Bin ich jetzt der Papst?

Wie zu erwarten, ist mein Beitrag über die traditionelle Familie nicht gut angekommen bei manch anderen säkularen Humanisten. Immerhin einer hat mir geschrieben, dass er mich noch nicht verabscheut. Selbst wenn ich unrecht hätte, gäbe es allerdings mehrere logische Probleme mit der linken Position zur Frage, die mir entgegengehalten wird.

In der Tat gäbe es auch eine logische Gegenposition. Ich habe so das Gefühl, das die ebenfalls keine Begeisterungstürme auslösen wird.

Zunächst einmal drücke ich meine Überraschung über die offenbar weit verbreitete Vorstellung aus, man könne seine sexuellen Gelüste stets unmittelbar befriedigen, wenn nur genügend Kondome da sind, ohne dass dies irgendwelche negativen Folgen hätte. Zum Beispiel emotionale Folgen, etwa, wenn man versehentlich Gefühle entwickelt hat für die lustbefriedigenden Objekte, neben denen man aufwacht. Oder die Gleichgültigkeit gegenüber Sex, wenn man seit dem zwölften Lebensalter, wie die englischen Mädchen im letzten Beitrag, Sex als bedeutungslos erlebt hat und mit fremden Partnern alle Variationen schon tausendmal durchgegangen ist.

Ehe = Zwangsheirat? 

Eine Leserin hat mir per Mail geschrieben, mein Lob der Ehe sei nicht zu unterscheiden von muslimischen Vorstellungen. Ich würde eher behaupten, dass sich meine Konzeption aus Shakespeares Sonetten ableiten lässt, wenn auch nicht aus einem Buch über das Paarungsverhalten der Bonobos, während das muslimische Bild eines Familienvaters dem eines Schimpansenmännchens entspricht, das die Weibchen mit Gewalt an sich reißt und ihnen zeigt, wer das Alphamännchen im Hause ist.

Wie bereits umfassend erklärt, sind die Ehepartner laut der modernen Vertragsehe, um die es geht, gleichberechtigte Individuen. Im Islam sind die Ehepartner nicht gleichberechtigt, sondern die Frau ist dem Mann untergeordnet. Und Individuen im westlichen Sinne sind sie auch nicht, sondern Teil einer kollektivistischen Schamkultur. Wenn eine Frau in islamischen Ländern fremdgeht, wird sie gesteinigt, um die Familienehre zu bewahren. Wenn eine Frau im Rahmen der Vertragsehe fremdgeht, ist das ein Vertragsbruch und womöglich ein Scheidungsgrund – aber kein Steinigungsgrund! Ein (wie es scheint) kleiner, aber feiner Unterschied.

Die moderne Ehe ist so ausgelegt, dass sich Männer und Frauen mit Respekt behandeln. Die Ehe im Islam ist so ausgelegt, dass Frauen Sklaven sind und Männer auf ihre Triebe reduziert werden. Aber das kann man schon einmal verwechseln.

Wollt ihr den totalen Sex? 

Offenbar gibt es für Linke nur zwei Modelle für das Zusammenleben von Partnern. Entweder man hat Sex mit allem, was lebt (oder nicht lebt – Theodore Dalrymple schrieb über einen Film, der sich zum Ziel gesetzt hat, Nekrophilie zu „normalisieren“), und erinnert sich vielleicht nach zehn Jahren daran, dass man drei Kinder gezeugt hat – oder man ist ein reaktionärer Tyrann und verprügelt seine Frau, steinigt Ehebrecherinnen, verbrennt Witwen.

Was mir da jetzt fehlen würde, ist eine erwachsene Art der Partnerschaft. Etwas, auf das man nicht spontan kommen kann, wenn man in einer Hochphase der Pupertät Gelüste für die Hauskatze Schnurri entwickelt.

