Mein Erweckungserlebnis

The Dark SideIch lese gerade ein weiteres Buch über Evangelikale und vor allem die Erweckungserlebnisse der „wiedergeborenen Christen“ haben mich fassungslos zurückgelassen. Fassungslos angesichts einer so bereitwilligen Kapitulation gegenüber emotionaler Exaltation in besonders angespannen Lebenslagen; willkürlich interpretierte Hochgefühle verändern das Leben von Menschen, aber nur von Menschen, die ihren Verstand noch niemals benutzt haben.

Diese über die Maßen peinlichen Erweckungserlebnisse erzählen sie jedem, der sie hören will, und allen, die sie nicht hören wollen. Da solche Geschichten offenbar sehr überzeugend sind, habe ich im folgenden atheistische Versionen von einem Erweckungserlebnis und von einer Bekehrung am Sterbebett geschrieben. Was die können, kann ich schon lange!

Mein Erweckungserlebnis

Ich war einst ein schlimmer Sünder; ein Christ, der gegen Homosexuelle, Ungläubige und Abtreibung wetterte. Bis ich eines Tages wiedergeboren wurde.

Es war eine einsame, tiefschwarze Nacht. Der Regen strömte auf meine Windschutzscheibe, als ich vom Christian Rock Festival nach Hause fuhr. Ich machte mir Sorgen, ob mein neuer „Jesus ist super“-Sticker abgewaschen werden könnte, als auf einmal mein Wagen stehenblieb. Er ließ sich nicht wieder starten. Ich zog mir eine Mütze auf und verließ das Auto, es donnerte.

Ich klappte die Motorhaube auf und suchte mit meiner Taschenlampe nach dem Fehler. Auf einmal flackerte die Lampe und ging aus. Ich sah nichts mehr. Da donnerte es wieder und ein greller Blitz erhellte ein Plakat am Straßenrand. Es warb für den „Gotteswahn“ von Richard Dawkins. In diesem Augenblick sprang mein Auto wieder an.

Da wusste ich: Gott wollte mir etwas sagen. Er wollte mir sagen, dass er nur eine Wahnvorstellung in den Köpfen der Gläubigen ist, ein Gotteswahn. Dieses Erlebnis veränderte alles für mich. Schon am nächsten Tag besorgte ich mir Bücher über Wissenschaft und Philosophie, eine neue Welt tauchte auf am Horizont!

Heute bin ich Atheist.

Danke, Richard Dawkins!

Die Bekehrung am Sterbebett

Mein Vater war stets ein gläubiger Mann gewesen und auch in seinen letzten Stunden sollte ihm dieser Glaube Trost spenden, glaubte ich wenigstens. Doch wie erstaunt war ich, als er mich zu sich rief, und wir unser letztes Gespräch führten:

„Mein Sohn!“

„Vater! Soll ich den Pfarrer rufen?“

„Bloß nicht! Es ist eine Tragödie. Mein Leben habe ich dem Herrn geopfert und ich habe mir nicht einmal ernsthaft angehört, was seine Kritiker sagen. Erst die letzten Wochen habe ich ihre Bücher gelesen, um in Zeiten größter Pein die Stärke meines Glaubens unter Beweis zu stellen. Stattdessen wurde mir langsam klar: Sie haben recht, es gibt keinen Gott!“

„Aber Vater!“

„Warte, Sohn! Mein Leben habe ich verschwendet mit der Ideologie eines Wüstenvolkes, das nichts wusste über die Welt! Erst jetzt bin ich frei, jetzt, wo ich fühle, wie mich die Lebensgeister verlassen. Mit meinen letzten Worten bekenne ich: Ich leugne den Heiligen Geist, ich leugne Gott und ich leugne seinen Sohn! Lieber zerfalle ich tausendmal zu Staub, als dass ich die Phantome dunkler Zeiten um Gnade anflehe!

Nein. Mein Sohn, nicht der Sohn Gottes, mein Sohn, du sollst mein letzter Gedanke sein!“

Und so umarmte ich meinen Vater. Er war jetzt in einer besseren Welt. Dann starb er.

