Ein neuer Kulturkampf

Die Kanzlerin macht einen auf Inquisition und verweist kurzerhand alle Nichtchristen außer Landes. Außerdem schlägt sich Merkel mit ihrer Partei auf die Seite der PID-Gegner, die möchten, dass möglichst viele Kinder die kurze Zeit, die ihnen aufgrund von Erbschäden auf Gottes grüner Erde bleibt, in großem Leid und Elend verbringen. Das Sahnehäubchen bildet SPD-Chef Sigmar Gabriel, der die Wahrscheinlichkeit für die Einrichtung des geplanten Arbeitskreises Laizisten in der SPD als „äußerst gering“ einschätzte.

Dann sehen wir mal, wer in diesem Kulturkampf den Sieg davonträgt. Die 10-20% gläubigen Christen, die noch in bayerischen Dörfern Zuflucht finden und dort ihre verbliebenen Dämonen austreiben und die exzentrische Jugendarbeit ihrer Priester vertuschen, oder der Rest!

Ich soll ja nicht immer alles schwarz-weiß malen. Aber in diesem Fall ist es so naheliegend! Ohne Probleme lassen sich im aktuellen Kulturkampf zwei Gruppen herauskristallisieren:

1. Die Idioten (aka CDU/CSU, teilweise Die Grünen)

Auf der einen Seite haben wir die Aus-Lehm-Geformten, die noch nie ein philosophisches Buch gelesen haben, die noch niemals ernsthaft über eine Frage von größerer Bedeutung als die richtige Zubereitung von Garnelen nachgedacht haben.

In ihren Reihen glaubt man an ein notwendiges Glaubensbekenntnis zum christlichen Menschenbild für alle Deutschen. Man fürchtet sich ebenso vor radikalen Muslimen wie vor einer schleichenden Säkularisierung. Und man spricht einzelnen Zellen Menschenrechte zu, ganz egal, welch unnötiges Leid dadurch völlig ohne Grund erzeugt wird.

Sonntags geht man in die Kirche und Montags auf den CDU-Parteitag, dazwischen zwanzig Bier und am Ende wird schon die richtige Entscheidung dabei herauskommen.

2. Die Vernünftigen (aka FDP/SPD-Laizisten)

Die Herausforderer sind mit dem Homo erectus verwandt und stolz darauf. Sie haben schon mal was von Voltaire gehört und der Papa hat sie eines Tages auf den Schoß genommen und ihnen erklärt, was ein liberaler Rechtsstaat ist. Als Kind haben sie mit Chemiebaukästen gespielt und in Teleskope geschaut, während die Kollegen den Leib Jesu schnabulierten.

In ihren Reihen glaubt man an die Trennung von Kirche und Staat. Man richtet sich gegen die Tolerierung der Intoleranz ebenso wie gegen christliche Hegemonialansprüche. Stattdessen wirbt man für „eine republikanische Offensive“ (FDP-Generalsekretär Christian Lindner). Über die Präimplantationsdiagnostik glaubt man: Wenn die Medizin heute in der Lage sei, „im Vorfeld schwere Krankheiten zu erkennen und damit unnötiges Leid zu ersparen, dann sollten wir dieses Wissen nutzen“ (FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger).

Sonntags liest man ein paar Bücher über das gerade umstrittene Thema, Montags diskutiert man mit anderen darüber und hofft am Ende, dass man eine vorläufig akzeptable Lösung gefunden hat.

Meine persönliche Lehre

Ich frage mich seit einer ganzen Weile, wen ich nun wählen soll. Die Grünen sind aufgrund ihrer Unterstützung von Alternativmedizin, ihrer wiederholten Einschleimung bei den Kirchen, ihrer Ablehnung von Gentechnik, ihrem naiven Multi-Kulti-Getue und nun ihrer Ablehnung von PID keine Option.

Die SPD war die längste Zeit mein Kandidat, aber nach der Art und Weise, wie die Sozialdemokraten mit Thilo Sarrazin umgesprungen sind, nach dem wissenschaftsfeindlichen, kommunistischen Quatsch, den Parteichef Sigmar Gabriel über Genetik gesagt hat, seine Leugnung, „dass Menschen genetisch disponiert sind und bestimmte Verhaltensweisen sich nicht etwa kulturell vererben, sondern genetisch, biologisch“ und nun mit seiner Weigerung, die SPD-Laizisten (den Hoffnungsschimmer) zu akzeptieren, entfällt die SPD. Ihre populistische Opposition zum Irak-Krieg war damals schon schlimm genug. Und all das Zeug, das Jan Fleischhauer in „Unter Linken“ über die SPD schreibt, kommt ihnen auch nicht zugute. Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten.

