Rechte Humanisten nicht erwünscht

Felix Thiessen von den Jungen Atheisten hat sich für die Partei „Die Freiheit“ ausgesprochen.

Das findet der Blogger „Nic Frank“, der auch für den Humanistischen Pressedienst schreibt, nicht korrekt. „Ein Rechtspopulist als Humanist?„, fragt er in einem Blogbeitrag und wieder soll jemand aus den Reihen der wahren, guten, baumschützenden, Krieg und Atomkraft schlecht findenden Humanisten ausgeschlossen werden, die das Gute patentieren ließen.

Der römischen Inquisition kann man immerhin zu Gute halten, dass sie sorgsamer gearbeitet hat und dass sie sich um die Rettung der Seelen der Beschuldigten sorgte.

Es darf bezweifelt werden, dass humanistische Werte und Rassismus in Übereinstimmung zu bringen sind.

Es ist Schade um Felix Thiessen; der junge Mann kann einiges – und es ist bedauerlich, dass er uns verloren geht. Aber das ist er definitiv.

Da Organisationen stets auf ihren guten Ruf achten müssen, hat Felix Thiessen eine Erklärung über seinen angeblichen „Rechtspopulismus“ veröffentlicht. Dort stellt er fest, dass seine persönliche Entscheidung für die Unterstützung der „Freiheit“ eben dies ist und dass sie nichts zu tun hat mit seiner Aufgabe als Vorsitzender der Jungen Atheisten.

Wer sich näher mit der linken Denke befasst hat, weiß, dass dort nicht unterschieden wird zwischen privaten Überzeugungen und der Tätigkeit in Organisationen. Es gibt für Marxisten keine privaten Meinungen und keine privaten Gedanken. Man sorgt sich um den „ganzen Menschen“ und dazu gehört auch der private Bereich. So wie die Kirchen Mitarbeiter rauswerfen, die nach einer Scheidung wieder heiraten, so ist jeder Humanist gefährdet, der etwas von Politik und Wirtschaft versteht.

Nic hat einen Beitrag geschrieben, von dem er glaubt, er würde beweisen, dass die „Freiheit“ rechtspopulistisch und somit böse wäre. Dort zeigt er auf, dass das Programm der „Freiheit“ verdächtig an die Wikipedia-Definition von „Rechtspopulismus“ erinnert. Offenbar ist dies ein Totschlagargument. Und in der Praxis hat er da vielleicht sogar recht.

Schon in den Leitsätzen des Programms ist zu lesen, dass die Freiheit gegen „linksideologische motivierte Experimente zur Umerziehung der Bevölkerung“ sei. Mir ist zwar nicht klar, worauf sich das bezieht, denn diese Gefahr kann ich in der aktuellen Gesellschaft wahrlich nicht sehen, aber es passt halt ins Bild einer rechtspopulistischen Partei.

Worauf sich das bezieht? Zum Beispiel auf Gender-Mainstreaming, auf Frauenquoten, auf politisch korrekte Sprache, auf Denkverbote (Sarrazin), auf die Abwertung von Familien zugunsten kinderfreier Lebensentwürfe (obwohl Kinder nötig sind für den Erhalt der Gesellschaft, ja der Menschheit). Die linke Elite ist stets über „Sexismus“ und „Ausländerfeindlichkeit“ der Bevölkerung besorgt, weil die nicht ins marxistische Konzept passen.

Tatsache ist jedoch, dass die Menschen nicht gleich sind. Frauen sind anders als Männer („Sexismus“), Intelligente Menschen sind schlauer als Dumme („Intelligenzrassismus“), Kulturen sind anders als andere Kulturen („Rassismus“). Der Durchschnittsmensch ist kein Marxist und das passt den linken Politikern nicht, die ihre soziale Utopie errrichten wollen, indem sie das Leben anderer Menschen kontrollieren.

So was in der Richtung.

Billige Arbeitskräfte aus dem Ausland drücken die Löhne in Deutschland. Dies führt zu Dumping-Löhnen und zur Arbeitslosigkeit der einheimischen Bevölkerung.“ (Punkt 4.5.) erinnern dann doch sehr deutlich an ein Vokabular, das nicht zeitgemäß ist und schon manches Unheil gebracht hat. Hier zeigt sich sehr deutlich das neoliberale Denken der Partei, der in dem Satz gipfelt: „…der von uns angestrebten Vollbeschäftigung.“ (Punkt 5.3.)

Das ist ein wirtschaftsprotektionistisches Argument. Es ist nicht im eigentlichen Sinne falsch, aber es kommt eben darauf an, welche Ziele man hat. Natürlich werden die Löhne sinken, wenn Menschen bereit sind, die selbe Arbeit für weniger Geld zu erledigen. Das gilt aber nur für Bereiche, in denen es Unternehmen nicht offensteht, gleich ins Ausland abzuwandern.

Letztlich müsste es unser (humanistisches) Ziel sein, Löhne und Lebensstandards weltweit auf hohem Niveau anzugleichen. Dies kann man am schnellsten erreichen durch einen globalen Freimarkt. Dessen Kosten wären allerdings Niedriglöhne für uns (und höhere Löhne für Menschen in entwickelnden Ländern) während der Einführungszeit, auch wenn insgesamt alle am Ende reicher wären als vorher.

„Neoliberale“ und klassische Liberale setzen sich gegen Protektionismus und für den globalen Freimarkt ein. Sie sagen also das glatte Gegenteil dessen, was die „Freiheit“ sagt.

