Heirate und bleibe verheiratet

Auch auf die Gefahr hin, politisch inkorrekt zu klingen, aber: Wer ein glückliches und sicheres Leben führen möchte, sollte heiraten und verheiratet bleiben.

Es gibt sogar gute Gründe, die traditionelle Ehe gegenüber anderen Partnerschaftsformen zu privilegieren.

So lautet nicht etwa mein neuentdeckter evangelikaler Glaube, sondern die logische Schlussfolgerung von geschätzten einer Million soziologischen, psychologischen und soziobiologischen Studien.

Insofern man eine grundlegende evolutionäre Tatsache akzeptiert, kann man den Rest des folgenden Beitrags logisch daraus ableiten: Wir sind Genverbreitungsmaschinen.

Akzeptiert man dies und denkt darüber nach, was es bedeutet, ist es einfach, zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass Familien mit beiden biologischen Elternteilen besser funktionieren müssen als alle anderen – was empirisch inzwischen umfassend bestätigt wurde. Offensichtlich können nicht beide Elternteile bei homosexuellen Paaren die leiblichen Eltern sein, sondern maximal einer. Trotzdem zeigen einige Studien auf (und andere zeigen das Gegenteil), dass homosexuelle Paare ihre Kinder nicht schlechter behandeln als andere.

Dies liegt wahrscheinlich daran (insofern es stimmt), dass sie unter besonderer Beobachtung stehen und sich bewähren müssen aus Sicht der Gesellschaft, um irgendwann eine gleichberechtigte Homo-Ehe zu erhalten. Würden sie diese jedoch erhalten, müsste sich ihr Verhalten Alleinerziehenden und Eltern mit einem nicht-biologischen Elternteil anpassen, die ihren Nachwuchs im Schnitt schlechter behandeln. Ergo sollte die traditionelle Ehe gegenüber homosexuellen Partnerschaften und gegenüber Alleinerziehenden und gegenüber allen anderen nicht-traditionellen Partnerschaften privilegiert werden.

Logik. Eine großartige Erfindung.

Der Zusammenbruch der traditionellen Familie

Die traditionelle Familie, das sind leibliche Eltern und ihre Kinder. Der Zusammenbruch der traditionellen Familie bedeutet in den meisten Fällen, dass die Väter ihre Frauen und Kinder auf der Suche nach neuen sexuellen Abenteuern sitzen lassen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder kriminell werden. Es ist vornehmlich ein Phänomen der Unterschicht, das sich aber weiter ausbreitet.

Theodore Dalrymple ist ein Gefängnispsychologe, der sich einen Großteil seines Lebens mit der britischen Unterschicht befasst hat und der auch bei ihnen lebt. Er ist Atheist und entsprechend verzichtet er auf religiöse Moralpredigten und setzt stattdessen auf empirische Fakten. Sonst hätte ich seinen Artikel aus dem Jahr 2000, der einige Folgen der sexuellen Revolution kritisch beäugt, auch niemals gelesen.

Zwölfjährige Prostituierte stehen jede Nacht ein paar hundert Meter von Dalrymples Wohnung im Londoner East End und warten auf Kundschaft. Der örtliche Polizeichef weigert sich, sie zu verhaften, weil er sie „nicht noch mehr belästigen“ möchte, da sie ohnehin schon so oft belästigt werden. Das örtliche Gesundheitsamt schickt jede Nacht Vans vorbei, aus denen Kondome an die Mädchen verteilt werden. Die Behörden sind stolz: 100% der örtlichen Prostituierten praktizieren nun Safer Sex zu einem Preis von lediglich 135 000 US-Dollar jährlich für die Steuerzahler. Die Stadt sucht nach weiteren Sozialarbeitern, deren vornehmliche Qualifikation laut einer Stellenanzeige „Die Fähigkeit, unvoreingenommen zu arbeiten“ ist, die also kein Problem mit der Förderung von Kinderprostitution haben.

Leider haben sich Dalrymples Nachbarn – ein Händler von antiquierten Büchern, ein Banker, ein Anwalt und zwei Universitätsprofessoren – über die gebrauchten Kondome in ihren Vorgärten beschwert. Sie erhielten von der Stadt ein besonderes Werkzeug, um sie zu entfernen. Der Großteil der Tätigkeit von Sozialarbeitern besteht hier darin, die Misshandlung von Kindern durch Stiefväter und die Freunde von Müttern zu verhindern, deren biologische Väter das Weite gesucht haben.