Die FDP ist ebenso wie die Grünen zu oft Kompromisse eingegangen mit der CDU und mit den Kirchen. Aber wenn die FDPler den liberal-laizistischen, wissenschaftsfreundlichen Kurs beibehalten, den sie im aktuellen Kulturkampf eingeschlagen haben, dann werde ich nächstes Mal als Premiere die FDP wählen. Bekanntlich bin ich sowieso nach ultra-hyper-rechts gerutscht im Vergleich zu den meisten organisierten Atheisten, was mich also im moderat-liberalen Spektrum verorten dürfte.

Nun wisst ihr also Bescheid über meine aktuellen Gedankengänge. Hoffentlich war es keine allzu große Zeitverschwendung.

51 Kommentare zu “Ein neuer Kulturkampf

  1. Bebu sagt:

    Leider kann man sich aus den vernünftigen Programmteilen/Ansichten und Personen, die man in der ein oder anderen Partei findet, keine perfekte Partei zusammenstellen. Und so muss man immer irgendeine Riesenscheiße mitwählen, wenn man sich für eine der großen Parteien entscheidet.
    Deshalb verzichte ich seit einiger Zeit dann doch lieber aufs wählen.

    • Jan von nebenan sagt:

      Du gehst aber doch hoffentlich noch zur Wahlurne? Man kann auch wählen gehen, ohne eine Stimme abzugeben… 😉

  2. matthias sagt:

    Also nach Ephraim Kishon (oder evtl. auch jemandem anderem) gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie man seine Entscheidung am Wahltag treffen kann:
    1.) Man wählt das geringste Übel
    2.) Man wählt den (größten) Feind seines (größten) Feindes.
    Momentan würd ichs fast mal mit der Mgk. 2.) versuchen. Es ist so schwer, sich zu entscheiden, wer jetzt das kleinste Übel sein soll.
    Da käm ich dann wohl auf die Grünen (oder evtl. SPD) als Gegenpol zu CDU/CSU. Wird nicht leicht bei der nächsten Wahl…
    Oder natürlich die Piratenpartei. Die hatte noch keine Zeit und noch zu wenig Aufmerksamkeit um so richtig viel Blödsinn zu erzählen.

  3. Detlef3000 sagt:

    Wow das ist jetzt echt das dämlichste das du hier jemals von dir gegeben hast…ok das mit >>Folter in bestimmten Fällen ist ok<< war schon bescheuert…das mit der Kolonialisierung auch…ABER FDP WÄHLEN das schlägt dem Fass echt den Boden aus.
    Nur weil Lindner mal was nicht völlig verblödetes von sich gegeben hat heißt das noch lange nicht das die FDP wirklich für Säkularisierung und Wissenschaftsfreiheit eintritt…Krass das du auf sowas reinfällst.
    Und was für ein Problem hast du mit der Linken?

    • derautor sagt:

      Wenn man den amerikanischen Diskurs nicht kennt, ebenso wer noch nie von „moralischen Dilemmata“ oder von Philosophie überhaupt gehört hat, der kann die Folterdiskussion eben schwer einordnen.

      Der Beitrag über Kolonialisierung war in Ordnung, weil jeder Nicht-Links-Sektierer den richtig verstehen konnte (und richtig verstanden hat). Es war eindeutig genug, dass es um die Verbreitung liberaler Demokratien ging und nicht um die Unterwerfung der Dritten Welt.

      Ich falle auf gar nichts herein, aber ich wähle das kleinere Übel.

      Das hier habe ich gegen die Linken (unter anderem):
      http://www.welt.de/debatte/kommentare/article7938224/Die-Linke-laesst-sich-von-der-Hamas-einspannen.html

      • Martin sagt:

        Yep… das geht mir ähnlich. Nur bin ich inzwischen von der FDP wieder weg. Ich hatte ebenfalls, bei der letzten Wahl in HH, die FDP gewählt. Inzwischen bin ich aber doch wieder arg abgestoßen, sei’s das unsägliche Verhalten Dirk Niebels in Israel, sei’s die falsche „kulturelle Sensibilität“ Westerwelles, vulgo Feigheit oder der alles durchdringende Opportunismus.
        Die FDP ist halt „Liberallalla“ statt „Liberal“.