15 Kommentare zu „Mein Erweckungserlebnis

  1. Bestes Erweckungserlebnis das ich je gehört hab, Fremdschämen garantiert:

    relativ junger Kerl, wohl etwa Anfang 20 erzählt was er doch für ein übles Leben geführt hat in seiner Jugend. Er sei mit „Punkern“ und „Heavy Metal Fans“ rumgehangen und ständig in Kneipen und Discos gegangen um zu rauchen und sich zu betrinken. Und als er so in einer Bar sitzt und sich innerlich lehr fühlt, da kotzt ihm einer vor die Füße, und das Erbrochene formt ein Kreuz.

    Echt jetzt, dass hat der im Brustton der Überzeugung erzählt, und ich befürchte der hat das auch noch ernst gemeint!!!

    1. Yep. Der Hintergrund dieser Erweckungserlebnisse ist auch ein Hauptbestandteil der Monotheismen: Das Bedürfnis der eigenen Wichtigkeit oder sogar Narzissmus.
      Was *war* ich doch so schlimm, einen schlimmeren gabs gar nicht. Und alles ist nur auf ihn persönlich gemünzt, jeder Pups, den die Natur oder ein anderer Mensch macht.

    2. *mööpp* da gehört aber schon einiges an selbstbeschränktheit dazu…ich nehme an, der betroffene ist jetzt natürlich nichtraucher, antialkoholiker (Abendmahl????) und das „rockigste“ was er noch hört, sind Gospel.Chöre?

      1. Naja, oder halt „White Metal“ 😉

        Keine Ahnung, war kein persönliches Gespräch sondern hab das damals nur als Unbeteiligter mitbekommen. Entsprechend hab ich den Typen nie wieder gesehen, aber ich vermute auch dass unsere Interessen ohnehin auseinandergingen.

  2. Sehr traurig!
    Wenn die Kritik nur darin besteht, sich über Erlebnisse und Überzeugungen Anderer lustig zu machen, dann hat das extrem wenig mit Vernunft zu tun! Was für Punkte berührt das denn, dass man so wettern muss? Erwarten, dass Andere alles tolerieren und akzeptieren und selbst so intolerant und ignorant schreiben – kein Vorbild, an das man sich halten möchte!
    Und seltsamerweise hört man von solchen Erlebnissen, wie sie hier ausgedacht sind, sehr wenig. Offenbar gibt Spott und Hohn am Ende sehr wenig Halt! Darüber würde ich mal nachdenken. Rechtzeitig!

    1. Das klingt echt so, als hättest du das aus einem christlichen Apologetikkatalog ausgeschnitten und hier reingeklebt. Wann immer jemand Argumente bringt oder subversiv Zweifel anmeldet an der Bedeutung von „religiösen“ Erfahrungen, dann kontert ihr mit „Intoleranz“, als wäre jede Kritik „intolerant“. Ich toleriere wiedererweckte Christen durchaus, ich halte nur nichts von ihren unreflektieren Stories und Glaubenssätzen.

      Und dieses schöne „rechtzeitig“ am Ende. Denn wenn ich es nicht mache, dann… komme ich in die Hölle! Aber ich habe mir schon im griechischen Elysium, einem anderen mythologischen Ort, einen Platz reserviert. In der Tat erstaunlich, dass jemand meint, er könnte Atheisten mit der Hölle erschrecken, obwohl wir die für eine Fiktion halten.

      1. Theisten halten ihre Überzeugungen für Unantastbar, selber ziehen sie aber über die Religionen her… Atheisten sind in ihren Augen Hetzer – das ist schlimm, da so nie ein objektiver und rein sachlicher Dialog zu stande kommen kann…

    2. religioten schwätzen gerne von toleranz, im allgemeinen betrachten religioten toleranz als eine art einbahnstraße. menschen kommen gemeinhin gott- + religionslos auf die erde, bisher hab ich noch keinen religioten erlebt, der dies toleriert hat. wenn religioten ihre kinder verblöden wär intoleranz eine gute sache, aber wer hat schon den mut, schwachköpfigen eltern zu erzählen sie sollen ihren kinder keine scheiße eintrichtern.