Nun gabs natürlich auch Ärger, weil ich meinte, man sollte die traditionelle Familie „privilegieren“ gegenüber anderen Partnerschaftsformen. Ich dachte an Forderungen der evangelikal-reaktionären SPD nach Kinderkrippen, Kindergeld, Ganztagsschulen und co., die Programme zur Familienförderung zu sein scheinen, aber vielleicht ist das auch nur eine Illusion, die mir Jesus ins Gehirn eingepflanzt hat.

Da Linke ihre eigenen Vorschläge für Familienförderung für evangelikal halten, so gibt es die vertretbare Möglichkeit, dass der Staat sich vollkommen raushält aus dem Privatleben von Männchen und Weibchen, selbst, was die Steuergesetzgebung zu Ehe und anderen Partnerschaften angeht. Alle bezahlen einfach 20% Steuern, egal, mit wem sie zusammenleben und wie viel sie verdienen. Und der Großteil wird für Polizei und Militär ausgegeben, wie im England von Königin Viktoria.

Neutraler Staat 

Meine klassisch-liberale Hälfte leckt hier sogleich Blut, denn das würde bedeuten, dass der Staat sämtliche Programme zur Kinder- und Familienförderung einstellen müsste. Kein Kindergeld mehr – denn warum sollte man Eltern mit Kindern gegenüber Eltern ohne Kinder privilegieren? -, keine kostenfreie Bildung mehr, keine staatlich geförderten Kinderkrippen und Kindergärten. Alles wird privatisiert. Alles wird kostenpflichtig. Und sämtliche Sonderinteressensgruppen, die von anderen Bürgern Geld zur Erfüllung ihrer eigenen Wünsche haben möchten, können einpacken.

Es gibt viele gute Argumente dafür und wenn die Herren und Damen Genossen und Genossinnen es so haben wollen – ich werde euch nicht im Weg stehen. Entweder der Staat engagiert sich auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse – die eine Förderung der traditionellen Familie nahelegen – oder er tut gar nichts. Ich bin mit beidem einverstanden. Wenn ihr natürlich glaubt, der Staat sollte vielmehr eure irrationale linke Religion finanzierten, statt der irrationalen Religion der Großkirchen – beide aufgebaut auf Wunschdenken – so müsst ihr allerdings mit Widerstand rechnen.

Die Realität wegklicken

Eine amüsante Angewohnheit von Linken ist es, einfach auf Buttons zu klicken, wenn ihnen was nicht gefällt, anstatt dagegen zu argumentieren. Auf Facebook fragte ein Benutzer, was zwei biologische Elternteile, die ihre Kinder aufziehen, eigentlich mit der Ehe zu tun haben sollen. Ich habe keine Ahnung, was diese Frage überhaupt bedeuten mag, wahrscheinlich hat sie eine tiefergehende Bedeutung, die sich mir nicht erschließt. Auf jeden Fall scheint der Kommentar mir irgendwie zu widersprechen, also haben gleich fünf Leute auf den „Like“-Button geklickt. Wer will schon die ganzen Studien widerlegen, die ich nannte, wenn man stattdessen auch auf Buttons klicken kann?

Das selbe Phänomen gab es, als ich eine irrationale Kritik an Barack Obama (er sei nicht in den USA geboren) kritisierte. Dann klickten sofort alle auf den Like-Button im im Blog. Als ich in den Kommentaren erwähnte, dass ich darum aus verschiedenen Gründen noch lange kein Fan von Obama bin, klickten sofort alle auf den „Gefällt mir nicht“-Button.

Wenn man ernst genommen werden möchte, sollte man einen solchen Irrsinn vielleicht unterlassen. Sonst entsteht am Ende noch der Eindruck, man stünde unter der Kontrolle von Außerirdischen, die einen Knöpfchen drücken lassen, oder man wäre eine Art von Zombie, der sich nicht artikulieren und nur Knöpfchen drücken kann. Wenn ich so etwas erlebe, denke ich sofort an den vierten Teil von Planet der Affen, wo Affen dazu trainiert werden, niedere Tätigkeiten auszuüben.

Meine Beiträge zum Thema

Lob der Ehe

Warum jetzt auch noch Ehe?

Heirate und bleibe verheiratet