LINKE: „Sie können uns mal“

Mit 76 Bundestagsmandaten (12,2%) ist die LINKE eine doch recht einflussreiche Partei, die sich solide über der 5%-Hürde postiert hat. Für eine so große Partei ist der Umgangston einiger ihrer Funktionäre bemerkenswert unprofessionell. Bei der Achse des Guten erfährt man von Henryk Broder, dass achgut-Leser Frank Hafermann der LINKE-Abgeordneten Inge Höger einen Brief schrieb, worin er ihre „israelkritische Haltung“ kritisierte. U.a. heißt es darin:

„Ich wünsche mir sehr, dass Sie bei der nächsten sogenannten Hilfsflotte von sogenannten friedliebenden Islamfreunden und anderen Gutmenschen natürlich mit an Bord sind und Israel die Flotte genauso gut aufbringt wie beim letzten Mal…“

Die Antwort fiel recht barsch aus:

=Herr Hafermann,
Bitte ersparen Sie sich die Mühe. Versuchen Sie, Ihre Zeit auf irgendeine Art vernünftig und für die Menschheit gewinnbringend einzusetzen, und versuchen Sie doch auch mal, nicht jeder Sau hinterher zu rennen, die der Pornoautor Broder und seine Jünger durchs Dorf treiben. Da Sie Teile Ihres Bewusstseins bereits versenkt haben, kann ich Ihnen den Wunsch, den Sie an Inge Höger haben, sich nämlich versenken zu lassen und die Klappe zu halten, nicht einmal vollumfänglich zurück erstatten. Mit Verlaub: Sie können uns mal…
Paul Grasse
Abgeordnetenbüro
Inge Höger MdB
DIE LINKE. im Bundestag
Mitglied im Verteidigungsausschuss=

Die Bemerkung mit dem „Bewusstsein“, das Herr Hafermann versenkt habe, mag Uneingeweihten rätselhaft erscheinen. Ein „falsches Bewusstsein“ haben wir aus Sicht der Linken; wir befinden uns in einem „Verblendungszusammenhang“. Wir erkennen nämlich nicht, wie uns der Kapitalismus unterdrückt und wie er den Menschen zur Ware degradiert. Wir leiden an einer vom Warentausch zwangsabstrahierten Verdinglichung.

Wer nun meint, dies klinge wenig überzeugend und irgendwie unvernünftig, der sei darauf hingewiesen, dass die Vernunft laut Adorno nach Auschwitz geführt hat, Hitler also sehr vernünftig war, also sollte man lieber unvernünftig sein. Die LINKE geht mit gutem Beispiel voran.

Die unfreundliche „Mit Verlaub“-Bemerkung geht auf Joschka Fischer zurück, der in seinen frühen Grünen-Tagen 1984 den damaligen Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen mit folgendem Zwischenruf adressierte: „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.“

Paul Grasse scheint daraus geschlussfolgert zu haben, dass man als Politiker nun alles sagen darf, was man will, wenn man nur „Mit Verlaub“ voranstellt. So ähnlich wie Soldaten, die glauben, man müsste nur „Bei allem nötigen Respekt“ voranstellen und dürfe dann seine vorgesetzten Offiziere beleidigen. Keine Ahnung, wie man zu solchen obskuren Schlussfolgerungen gelangen kann. Aber hier liegt ein Irrtum vor.

Die LINKE ist eines der größeren Nachteile, welche die Wiedervereinigung für die Westdeutschen hatte. Zum Glück können wir dieses Problem einfach lösen, indem wir die LINKE nicht wählen.