtlich, dass sie ihren Job als Illusionskünstler weiterhin gut machen wird, während sie sich an unseren Hinterteilen verlustiert. In der Märkischen Allgemeinen erfährt man weiteres:

Susanne Melior, religionspolitische Sprecherin[der SPD, AM] und bekennende Christin, hielte ein Abschmelzen der Zahlungen für ein fatales Symbol. „Das wäre ein ganz schlechtes Zeichen 20 Jahre nach der Deutschen Einheit, für die die Kirchen einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet haben“, sagt sie.

Schaut doch, wie toll die Kirchen sind! Die haben die Wende herbeigezaubert! Die müsst ihr weiterhin von euren Steuern finanzieren, auch wenn ihr glaubt, dass es tatsächlich eine Bande von Heuchlern, Lügnern und Räubern ist, welche die Menschen dumm halten, ausbeuten und Anhänger eines anderen oder keines Glaubens für ihre Zwecke prostituieren. Weiter in der Märkischen:

Beate Blechinger, Kirchenbeauftragte der CDU, hält Forderungen nach einem Ende der Staatszahlungen für „abwegig“. Die Kirche sei auch für nicht-religiöse Menschen das Zentrum der Gemeinde. Sie verweist auf die karitativen Aufgaben der Kirchen, auf ihre Bedeutung für das Gemeinwohl. „Die Kirche kümmert sich um die, um die sich sonst keiner kümmert“, so Blechinger. „Wer da die Axt ansetzt, macht viel kaputt.“

Die Kirche ist auch für nichtreligiöse Menschen das Zentrum der Gemeine? Aber natürlich! Schließlich ist der NPD-Parteitag auch der Parteitag für Nicht-Nazis. Moscheen sind die Gemeindezentren für Christen, Schwimmbäder die Planschbecken für Nichtschwimmer, Steakhäuser die Restaurants für Vegetarier und Bordelle sind der Vergnügungspark für Impotente.

Aber Realität und Christentum, das hat ja noch nie gut zusammengepasst. De facto sieht die Lage anders aus als im Kopf von Blechinger: Die Kirchen kümmern sich um NICHTS, der STAAT zahlt 98% VON CARITAS UND DIAKONIE. Er zahlt außerdem religiöse Privatschulen, den Religionsunterricht, Militärseelsorger, Bischöfe und SO GUT WIE ALLES ANDERE, was eigentlich die Kirchen zahlen müssten! Wer da die Axt ansetzt, der kann nur das Richtige treffen!

Wenn eine Debatte zur Abschaffung oder Veränderung der Dotationen angestoßen wird, dann müsse diese sehr differenziert geführt werden, sagt Martina Richter, Sprecherin des Erzbistums Berlin. Und: „Alle Beteiligten können mit der bisherigen Lösung gut leben.“

Die Steuerzahler, die für sie blechen müssen, sind für die Kirchen nicht einmal Beteiligte! Nur die Politiker und sie selbst zählen, die alte Allianz von Staat und Kirche!

Aber die konfessionsfreien und andersgläubigen Steuerzahler können damit nicht gut leben und das werdet ihr zunehmend laut zu hören bekommen, irgendwann so laut wie die Posaunen vor Jericho, dann fallen eure Tempel zusammen und wir tanzen auf ihren Trümmern, Hallelujah!

12 Kommentare zu „Robin Hood für Religioten

  1. Thomas Paine:
    „Wenn ein Unrecht nur lange genug hingenommen wird, hält man es schließlich für Rechtens.“

  2. Geld, Macht und Kinderärsche -das ist das was diese Pfaffenbrut letzenendes interesssiert!

  3. Beste Stelle meiner Meinung nach: „Schließlich ist der NPD-Parteitag auch der Parteitag für Nicht-Nazis. Moscheen sind die Gemeindezentren für Christen, Schwimmbäder die Planschbecken für Nichtschwimmer, Steakhäuser die Restaurants für Vegetarier und Bordelle sind der Vergnügungspark für Impotente.“

    Selten treffenderes gelesen 🙂

    Selten zynischeres als folgendes übrigens auch nicht: „‚Hier geht es nicht um ein Kernproblem des Staates'“

    Neeeeeeeein, sicher nicht. Ein Staat mit einer riesigen Verschuldung wo an allen Ecken und Enden und vor allem an sozialem gespart wird, der hat sicher wichtigere Probleme als 3 stellige Millionenbeträge an Kirchen für Enteignungen die 197 Jahre zurückliegen…

    War da nich sowieso irgendwas faul? Ich mein da klingelt was, dass die ‚kirchlichen‘ Besitztümer die dem Reichsdeputationshauptschluss zum Opfer fielen im Grunde nicht viel mehr waren als staatliche Leihgüter aus Zeiten als eben Staat und Kirche NOCH enger verbandelt waren…

    1. Für die eigenen Zwecke Lügen gehört doch zum Berufsethos der Pfaffen und deren Sympatisanten. Also brauch man sich über solche Phrasen auch nicht wundern.

      1. liege ich falsch oder stimmt es, das den Kirchen große Teile ihrer angeblich enteigneten Güter gar nicht gehörten? das sie nur Lehnsherren waren?

  4. Da hab ich den Herrn Glück doch immer für einen vernünftigen Menschen gehalten,
    aber er ist halt auch nur streng katholisch.

  5. Kirchen beruhen auf dem Glauben an einen Gott, den mal einer behauptet hat, weil er sagte, er habe eine Offenbarung gehabt. Offenbarungen lassen sich nicht von Halluzinationen unterscheiden. Sie sind also Halluzinationen.

    Steuern für Halluzinationen sind nicht begründbar.

  6. Guten Tag,

    und wo ist jetzt die Polemik? Das ist doch einfach nur die Wahrheit, nichts als die Wahrheit, die reine Wahrheit und da kann uns keiner mehr helfen.

    Gruß

  7. Betbudenbetreiberei ist auch nur ein Gewerbe, ein ziemlich übles zudem. Es ist an der Zeit Betbudenbetreiber anderen Gewerbetreibenden gleichzustellen. Insbesondere die Steuergesetze und das Produkthaftungsgesetz sind anzuwenden. An ihren Produkten sollt ihr sie erkennen. Hitler, Franco und Mussolini waren z.B. kath. Produkte.

    Die Eigentümer einer Sache haften in der Regel für die Scheisse, welche durch die Sache entsteht. Wem gehört die kath. Kirche? Niemanden, denn für die Scheiße die die kath. Kirche anrichtet, haftet in der Regel niemand. Man könnte daher das Vermögen der kath. Kirche entschädigungslos einziehen, weil niemanden etwas weggenommen würde.

  8. Unter dem vorletzten Zitat hat sich ein kleiner Rechtsschreibfehler eingeschichen: „Die Kirche ist auch für nichtreligiöse Menschen das Zentrum der Gemeine?“

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