    • Cabuflé sagt:

      @Detlef: Im ersten Moment war ich ja versucht, dir zuzustimmen, dass die FDP in jedem Fall schlimmer ist als Folter! Dann ist mir allerdings aufgefallen: Scheiße, du meinst das Ernst..?

      Nochmal zum mitschreiben: Wenn jemand schreibt, es könnte unter Umständen gute Gründe geben, MENSCHEN ZU FOLTERN (und das begründet), dann findest du das nicht so wirklich OK, wenn die gleiche Person allerdings schreibt, sie erwäge als einer von Millionen Wählern ein Kreuz auf ein Blatt Papier neben dem Kästchen der FDP zu machen (und das begründet), dann überschreitet das in deinen Augen eine bedeutende politisch-moralische Grenze?

      Na denn Prost!

      • mg23 sagt:

        !… welch unnötiges Leid dadurch „völlig ohne Grund“ erzeugt wird!!

        Hier schreit jemand nach legitimer Gewalt, sonst nichts!

  4. Mo sagt:

    Danke für die Interessanten Aspekte, ich möchte noch ein paar Punkte anmerken:

    1. Die FDP mag von den großen Parteien diejenige sein, aus der am ehesten mal säkuläre Töne kommen (von kirchenkritisch kann man ja leider kaum sprechen) – war aber in den 70ern auf dem Gebiet schonmal deutlich weiter (hat sich gar in den letzten Jahren den Kirchen eher genähert). Und umgesetzt hat Sie soweit ich mich erinnere niemals etwas derartiges?

    2. Volle Zustimmung dazu, dass den 3 „linken“ Parteien Technikfeindlichkeit, Wissenschaftsrelativierung, Esoterik und sonstige welfremde Spinnereien (u.a. auch Religion) leider viel zu oft eigen sind. Von diesem Aspekt also können sie bei mir wohl kaum Punkten (obwohl die Sozialdemokratie eigentlich eine lange kirchenkritische Tradition hatte 😦 )

    3. Mein Dilemma wird sein, dass der Aspekt Wissenschaftsverständniss / Säkularität zwar ein wichtiger aber nicht der einzige Aspekt ist, der meine Wahlentscheidung beeinflußt: Wenn ich die FDP wähle um Trennung von Kirche und Staat und Bürgerrechte zu bekommen verzichten Sie auf dieses Gebiet um ihre wirtschaftlichen Ideen durchzusetzen. Und ich habe leider kein Hotel. Wähle ich die SPD, der ich einen gerechten und doch solidarischen Sozialstaat zutraue… ach lassen wir den Teil, das Auseinanderklaffen der Einkommen, Ausweiten von Zeitarbeit und befristeten Verträgen sind ja unter SPD-Regierungsbeteiligung in den letzten Jahren nicht gerade zurückgegangen.
    Es wird also schwer werden, die wirklichen Folgen einer Stimmabgabe abzuschätzen – insbesondere auf ein spezielles Thema das mir wichtig ist, aber kein Hauptanliegen irgendeiner Partei ist…

    4. Auch mich würde Interessieren wie der Autor die Piraten einschätzt. Als ich mich das letzte mal mit ihrem Programmentwürfen auseinandergesetzt habe, gab es mehrere teils sehr weitgehende Vorschläge zur Trennnung von Staat und Kirche (und leider auch religöse Spinner). Bin aber nicht auf dem aktuellen Stand. Zu Punkt 3 wäre deren Idee der liquid democracy aber eine schöne Idee.

    • derautor sagt:

      Sorry, aber ich werde das Schicksal dieses Landes nicht in die Hände von einer kleinen Raubkopierer-Partei legen. Die haben keinen Einfluss und werden nie einen haben.