      1. Selbstverständlich meint Sie das als Drohung. Nooooch hat derAutor Zeit sein sauerverdientes Geld evangelikalen Strumpfköpfen in den Hintern zu schieben und sich ihrem kranken faschistoiden Weltbild unterzuordnen, damit das liebe Jesuskindchen sich freut. Aber wenn er erstmal stirbt ist es danach zu Spät und er brennt auf EWIG in der Hölle und leidet unerträglich qualen ohne Chance auf Rettung. Aber die liebe Katja hat ihm ja bescheid gegeben, also brauch er sich hinterher nicht beschweren 😉

    3. Was denkst Du denn, was derartige Aussagen Wert sind? So dermaßen dummes Zeug verdient eben nur Spott. Nachdenken, Lernen und der Gleichen wird solchen Leuten doch ständig nahe gelegt.

      Die Sache mit der zweiseitigen Tolleranz und Akzeptanz solltest Du nochmal durchdenken. Dabei solltest Du berücksichtigen welche Aussagen und welche Argumente, Belege, Beweise usw. von jeweils welcher Seite kommen.
      Es ist nämlich keines Wegs so, dass einfach alles tolleriert und akzeptiert werden muss. Ignoranz sowie absichtlich zur Schau gestellte Dummheit verdienen eben keinen Respekt. Den verdient man sich in diesem Fall mit handfesten Fakten. Gibt keine? Tough luck.

  3. Eine Sache, wenn Gott mit dir redet. Eine andere, wenn du dich für die Zahnpasta hältst. Pardon, für Gott. Wieder nicht richtig: wenn du dich für Jesus hältst.

    Der SPIEGEL über die Anthroposophin Judith von Halle:

    „Vier Jahre Nulldiät

    Von Frank Thadeusz,

    Eine Anhängerin Rudolf Steiners behauptet, die Wundmale Jesu zu tragen. Auch habe sie seit Jahren nichts gegessen. Das Urteil einer Anthroposophen-Kommission: Der Fall lohnt die Erforschung.

    Ab Ostern 2004 musste Judith von Halle den Gebrauch von Zahnpasta einstellen. Die Mundpflege führte unerwartet “zu einem Delirium, bei dem ich vier bis fünf Stunden zwischen Leben und Tod schwebte”. Eine in der Schmiere enthaltene winzige Menge Alkohol hatte im Organismus der Berlinerin “heftigste Vergiftungserscheinungen” provoziert.

    Doch Furcht vor Karies und Parodontose waren ohnehin nicht am Platz. Es habe sich unvermittelt herausgestellt, so berichtete die damals 31-Jährige, dass sie überhaupt keine Nahrung mehr zu sich nehmen musste. Selbst leichter Blattsalat brachte sie an den Rand des Kollapses.

    Mit der Einstellung jeglicher Ernährung war die seltsame Wandlung ihres Körpers keineswegs beendet. So hätten sich im Zuge der merkwürdigen Metamorphose auch ihre Sinneswahrnehmungen geschärft wie bei einem Raubtier.

    Plötzlich konnte von ihr bei günstigen Windverhältnissen “exakt gehört werden, was Hunderte Meter entfernt gesprochen wird”. Auch habe sie nun auf wundersame Weise erschnüffeln können, “was in einem fremden Organismus durch den Ernährungsprozess vor sich geht, was vor vielen Stunden gegessen wurde, woher die Nahrungsmittel stammten, welche Beschaffenheit sie hatten, wie sie verarbeitet wurden”.

    Alsbald tauchten zudem blutergussartige Erscheinungen an Händen und Füßen auf, die freilich nur Vorboten eines weit größeren Spektakels waren: Während im Rest der Republik Familien fröhlich ihren Karfreitagsfisch verzehrten, will sie am eigenen Leib den Leidensweg Jesu nach Golgatha nachempfunden haben – einschließlich “der stundenlangen Misshandlungen, Folterungen, schließlich der Kreuzigung und des Todeskampfes” (…)“

    weiter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-58485935.html

  4. die beiden Erweckungserlebnisse sind logischer und schöner als alle Christlichen Erweckungserlebnisse… Ich wurde auch erweckt… als ich als kleines Kind ein Buch über die Wissenschaft las und mir klar wurde, das Religion ein Märchen ist…

  5. Ich habe Rotz und Wasser geheult. Und siehe da, daraus wurde auf dem Tisch ein durchgestrichener Fisch geformt. Auch das kann nur ein Zeichen sein. Halledingsda! Preiset den Herrn und seine Frau!

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