Wann wäre ich gegen Israel?

Der Nahostkonflikt kommt einem Kampf zwischen Gut und Böse näher als alles, was man für gewöhnlich in der realen Welt antrifft.

Auf der einen Seite haben wir eine liberale Demokratie, eine Hochzivilisation, weltweit führend in der Biotechnologie, mit Tierrechten, dem striktesten Folterverbot und harten Strafen für Soldaten, die versehentlich Zivilisten erschießen. Auf der anderen Seite steht ein Volk, das zweimal eine Terrorgruppe zu ihrer demokratisch legitimierten Regierung gewählt hat, das mehrheitlich die Ermordung jüdischer Zivilisten gutheißt und wo im Kinderfernsehen sprechende Mäuse den Märtyrertod bewerben.

Wen unterstütze ich als Humanist? Diese angesichts der Haltungen vieler „Humanisten“ offenbar sehr schwierige Frage würde ich wagen mit einem klaren „ich bin auf der Seite Israels“ zu beantworten, auch wenn dort die Trennung von Staat und Religion nicht so konsequent ist wie, sagen wir, in den USA. Erstaunlich, was sich ein jüdischer Staat alles zu erlauben wagt: Trotz aller Freiheit noch irgendwie jüdisch zu sein.

Aber gäbe es ein denkbares Szenario, in dem ich nicht auf der Seite Israels stehen würde?

Die demographischen Trends in Israel gehen in die Richtung, dass der Anteil der ultraorthodoxen Juden an der Bevölkerung rapide zunimmt. Die Ultraorthodoxen lehnen säkulare Bildung ab und sind generell sehr konservativ und repressiv. Es könnte insofern erfreulichere Trends geben.

Auch auf die Gefahr hin, politisch inkorrekt zu klingen, aber ultraorthodoxe Juden sprengen sich wenigstens nicht in Diskos und auf Marktplätzen in die Luft und feiern ihre Märtyrer-Attentäter. Es gibt keine ultraorthodoxen Mickey-Mäuse, die sich im Kinderfernsehen Sprengstoffgürtel umschnallen. Zwar existieren radikale ultraorthodoxe Siedler, die einfach so rücksichtlos in den Palästinensergebieten ihre Häuser bauen, obwohl sie für die empfindsamen Muslime dort als niedere Rasse von tötungswürdigen Ungläubigen gelten, aber sie wollen zumindest nicht die Palästinenser ausrotten.

Ergo wäre ich selbst dann noch auf der Seite Israels, wenn ultraorthodoxe Juden dort das Sagen hätten, wenn auch ein bisschen weniger enthusiastisch als heute.

Aber was, wenn es wirklich eine mächtige, gut verzweigte Israel-Lobby gäbe, oder gar eine jüdische Weltverschwörung, die es, wie die Protokolle der Weisen von Zion nahelegen, auf eine liberale Neuordnung der Welt abgesehen hat (von der Juden irgendwie besonders profitieren sollen, vermutlich, weil sie fleißiger sind, oder so – muss man ja nicht verstehen)? Was, wenn der Mossad wirklich überall Spitzel hat, die arme, unterdrückte palästinensische Terroristen ausschaltet?

Dann würde ich, wie die Bloggerin Jennifer Nathalie, für „die Juden“ arbeiten wollen. Es ist in der Tat eine große Enttäuschung. Trotz der zahlreichen Israel-Verteidigungsbeiträge auf diesem Blog wurde ich noch von keinem finanzträchtigen Weltjudentum als Doppelagent eingesetzt. Auch der Mossad kann offenbar gut auf meine Mithilfe verzichten.

Da fragt man sich, wozu diese einflussreiche Israel-Lobby eigentlich da ist, wenn sie nicht einmal ihre wenigen Unterstützer fördern kann. Ja, ich bin enttäuscht vom Weltjudentum. Das muss besser werden. Ich erwarte eine Lieferung gefilte Fisch und Bagel spätestens bis Donnerstag, oder ich konvertiere zum Chomskytum.

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