      • Fred sagt:

        In den nächsten Jahren wird keine Partei auf ihre christliche/religiöse Attitüde verzichten, denke ich. Sei es, um den unverdienten guten Ruf der Christlichkeit zu respektieren, aus der mehr oder weniger schwammigen Religiösität von meinungsbildenden Parteimitgliedern oder dem elitären Denken von der Notwendigkeit von Religion fürs führungsbedürftige Volk heraus. Wenn Laizismus einem Wähler am Herzen liegt, wird er auf indirekte Aspekte zurückgreifen müssen. In deinem Blog (bin ich mir ziemlich sicher) und auch an anderer Stelle wurden Untersuchungen angeführt, die ein Abnehmen von Religiösität mit z.B. dem allgemeinen Anstieg des Bildungsgrades und des Wohlstandes in Verbindung brachten. Vor einer Wahl wäre also eine Liste aufzustellen, welche Faktoren umgesetzt werden müssten, um mehr Menschen zu einem reflektiertem Umgang mit Religion zu bewegen bzw. deren religiöse Abhängigkeit zu mindern und so der Demokratie ihren langatmigen Lauf zu lassen. Die Partei, welche die wichtigsten Faktoren hierfür umsetzen möchte oder besser: es auch kann, ist somit die indirekte laizistische Partei. Und das könnte mit ein wenig Ironie seitens der nicht existenten Prädestination dann sogar die CDU sein. Was zu untersuchen bliebe.

  5. Papageno sagt:

    Wo bleibt eigentlich die HPD? Die humanistische Partei Deutschlands? Haben die Mastershausener auf sowas keine Lust oder sind die Erfolgsaussichten zu gering, so dass man lieber woanders Energie investiert? So eine Partei wäre doch mal eine Alternative – vorausgesetzt man macht nicht so ein Nischenprogramm wie die Tierschutzpartei oder die Grauen Panther.

  6. Thomas sagt:

    Die FDP tritt laut Wahlprogramm 2009 auch ein für:
    – Ganztagsschulen.
    – Studiengebühren.
    – Mehr Elite-Stipendien aus der Wirtschaft statt mehr elternunabhängiges Bafög.
    – Abbau der staatlichen Kranken- und Rentenversicherungen mit dem Ziel der weitgehenden oder vollständigen Privatisierung.
    – deutlich niedrigere Steuern für Großverdiener (max. 35 Prozent), Unternhemen (max. 25 Prozent), Energieumsatz (dann 7%) und Hotelübernachtungen (von 19% auf 7%, berteits umgesetzt) ohne Konzept zur Gegenfinanzierung.
    – Vollständige Bahnprivatisierung.
    – Kernenergie als unbedingt notwendige. „Übergangstechnologie“ ohne Lösung für das Endlagerproblem.
    – eine Lockerung des Kündigungsschutzes.
    – keine gesetzlichen Mindestlöhne.
    – ein Bürgergeld unter HartzIV-Durchschnittsniveau (pauschale 662 Euro).
    – die vorrangige Rolle Deutschlands bei der Abrüstung in der EU.
    – den sofortigen Abzug der Afghanistan-Truppen, sobald die Lange „sicherer“ ist.

    (Quelle: http://www.bundestagswahl-bw.de/wahlprogramm_fdp.html)

    Sind der Laizismus und die Kriegsbefürwortung einiger weniger FDP-Spitzenpolitiker das alles wirklich wert? Steht die FDP für einen humanistischen Sozialstaat? Oder vielleicht doch eher für eine weitere Spaltung der Gesellschaft durch Priviligierung der Besserverdienenden und daraus resultierende größere soziale Ungleichheit?

    • Martin sagt:

      Naja, das ist wirklich ein Mixed-bag, wobei die schlechten überwiegen.
      Gut finde ich:
      – mehr Ganztagsschulen.
      – Kernenergie als unbedingt notwendige. „Übergangstechnologie“
      – ein Bürgergeld unter HartzIV-Durchschnittsniveau (pauschale 662 Euro).
      (Ich halte Bürgergeld per se für eine völlig debile und zum Scheitern verurteilte Idee)

      Bei Folgenden bin ich unentschlossen bzw. indifferent (sind mir egal), bzw. ich sehe dringenden Reformbedarf, der durchaus auch in die Richtung gehen kann:

      – Studiengebühren.
      – Mehr Elite-Stipendien aus der Wirtschaft statt mehr elternunabhängiges Bafög.
      – Abbau der staatlichen Kranken- und Rentenversicherungen mit dem Ziel der weitgehenden oder vollständigen Privatisierung.

