Die konservative Reihe: Patriotismus

Die Aufklärer: Rechtsextremisten aus Sicht der Linken

Die Aufklärer: Rechtsextremisten aus Sicht der Linken

Inzwischen ist es nur noch uncool, links zu sein. Alle regierenden Parteien sind links; auch die CDU/CSU steht zu sozialistischen Absurditäten wie der Frauenquote und Merkel fordert ein, integrationsunwilligen Muslimen mit besonders viel „Liebe“ zu begegnen. Hollywood und das BBC drehen einen Anti-Kriegsfilm nach dem anderen, obwohl sie damit Verluste machen, weil sie keiner sehen will. Einfach alles schwimmt auf der Kitsch-Marxismus-Welle mit, und das zwanzig Jahre nach dem Mauerfall.

Bei einer derartigen Gleichförmigkeit im Denken ist es doch viel punkiger, einige der besten Argumente von Konservativen auszugraben und zu überprüfen, ob man vielleicht etwas übersehen hat. Dem widme ich glatt eine Artikelreihe.

1. Patriotismus

Ich halte vieles von dem, was der liberale Ökonom Ludwig Mises geschrieben hat, für sehr aufschlussreich, aber das heißt nicht, dass ich mit allem übereinstimme, was Mises und die anderen liberalen Ökonomen sagen; zum Beispiel stimme ich nicht mit der Auflösung der nationalen Grenzen überein, die Mises am Ende von seinem Klassiker Liberalismus vorschlägt.

Wir werden uns immer mit dem Land identifizieren und von seiner Kultur beeinflusst werden, in dem wir leben. Und es wird immer Länder geben. Erst identifizieren wir uns mit uns selbst, dann mit unserer Familie, unseren nächsten Verwandten, Freunden und Partnern, mit Stadt, Region, Land. Wir ziehen soziale Kreise um uns, die immer unpersönlicher werden. Ursprünglich haben wir in überschaubaren Stämmen gelebt, Nationen sind schon ein großer Fortschritt. Das Maximum ist eine internationale Wertegemeinschaft, das Bündnis liberaler Demokratien, das ich schon lange befürworte.

Leider sind wir einen Schritt zu weit gegangen, denn wir haben uns durch die Vereinten Nationen mit jedem Land der Welt verbündet, darunter Diktaturen. Linke finden das gut so und ziehen über alle her, die gegen ihre internationale Solidarität argumentieren. Aber ich empfinde keine Solidarität mit Nordkorea, mit Syrien und mit dem Iran; ich will auch keine empfinden. Den Bevölkerungen dieser Länder wünsche ich die Freiheit, aber nicht ihren Tyrannen.

Ich sage nicht, dass unsere Identifikation mit dem eigenen Land gut oder schlecht ist, ich sage vielmehr, dass es völlig egal ist, ob wir es gut oder schlecht bewerten möchten, da es so ist und immer so bleiben wird, dass wir uns mit dem eigenen Land identifizieren, so lange die menschliche Natur fortbesteht. Die progressive Radikalkritik am Patriotismus ist so, als würden sie die Zusammensetzung von Wasser aus zwei Teilen Wasserstoff und einem Teil Sauerstoff kritisieren. Zwecklos. Was dabei herauskommt, wenn man die menschliche Natur verleugnet, sieht man an den völlig un-patriotischen Deutschen, die gleichzeitig wenig Militär haben, Auslandseinsätze ablehnen, sich auf die USA als ihren Schutzengel verlassen und die USA dafür hassen, dass sie von ihnen abhängig sind. Es ist eine Art von Krankheit, penetrant zu versuchen, sich nicht mit seinem Land zu identifizieren. Man tut es am Ende ja doch, oder man ist nicht einmal bereit, es zu verteidigen, weil einem sowieso nichts daran liegt.

Das klingt wahrscheinlich gut chauvinistisch, aber was die Linke endlich verstehen muss, ist, dass wir nicht mehr im 19. Jahrhundert leben. Unser Land ist keine Kolonialmacht, kein rassistischer Räuberstaat, kein wilhelminischer Soldatenstaat, nicht das Land des „Untertans“. Hier und heute leben wir in einem liberalen, demokratischen Rechtsstaat, der auf universalen Werten beruht. Den Werten der Aufklärung. Jemand, der patriotisch gegenüber einem modernen, liberalen Staat ist, der tut etwas ganz anderes, als jemand, der patriotisch gegenüber Nazi-Deutschland oder dem Iran ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es einen positiven Beitrag zur utilitaristischen Kosten-Nutzen-Rechnung leisten könnte, wenn wir das Empfinden hätten, es gäbe da etwas, das die nationale Ehre verletzen könnte. Zum Beispiel unser selbstmörderischer Waffenhandel mit dem Iran. Ein Patriot müsste so etwas als einen Angriff auf seine persönliche Integrität erleben. Den meisten Deutschen ist es völlig wurscht, oder es gäbe keine Kooperation mit Tyranneien.

Jemand, der sich mit den Werten eines liberalen Landes identifiziert, wird diese Werte auch gegenüber anderen Nationen hochhalten. Er wird also mit anderen liberalen Staaten kooperieren und unfreie Staaten bekämpfen. Deutschland tut das Gegenteil. Wir kooperieren mit dem Iran, mit China und mit Russland. Wir gehen nicht nur einen Pakt mit dem Teufel ein, sondern gleich mehrere.

Die Grundlage des linken Anti-Patriotismus ist das marxistische Entfremdungsgefühl, der Eindruck, man würde nicht dazugehören und müsste es daher der Gesellschaft heimzahlen, dass man ausgestoßen ist oder dass man sich selbst ausstoßen zu müssen meint, weil die Gesellschaft so schlecht wäre. Dabei kann man einfach sagen, man gehört nun dazu, und so ist es dann auch. Auf diese Art kann man weiterhin bestimmten gesellschaftlichen Problemen kritisch gegenüberstehen, aber ohne Pathologie, sondern vernünftig.

Literatur

Kronenberg/Böckenförde: Patriotismus in Deutschland. Perspektiven für eine weltoffene Kultur

Ulrich Im Hof: Das Europa der Aufklärung

Kant-Gesellschaft: Patriotismus bei Kant (in: Kant und die Berliner Aufklärung)

Zitate

„My country, right or wrong“ is a thing that no patriot would think of saying, except in a desperate case. It is like saying, „My mother, drunk or sober.“

Gilbert Keith Chesterton

The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants.

Thomas Jefferson

Let every nation know, whether it wishes us well or ill, that we shall pay any price, bear any burden, meet any hardship, support any friend, oppose any foe, to assure the survival and success of liberty.

John F. Kennedy

Patriotism is supporting your country all the time, and your government when it deserves it.

Mark Twain