Und nun sehen wir mal, was die Wissenschaft über die traditionelle Familie zu sagen hat.

Empirische Studien

20 von 23 US-amerikanische Studien von 2000-5 über den Zusammenhang der Familienstruktur mit der Kriminalität zeigen ein erhöhtes Risiko für kriminelles Verhalten von Kindern, die von alleinerziehenden Elternteilen oder von jemand anderem (Verwandte, Stiefeltern, Adoption) aufgezogen wurden, als von den biologischen Eltern.

Der Soziologe Paul Amato schätzt, dass die USA, hätte sie heute den selben Grad an Familienstabilität wie in den 1960ern, mit 750 000 weniger Kindern rechnen könnte, welche eine Klasse wiederholen müssen, mit 1.2 Millionen weniger Schulabbrüchen, 500 000 weniger Fällen von Jugendkriminalität, 600 000 weniger Kinder in einer Therapie und 70 000 weniger Selbstmordversuche im Jahr. 1960 lebte eines von zehn Kindern in einem Haushalt mit nur einem Elternteil, im Jahr 2000 waren es eines von vier Kindern (siehe auch diesen Artikel).

Eine Studie des amerikanischen Gesundheitsministeriums kommt zu folgenden Ergebnissen:

  1. Es gibt erheblich mehr Kindesmissbrauch und -vernachlässigung unter Stiefeltern und Nicht-Eltern (Adoptiveltern, Kinderheim, etc.), als unter verheirateten biologischen Eltern.
  2. Es gibt erheblich mehr Kindesmissbrauch und -vernachlässigung unter unverheirateten biologischen Eltern als unter verheirateten biologischen Eltern.
  3. Der gröbste Missbrauch und die dramatischste Vernachlässigung geht von Haushalten mit einer alleinerziehenden Mutter und ihrem im selben Haus wohnenden Freund aus (Männer, von denen erwartet wird, sich um Kinder zu kümmern, die nicht ihre eigenen sind).

Eine Studie der Psychologen Linda J. Waite, Don Browning, William J. Doherty, Maggie Gallagher, Ye Luo und Scott M. Stanley über Scheidungsfolgen ergab diese Resultate:

  1. Wenn ein Paar unglücklich verheiratet ist, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es fünf Jahre später glücklich verheiratet ist, bei 64%, wenn die Partner zusammenbleiben und bei nur 19%, wenn sie sich scheiden lassen und wieder heiraten.
  2. 21% der unglücklichen Partner, die sich scheiden ließen, berichteten von Gewalt des Ehemanns gegenüber der Ehefrau. Dies gilt für nur 9% der unglücklichen Partner, die verheiratet blieben.
  3. Wer unglücklich verheiratet ist, kann entweder nichts tun und abwarten, versuchen die Eheprobleme zu lösen oder andere Betätigungen finden, die einen glücklich machen. In allen Fällen wird die Ehe mit der Zeit glücklicher.

Eine Auswertung diverser Studien aus den Sozialwissenschaften von 16 amerikanischen Forschern kommt zu folgenden Ergebnissen:

  1. Die Ehe erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Väter gute Beziehungen mit ihren Kindern haben.
  2. Scheidung und Kinderaufzucht außerhalb der Ehe erhöht die Armut von Kindern und Müttern.
  3. Verheiratete Paare sammeln mehr Reichtum an im Durchschnitt als Singles oder zusammenlebende (aber unverheiratete) Paare.
  4. Verheiratete Männer verdienen mehr Geld als unverheiratete Männer mit einer ähnlichen Ausbildung und Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt.
  5. Verheiratete Menschen, vor allem verheiratete Männer, haben eine höhere Lebenserwartung, als ansonsten vergleichbare Singles.
  6. Ehe korreliert mit besserer Gesundheit und geringerem Aufkommen von Verletzungen, Krankheit und Behinderung für Männer und Frauen gleichermaßen.
  7. Scheidung erhöht signifikant die Selbstmordrate.
  8. Verheiratete Frauen erfahren mit geringerer Wahrscheinlichkeit häusliche Gewalt als mit Männern zusammenlebende Frauen oder Frauen, die sich mit Männern verabreden.
  9. Verheiratete Eltern korrelieren mit einem erheblich geringeren Risiko für Kindersterblichkeit.
  10. Außerhalb einer intakten Familie (mit verheirateten biologischen Eltern) aufzuwachsen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder sich scheiden lassen oder unverheiratete Eltern werden.
  11. Scheidung der Eltern (oder nicht erfolgte Heirat) scheint das Risiko von Schulversagen der Kinder zu erhöhen.
  12. Scheidung der Eltern reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder studieren und einen Job mit hohem Status bekommen.
  13. Kinder, die bei ihren eigenen verheirateten Eltern leben, sind im Schnitt physisch gesünder als Kinder in anderen Familienformen.
  14. Kinder, deren Eltern sich scheiden lassen, sind häufiger psychisch krank.
  15. Ein Kind, das nicht bei seinen verheirateten Eltern lebt, wird häufiger missbraucht.