      Und folgende negativ:
      – deutlich niedrigere Steuern für Großverdiener (max. 35 Prozent), Unternhemen (max. 25 Prozent), Energieumsatz (dann 7%) und Hotelübernachtungen (von 19% auf 7%, berteits umgesetzt) ohne Konzept zur Gegenfinanzierung. (mit der Ausnahme der Unternehmenssteuer)

      – Vollständige Bahnprivatisierung.

      – eine Lockerung des Kündigungsschutzes.
      – keine gesetzlichen Mindestlöhne.
      – die vorrangige Rolle Deutschlands bei der Abrüstung in der EU.
      – den sofortigen Abzug der Afghanistan-Truppen, sobald die Lange „sicherer“ ist.

    • derautor sagt:

      Mir passt das sicherlich nicht alles, aber es ist eben die Frage, welche Partei „noch schlechter“ ist als die andere, SPD oder FDP.

      • Julian sagt:

        Das ist aber auch ein Indiz für den Niedergang unsere Demokratie wenn man nur noch wählt, damit eine noch schlechtere Partei weniger Stimmen bekommt (oder eine mir sehr häufig genannte Begründung warum man überhaupt noch wählen sollte: damit die Rechten (aus der NPD) nicht ins Parlament kommen)

  7. El_Mocho sagt:

    Das ist natürlich nur konsequent, irgenwann hast du eben die Positionen der amerikanischen Rechten vollständig übernommen, denen kommt in Deutschland am ehesten die FDP nahe.

    Und dazu gehört natürlich auch die typisch amerikanische Realitätsblindheit, nicht zu mekren, dass alle ihre Kriege verloren gehen und dass ihre Wirtschaft den Bach runter geht. Mal sehen, was sie sich einfallen lassen, wie die USA in 20 Jahren aussehen, wenn die Chinesen ihnen sagen, was sie zu tun haben.

    • Martin sagt:

      Lol…. was Realitätsblindheit scheinst Du allerdings wirklich Experte zu sein 🙂

      • Julian sagt:

        Was ist denn daran realitätsblind? ALso das die USA ihre derzeitigen Kriege gewinnt kann wohl kaum gesagt werden und die Wirtschaftskrise, die ja lange noch nicht ausgebadt ist ist ja wohl auch real?!

      • Martin sagt:

        Na, definiere doch mal „Krieg verlieren“ ?

        Und die Wirtschaftskrise betrifft nur die Amis? Und die Chinesen haben keine größere Immobilienblase und halten ihre WIrtschaft vor allem durch das künstliche Abwerten ihrer Währung am Laufen?

      • Julian sagt:

        Tja kling verlieren ist in dem Fall dass die entsprechenden Regionen nicht wirklich befriedet sind und die Marionettenregime bieten für die meisten keine Perspektive, da diese Staaten kapitalistisch reproduktionsunfähig sind. Klar ist die Krise nicht nur in den USA – habe ich das je behauptet? Aber der ganze Militärapperat muss finanziert werden und die Finanzierbarkeit hat sich daher bald erledigt. Global mit militärischen Mitteln „liberale Rechtsstaaten“ einführen ist (unter den gegebenen Bedinungen) einfach nicht machbar.

    • Martin sagt:

      Ist ja auch echt ein Ding von den blöden Ami-Cowboys, nicht auf die deutschen Durchblicker zu hören 🙂 Werden schon sehen, was sie davon haben!
      Ich find dieses typisch deutsch-vergreint, besserwisserisch, nölig Hausmeisterhaft zukurzgekommene Gequengel wirklich immer zu lustig 🙂

  8. folgsam sagt:

    Ich seh schon ein, dass man, bevor man Grüne und CDU wählt, auch mal die Mövenpick-Partei nehmen kann, aber muss das denn wirklich sein?

    Ich werde, wie auch davor, natürlich die Fortschrittarier wählen.

  9. Martin sagt:

    Leicht OT…. aber weil ich in einem anderen Blog grade wieder die unsägliche Behauptung von den „Gottlosen Nazis“ gelesen habe, habe ich dem Verfasser mal ein Feedback dazu geschrieben. Mich würde interessieren, ob irgendjemand ein plausibles Gegenargument von der Seite der Gläubigen aus zu dem zuletzt angesprochenen Sachverhalt einfällt.