Am Ende meint Nic, es wäre irgendwie schlecht, „Vollbeschäftigung“ anzustreben:

Vollbeschäftigung ist auch ein Begriff, den die Kanzlerin gern benutzt – völlig unbeeindruckt von der Tatsache, dass es jetzt (und zukünftig in weit größerem Umfange) nicht mehr sondern eher weniger Arbeit geben wird.

Klar wird es weniger Arbeit geben, wenn die Sozialisten sich durchsetzen. Weil staatliche Eingriffe in die Wirtschaft zur Arbeitslosigkeit führen. Und es wird mehr Arbeit geben, wenn die Liberalen sich durchsetzen. Zudem gibt es bei Nic ein weiteres logisches Problem: Wenn es weniger Arbeit gibt, wird weniger produziert und es ist weniger da, das die Sozialisten verteilen können. Die Sozis reagieren darauf, indem sie mehr verteilen wollen, was mal wieder beweist, wie absurd ihre Politik ist.

Und wer nicht arbeiten will, der – so die Freiheit – hat auch kein Recht auf ein anständiges Leben: „[Unser] arbeitsmarktpolitisches Konzept ersetzt staatliche Transferleistung durch eine verpflichtende, in der Regel gemeinnützige Arbeit, die in jedem Fall obligatorische eingefordert wird.“ (Punkt 4.2.) Das klingt für mich irgendwie nach „Autobahnbau“. Aber vor allem danach, den Sozialstaat das endgültige Garaus zu machen. Wer nicht arbeitet (warum auch immer) soll auch nicht essen.

Ja, warum soll man auch arbeiten? Man kann doch andere für sich arbeiten lassen und den Lohn ihrer Arbeit auf, sagen wir, sich selbst verteilen! Genial. Und alles andere ist Hitler und Autobahnbau. Ich halte allerdings auch nichts davon, Transferleistungsempfänger gemeinnützige Arbeit verrichten zu lassen. Ich halte nämlich nichts von Transferleistungen; zumindest, wenn sie mehr sind, als ein vorrübergehendes Sicherheitsnetz.

Gleiches gilt für das Familienbild der Partei. „Wir betrachten die eheliche Mutter-Vater-Kind-Familie keinesfalls aus Auslaufmodell.“ (Punkt 2.1.) und – ebenfalls schwer vom christlichen Leitbild geprägt der „Schutz des ungeborenen Lebens“. (Punkt 2.2.) Daraus folgt – als logische Konsequenz für das Grundsatzprogramm, dass Menschen, die keine Kinder in die Welt setzten, weniger Rente beziehen sollen (Punkt 2.7.) – die sollen sich privat versichern (Punkt 2.8.). Völlig unabhängig davon, ob sie sich selbstbestimmt gegen Kinder entschieden haben oder aus – zum Beispiel medizinischen – Gründen nicht in der Lage waren, zu zeugen.

Ohne Kinder sterben wir aus. Die Gesellschaft hat ein Interesse an der Selbsterhaltung. Ende der Durchsage.

Dazu passt dann auch, dass unter dem Punkt 8 (Gesundheit) zu lesen ist: „Wir stellen uns gegen jeden Versuch, den freien Diskurs und die kritische Debatte über die Schulmedizin zu unterbinden und fordern eine transparente Untersuchung und Evaluation alternativer Heilmethoden.“

Stimmt. Alternative Medizin hat keine Wirkung, die über den Placebo-Effekt hinausgeht. Sobald eine Wirkung nachgewiesen ist, wird aus der alternativen Medizin echte Medizin. Inhaltlich hat der Satz praktisch keine Bedeutung. Vielleicht haben sie das nur geschrieben, um gewählt zu werden.

Nur noch am Rande noch bemerkt: die Partei, die sich „Die Freiheit“ nennt, ist für die Einführung einheitlicher Schulkleidung und Sanktionen gegen Eltern, deren Kinder der Schule fernbleiben. (Punkt 8.3.)

In staatlichen Schulen. Die „Freiheit“ fordert aber auch die Gleichstellung von Schulen in freier Trägerschaft (wie die Schulen vom HVD) und die werden das anders handhaben dürfen.

Auch die Forderung eines Zuwanderungsstopp „mindestens bis zur Lösung der vorhandenen Integrationsprobleme, die insbesondere durch Zuwanderung aus islamisch geprägten Ländern“ (Punkt 10.2.) verursacht wurden. Das ist eine deutliche Kategorisierung von Menschen nach gruppenbezogenen Merkmalen. Und also: rassistisch.

Es ist also rassistisch, von Menschen „aus islamisch geprägten Ländern“ zu sprechen, weil man sie so in eine Gruppe einteilt? Ist es auch rassistisch, von „Rennfahrern“ zu sprechen, weil man sie ja in eine Gruppe einteilt, oder von „Bäckern“? Ist es rassistisch, wenn jemand „Katholiken“ kritisiert? Dann sind Humanisten durch die Bank Rassisten. Zudem ist es offensichtlich sinnvoll, die Integration aus islamischen Ländern einzustellen, bis Muslime hier besser integriert sind.

Assimilation bedeutet das völlige Aufgeben der eigenen Kultur und Werte und ist im soziologischen Sinne eine völlig unsinnige Forderung.

…sagte Recep Tayyip Erdoğan, der sich für die Unterstützung seitens Nic sicher bedanken würde.

Es wäre mir lieber gewesen, wenn „Nic“ mal inhaltlich und empirisch gegen die „Freiheit“ argumentiert hätte, anstatt sich nur darum zu bemühen, sie in die böse Kategorie der „Rechtspopulisten“ zu stecken.

Immerhin bietet die „Freiheit“ eine vernünftige Stellungnahme zur aktuellen Atomenergie-Debatte an, die man bei anderen Parteien nicht findet:

Lehren aus Fokushima