Der Mensch ist ein Sektierer

Gideon Böss hat kürzlich einen Beitrag auf seinem Blog veröffentlicht, in dem er ironisch das Verbot der Bibel forderte, weil darin im Namen Gottes allerlei Übeltaten verübt werden. Organisierte Atheisten haben schon ein paar Mal Indizierungsanträge bei der BPJM eingereicht, aber natürlich ist nichts daraus geworden. Man sollte wissen, dass diese Verbotsanträge nicht ernst gemeint sind, sondern auf Probleme aufmerksam machen wollen, zum Beispiel die Tatsache, dass Religionskritik unter Umständen strafbar ist (§166 StGB), die moralisch sehr fragwürdige Bibel oder das Christentum überhaupt von vielen ihrer Anhänger jedoch als nicht kritisierbar angesehen wird.

Unter dem Beitrag haben sich eine ganze Reihe von bedingt rationalen Kommentaren eingefunden, wie ich sie als langjähriger Religionskritiker gewohnt bin. In einem neuen Beitrag nennt Gideon Böss seine kritikunfähigen Kommentatoren „Wutbürger Christi„. Er schreibt darin: „Wutbürger Christi verhalten sich zu normalen Christen so, wie Randalierer zu gewöhnlichen Fußballfans. Sie sind peinlich, unangenehm und ruinieren den Ruf des eigenen Vereins.“

Meiner Erfahrung nach gibt es aber keinen Unterschied zwischen den sogenannten „Wutbürgern Christi“ und durchschnittlichen gläubigen Christen. Das ist die gewöhnliche Art, wie durchschnittliche gläubige Christen ihren Glauben gegen Kritik verteidigen. Mit Empörung, Ablenkungsmanövern, persönlichen Angriffen, Beleidigungen – so, wie die verbliebenen Anhänger von Karl Marx auf Kritik reagieren.

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Die schönsten vergessenen Begriffe

Ein "Ohnemichel" ist heute ein Bürger, der sich nicht ehrenamtlich engagiert. Ursprünglich war es ein Stigmabegriff für Pazifisten.

Ein "Ohnemichel" ist heute ein Bürger, der sich nicht ehrenamtlich engagiert. Ursprünglich war es ein Stigmawort für Pazifisten (Grafik: http://www.gemeinsinn.de)

In der politischen Diskussion der letzten 60 Jahre sind einige kreative Begriffe erfunden worden, die inzwischen nicht mehr oder kaum noch gebraucht werden. Hier ein persönliches „Best of“: Weiterlesen

The Next Osama bin Laden

„Du bist natürlich unter klassischen Terrorgesichtspunkten eine absolute Vollkatastrophe, aber ich finde das geil.“

„Ich kann mir mega vorstellen, dass ich mit dir in so einem vollbetankten Jumbo sitze und dann in ein vollbesetztes Footballstadion rein, also ich fänd das geil.“

Psychoanalyse

Ein freundlicher Kommentator wies mich darauf hin, dass ich „unter Berufung auf den Antisemiten Onfray die Psychoanalyse als Pseudowissenschaft“ diffamiere. Es ist so erstaunlich logisch: Sigmund Freud war ein Jude und wer ihn kritisiert, tut das also nur, weil er etwas gegen Juden hat. Welchen Grund sollte es auch geben, das Werk individueller Menschen, die zufällig Juden waren, zu kritisieren, außer jenem, dass man Juden hasst?

Auch Karl Marx stammte aus einer Rabbinerfamilie – und auch den Marxismus kritisiere ich verdächtig häufig. Und in der Giordano Bruno Stiftung war ich auch einmal und von der hieß es, sie wäre antisemitisch, weil diese religionskritische Stiftung neben anderen Religionen auch das Judentum gelegentlich kritisiert.

Es passt alles zusammen! (Abgesehen von der militanten Verteidigung Israels auf diesem Blog und den wütenden Beiträgen gegen Antisemitismus und der Tatsache, dass der Hauptcharakter eines meiner Bücher jüdisch ist – aber das ist alles nur Ablenkung!). Sollte sich jemand für eine Kritik an der Psychoanalyse interessieren und dabei auf Michel Onfray verzichten wollen, so gibt es allerdings haufenweise Alternativen. Hier ein paar der Bücher, die ich gelesen habe und empfehlen kann: Weiterlesen

Adorno nicht verstanden?

In einer Facebook-Diskussion hieß es als Kritik an meinem letzten Beitrag über die LINKE, ich hätte den Philosophen Theodor Adorno, ein einflussreicher Theoretiker für die 68er-Studentenbewegung, nicht verstanden. Aber das ist ein Irrtum, denn wer meint, es gäbe an Adorno irgendetwas zu verstehen, der hat Adorno nicht verstanden.

Die Kritik der radikalen Katholiken des 18. Jahrhunderts an der Aufklärung war rationaler als die wohl einflussreichste Schrift der modernen Aufklärungskritik. Weiterlesen