    Hier kurz der entsprechende Teil:
    Der Originaltext:
    „Die gigantischen Verbrechen gegen die
    Menschlichkeit, die im 20. Jahrhundert, unter der Federführung von Bolschewiken und Nationalsozialisten, geschehen sind, wurden im Namen
    der Gottlosigkeit verübt.“

    Und meine Entgegnung. (erst kamen noch ein paar Hitler und Einmann Zitate, der Hinweis auf die Schliessung nicht-religiöser Einrichtungen, aber mein Hauptargument folgt jetzt)

    „…. dann gibt es
    immer noch ein fundamentales Problem mit ihrer Behauptung. Dazu möchte ich kurz etwas herleiten.

    Das Naziregime war ein totalitäres Regime, es versuchte, alle Lebensbereiche zu kontrollieren und in seinem Sinne zu steuern, sowohl das Handeln, als auch das Denken.
    Es ging dabei mit Unterdrückung, Raub bis hin zu extremer Gewalt und Massenmord gegen alle Denk- und Glaubensrichtungen vor, die nicht mit der nationalsozialistischen Ideologie vereinbar waren.
    Ich denke, da sind wir uns Einig?

    Ich denke, meine o.a. Feststellung ist soweit richtig?

    „Und nun gibt es die erstaunliche Tatsache, das Mitte 1939, nach 6 Jahren Gewaltherrschaft, Berufsverboten, Morden und Einlieferungen ins
    KZ für nicht Ideologiekomaptible nach der offiziellen Volkszählung der ev. Kirche, 98,5% der Menschen als gläubig registriert wurden. Davon
    rund 95% Evangelisch, römisch-katholisch oder freikirchlich christlich. Knapp 1,5% waren Nichtgläubig, der Rest gehörte anderen
    Religionen an. Nachzulesen und auch als Faksimile nachgedruckt ist diese Statistik z.B: in dem Buch „Dem Führer gehorsam: Christen an
    die Front!“.

    Und nun wäre es, bevor Sie ihre o.a. Behauptung guten Gewissens wiederholen, m.E. erforderlich, das Sie die erstaunliche Tatsache plausibel erklären, wie unter einem totalitären, mörderischen und
    angeblich gottlosen Regime, zu einem Zeitpunkt in dem es mit voller Machtfülle und großer Zustimmung die Macht innehat, 98,5% der Bevölkerung offiziell als „gottgläubig“ registriert werden.

    Tatsächlich spiegeln die 1.5% offizieller Atheisten ja eher genau die umgekehrte Realität in totalitären Regimes wieder… die 98,5% – 100% sind
    normalerweise ja der „systemtreue“ Prozentsatz.

    Ihre „gottlose Nazis“ Behauptung ist jedenfalls nicht haltbar und wird auch durch die dauernde Wiederholung nicht wahrer. Es sei denn, es
    fiele Ihnen eine triftige Begründung ein, auf die ich mit Spannung warte.

  10. mg23 sagt:

    @Martin
    „im Namen der Gottlosigkeit“ besagt, dass es egal wer die Tat begeht, sie keinesfalls im Sinne der göttlichen Lehre begeht. Dies können Menschen von Glaubensgemeinschaften sein wie auch sogenannte Atheisten. Es ist ein Missverständnis daraus abzuleiten es würde behauptet, dass diese Taten nur von Nicht-Religionsangehörigen durchgeführt worden sei.

    Diese Aussage sagt etwas über die Tat selbst aus, nicht aber welche Religionsverein jemand angehört.

    • Martin sagt:

      Naja, das kann ich ehrlich gesagt nur als Immunisierungsversuch werten.
      Die Aussage „Im Namen von…:“ sagt keineswegs etwas über die Tat selbst aus, sondern über die Motivation zu der Tat.
      „Im Namen der .:“ , „Im Namen von..:“ sind KEINE Aussagen über die Tat. Es sind Aussagen über die Urheberschaft und Motivation.

      Weiter ist meine Kernaussage grade, das die Kompatibilität von Nationalsozialismus und Chirstentum sich eben grade an dieser Zugehörigkeitszahl zeigt.

      Wenn im Nationalsozialismus sich >75 Millionen Christen zum Christentum bekennen, dann ist eben ziemlich offensichtlich, das weder der Nationalsozialismus, noch das Christentum einen eklatanten Widerspruch sah.

