Die Kontroverse um den Kolumbus-Tag

In den USA wird jeden 12. Oktober der „Kolumbus-Tag“ gefeiert, der an die Landung von Christopher Kolumbus in Amerika am 12. Oktober 1492 erinnert. Seit einiger Zeit gibt es eine sich verschärfende Kontroverse um diesen Feiertag. Linke wollen ihn umbenennen oder gar abschaffen, weil Kolumbus Sklaverei und Völkermord in die Neue Welt gebracht habe.

Michael S. Berliner vom Ayn Rand Institute verteidigt den Feiertag.

 

Der Kolumbus-Tag kommt näher, aber für die „politisch Korrekten“ ist dies kein Grund zum Feiern. Im Gegenteil sehen sie die Ankunft von Christopher Kolumbus im Jahre 1492 als einen bedauernswerten Anlass. Sie haben bedauert, sie haben angegriffen und sie haben Schulen überall im Land eingeschüchtert, dass sie die Feiern zum Kolumbus-Tag mit „Ethnische-Diversitäts-Tagen“ ersetzen sollen.

Laut der politisch korrekten Ansicht hat Kolumbus Amerika nicht entdeckt, weil Menschen schon seit Jahrtausenden dort gelebt haben. Schlimmer noch, so wird behauptet, besteht das Haupterbe von Kolumbus aus Tod und Zerstörung. Kolumbus wird routinemäßig als Symbol für Sklaverei und Völkermord angefeindet und die Feier zum Anlass seiner Ankunft wird mit einer Feier für Hitler und den Holocaust verglichen. Die Angriffe auf Kolumbus sind unheilvoll, denn das eigentliche Ziel ist die westliche Zivilisation.

Hat Kolumbus Amerika „entdeckt“? Ja – in jeder bedeutsamen Hinsicht. Das bedeutet nicht, dass vor Kolumbus‘ Ankunft kein menschliches Auge jemals einen Blick auf Amerika geworfen hätte. Es bedeutet, dass Kolumbus die zivilisierte Welt auf Amerika aufmerksam gemacht hat, das heißt, die wachsenden, wissenschaftlichen Zivilisationen Westeuropas. Das Ergebnis sind letzten Endes die Vereinigten Staaten von Amerika gewesen. Es war Kolumbus‘ Entdeckung für Westeuropa, die zu dem Zustrom von Ideen und Menschen führte, auf denen diese Nation begründet wurde – und auf dem sie noch immer beruht. Die Öffnung Amerikas brachte die Ideen und Errungenschaften von Aristoteles, Galileo, Newton und tausenden Denkern, Autoren und Erfindern, die ihnen folgten.

Vor 1492 war das, was heute die USA ist, spärlich bewohnt, ungenutzt und nicht entwickelt. Die Bewohner waren überwiegend Jäger und Sammler, die durch das Land wanderten und von Hand zum Mund und von einem Tag auf den anderen lebten. Es gab praktisch keine Veränderung, kein Wachstum für Jahrtausende. Mit wenigen Ausnahmen war das Leben ekelhaft, tierisch und kurz: Es gab kein Rad, keine geschriebene Sprache, keine Arbeitsteilung, wenig Landwirtschaft und kaum andauernde Besiedlungen; aber es gab endlose, blutige Kriege. Welche Probleme sie auch gebracht haben mag, so hat die angefeindete westliche Kultur auch enorme, unerhörte Vorteile gebracht, ohne welche die meisten der heute lebenden Indianer unendlich ärmer wären oder nicht einmal am Leben.

Wir sollten Kolumbus ehren, denn indem wir ihn ehren, ehren wir die westliche Zivilisation. Aber die Kritiker wollen ihm keine solche Ehre zukommen lassen, denn ihr wahres Ziel besteht darin, die Werte der westlichen Zivilisation herabzusetzen und den Primitivismus, Mystizismus und Kollektivismus zu glorifizieren, den die Stammeskulturen der amerikanischen Indianer verkörpern. Sie verunglimpfen die Glorifizierung des Westens als „Eurozentrismus“. Wir sollten, behaupten sie, unsere Verehrung der westlichen Kultur mit Multi-Kulturalismus ersetzen, der alle Kulturen als moralisch ebenbürtig ansieht. In Wirklichkeit sind sie das nicht. Einige Kulturen sind besser als andere: Eine freie Gesellschaft ist besser als Sklaverei; Vernunft ist besser als nackte Gewalt, um mit anderen Menschen umzugehen; Produktivität ist besser als Stagnation. Die westliche Zivilisation steht tatsächlich für den Menschen auf der Höhe seiner Fähigkeiten. Sie steht für die Werte, die das menschliche Leben ermöglichen: Vernunft, Wissenschaft, Eigenverantwortung, Individualismus, Ambition, produktive Leistung. Die Werte der westlichen Zivilisation sind Werte für alle Menschen; sie überschreiten Geschlecht, Ethnie und Geografie. Wir sollten die westliche Gesellschaft nicht aus dem ethnozentrischen Grund ehren, weil einige von uns zufällig europäische Vorfahren haben, sondern weil es die objektiv überlegene Kultur ist.

Dem politischen Kollektivismus der Anti-Kolumbus-Clique liegt eine rassistische Auffassung der menschlichen Natur zugrunde. Sie behaupten, dass die Identität einer Person in erster Linie ethnisch ist: Falls jemand glaubt, dass seine Vorfahren gut gewesen sind, dann wird er angeblich ein gutes Gefühl in Bezug auf sich selbst haben; falls er glaubt, seine Vorfahren seien schlecht gewesen, wird er sich angeblich selbst hassen. Aber das funktioniert nicht; die Errungenschaften oder Fehler der eigenen Vorfahren sind vollkommen bedeutungslos für den eigenen Selbstwert als Person. Nur die Ermangelung eines Selbstwertgefühls führt dazu, dass sich jemand nach anderen umsieht, damit sie ihm ein Gefühl von Identität verleihen. Weder die Taten noch die Untaten von anderen sind die eigenen; man kann weder Lob noch Verurteilung für das annehmen, das zu tun sich andere entschlossen haben. Es gibt keine rassischen Errungenschaften oder rassisches Versagen, nur individuelle Errungenschaften und individuelles Versagen. Man kann einen moralischen Wert oder ein moralisches Laster nicht erben. „Selbstwert durch andere“ ist ein Selbstwiderspruch.

Daher der Schwindel einer „Erhaltung des eigenen Erbes“ als rationales Lebensziel. Daher der grausame Betrug einer „multikulturellen Bildung“ als ein Gegengift zum Rassismus: Er wird weiterhin noch mehr Rassismus erzeugen.

Individualismus ist die einzige Alternative zum Rassismus der politischen Korrektheit. Wir müssen anerkennen, dass jeder ein souveränes Wesen ist, mit der Macht, Entscheidungen zu treffen und unabhängige Urteile zu fällen. Das ist der höchste Wert der westlichen Zivilisation und er sollte stolz gefeiert werden.

Literatur

Christopher Kolumbus: Bordbuch vom 12. Oktober 1492 (deutsch)

Michael S. Berliner: Die Kontroverse um den Kolumbus-Tag

Thomas A. Bowden: Keine Entschuldigung für die Indianer

Thomas Jefferson: Schriften über amerikanische Eingeborene