Sonst noch was?

Die empirische Forschung zeigt nicht nur, dass Ehe glücklich macht, sondern auch, dass Kinder das Glück reduzieren. Einfach darum, weil Kinder die Eltern von den Tätigkeiten abhalten, die ihnen mehr Spaß machen würden als die Kinderaufzucht. Hat man nur sein unmittelbares individuelles Glück im Auge, sollte man zwar heiraten, aber keine Kinder bekommen. Auf jeden Fall sollte man verheiratet bleiben, außer in irgendwelchen außergewöhnlichen Fällen, mit denen Moralphilosophen so gerne ihre Zeit verbringen (z.B. was ist, wenn sich nach zehn Jahren Ehe herausstellt, dass die Frau eigentlich ein Schleimmonster vom Planeten Zorg ist, das sich lediglich in eine menschliche Hülle geworfen hat?).

Wann sollte man heiraten? Aus gesellschaftlicher Sicht wäre es besser, wenn man möglichst früh heiraten und Kinder bekommen würde, weil so die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Bestandserhaltungsgrad erreicht werden kann. Und ohne genügend Kinder ist die Zivilisation, die für das individuelle Glück eine Grundvorraussetzung ist und die genügend Mitglieder für die moderne Arbeitsteilung erfordert, am Ende. Mit anderen Worten: Kinder sind eine Langzeitinvestition, von der letztlich auch Individuen profitieren.

Ach, bin ich genial. Schade, dass mich jetzt auch der letzte säkulare Humanist verabscheuen dürfte, während mein Popularitätsgrad bei konservativen Christen gestiegen sein mag. Die Ehe ist (oder war) aus guten Gründen eine hochangesehene soziale Institution, die für den Erhalt und die Stabilität der Gesellschaft notwendig ist. Wenn meine Genossen von der Kritischen-Denker-Fraktion einmal, sagen wir, kritisch denken würden, auch wenn wissenschaftliche Erkenntnisse ihrer politischen Ideologie widersprechen, so würden sie meine christlichen Leser nur halb so genüsslich auslachen können.

Dass ausgerechnet Linke die Evolutionsbiologie propagieren und religiöse Konservative sie ablehnen sollten, ist eigentlich absurd, wenn man bedenkt, wem sie politisch eher Recht gibt. Der Psychologe Rolf Degen, dem es mit einem beachtlichen Durchhaltevermögen gelingt, meine wirren Gedanken in diesem Blog zu verfolgen und mich mit allerlei faszinierenden neuen Studien auszustatten, empfiehlt das folgende Buch zum Thema: Monkeys on Our Backs. Why Conservatives and Liberals are Both Wrong about Evolution von Richard Tokumei. Der Autor argumentiert und belegt darin, warum – kurz gesagt – konservative Politik sich evolutionär besser begründen lässt und auch besser funktioniert, während Linken Recht zu geben ist, was ihre prinzipielle Zustimmung zur Evolutionstheorie angeht, die US-Konservative tendenziell ablehnen.

Verrückte Welt. Auf gute Besserung und Amen.

Siehe außerdem meine Beiträge Lob der Ehe und Warum jetzt auch noch Ehe?

Übrigens: Verheiratete Männer haben außerdem häufiger und besseren Sex als Singles mit wechselnden Partnerinnen. Es lohnt sich also, zu würdigen, was man hat und das Leben zu nehmen, wie es ist.