      Und das ist eben der Punkt: Die Christen und die Nazis mögen eine falsche Vorstellung von ihrem Gott gehabt haben. Aber „gottlos“ war das Ganze eben grade nicht.
      Das „Fehlglauben“ oder „an ein verkehrtes Gottesbild glauben“ gottlos zu nennen, ist m.E. nichts als ein sehr schäbiger rethorischer Trick, mit dem Zweck die Tat denen zuzuschieben, denen Sie eben nicht zuzuschreiben ist.

      • mg23 sagt:

        @Martin
        Du hast schon recht, aber diese Art der Argumente wäre dann auch so zu benutzten.

        Wer noch Demokraten vertraut, nachdem doch die Deutsche „Demokratische“ Republik die Menschrechte mit Füßen getreten hat… etc.

        Durchaus legitim ist es daher auch festzustellen: „die Heilige Inquisition und ihre Gräultaten … geschahen im Namen der Gottloskeit“!

        Es kann nicht darum gehen was jemand für seine Tat instrumentalisiert oder vorgegeben hat, oder ob er schreit „im Namen Allah“, sondern wie jemand letztendlich handelt.

      • mg23 sagt:

        @Martin
        „Das „Fehlglauben“ oder „an ein verkehrtes Gottesbild glauben“ gottlos zu nennen, ist m.E. nichts als ein sehr schäbiger rethorischer Trick“

        Ja richtig, denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.

      • Martin sagt:

        „Ja richtig, denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.“

        Ok? Der Inhalt dieser Aussage entzieht sich mir jetzt komplett.
        Würde ich ad-hoc mal als „Kartoffeln sind klüger als Glühbirnen“ übersetzen.

  11. Martin sagt:

    Nochmal: Tut mir leid, aber das ist meines Erachtens nichts als eine Ausflucht, als der Versuch, den Glauben und seine Inhalte gegen Kritik zu immunisieren.

    „Es kann nicht darum gehen was jemand für seine Tat instrumentalisiert oder vorgegeben hat, oder ob er schreit „im Namen Allah“, sondern wie jemand letztendlich handelt.“

    Das würde ich gelten lassen, wenn dieselben Leute, die dieses Argument verwenden, nicht gleichzeitig die angeblichen positiven Werte und den guten Einfluß des Christentums etc. zu loben.
    Wenn dem denn tatsächlich so wäre und nur das Handeln wichtig wäre, dann können wir ja auch drauf verzichten, das Christentum bei angeblichen Wohltaten zu erwähnen.

    Nur kommt dieses Argument halt immer nur bei den glaubensbedingten Gräueln und nie bei den vermeintlichen Wohltaten. Was es halt zu dem macht, was es ist: Eine Ausrede.

    • derautor sagt:

      Die Kommentare von mg23 sind mir echt zu nebulös und unverständlich. Brauche ich jetzt nicht.

    • Cyrano sagt:

      Wahr ist: Der Holocaust wurde nicht im Namen des Christentums durchgeführt. Ebenso wahr ist allerdings: Der christliche Glaube war für die Mehrheit der Deutschen zumindest kein Hinderungsgrund, aktiv oder durch Schweigen den Nationalsozialismus zu unterstützen. Und: Obwohl einige nicht müde werden, das zu behaupten: Christliche Widerständler wie Bonnhoefer waren die Ausnahme, nicht die Regel. Zu bestreiten, dass der christliche Antijudaismus dem deutschen Volksgedanken und der Nationalsozialistischen Definition des Juden als Gegenrasse einen netten Nährboden bereitete (und dahin tendiert meines Erachtens der zitierte Beitrag von Richard Wagner), ist ebenfalls grober Unfug. Und die Behauptung, Nationalsozialismus und Sovjetischer Kommunismus hätten ihre „Verbrechen im Namen der Gottlosigkeit verübt“ ist nichts weiter als eine strategische Lüge. Der NS mordete „im Namen“ des Antisemitismus, und nicht in antireligiöser Mission, und die „Säuberungen“ des sovjetischen Sozialismus wurden als zwecks (zunehmend paranoider) Bekämpfung der Feinde des Regimes durchgeführt.
      Neben all dem finde ich aber noch die folgende Aussage verstörend: „Sie [die Atheisten] berufen sich zwar auf alle Freiheiten, die aus dem von ihnen geschmähten Erbe resultieren, weigern sich aber standhaft die Grundlagen dieser ihrer Freiheiten zu erkennen und anzuerkennen. “ Dass der christlichen Theologie innere Widersprüche das christliche Denken über sich hinausgetrieben haben halte ich noch für eine nachvollziehbare These [vgl. hier: http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2010/10/12/katholische-vernunft/#comment-2047%5D. Dass Freiheiten, die letztlich gegen die Hegemoniale Religion erkämpft wurden, nur unter Anerkennung der Legitimität des Gegners genossen werden können, dass Atheisten den Christen was schulden (und nicht etwa Christen, die heute ihre Religion privat und ohne viel Stress etwa durch Besuch von Weihnachts und Osermesse löeben können, den Atheisten), das ist, ich wiederhole mich: Unfug.

  12. Nanomyte sagt:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article10407697/Widerstand-in-SPD-gegen-SPD-Kirchenkritiker.html

    SPD macht die Website dicht.

    „Dort werde ausdrücklich das jüdisch-christliche Erbe als eine der Wurzeln der SPD benannt. Auch in aktuellen Fragen wie beim Thema soziale Gerechtigkeit teilten SPD und Kirchen viele Positionen.“

    • Julian sagt:

      Die Geschichtsklitterung der SPD ist unerträglich: jüdisch-christliche Wurzeln -wie lächerlich. Historisch richtig wäre marxistische Wurzeln.

    • Julian sagt:

      Von einer religiösen Wurzel habe ich nicht geschrieben und klar hat Marx nicht einfach „abgeschrieben“. Er ging durch die klassische bürgerliche poltische Ökonomie hindurch und formulierte eine Kritik derselben.

  13. Julian sagt:

    Ja, er zitiert gelegentlich biblische Metaphern, aber auch Shakespeare.

  14. Sofa sagt:

    Ich glaube du wirst wirklich langsam Objektivist. Ich empfehle dir mal „The Virtue of Selfishness“ anzutun (http://goo.gl/JeDu) – gibts auch als Hoerbuch btw

    • Julian sagt:

      Was ist denn für dich genau Objektivismus?

    • derautor sagt:

      Der Objektivismus ist sehr stark von aufklärerischem Gedankengut beeinflusst und demnach stimme ich mit vielem überein (was jeder zwangsweise tun muss, der sich in der Tradition der Aufklärung verortet), aber mir stellt sich die Frage, ob denn der extreme wirtschaftliche Liberalismus, eine Schlussfolgerung von Ayn Rand (selbst eine Sektiererin) wirklich dem Wohlbefinden der Individuen am besten dient. Aber die philosophischen Prämissen sind tatsächlich meinen sehr ähnlich.

      • Sofa sagt:

        Deine vor kurzen (hervorragenden) Blogs über Marxismus und linksextremismus sind mehr Grund für meine Empfehlung als deine atheistischen Ansichten. Es finden sich in ihren Werken starke philosophische Argumente gegen den Marxismus und Kollektivismus.

        Von den Romanen will ich aber abraten, persönlich fand ich sie sehr anstrengend.

      • Vivid sagt:

        @derautor
        Warum hälst du sie für eine Sektiererin?

      • derautor sagt:

        Es ist eine gute Frage, warum aus dem Objektivismus ein Kult geworden ist. Michael Shermer (selbst für einen Laissez-Faire-Kapitalismus) kommt zu folgendem Schluss:

        The fallacy in Objectivism is the belief that absolute knowledge and final Truths are attainable through reason, and therefore there can be absolute right and wrong knowledge, and absolute moral and immoral thought and action. For Objectivists, once a principle has been discovered through reason to be True, that is the end of the discussion. If you disagree with the principle, then your reasoning is flawed. If your reasoning is flawed it can be corrected, but if it is not, you remain flawed and do not belong in the group. Excommunication is the final step for such unreformed heretics.
        http://www.2think.org/02_2_she.shtml

        Johann Hari über Ayn Rand (obwohl der Artikel doch ein wenig unfair ist):
        http://www.slate.com/id/2233966/

      • Vivid sagt:

        Sehr interessant, danke!
        Vor allem der erste Link ist aufschlussreich. Sein Hauptpunkt, dass sich aus dem Objektivismus ein Kult entwickelt hat, deckt sich zumindest auch mit meiner Beobachtung einiger Objektivisten. Wobei mich seine Kritik an Ayn Rands Position zum naturalistischen Fehlschluss auch nicht ganz überzeugt.. aber dass er allein deshalb abgelehnt würde, glaub ich auch.. Sehr schade, ich finde von ihr kann man was lernen!

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